Plan D von Simon Urban

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 bei Schöffling.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland, 2010 - heute.

  • Frankfurt am Main: Schöffling, 2011. ISBN: 978-3895611957. 550 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: Random House Audio, 2011. Gesprochen von Götz Schubert. gekürzt. ISBN: 3837109453. 6 CDs.

'Plan D' ist erschienen als Hardcover Hörbuch

In Kürze:

Ostberlin 2011: Die Wiedervereinigung hat es nie gegeben, Egon Krenz ist seit 22 Jahren an der Macht und die DDR nahezu pleite. Die Hauptstadt: ein maroder Moloch, verpestet und verdreckt von Millionen Ölmotoren des Trabant-Nachfolgers Phobos. Die letzte Chance für den Sozialismus: Wirtschaftsverhandlungen mit der BRD und ihrem Bundeskanzler Oskar Lafontaine. Doch dann wird ein ehemaliger Berater von Krenz ermordet aufgefunden – und alles weist darauf hin, dass die Täter aus den Reihen der Stasi kommen. Als auch noch der SPIEGEL über diesen Fall berichtet, ist klar: Wird die Unschuld der Stasi nicht bewiesen, ist die DDR endgültig erledigt. Im grauen, zerfallenden Ostberlin suchen Martin Wegener von der Volkspolizei und sein westdeutscher Kollege Richard Brendel nach den Mördern – und finden heraus, warum die Entwicklung der DDR so katastrophal verlaufen musste.

Das meint Krimi-Couch.de: »Gelungene Histo-Fiction« 89°Treffer

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Was wäre, wenn? – ist die Frage, die wohl jeder Science-Fiction-Autor bei der Konzeption einer Geschichte vor Augen hat. Zum Beispiel im Sinne von: Was wäre, wenn die Menschheit die bemannte Raumfahrt über unser eigenes Sonnensystem hinaus entwickelt hätte? Oder was wäre, wenn wir Besuch aus dem Weltall bekämen? Aktuelle Autoren widmen sich des öfteren der Frage: Was wäre, wenn globale Katastrophen, welcher Art auch immer, zu tiefgreifenden Veränderungen im sozialen Gefüge führten? Sie beschreiben Endzeitszenarien, die nicht selten mit dystopischen Gesellschaften einhergehen. Eine historische Spielart dieser Fiktionen könnte man vielleicht als »Histopie« bezeichnen. Eine der bekanntesten dürfte wohl der Roman Vaterland von Robert Harris sein, der von der Prämisse ausging, Nazi-Deutschland hätte den Zweiten Weltkrieg gewonnen. Vaterland scheint dem deutschen Autor Simon Urban als Inspiration für seinen Plan D gedient zu haben, denn die Romane weisen einige Parallelen auf. Plan D beschäftigt sich mit der irrationalen Frage: Was wäre, wenn es vor gut zwanzig Jahren die Wiedervereinigung beider deutscher Staaten nicht gegeben hätte? Die DDR im Jahre 2011 ein souveräner Staat? Der »Antiimperialistische Schutzwall« ist wieder geschlossen?

Wer eine Fantasiewelt entwickelt, der darf sie auch nach seinem Gusto gestalten. Diesen Freiraum weiß Simon Urban trefflich zu nutzen. Sein fiktives Staatsgebilde entwickelt er aus einer Fortschreibung des Status Quo der DDR in den 1980er Jahren, kombiniert sie mit mehr oder minder gelungenen Reformansätzen in späteren Zeiten zu »seiner neuen« DDR. Um seine Geschichte gar nicht erst an historischen Tatsachen messen zu lassen, hat Urban ihr die Form einer Politsatire gegeben.

DDR  späte 1980er Jahre. Die massiven Bürgerproteste münden nicht in die lang ersehnte Wiedervereinigung. Erich Honecker wird allen seiner Ämter enthoben. Egon Krenz tritt Honeckers Nachfolge als Staatsratsvorsitzender an. Er verspricht Reformen. Nach einer kurzzeitigen Maueröffnung, bei der es zu einem Massenexodus kommt, lässt Krenz die Grenzen wieder schließen. »Wiederbelebung« nennt er sein Reformprogramm und versichert sich zu dessen Verwirklichung der aktiven Unterstützung namhafter westdeutscher Politiker. Otto Schily löst Erich Mielke als Minister für Staatssicherheit ab, Gregor Gysi wird Ministerratsvorsitzender, nur mit Sahra Wagenknechts politischer Karriere will es nicht so recht klappen, aber dafür reüssiert sie als Schauspielerin. Die »neue« DDR ist nicht gerade fortschrittlicher, aber moderner. Der Trabi-Nachfolger Phobos -in verschiedenen Modellen erhältlich – fährt mit Rapsöl. Das russische Satellitennavigationssystem Glonass ist schon eingeführt. Mobiltelefone heißen hier nicht Handys sondern »Minsk« – in verschiedenen Modellen erhältlich. Die BULETTA-Imbiss-Kette serviert den WartBurger TS + mittlere Club-Cola zum Sparpreis. Zwischen Alt und Neu wurschtelt sich die DDR so durch, hängt aber weiterhin am Subventionstropf der BRD. Dort regiert zum Glück ein ihr wohlgesonnener Bundeskanzler namens Lafontaine.

DDR  Ende Oktober 2011, nahe Berlin. Im Sperrgebiet entlang der Interzonen-Gaspipeline am Müggelsee wird die Leiche eines älteren Mannes entdeckt. Aufgehängt an einem Strick mit achtfachem Galgenknoten, die Schnürsenkel der Schuhe zusammengebunden.

»Das sieht ganz nach Stasi aus. So hat die Staatssicherheit früher ihre eigenen Leute liquidiert.«

denkt Martin Wegener, Hauptmann der Volkspolizei, Kommissariat Köpenick, der die Ermittlungen koordinieren muss. Wie sich schnell herausstellt, handelt es sich bei dem Toten um Professor Albert Hoffmann, ein ehemaliger Politikwissenschaftler an der Uni Heidelberg, der Anfang der 1980er Jahre in die DDR überwechselte und während der Zeit der »Wiederbelebung« ein enger Berater Egon Krenz´ war. Ein politisch motivierter Mord mit möglicherweise Stasi-Hintergrund passt Martin Wegener nun überhaupt nicht in den Kram, sieht er schon all die Fallstricke, die auf ihn lauern. Zusätzliche Brisanz erhält der Fall, weil auch die BRD ein besonderes Interesse an seinem Ausgang äußert. Eine Täterschaft der Stasi würde die gerade stattfindenden innerdeutschen Konsultationen torpedieren. So reisen aus Pullach und West-Berlin zwei Sonderermittler an, die Wegeners Ermittlungen nicht nur unterstützen, sondern ihm auch auf die Finger schauen sollen. Um dem oder den Täter(n) auf die Spur zu kommen, gilt es, erstmal zu klären, warum Hoffmann überhaupt sterben musste. Das deutsch-deutsche Team verirrt sich zunehmend im Dickicht von Informanten, Denunzianten, Stasi-Seilschaften und der ominösen Brigade »Alexander Bürger«. Selbst das Opfer hat mehr als eine Identität.

Martin Wegener ist der Erzähler und Held in Simon Urbans Persiflage auf den DDR- Staat. Dass Wegener ausgerechnet Volkspolizei-Hauptmann in Köpenick ist, kommt wohl nicht von ungefähr. Carl Zuckmayer benutzte die Figur des Hauptmannes von Köpenick in seiner gleichnamigen Tragikomödie indirekt, um den Militarismus in der Preußischen Gesellschaft bloßzulegen.

Eine ähnlich Aufgabe erfüllt auch Urbans Hauptmann Wegener. Der kleine Beamte ist zwar nur ein Rädchen im Getriebe des unüberschaubaren Überwachungsapparates, aber in dieser Funktion entlarvt er das Innenleben eines totalitären Staates mit all seinen Schikanen, seiner Willkür und seinen Repressionen. Wegener, von Natur aus ein Skeptiker, entwickelt sich zum großen »Misstrauer«, wie er sich selbst nennt. Ein Schlüsselerlebnis war für ihn das unerklärliche Verschwinden Josef Früchtls, seines Mentors bei der Volkspolizei, mit dessen Geist er immer noch in regem Austausch steht. Dieser mahnt ihn beständig, vorsichtig zu sein. Was auch von Nöten ist, denn Wegener weiß bald nicht mehr, Freund von Feind zu unterscheiden.

Mit Plan D ist Simon Urban der ganz große Wurf geglückt. Nur selten gelingt es, eine spannende abwechslungsreiche Krimihandlung, einen originellen Plot und unbequeme Wahrheiten in ein humorvolles Ambiente zu packen und allen Komponenten gerecht zu werden. Es ist eine vergnügliche Lektüre, bei der es viel zu schmunzeln gibt, aber eben auch diese Situationen, in denen einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Urbans Beschreibung eines geheimen Stasi-Gefängnisses treibt den Irrsinn auf die Spitze. Wortreich und wortgewandt zelebriert er ein Labyrinth des Schreckens, in dem selbst die Stille zur Folter wird.

In Szenen wie diese kann Urban seine immense Ausdruckskraft entfalten.wobei er nicht nur das ganze Potenzial der deutschen Sprache ausschöpft, sondern diese auch mit eigenen Wortkreationen ergänzt, was nicht jedermanns Geschmack treffen wird. Manchmal verliert sich Simon Urban leider in seiner Wortverliebtheit und als Leser wünscht man sich anstatt der vielen Kommas einen Punkt, aber das mag seinem Enthusiasmus für dieses Thema geschuldet und deshalb verzeihlich sein.

Plan D ist ein Roman, den man wegen seines Detailreichtums gerne noch ein zweites oder drittes Mal lesen wird. Der Kriminalfall rückt im Laufe des Geschehens zwar nicht in den Hintergrund, aber letztendlich ist es egal, wer den Professor umgebracht hat. Martin Wegener sucht einen Mörder und findet eine Ideologie, deren praktische Umsetzung zum Scheitern verurteilt ist, weil …

»Wer die Vergangenheit nicht kennt,
ist dazu verurteilt, sie zu wiederholen.«
(George Santayana  Widmung, dem Roman vorangestellt)

Jürgen Priester, Dezember 2011

Ihre Meinung zu »Simon Urban: Plan D«

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Matthias Görtz zu »Simon Urban: Plan D« 07.04.2012
Die Idee fand ich faszinierend, die Handlung eigentlich nicht schlecht gestrickt - aber die alles überlagernden Sexphantasien öden den Leser schnell an. Vielleicht hätte sich der Autor darauf beschränken sollen, das Ganze auf der Hälfte der Seiten knackiger zu fassen, mit weniger Worten auf den Punkt zu bringen. Das läse sich weit spannender. Mehr ist dazu eigentlich gar nicht zu sagen.
bunbury zu »Simon Urban: Plan D« 31.03.2012
für alle interessenten dieses buches:
ein kriminalroman ist das meiner meinung nach nicht, eine satire habe ich auch nicht gelesen.
ich möchte mich hier nicht in ellenlangen beschreibungen des buches ergehen
( " marius", wozu das ganze? die beschreibung hat doch schon der rezensent der krimicouch geliefert).
die wortkreationen sind recht witzig und wer die ddr ein bißchen kennt, wird da schon seinen spaß haben. phasenweise!
die seitenlangen reflektionen des protagonisten fast ohne punkt und komma und meistens ohne absätze über
seine verflossene liebe, wirtschaft, politik und allgemein über gott und die welt sind nur nervig. da hat der leser das gefühl, hier müssen seiten gefüllt werden.
alles in allem bleibt für mich nach dem lesen ein sehr ambivalentes gefühl zurück. einerseits ein recht interessantes buch wg. der ausgangslage und der fantasie des autors, andererseits in langen passagen einfach nur langweilig.
möge sich jeder ein eigenes urteil bilden. ;-))
tom_ate zu »Simon Urban: Plan D« 27.01.2012
Das Hörbuch "Plan D" wird von Götz Schubert vorgetragen.

Warum ich das zuerst schreibe?

Götz Schubert ist es, der aus dieser an sich schon hervorragenden Fiktion (die DDR besteht heute noch) einen absoluten Hörgenuß zaubert. Jeder einzelnen Person verleiht er eine andere Stimme, jeder Situation paßt er sich grandios an. Spannend, witzig, brutal.

Ich kenne kein Buch, daß gleichzeitig so humorvoll an vielen Stellen ist, andererseits aber den gnadenlosen Terror der Stasi so verdeutlicht unf fühlbar macht.

Wenn man sich verdeutlicht, dass die damaligen Täter des Ministeriums für Staatssicherheit noch heute teilweise die Fäden in einigen Verwaltungen in der Hand haben und ihre Netzwerke pflegen, dann kommt Beklemmung hoch.

99° von mir für das Hörbuch.
Marius zu »Simon Urban: Plan D« 18.01.2012
Was wäre wenn? Wie oft hat sich nicht jeder von uns die Frage gestellt - Ja was wäre eigentlich, wenn …? Schon oft wurde diese Frage auch in der (Kriminal-)literatur erörtert, man erinnere sich nur an den großartigen Wurf von Robert Harris‘ „Vaterland“ in dem er sich die Frage stellte: „Was wäre eigentlich, wenn Hitler den zweiten Weltkrieg gewonnen hätte?“
Dieser Tage ist ein Werk erschienen, das manchen krimiaffinen Leser stark an Harris‘ Fiktion denken lässt. Diesmal heißt das Reich, das in Simon Urbans „Plan D“ tapfer weiterbestehen darf, DDR und ist auch im Jahre 2011 trotz Maueröffnung in den Neunzigern immer noch nicht am Ende. Egon Krenz darf den sozialistischen Staat weiterregieren und nach einer kurzen Tauphase, in der die Mauer in nach 1989 offenstand und alles möglich schien, wurde die Grenze vom SED-Regime wieder dichtgemacht, als sich die Bevölkerung auf erschreckende Weise in den Westen verflüchtigte. Nun stehen im Oktober 2011 Sondierungsgespräche zwischen den beiden deutschen Teilstaaten an, bei denen es, wie sollte es anders sein, um die Energieversorgung des Westens geht. Zwar heißt der Mann an der Spitze der BRD inzwischen Oskar Lafontaine (sic!), doch die Probleme in den beiden Staaten sind dieselben: Der Osten braucht Geld und hat dafür eine Gaspipeline aus Russland, der Bruderstaat braucht das Gas und hat das Geld. Man scheint sich bereits handelseinig und erneut hat sich politisches Tauwetter angekündigt, das eine weitere Annäherung der Bruderstaaten in greifbare Nähe rücken lässt, da kommt nun, wenige Tage vor den wohl wichtigsten Verhandlungen in der Geschichte der beiden Staaten, eine delikate Angelegenheit natürlich denkbar schlecht daher.
An der besagten Gaspipeline wird eine erhängte Leiche aus dem Politbüro von Egon Krenz entdeckt, ein ehemaliger Berater, der damals zur Zeit der Grenzöffnung in den Neunzigern mit dem sanften Wandel des sozialistischen Staates betraut war. Der geschasste Kommissar wird nun mit der Aufklärung dieses offensichtlich von ehemaligen Stasi-Kadern durchgeführten Mordes beauftragt, ein Himmelfahrtskommando par Excellence: Beide Staaten sind an der raschen Aufklärung des Mordes interessiert, doch die Stasi sollte mit der Angelegenheit natürlich nicht in Verbindung gebracht werden, da dies die Annäherung von BRD und DDR um Jahre zurückwerfen würde. Um größtmögliche Transparenz zu gewährleisten, werden Wegener schon bald ein Partnerermittler aus Westberlin und ein BND-Agent zur Seite gestellt, die zusammen diese unappetitliche Geschichte rasch und lückenlos aufklären und einen Sündenbock für den Mord finden sollen. Doch wo auch Wegener überall forscht und ermittelt, stets rennt er mit seinen Partner gegen verschlossene Türen, da die Stasi mauert und keiner an der richtigen Aufklärung des Pipeline-Mordes interessiert scheint.
Erste Spuren führen zu einem westdeutschen Solarunternehmen, das natürlich keineswegs an einer Gaspipeline aus Russland Interesse hegt, alten sozialistischen Kadern und zu einer Doppelexistenz des Toten, der sich offenbar jahrelang als Gärtner im DDR-Regierungsviertel verdingte. Doch trotz aller Hinweise und Fakten drehen sich die Ermittler im Kreis und es scheint, als würde die Leiche auf ewig ihre Geheimnisse behalten …
Müsste ich meinen Kriminalroman des Jahres wählen, wäre dies wohl momentan der heißeste Anwärter (in der Kategorie National hätte er den Preis bereits errungen)! Selten stößt man in der Literatur auf ein derart schlüssiges, fesselndes und komplexes Bild, das ein Autor zu zeichnen vermag.
Man kann diesen Roman als vieles Lesen: Sozialistische Utopie, Kriminalroman oder Dramödie, Urban bietet in seinem Erstling wohlgemerkt ein faszinierendes, schlüssiges und auch beängstigendes Denkgebäude auf, dass da anfängt, wo die DDR aufhörte. Die Einfälle, mit denen der Berliner seine Fiktion würzt, sind hervorragend und wirklich humorvoll und zu viele, um sie hier aufzuzählen. Es seien an dieser Stelle nur genannt: Wolfgang Lippert moderiert weiterhin „Wetten, dass …?“, eine Physiknobelpreisträgerin Angela Kasner bewirbt den volkseigenen Phobos, eine Trabant-Weiterentwicklung die mit Frittierfett läuft, im angesagten Club „Molotow“ wird an der BIONIER-Brause genuckelt und Sahra Wagenknecht wird Filmstar. Doch all diese Ideensprengsel sind nur minimales, schmückendes Beiwerk, denn Urban lässt sich nicht von seiner Fiktion alleine tragen, das Grundgerüst ist die Kriminalhandlung rund um die Geheimnisse des erhängten ehemaligen Krenz-Beraters, und diese ist ihm wirklich ausnehmend gut gelungen.
Zu rühmen ist auch die Dialogkunst Urbans, die für mich zum Besten zählt, was momentan auf dem Markt zu kaufen ist und sich nach meinem Dafürhalten auch mit Meistern wie Richard Price messen lassen kann. Die Wortgefechte sind auf den Punkt und zeigen einen verbitterten und desillusionierten Cop Martin Wegener, der vom System um seine Karriere und seine private Existenz gebracht wurde und nun zum Zyniker geworden ist. Mag man auch der ständigen Reflektionen Wegeners über das System, seine Liebe und die irgendwann überdrüssig sein, sie sind nur konsequent und zeichnen das glaubwürdige Portrait eines Mannes, der nur noch raus aus dieser Tretmühle Sozialismus will. Neben den scharf und nuanciert gezeichneten Charakteren kommt bei diesem Roman alles zusammen, was zusammen kommen muss, um eine herausragende Lektüre zu werden. Schlüssig fügt sich Puzzleteilchen an Puzzleteilchen und am Ende entsteht das Bild eines komplexen aber nie komplizierten Falles, der gekonnt den Bogen vom Anfang zum Ende spannt. Ein Roman, der für mich so hoch wie der Berliner Fernsehturm auf dem Cover über die kriminalliterarische Dutzendware von Serienkillern, depressiven Pathologen und anderen Belanglosigkeiten hinausragt - So muss ein Kriminalroman der Extraklasse sein und so ist es Simon Urbans „Plan D“ auch!
Anja S. zu »Simon Urban: Plan D« 15.01.2012
Die Grundidee dieses Buchs ist gut ausgedacht, sie erinnert dabei an "Vaterland". Wer die DDR noch miterlebt hat, wird vieles wieder erkennen und einiges sehr komisch finden (die Bezeichnung "Minsk" für ein Handy ist echt klasse!!!), für die "Nachgeborenen" könnte dies schwierig werden. Leider ist das Buch um ca. 1/3 zu lang, die teils seitenlangen Reflektionen über die verlorene Liebe Karolina gingen mit zunehmend auf die Nerven, zumal die Spannung deutlich darunter leidet.
DrWatson zu »Simon Urban: Plan D« 10.12.2011
Das Buch ist ein Hochgenuss! Sicher für mich, der noch die DDR erlebt hat, aber auch für alle, die sich an einer gekonnt inszenierten "WAs wäre, wenn"-Situation erfreuen können.
Die vielen stimmigen Details sind es, die das Buch auch zu einem kabarettistischen Lesevergnügen werden lassen, wenn etwa Sahra Wagenknecht im DEFA-Film "Red Revange" in der Rolle der Laura Kraft den imperialistischen Weihnachtsmann, verkörpert von Peter Sodann, erledigt.
Der Krimi selber ist clever, aber nicht überclever konstruiert, d.h. als erfahrener Krimileser ahnt man möglicherweise, wer hier sein falsches Spiel treibt. Das ist aber in der Tat gar nicht mehr so wichtig, weil der historisch-politische Teil des Buches so intelligent konstruiert ist, daß man diesen Gedanken des Autors gerne folgt.
Ein paar weniger fabulöse Fabulierungen wären sicher auch gut gewesen, aber sei es drum: Das Buch ist einer meiner diesjährigen Favoriten für meine persönliche Bestenliste im Krimi-Bereich.
MS zu »Simon Urban: Plan D« 16.11.2011
Ist dieses Buch ein Krimi? Ein Mord geschieht und ein Kriminal-Polizist ermittelt. Klingt nach einem Krimi. Dennoch ist dieses Buch sehr viel mehr als ein normaler Kriminalroman.
Simon Urban lässt in „Plan D“ die DDR wiederauferstehen. Eine DDR im Jahr 2011 - die Wiedervereinigung fand nicht statt, Egon Krenz hat politisch überlebt und die Stasi ist immer noch omnipräsent. Urban gelingen stellenweise so präzise Beschreibungen des trostlos vor sich hin bröckelnden Alltags mit seiner ganzen gefühlten Ausweglosigkeit, dass es jedem der es erlebt hat kalte Schauer über den Rücken jagt. Durch diesen für einen Krimi eher ungewohnten kontrafaktischen Rahmen jagt Urban ein ungleiches Pärchen. Dem ermittelnden Hauptmann der Volkspolizei – wie es sich für Krimis heute gehört, ein ziemlich abgewrackter desillusionierter Typ – stellt er einen strahlenden „West“-Kollegen an die Seite. Gemeinsam hetzen die beiden durch eine Szenerie in der nichts so ist wie es scheint und Gewissheiten höchsten ein bis zwei Seiten Bestand haben. Insgesamt ist das für alle die die DDR noch erlebt haben ein echter Schocker, für alle die die beschriebenen Zustände nicht mehr selbst erlebt haben ein sehr kurzweiliger Thriller.
Einzige kleine Wehrmutstropfen: wie es sich für einen „diplomierten Literaten“ gehört packt der Autor alles in Bilder, ab der Hälfte nervt das ein wenig und wie immer bei deutschen Autoren, kann auch Urban die Fachtermini „vollautomatische Waffe“, Pistole und Revolver nicht auseinanderhalten.
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