Verwesung von Simon Beckett

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel The calling of the grave, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei Wunderlich.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 4 der David-Hunter-Serie.

  • New York: Bantam Press, 2010 unter dem Titel The calling of the grave. 480 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Wunderlich, 2011. Übersetzt von Andree Hesse. ISBN: 978-3805208673. 480 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: Argon, 2011. Gesprochen von Johannes Steck. ISBN: 3839810876. 6 CDs.

'Verwesung' ist erschienen als Hardcover HörbuchE-Book

In Kürze:

Sie mussten tot sein. Von den Tina Williams und den Bennett-Zwillingen fehlte jede Spur. Als der Außenseiter Jerome Monk bei dem Überfall auf ein viertes Mädchen gefasst wird und die Morde gesteht, sind alle erleichtert. Ein Alptraum scheint zu enden. Doch Monk weigert sich zu verraten, wo die Opfer begraben sind. Bis in den Sümpfen von Dartmoor eine Leiche gefunden wird. David Hunter kann Tina Williams identifizieren. Mit Hilfe der Profilerin Sophie versuchen David und sein Freund Detective Terry Connors, auch die anderen beiden Mädchen zu finden. Eine großangelegte Suchaktion im Moor endet jedoch in einem Desaster. 10 Jahre später bricht Jerome Monk aus dem Hochsicherheitsgefängnis aus und scheint sich an allen, die damals an der Suche beteiligt waren, rächen zu wollen. Auch an Terry und David, die schon lange keine Freunde mehr sind. Zusammen mit Sophie versucht David, Jerome zu stoppen und merkt erst viel zu spät, dass die wahre Bedrohung aus einer ganz anderen Richtung kommt.

Das meint Krimi-Couch.de: »Von den Wurzeln des Todes« 82°

Krimi-Rezension von Wolfgang Franßen

Nachdem David Hunter in Leichenblässe sein Mordgeschehen von London auf die Body Farm nach Knoxville, Tennesse, verlagert hatte, um uns mit Exhumierungen von Leichen, thantophilen Mördern, Larven von Sumpflibellen zu schockieren, erfahren wir zu Anfang von Verwesung mehr über den Verlust seiner Frau Kara und seiner Tochter Alice.

Beckett verlässt sich auf das, was Die Chemie des Todes neben der schockierenden Beschreibung von Leichen ausgezeichnet hat: auf das Psychogramm eines von einem Schicksalsschlag gezeichneten Forensikers, der sich selbst zu entfliehen versucht, weil er glaubt, am Tod seiner Familie Schuld zu sein.

Aus Eifersucht hat er vor acht Jahren eine Ausrede erfunden, um seine Tochter nicht abholen zu müssen. An seiner Stelle kam seine Frau Kara und wurde auf dem Heimweg in einen todbringenden Unfall verstrickt. Seitdem plagt sich Hunter mit der Frage herum: Was wäre gewesen, wenn er statt Kara Alice abgeholt hätte? Wäre der Unfall dann auch geschehen?

Gegenstand seiner Eifersucht war damals Terry Connors. Ein DI, der im Verlauf von Verwesung noch eine entscheidende Rolle spielen wird. Der Mann trinkt, spielt sich als Frauenheld auf und war bis zu jenem schicksalhaften Tag vor acht Jahren, mit Hunters Familie befreundet. Ausgerechnet Connors fühlte sich zu einem alkoholisierten Mobbing zu Kara hingerissen, während Hunter mit dem Entsetzen der Massengräber in Bosnien zu kämpfen hatte. Bei Hunters Rückkehr ist Kara auf Grund von Terrys ungehobelten Verhalten verstört, was ihren Mann umtreibt, bis es zum verhängnisvollen Unfall kommt.

Simon Becketts Romanserie um David Hunter heftet man allzu gern das Etikett düster an. Er wird für ihren detailverliebten Schrecken gelobt. Den Suspense bezieht der Autor vor allem daraus, dass David Hunter in auswegslose Situationen gerät, die er nie unbeschadet übersteht. In Kalte Asche wird gar auf ihn eingestochen werden und die Täterin spurlos verschwinden.

In Verwesung verlässt sich der Autor leider mehr auf das schaurige Ambiente eines sumpfigen Moors, der klaustrophobischen Angst unterirdischer Gänge und rührenden Szenen in verlassenen Minen, in denen Todgeweihte, festgeklemmt in einer Bergspalte im letzten Moment gerettet werden.

Das eigentliche Verbrechen um das Hunters Vergangenheit gestrickt ist, dreht sich um Jerome Monk, einem Serienmörder und Vergewaltiger, der die Morde an drei jungen Mädchen gestanden hat. Das erste Mal trifft Hunter ihn, als er gebeten wird, sich an der Identifizierung der Leiche von Tina Williams in Dartmoor zu beteiligen. Monk bietet sich an, bei der Suche zu helfen, weil er sich angeblich nicht mehr erinnert kann, insgeheim jedoch die Gelegenheit zu einem Fluchtversuch zu nutzen plant. Dies alles geschieht acht Jahre vor Monks Ausbruch aus dem Gefängnis.

Wie immer herrschen bei Beckett Uneinigkeit und Arroganz im Ermittlungsteam. War es in Leichenblässe der Professor und Profiler Irving, der für seine Arroganz abgestraft wurde, ist in Verwesung Leonard Wainwright gleichfalls Professor und forensischer Archäologe, derjenige der nicht nur Hunters Erkenntnisse als seine ausgibt, sich auch höhnisch über Monk auslässt. Auch er wird abgestraft werden.

Jerome Monk wird zum Knotenpunkt all jener, deren Schicksal viele Jahre später erneut zusammen geführt werden. Auch das von Sophie Keller, einer Beraterin, die anhand von psychologischen Erkenntnissen eines Täters, Strategien für Verhöre erstellt und mögliche Grabstellen mittels Orientierungspunkten in der Landschaft ausfindig macht.

Dass bei genauem Lesen, sich der eigentliche Schuldige wegen seiner Überzeichnung ziemlich schnell zu erkennen gibt, fängt Beckett durch glänzend formulierte Momente auf, die Menschen in ihrem persönlichen Abgleiten zeigen. Selbst seine Antihelden wie Wainwright oder Terry Conners versprühen dabei eher die Hilflosigkeit eigener Schwächen, als dass sie mutwillig agieren.

Wenn Beckett seine Figuren auf diesem Weg folgt, ergibt sich ein faszinierendes Tableau von Ermittlern, Verdächtigen und einem Mörder, die alle auf ihre Weise nur eines tun: Im Wasser um sich schlagen, um bloß nicht unterzugehen.

Vielleicht Becketts ehrgeizigster Thriller, weil er beinah ganz auf das wohldosierte Abseitige und den krassen Schrecken verzichtet, um seine Figuren in einem unausweichlichen Netz zu verspinnen.

Wolfgang Franßen, März 2011

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TochterAlice zu »Simon Beckett: Verwesung« 27.09.2015
Rückblende: Auf den Spuren von Jerome Monk befindet sich David Hunter zu Beginn des vorliegenden Falles - dieser mutmaßliche Serienmörder sitzt seit einem Jahr in Haft, obwohl man bisher keine Leiche gefunden hat: abgesehen von der, bei deren Ermordung er quasi in flagranti ertappt, wenn auch nicht gleich gestellt wurde - seit dies endlich gelang, schweigt er sich bezüglich möglicher Fundorte der Opfer aus. Hunter wurde zu einem Leichenfund in Dartmoor gerufen - man hofft, endlich eines von Monks Opfern aufgespürt zu haben. Es stellt sich heraus, dass er von einem alten Bekannten empfohlen wurde - einem Ermittler, den er privat kennengelernt hat und der nicht gerade zu seinen liebsten Mitmenschen zählt. Es stellt sich jedoch heraus, dass auch innerhalb des lokalen Ermittlerteams, mit dem Hunter nun zusammenarbeiten wird, nicht gerade die beste Stimmung herrscht. Nichtsdestotrotz gelingt es, das gefährliche Monster hinter Gitter zu bringen.

Acht Jahre später - Hunter hat Frau und Kind bei einem Verkehrsunfall verloren und lebt nur noch für die Arbeit - ist Jerome Monk ausgebrochen und rächt sich an allen, die ihn damals dingfest machen konnten. Es gibt ein Wiedersehen mit allen Akteuren von damals, auch die Animositäten unter den damaligen Kollegen kommen wieder zum Vorschein. David Hunter versucht ihn zusammen mit der früheren psychologischen Ermittlungsberaterin Sophie Keller dingfest zu machen, kann ihn jedoch vor weiteren Schreckenstaten nicht abhalten.

Eine ungeheuer spannende Story? Nur bedingt: Simon Beckett schreibt zwar gekonnt und faszinierend und schafft es allein dadurch, den Leser in seinen Bann zu bringen, es gelingt ihm aber inhaltlich nicht ganz, den vielversprechenden Aussichten auf einen spannenden Thriller gerecht zu werden. Ein wenig gemahnten mich die gelesenen Zeilen an die ähnlich beindruckenden Sowjetthriller "Kind44" und "Kolyma" von Tom Rob Smith, auch finden sich Parallelen zu Jeffery Deavers Erzählstil mit immer neuen, überraschenden Wendungen, doch ahnt der Leser früh, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird. Nicht gerade das Highlight der Serie um David Hunter, doch in diesem Kontext trotzdem ein Muss für Freunde dieser anspruchsvollen Spannungsliteratur!
Becki zu »Simon Beckett: Verwesung« 24.05.2015
Alle Hunter-Bücher sind gigantisch. Jedes einzelne hatte ich in kürzester Zeit durch, weil es mich so enorm gefesselt hat und ich mit David Hunter mitgelebt habe. Bei de Nicht-Hunter-Büchern war es leider nicht so. Sie waren nicht schlecht, aber nicht so grandios wie die mit David Hunter.
Deshalb: Wann erscheint denn ein neuer Hunter-Fall??
herbstmeier1806 zu »Simon Beckett: Verwesung« 21.05.2014
Auch den vierten Fall von Dr. David Hunter habe ich innerhalb von nur wenigen Tagen durchgelesen. Da ich diesen Thriller direkt im Anschluss an den vorherigen Roman gelesen habe, fand ich es sehr auffällig, dass in beiden Romanen zwischen Dr. Hunter und dem jeweiligen weiblichen Nebencharakter eine romantische Beziehung mehr oder weniger angedeutet wird.
Wie auch schon beim Vorgänger, fand ich den Fall sehr unterhaltsam und bis zur letzten Seite spannend. Auch die ständigen Selbstzweifel, die in der Kritik hier immer wieder angeprangert werden, fand ich durchaus angebracht und nachvollziehbar. Aus meiner Sicht gibt es nur einen einzigen Kritikpunkt: zu wenig Humor. Der ein oder andere Gag aus Situationskomik gibt auch einem Thriller für mich den ganz besonderen Reiz.
Mein Fazit: ein spannender Thriller, den man gelesen haben sollte.
Lesetroll zu »Simon Beckett: Verwesung« 25.04.2014
Das Buch ist wie von Beckett bekannt sehr gut geschrieben. Es ist auch durchgehend interessant und hat sehr gute "WOW - ah krass!"-Effekte. Allgemein würde ich es aber als sehr guten Krimi beschreiben - eher wie der 2. Teil der Hunter Reihe (nicht wie der 1. und 3.) - kein Psychothriller. Trotzdem lesenswert!
rolandreis zu »Simon Beckett: Verwesung« 05.12.2013
Man kann Simon Beckett nicht nachsagen, dass er es nicht fertigbringt, Spannung zu inszenieren. Auch wenn der Spannungsbogen relativ flach ist, so ist er doch vorhanden. Routiniert schreibt er seine Geschichte runter, verbringt aber zu viel Zeit damit, eine sich anbahnende Romanze zu beschreiben. Die erstreckt sich nicht nur über unnötig viele Seiten, sie ist auch noch so nötig, wie ein Loch im Kopf. Das Ende ist dann schnell abgearbeitet. Leider ist es nicht überraschend. In Summe ein durchschnittlicher Krimi und nicht mehr.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Laurent Schürch zu »Simon Beckett: Verwesung« 03.12.2013
Ich fand das Buch sehr gut!
Ich muss zugeben ich lese nicht viele Bücher, der Grund ist, weil ich lieber unterwegs bin, jedoch dieses Buch: Verwesung
war super.
Es wurde immer interessanter und es hat mich richtig gefangen, ich wollte es umbedingt fertig lesen!
Ein grosses Lob von mir!!
Das Buc ist sicher weiter zu empfehlen udn ich werde jetzt alle anderen bücher lesen!
Toyota zu »Simon Beckett: Verwesung« 11.08.2013
Ich bin enttäuscht von diesem Buch. Nachdem ich die ersten 3 regelrecht verschlungen hatte, habe ich bei diesem Buch lange gebraucht, um mich damit anzufreunden. Die Geschichte zieht sich unheimlich in die Länge und die gewohnte Spannung und der Nervenkitzel haben bei diesem Buch gefehlt. Am Schluss bin ich nur noch über die Seiten gefolgen und war froh, als ich es gelesen hatte.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Stürzenbaum Adolf zu »Simon Beckett: Verwesung« 10.03.2013
Nur weil in dieser Erzählung ein paar Leichen vorkommen, hat dies noch lange nichts mit einem Krimi, geschweige denn einem Thriller zu tun. Es ist eine Erzählung aus dem Leben des Protagonisten; Spannung und lebhafte Handlung ist nicht zu finden. Es ist die Erzählung einer nicht geglückten Liebesbeziehung, aber auf keinen Fall ein Thriller.
Diana Wagner zu »Simon Beckett: Verwesung« 19.02.2013
Dies war mein erstes Buch der Hunter Serie und mir hat es eigentlich ganz gut gefallen. Auf jedenfall werde ich noch weitere lesen. Nur dass man die ganze Zeit das Gefühl hatte, Monk ist am Ende nicht der Täter (mir ging es so), fand ich etwas langweilig.
Gut gefallen hat mir aber die Tatsache, dass am Ende aus der Liebesbeziehung nichts wird. Denn eigentlich erhofft man sich das immer, aber wenn es nicht klappt, ist es mal was anderes.
Barbara zu »Simon Beckett: Verwesung« 14.12.2012
Die David-Hunter-Bücher sind für mich so etwas wie die Tatort-Krimis am Sonntagabend oder eher noch wie früher die Wallace-Verfilmungen: Sie unterhalten mich, mehr nicht. Positiv sei angemerkt, dass der Stil der Bücher sehr flüssig und gut lesbar ist, ohne dabei trivial zu sein. Trivial aber ist leider der Inhalt aller Bände ebenso wie die Zeichnung der Charaktere. Sehr flach wirkt v.a. im 4. Band die Figur des Monk mit dem altbekannten Muster von der verletzten Seele im Monster. Die mehr oder weniger überraschenden Wendungen findet man in allen Beckett-Titeln, im Band "Verwesung" ist es besonders unglaubwürdig, weil die Tat des Schuldigen überhaupt nicht zu seiner vorher geschilderten Persönlichkeit passt (immerhin ist dieser Charakter recht gelungen ausgeleuchtet). Aber eigentlich ist es auch egal, irgendeiner der Beteiligten wird zum Schluss als Haupttäter aus dem Hut gezaubert, es könnte jedoch jeweils auch ein anderer sein. Bei Hunter selbst findet keine Entwicklung statt, das einzige, was etwas in die Tiefe geht, ist der Verlust seiner Familie -als alleiniger Anker für die Charakterisierung einer Person über vier Bände hin viel zu wenig.
Fazit: Trivialliteratur mit gutem Stil, entspannend und führt als Hörbuch dazu, dass man länger bügelt als sonst.

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