Bad Traffic von Simon Lewis

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel Bad Traffic, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Rowohlt.
Folge 1 der Inspector-Jian-Serie.

  • London: Sort Of, 2008 unter dem Titel Bad Traffic. 443 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2009. Übersetzt von Silke Jellinghaus. ISBN: 978-3-499-24953-2. 443 Seiten.

'Bad Traffic' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

DIESER MANN KOMMEN AUS CHINA ZU FINDEN TOCHTER. SIE GROSSE GEFAHR. ER NICHT SPRECHEN ENGLISCH.

Einen altgedienten Polizisten wie Inspektor Jian kann kaum etwas aus der Ruhe bringen. Aber als seine Tochter ihn per Handy panisch um Hilfe bittet, weiß er sofort: Er muss zu ihr, sonst passiert etwas Schlimmes. Und so macht er sich auf, in jenes fremde, gefährliche Land am anderen Ende der Welt… In Heathrow angelangt hat Jian gerade einmal Geld für ein Taxi. Englisch spricht er nicht, er kann die Schrift nicht lesen, kennt keinen Linksverkehr, weiß Polizisten nicht von Automechanikern zu unterscheiden –eigentlich ist Jian vollkommen hilflos. Seine einzigen Waffen: eiserne Entschlossenheit und all die Techniken des physischen und psychischen Kampfes, die er während der Kulturrevolution gelernt hat…

Das meint Krimi-Couch.de: »Drei Chinesen in England« 70°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Simon Lewis ist 1971 in Wales geboren, ein Reiseschriftsteller, der zwischen London und Asien pendelt. Viel mehr verrät uns sein Verlag nicht über ihn, außer dass Bad Traffic den Auftakt einer Serie um den chinesischen Kommissar Jian bildet.

Und dieser Jian begibt sich in Bad Traffic nach England, um seine Tochter zu suchen. Ein Hilferuf per Telefon hatte ihn alarmiert und prompt setzte er sich in den nächsten Flieger, obwohl er kein einziges Wörtchen englisch sprechen kann. Ein wenig »lost in translation« wühlt er sich durch die Gegend und findet eine Spur, die ihn zu einem chinesischen Restaurant führt. Dort hat seine Tochter gearbeitet, aber nun ist sie verschwunden. Doch auch hier gibt es Spuren, die dem Kommissar weiterhelfen.

Schnitt

Ding Ming und seine Frau Little Ye sind von einer Schlepperbande nach England gebracht worden, um dort für Hungerlohn Sklavenarbeiten auszuführen. Doch kaum angekommen, werden die beiden voneinander getrennt. Ding Ming, der in der Heimat ein wenig englisch gelernt hat, wird von seinem Bewacher Kevin damit vertröstet, dass er nach gewissen sexuellen Gefälligkeiten mit seiner Liebsten telefonieren kann. Doch plötzlich sieht er sich mit einem anderen Chinesen konfrontiert, einer der nicht mit ihm illegal nach England geschleust wurde: Kommissar Jian.

Nach rund hundert Seiten Vorgeplänkel geht es zur Sache. Jian entführt Ding Ming aufgrund dessen Sprachkenntnisse und fährt mit ihm zu einer Farm, auf der sich der dritte Chinese, ein Mann namens Black Fort, aufhalten soll. Black Fort verdient sein Geld mit Schutzgeldern und Menschenschmuggel. Mit geklauten Autos jagen die beiden durch die Nacht, auf der Flucht vor ihren Verfolgern und auf der Hut vor der englischen Polizei.

Reise in die englische Gegenwart

Mitunter gibt Lewis seinem Roman komödiantische Züge. Als hätte er Rosendörfers Briefe in die Chinesische Vergangenheit gelesen, kommentiert er einige Begebenheiten und Besonderheiten der englischen (bzw. allgemein westlichen) Gesellschaft auf eine unbedarfte Art. Zum Glück übertreibt er es hiermit aber nicht zu sehr. Schlimmer ist da die dämlich-naive Art von Ding Ming, der seinen Landsmann immer wieder in Schwierigkeiten bringt, sich von absolut trotteligen Gedankengängen leiten lässt und schwerster Demütigung immer noch Vertrauen zu seinem Peiniger Kevin hat.

Aber Naivität und Leichtgläubigkeit sind die Charakterzüge, ohne die dieser Roman nicht funktionieren könnte. Auch eine andere Hauptperson, Jians Tochter Wei Wei, ist nicht gerade eine Ausgeburt menschlicher Intelligenz. Über lange Strecken ist Bad Traffic ein recht guter Thriller, doch einige Schnitte sind zu hart. Auf einmal langweilt der Autor mit irgendwelchem Vorgeplänkel, zu oft schildert er Situationen aus zwei unterschiedlichen Perspektiven. So bleibt der Roman davon entfernt, ein echter Knaller zu sein, aber eine nette Strandlektüre ist er im diesjährigen Lesesommer allemal.

Thomas Kürten, Juli 2009

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Tom Wagenbach zu »Simon Lewis: Bad Traffic« 04.01.2012
Für mich war BAD TRAFFIC das, was er für Thomas Kürten nicht war, ein echter Knaller.Vorgeplänkel war da keins, Mir war auch kein Schnitt zu hart und wenn verschiedene Perspektiven einen gemeinsamen Focus haben, dann ist mir das, was TK daran gelangweilt hat, vielleicht entgangen.Der Showdown ist rasant und mitreissend und am Ende die Aussicht auf eine entspannende Zigarette, das finde sehr gelungen.9 von 10 Sternchen
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