Keine Leiche in Amsterdam von Simon de Waal

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 unter dem Titel Boks ond de lege kamer, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: Niederlande / Amsterdam, 1990 - 2009.

  • Baarn: De Fontein, 2005 unter dem Titel Boks ond de lege kamer. 173 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2007. Übersetzt von Thomas Hauth. 201 Seiten.

'Keine Leiche in Amsterdam' ist erschienen als

In Kürze:

Es ist tief in der Nacht, als sie erschreckt aus einem Albtraum erwacht. Selbst in den Bars auf der Utrechtsestraat ist es totenstill. Nur widerwillig verlässt sie ihr Zimmer in dem billigen Hotel, um das Bad auf dem Flur aufzusuchen. Eine halb offene Tür macht ihr Angst, dennoch hält sie inne, will sie sich vergewissern, dass niemand dort lauert. Was sie sieht, lässt sie erstarren: das Bett – rot von Blut. Sie will weg aus diesem Flur, aber sie bleibt – und schreit. Nur wenig spä­ter trifft die Polizei ein. Inspecteur Martin Boks untersucht den Ort, an dem offensichtlich ein Verbrechen geschah: Blutspuren an den Wänden, Spritzer auf den Laken, Tropfen auf dem Boden. Jemand, der so viel Blut verloren hat, kann nicht mehr leben. Doch was fehlt, ist eine Leiche.

Das meint Krimi-Couch.de: »Der holländische Autor enttäuscht ein wenig« 60°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Auf rund 200 sehr großzügig gedruckten Seiten spielt Keine Leiche in Amsterd des bekannten holländischen Autors Simon de Waal, der vor allem als Drehbuchautor in seinem Heimatland große Erfolge feiern konnte. Bei uns kennt man de Waal vor allem als Partner von Dick van den Heuvel, die mit ihren glänzenden historischen Krimis aus der »C.J.-van-Ledden-Hulsebosch”-Reihe überzeugen konnten. Dies gilt für den Auftaktroman der «Kommissar-Boks»-Reihe nur bedingt.

In einem heruntergekommenen Hotel in der Utrechtsedwarsstraat in Amsterdam sucht die amerikanische Touristin Rachel mitten in der Nacht die Etagentoilette auf. Als sie an einer offenstehenden Zimmertür vorbeikommt, wirft sie fast automatisch einen flüchtigen Blick in das Hotelzimmer und sieht förmlich rot. Blut soweit das Auge reicht. Nachtportier David alarmiert die Polizei und wenig später steht Kommissar Martin Boks vor einem großen Rätsel, denn wenngleich offenbar die hohen Blutmengen auf ein Kapitalverbrechen schließen lassen, so fehlt doch das Entscheidende; die Leiche. Rachel war der einzige Gast in dieser Nacht und kann sich an nichts erinnern, da sie am Abend in einem Coffeeshop zu viel getrunken und geraucht hat. Auch David will nichts mitbekommen haben, er sei wohl bei der Arbeit eingeschlafen. Keine Leiche und zwei Zeugen die nichts gesehen und gehört haben, für Boks ein Grund mehr, sich intensiv auf die Suche nach dem Opfer zu machen – und seinem Mörder.

Die Leiche wird erst unmittelbar vor Ende des Romans entdeckt, dessen Handlung sich bis dahin ein wenig in die Länge zieht. Kommissar Boks ermittelt und klärt den Fall mit dankbarer Unterstützung des schon legendären Kommissars Zufall auf, wobei man fairerweise zugeben muss, dass es im wirklichen Leben manchmal eben so läuft. Doch in einem Roman erwartet man halt einfach ein bisschen mehr, als «den einfachsten Weg», denn der Autor hat ja genügend Zeit, sich einen ordentlichen Plot mit einer ebensolchen Auflösung auszudenken. Gut dargestellt wird die Ermittlungsarbeit (de Waal arbeitet bei der Amsterdamer Kriminalpolizei), gepaart mit reichlich Lokalkolorit und einem durchaus sympathischen Ermittler. Boks, der Einzelgänger, der sich gerne über bestehende Regeln hinwegsetzt und kaum Schlaf findet, außer gelegentlich in seinem alten Mercedes, kommt gut rüber. Klar, ein Querdenker gegen das Establishment hat immer Sympathiepunkte, man hält halt gerne zu den vermeintlichen «Underdogs". Doch Boks ist vor allem ein erfolgreicher Ermittler, der bislang noch jeden Fall gelöst hat. Den vorliegenden Fall allerdings … aber das hatten wir ja schon.

Es sah aus, als würde Boks sich jedes Detail einprägen. Willem schaute zu und lernte. Das will ich auch mal können, dachte er bei sich.

Sprachlich enttäuscht Simon de Waal und erinnert an einen simplen TV-Krimi-Plot. Man merkt, dass hier vor allem ein erfolgreicher Drehbuchautor am Werk war, denn für eine 60-Minuten-Folge im Fernsehen ist Keine Leiche in Amsterdam bestens geeignet. Gut also, dass die Krimiserie um Martin Boks verfilmt wird, dann passt es ja. Da, wie schon eingangs erwähnt, der Druck sehr großzügig ausfiel, ist man bei normalem Lesetempo nach rund drei Stunden mit der Lektüre durch. Für eine entsprechend lange Bahnfahrt zu empfehlen, ansonsten eher Durchschnitt, zumal nur eine Handvoll mitwirkender Figuren die »Lösung« des Falles nicht unbedingt erschweren.

Jörg Kijanski, März 2011

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ansamalu zu »Simon de Waal: Keine Leiche in Amsterdam« 26.01.2008
Ruhig und trotzdem fesselnd oder gerade deshalb so spannend. Das Buch fasziniert von der ersten bis zur letzten Seite. Man kann Amsterdam förmlich fühlen
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