Obsession von Simon Beckett

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1998 unter dem Titel Owning Jacob, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Rowohlt.

  • London: Hodder & Stoughton, 1998 unter dem Titel Owning Jacob. 448 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2009. Übersetzt von Andree Hesse. ISBN: 978-3-499-24886-3. 448 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: Argon, 2009. Gesprochen von Johannes Steck. ISBN: 3866106181. 448 CDs.

'Obsession' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Als seine Frau plötzlich stirbt, ist Ben am Boden zerstört. Allein Sarahs autistischer Sohn Jacob spendet ihm Trost. Aber während er die Schränke der Toten ausräumt, macht Ben eine furchtbare Entdeckung: Jacob war gar nicht Sarahs Kind. Offenbar hat sie den Jungen entführt, als der noch ein Baby war. Fassungslos macht sich Ben auf die Suche nach Jacobs leiblichen Eltern – und gerät in einen Strudel tödlicher Obsessionen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Erfolgsautor wird vermarktet« 45°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Nach den sensationellen Erfolgen von Die Chemie des Todes und Kalte Asche musste es ja zwangsläufig so kommen. Eifrig suchte der Verlag nach weiteren Werken des Autors und so wurde im April 2009 Obsession neu auf den deutschen Buchmarkt geworfen, nachdem der Roman schon damals, es war 1998, floppte. Doch anders als ein guter Wein reift ein schwaches Buch eben nicht im Lauf der Jahre und so ist zumindest eine kleine Warnung mehr als angebracht.

Sarah stirbt nach zweijähriger Ehe völlig unerwartet an einem Aneurysma, einer geplatzten Ader in ihrem Kopf. Somit steht Ehemann Ben Murray von heute auf morgen mit seinem autistischen Stiefsohn Jacob alleine da und als wäre dies nicht schon tragisch genug, findet er in Sarahs Sachen auch noch eine Metallkassette, die neben Jacobs Geburtsurkunde mehrere Zeitungsausschnitte von einer Säuglingsentführung enthält. Da Jacobs Geburtstag und das Datum der Entführung übereinstimmt kommt Ben ein böser Verdacht und schon bald hat er Gewissheit, dass Sarah vor sechs Jahren ihren »Sohn« entführt hat.

Ben will zunächst herausfinden, ob Jacobs leibliche Eltern noch leben und schaltet hierzu einen Privatdetektiv ein. Dieser spielt jedoch ein falsches Spiel und verkauft seine Informationen auch an Jacobs Vater, den Ex-Soldaten John Cole, der in zweiter Ehe mit Sandra verheiratet ist. Bei einem ersten eher zufälligen Treffen geht Cole auch gleich mit Gewalt gegen Ben vor, fordert seinen Sohn zurück und erhält nach einem entsprechenden Antrag das Sorgerecht. Fortan darf Ben seinen »Stiefsohn« nur noch einmal im Monat sehen, doch selbst dies wissen Sandra und Cole zu verhindern. Ben vermisst Jacob und bezweifelt zunehmend, dass es ihm in seiner neuen Umgebung gut geht. Bald gerät die Situation außer Kontrolle und Ben entschließt sich, aus einem Versteck heraus die Coles zu beobachten.

Schnell wird klar, dass Sandra in Abwesenheit ihres gewalttätigen Mannes, sich an andere Männer verkauft und Cole selbst offenbar erhebliche psychische Probleme hat. Da sich aber weder der zuständige Sozialarbeiter noch die Polizei an Cole herantrauen muss Ben eindeutige Beweise liefern. Tage lang liegt er mit seiner Kamera auf der Lauer. Dann eskaliert die Lage …

Der Stoff, aus dem die B-Movies sind

Die erste Hälfte des Romans liest sich ja noch recht flüssig und man rechnet Simon Beckett an, dass er einen nicht alltäglichen Plot erschaffen hat. Gut, die Idee ist nicht neu, lässt aber durchaus noch Gestaltungsspielraum zu. Leider wird die Geschichte aber geradeim zweiten Teil, wo ja eigentlich die Dramaturgie ihren Höhepunkt erreichen soll, immer flacher. Die eskalierende Gewaltspirale mit 08/15-Showdown ist weitestgehend vorhersehbar, außergewöhnliche Effekte oder Szenarios erwartet man vergebens.

Da hilft es leider nicht, dass der Autor frei nach dem Motto »Sex sells« die Seiten damit füllt, dass Ben seine voyeuristische Ader entdeckt. Mehr und mehr lenkt er seine Kamera von Cole und Jacob weg und beobachtet stattdessen Sandra beim An- und überwiegend Ausziehen. Mehrfach klappt ihr Bademantel auf unter dem sie zumeist nichts trägt, übrigens auch zur Freude ihrer heimlichen Kundschaft.

Der »heimliche Star« des Romans ist für mich die Randfigur des Sozialarbeiters Carlisle, denn er lebt offenbar in einem Paralleluniversum. Mit allen zur Verfügung stehenden schwarz-weiß Klischees ausgestattet, will er natürlich nur das Beste für Jacob. Obwohl schnell klar ist, dass Sandra als Prostituierte arbeitet und im Garten der Coles etliche Gegenstände liegen, an denen sich Jacob leicht verletzten könnte, sieht er den Jungen bei seinem Vater gut aufgehoben. Dass Ben ihn trotz Besuchsrecht nicht sehen kann, sei unerheblich. Das wird schon» und wichtig sei doch ohnehin nur, dass es dem Kind gut geht. Ähnlich seine erfrischend weltfremde Ansicht als er mit der Tatsache konfrontiert wird, dass Jacob nicht mehr zur Schule geht. Ja, so stellt man sich gemein hin einen Sozialarbeiter im negativen Sinn vor und dürfte zumindest in etlichen Fällen sogar noch richtig liegen.

Laut Aufkleber ein Bestseller

Alles in allem ist Obsession ein Werk, das ohne die aktuellen Erfolge des Autors sicher nicht noch einmal in den Regalen der Buchhändler aufgetaucht wäre. Doch was soll man auch von einem Buch erwarten, bei dem schon die kurze Inhaltsangabe des Buchrückens falsch ist? «Fassungslos informiert Ben die Behörden, die Jacobs leiblichen Vater schnell ermitteln.» Wie oben dargestellt, verläuft die Handlung völlig anders und so ist die Rückseite eine ebensolche Unverschämtheit wie die Titelseite, auf der ein Aufkleber den Roman als «Bestseller" ausweist.

Jörg Kijanski, August 2009

Ihre Meinung zu »Simon Beckett: Obsession«

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Carolus zu »Simon Beckett: Obsession« 07.11.2015
Immer noch ist ein schwächerer Simon Beckett um Längen besser als manches "Werk" aus dem deutschsprachigen Raum. Ich will hier keine Namen von hochgejubelten Schriftstellern nennen.
Mir gefällt das frühe "Obsession" eigentlich nicht weniger gut als der aktuelle "Hof".
Die David Hunter Abenteuer sind natürlich unschlagbar.
Unbesessen zu »Simon Beckett: Obsession« 22.07.2014
Ich habe nach 100 Seiten aufgegeben. Dabei war das Buch gar nicht einmal schlecht geschrieben, aber irgendwas hat ihm gefehlt. Ich kenne nun mittlerweile jedes einzelne Buch von Beckett und muss sagen, dass ich den Hype um den Autor vollkommen übertrieben finde. Das gilt auch für die David-Hunter-Reihe. Es gelingt Beckett einfach nicht bei mir Spannung zu erzeugen.
Madita zu »Simon Beckett: Obsession« 06.07.2014
Krimi mit Familiendrama, genau mein Geschmack. Ich bin schon etwas überrascht von den schlechten Kritiken, da dies meiner Meinung nach das beste Simon Beckett Buch ist. Ich konnte es gar nicht mehr aus der Hand legen und auch mit dem Schluß war ich sehr zufrieden, was ich ansonsten nicht von allen Beckett Büchern behaupten kann.
Michael Stücheli zu »Simon Beckett: Obsession« 12.12.2013
Also gut: die kleinen Verbrechen beginnen schon auf den Buchrücken. Da wird offenbar Mord und Totschlag versprochen und da wird man weniger bedient. Den Buchrücken verfassen die Verlage und die wollen verkaufen. Beckett schreibt von einem Mann mit Sorgen, Nöten und Ängsten und kleinen Abartigkeiten. Und dies von einer Dichte die auf mich faszinierend wirkte. Literatur als Spiegel des eigenen Lebens und hier besonders der eigenen Befangenheit.
Lotta zu »Simon Beckett: Obsession« 08.12.2013
Wenn das ein Thriller ist, bin ich Königin von Pampelmusien. Hier thrillt überhaupt nichts. Ich war wirklich sauer, als ich es durch hatte. Zwei Liter warme Milch mit Honig sind gar nichts im Vergleich zu diesem Buch. Und ich Idiotin habe mich ernsthaft bis zum Ende durchgequält, in der Hoffnung es würde doch noch irgendwas dolles passieren. Ich schließe mich dem Unverständnis darüber an, wie dieses Buch an den kleinen runden "Bestseller"-Aufkleber gekommen ist.
Verena87 zu »Simon Beckett: Obsession« 27.10.2013
Lese im Normalfall ein Buch immer zu Ende, aber bei "Obsession" musste ich nach der Hälfte aufhören. Soweit ich weiß, soll es ein Bestseller sein, ich fragte mich nur wieso?! Ich finde es unerträglich langweilig und flach, passiert auch einfach nichts. Hat nichts mit der Zusammenfassung zu tun, die ich vorher hinten auf dem Buch gelesen hatte.
Nathaly Sander zu »Simon Beckett: Obsession« 25.07.2013
Ich habe das Buch gerade eben zuende gelesen und war auch ziemlich enttäuscht, weshalb ich wissen wollte ob es an mir liegt oder ob es auch andere so sehen.
Im allgemeinen schließe ich mich der Meinung der anderen an. Es geht irgendwie mehr um den Authismus und die Sorgerechts Frage als um dieses System welches Cole versucht zu entdecken und die 'Obsessionen'. Eigenartig finde ich auch, dass 'eine Welle tödlicher Obsessionen' versprochen wird und es dann den ersten Todschlag 40 Seiten vor Ende des Buches gab.
Die Zusammenfassung auf dem Bücherrücken ist nicht nur fehlerhaft... Was da beschrieben ist wäre ein ganz anderes Buch. Ich finde es schon unverschämt dem Leser so etwas zu versprechen. Ich kann zu anderen Büchern von Simon Becket nichts sagen, da ich keins gelesen habe, aber das werde ich auch erstmal nicht tun, da mich dieses Buch sehr enttäuscht hat.
Toyota zu »Simon Beckett: Obsession« 11.06.2013
Bin enttäuscht von diesem Buch und habe es nach der Hälfte beiseite gelegt. Die Thematik ist zwar interessant, aber die Spannung bleibt auf der Strecke. Vielleicht habe ich auch zuviel von dem Buch erwartet. Ist ja auch kein Wunder, wenn man Leichenblässe, Kalte Asche und Chemie des Todes gelesen hat :-) Das waren wirkliche Gassenhauer.
Maximilian Krämer zu »Simon Beckett: Obsession« 06.09.2012
Ich habe die vier David Hunter Bücher mindestens 3mal durchgelesen. Noch besser kann man meiner Meinung nach keine Krimies Schreiben! Dieser Mann ist ein Genie, ich hoffe auf ein neues Buch der David Hunter Reihe! Das darf jetzt nicht das Ende der Reihe sein das wäre in meinen Augen nicht gut, da gibt es noch so viel was man daraus machen könnte.
Catan zu »Simon Beckett: Obsession« 01.08.2012
Habe zwar geschafft, das Buch bis zum Ende zu lesen, aber es war sehr enttäuschend. Einfach nur Langweilig. Wie kann so ein Buch als Besteller in den Regalen stehen? Muß leider feststellen, dass mir alle Bücher, die nach der "Hunter-Reihe" erschienen sind, überhaupt nicht gefallen. Für mich sind das keine Krimis. Meiner Meinung nach nicht lesenswert!

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