Kalte Asche von Simon Beckett

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel Written in Bone, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei Wunderlich.
Ort & Zeit der Handlung: Großbritannien / Schottland, 1990 - 2009.
Folge 2 der David-Hunter-Serie.

  • New York: Delacorte Press, 2007 unter dem Titel Written in Bone. 432 Seiten.
  • London: Bantam, 2007. 432 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Wunderlich, 2007. Übersetzt von Andree Hesse. ISBN: 978-3805208123. 432 Seiten.
  • Augsburg: Weltbild, 2008. Übersetzt von Andree Hesse. ISBN: 978-3828990166. 430 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2008. Übersetzt von Andree Hesse. ISBN: 978-3-499-24195-6. 430 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2010. Übersetzt von Andree Hesse. ISBN: 978-3-499-25469-7. 430 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2011. Übersetzt von Andree Hesse. ISBN: 978-3-499-25647-9. 629 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: Argon, 2007. Gesprochen von Johannes Steck. ISBN: 3866103131. 432 CDs.
  • [Hörbuch] Berlin: Argon, 2009. Gesprochen von Johannes Steck. ISBN: 3866107250. 6 CDs.

'Kalte Asche' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Asche war alles,was von ihr übrig geblieben war. Und ihre Hände und Füße. Als der Rechtsmediziner David Hunter die Überreste der Frau auf der schottischen Insel Runa zum ersten Mal untersucht, läuft ihm ein Schauer über den Rücken. Ihr Tod war kein Unfall, da ist er sich sicher. Er will seine Erkenntnisse dem Superintendenten in Lewis mitteilen, doch ein Sturm schneidet die Insel von der Außenwelt ab. Am nächsten Morgen ist der Constable tot, der den Tatort bewachen sollte. Damit ist klar: Der Mörder ist noch auf der Insel. Und David muss ihn finden, bevor er wieder tötet.

Das meint Krimi-Couch.de: »Gebeine speichern die Geschichte des Todes« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Dr. Simon Hunter, forensischer Anthropologe der Universität London, freut sich nach einer anstrengenden Dienstreise auf die Heimreise, als ihn ein Hilfegesuch der Polizei nach Runa, eine kleine Insel der Äußeren Hebriden vor der Nordwestküste Schottlands, führt. Dort wurde in einem verfallenen Cottage eine völlig verbrannte Leiche entdeckt, die Hunter nicht nur untersuchen, sondern auch feststellen soll, ob ein Mord oder nur ein Unfall vorliegt.

Runa ist eine dieser kleinen aber fest in sich ruhenden Inselgemeinschaften, deren Mitglieder sich sämtlich zu kennen glauben. Konflikte werden intern gelöst, und »denen vom Festland« steht man geschlossen misstrauisch und ablehnend gegenüber. Das erschwert die Ermittlungen, zumal Hunter mit Sergeant Fraser ein schroffer und dem Alkohol ergebener Polizeibeamter zur Seite gestellt wurde.

Die Leiche entpuppt sich als weiblich – und der Schädel weist deutliche Spuren eines heftigen Schlages auf. Der Tod war folglich gewaltsam – und der Täter oder die Täterin muss sich noch auf der Insel aufhalten, die in den Wochen seit dem Mord nachweislich niemand verlassen hat.

Während Fraser sich dem Fall zunehmend als nicht gewachsen erweist, kann sich Hunter auf die Unterstützung des ehemaligen Inspektors Andrew Brody verlassen, der nach einer privaten Tragödie seinen Altersruhesitz auf Runa genommen hat. Der alte Polizist hat seinen Job nicht verlernt. Gemeinsam mit Hunter nimmt er die Schar der Verdächtigen unter die Lupe. Die ist zwar klein aber schwer zu durchschauen. Dass Runa diverse Geheimnisse birgt, wird sogar dem »Fremdling« Hunter rasch klar.

Die Atmosphäre ist gereizt, die Ermittler sind nicht willkommen. Dann bricht ein gewaltiger Sturm los, der Runa völlig isoliert – und dem Mörder die willkommene Gelegenheit bietet, Spuren zu verwischen und mögliche Zeugen zu beseitigen, zu denen sich zu seinem Schrecken und Nachteil auch David Hunter zählen muss …

Kleine Insel mit hohem Bodycount

Hoch schlugen die Wellen, als Simon Beckett 2006 seinen ersten Krimi um den psychisch angeschlagenen Forensiker David Hunter veröffentlichte. Allzu drastisch beschreibe er, was der Tod mit dem menschlichen Körper anrichte, während der eigentliche Romanplot zu dürftig daherkomme, so der grundsätzliche Tenor der Kritik, von der sich die Leser indes nicht beeindrucken ließen. Ihnen gefiel Die Chemie des Todes als Buch, das bei objektiver Betrachtung weder besser noch schlechter als die meisten zeitgenössischen Thriller war.

Kalte Asche ist das zweite Kapitel in der David-Hunter-Vita, das Beckett wieder als Kriminalgeschichte erzählt. Gegenüber dem Debüt gibt es diverse Veränderungen bzw. Entwicklungen. Dieses Mal steht die Ermittlung im Vordergrund, während Hunters private Probleme (angenehm) ausgeklammert oder nur kurz angerissen werden. Kalte Asche ist ein klassischer Whodunit, der geschickt mit den literarischen Stilmitteln des 21. Jahrhunderts dargeboten wird.

Der Mord auf einer durch das Meer und das Wetter isolierten Insel ist wahrlich kein Einfall, der durch Originalität besticht. Wer Krimis liest, wird sogleich ältere Romane nennen können, die sich dieser Kulisse bedienen. (Der bekannteste ist vermutlich Ten Little Niggers / And Then There Were None, 1939; dt. Zehn kleine Negerlein / Letztes Weekend / Und dann gabs keines mehr von Agatha Christie.) Die Vorteile liegen auf der Hand: Der Schauplatz ist (scheinbar) überschaubar, die Zahl der Verdächtigen bleibt auf die (kleine) Gruppe der Insulaner beschränkt. Ein guter Autor wird sich hüten unfair vorzugehen, was bedeutet, dass Leser, die miträtseln möchten, über dieselben Indizien und Hinweise verfügen wie die ermittelnden Beamten und Detektive.

Was natürlich eine Illusion ist, was wir durchaus wissen. Letztlich erwarten wir, dass uns der Verfasser im großen Finale überrascht und die sorgfältig gelegten Spuren ad absurdum führt. Dieser Erwartung wird Beckett völlig gerecht, bevor er leider dem heutzutage üblichen Hang zum »Last-Minute-Twist« folgt, d. h. auf den letzten Seiten den eigentlichen Übeltäter ans Licht zerrt, um der bisher erzählten und logisch aufgeklärten Story eine gänzliche neue Deutung aufzupfropfen.

Selbst das übersteht diese Geschichte gut, aber Beckett will den Jefferey-Deaver-Effekt und zieht auf der allerletzten Seite noch ein As aus dem Ärmel – er versucht es jedenfalls, denn was hier stattfindet, ist ebenso lächerlich wie billig und verdirbt viel von dem gutem Eindruck, den Kalte Asche bisher hinterließ.

Eine/r muss es gewesen sein

Denn Runa ist ein malerischer und überzeugender Ort für diesen ziemlich abenteuerlich geplotteten Thriller. Einsame Hügel, bestanden mit steinzeitlichen Hügelgräbern, dazwischen Moore, darüber Nebel, Wolken und Regen – hier ist die Zivilisation sichtlich abwesend, verläuft das Leben nach alten, sogar archaischen Regeln. Die Inselgemeinde ist eine verschworene Gemeinschaft, in der Konflikte freilich gären wie in einem Dampfkochtopf. Nicht selten entweicht der Überdruck explosiv = gewalttätig und straft den Anschein eines gemütlich-trägen Inselalltags Lügen.

Einig ist man allerdings im Schulterschluss gegen alle »Fremden«. Das schließt sogar den Wohltäter Michael Strachan ein, dem man es insgeheim verübelt, dass er über die finanziellen Mittel verfügt, seinem Gutmenschentum zu frönen. Gern würden die Insulaner ohne solche Hilfe auskommen, die sie eher gnädig als freudig oder gar dankbar annehmen.

Sergeant Fraser verkörpert perfekt das ungeliebte »Festland«, dessen Vertreter ohne Rücksicht auf die feinen Strukturen der Runa-Gesellschaft umherpoltern und gern Überlegenheit bzw. Überheblichkeit an den Tag legen. David Hunter versucht es mit »Verständnis«, trägt aber dabei ebenfalls zu dick auf und stößt auf Ablehnung. Wie Fraser begreift Hunter nicht, dass Runa für seine Bewohner gleichermaßen Segen und Fluch ist – kein idyllischer Urlaubsort, sondern harte Realität und ebenso Heimat wie Verbannung.

Knochenlese als Kreuzzug gegen das Vergessen

David Hunter wird durch die Ereignisse auf Runa immerhin erfolgreich von seiner nach wie vor schwierigen privaten Situation abgelenkt. Nur halbwegs hat er den tragischen Verlust von Frau und Kind überwunden. Seine neue Gefährtin ist nach schrecklichen Erlebnissen (s. Die Chemie des Todes) selbst mental labil. Die Beziehung ist ohnehin schwierig, und die Spannungen verschärfen sich, weil Hunter von seiner – durchaus obsessiven – Beschäftigung mit meist grausam zu Tode gekommenen Menschen nicht lassen will. Er hat darin seinen Ausgleich gefunden, der ihm hilft, den Verlust der Familie zu kompensieren: Hunter will Antworten auf Fragen, die ohne seinen Einsatz womöglich unbeantwortet blieben.

Im Vergleich zu Die Chemie des Todes räumt Beckett dem inneren Ringen Hunters deutlich weniger Raum ein. Dem Roman kommt das sehr zu Gute, da der Verfasser die eigentliche Handlung vorantreibt. Er hält das Tempo durch, verzettelt sich nicht mehr in den endlosen Selbstzerfleischungen, die Hunters Denken und Handeln im Vorgängerband allzu stark bestimmen. Auch in dieser Hinsicht wirkt Runa katalytisch: Die Insel ist auch für Hunter eine Stätte jenseits seines Alltagslebens, mit dem er sich während seines Aufenthaltes nur sporadisch beschäftigen muss.

Ob Hunter dank des angemerkten (aber hier natürlich verschwiegenen) finalen Knalleffekts noch einmal ermitteln wird, ist unklar – soll unklar wirken, aber im Grunde lässt sich niemand vom Verfasser in die Irre führen. Stattdessen legt Beckett das Fundament für neue private Turbulenzen seines Helden, der mit ziemlicher Sicherheit recht bald seine nächste garstige Leiche unter die Lupe nehmen wird.

Michael Drewniok, September 2007

Ihre Meinung zu »Simon Beckett: Kalte Asche«

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Giorgio zu »Simon Beckett: Kalte Asche« 03.10.2011
Kalte Asche fand ich ein spannander Krimi mit guten Darstellern und Locations. Die Spannung steigert sich gegen den Schluss, den ich infolge des Täterwechsels als gelungen bezeichne.
Der Krimi ist für mich OK, mehr nicht. Von einem Thriller würde ich nicht wirklich sprechen. Und die "Bild"-Meinung auf der Rückseite "gruseliger geht's kaum" finde ich ziemlich übertrieben. Mir gefallen halt die brutalen Thriller von Tess Gerritsen oder "der Vollstrecker" besser. Aber wenn jemand nicht viel Blut mag, geht Kalte Asche in Ordnung. Von mir gibt's 60°
Sarah_Ch zu »Simon Beckett: Kalte Asche« 16.06.2011
Ich habe "Kalte Asche" direkt im Anschluss an "Die Chemie des Todes" gelesen und war wieder ganz begeistert.

Ich war auf der ersten Seite, beim ersten Satz schon mitten im Geschehen.

Wieder ein sehr lehrreiches und interessantes Buch von Simon Beckett.

Außerdem noch eine sehr spannende Geschichte.
Keine typische Serienmördergeschichte. Sehr mysteriös und spannugsvoll das ganze auf einer, von der Außenwelt abgeschnittenen Insel spielen zu lassen.

Nur das Ende, nachdem alles vorbei war hat mir überhaupt nicht gefallen...

Ich freue mich auf ein weiteres Buch von Simon Beckett.
Catalga zu »Simon Beckett: Kalte Asche« 21.04.2011
Ich liebe dieses Buch!
Generell die ganze Hunter-Reihe. Wobei mir "Kalte Asche" am besten gefällt. Ich stehe auf dieses Geheimnissvolle und Schockierende. Die letzten 3-4 Kapitel war ich hin und weg. Am Schluss dann fix und fertig mit den Nerven. So einen krassen "Täter-Wechsel" hatte ich noch nie erlebt und es hat mich absolut schockiert. Ich bin absolut begeistert. Bin mit der Hunter-Reihe soweit durch bis zu "Verwesung"..Mache mich nun an die anderen Bücher, wie "Feuerbrut", §Tiere" etc... Soll wohl alles nich so toll sein...Ich bin gespannt.
Ponchman zu »Simon Beckett: Kalte Asche« 04.04.2011
Besser als "Chemie des Todes" aus meiner Sicht. Wer auf Krimis mit vielen Wendungen und einem unerwarteten Ende steht, ist hier gut bedient. Mir hat das Buch sehr gefallen.
Klar wirkt das Ganze ab und zu etwas übertrieben, da ich aber gerne nach Schottland fahre und die Mentalität der Inselbewohner nachvollziehen konnte, hat mir das Buch doppelt Spaß gemacht.
90°
SteffiSch zu »Simon Beckett: Kalte Asche« 25.03.2011
Puh. Übertriebener hätte es Beckett eigentlich nicht machen können. Mord und Todschlag auf der ganzen Linie. Durch das ganze Buch zieht sich eine nicht enden wollende Spur des Todes und der Verletzung. Dr. Hunter schrammt gleich zweimal kurz am Tod vorbei und die Opfer werden mit der Zeit immer mehr, obwohl auf der Insel sowieso fast keiner wohnt. Mir ist bis zum Schluss nicht klar geworden, warum so viele haben sterben müssen. Im Nachhinein würde ich sagen: Das zu lesen war verlorene Zeit.
Yizzak zu »Simon Beckett: Kalte Asche« 23.02.2011
Written in Bone - kalte Asche: Handwerklich solide, allerdings stellenweise zu überspannt. Für meinen Geschmack versucht der Autor sehr übertrieben Gruselszenen zu inszenieren und greift dabei oft zu Klischees. Als Unterhaltungsroman ganz passabel und spannend, wenn man das Englische aufpolieren möchte. Auf Deutsch würde ich es nicht lesen.
ThoWie zu »Simon Beckett: Kalte Asche« 20.02.2011
Nach Teil 1 war ich schon begeistert, den ich im Spanienurlaub angefangen habe zu lesen und mich auch nicht davon abgehalten hat in den Schatten zu gehen (wegen der heissen Sonne) so fesselnd, Aber bei Teil 2 Kalte Asche habe ich mir gänzlich den Rücken verbrannt.Super Buch sehr empfehlenswert. Einfach Klasse und jetzt an Leichenblässe Teil 3
Gaspar zu »Simon Beckett: Kalte Asche« 15.02.2011
Mein erster Roman von Beckett. Ein nach wie vor sehr gefragter Bestseller. Empfohlen von der BILD-Zeitung, die ihn als "gruselig" beschreibt. Zum Glück war das nicht der Fall. Die Forensik steht hier im Mittelpunkt, wobei die technischen Möglichkeiten auf der abgelegenen und durch ein Unwetter von der Welt abgeschnittenen Insel Runa sehr beschränkt sind. Die Handlung baut sich ruhig auf, es türmen sich keine Leichenberge. Der Schreibstil ist einfach, aber fesselnd. Es gibt Klischees und mehr als ein Mal ahnt man den Plot voraus. Wer etwas weiß und nicht redet, wird vom Täter bestraft. Es werden mehrfach Entscheidungen getroffen, die schwer nachzuvollziehen sind. Muss Constable Duncan vor dem eingestürzten Cottage die ganze Nacht bei Unwetter Wache halten?! Es wäre sinnvoller, ihn dort zu engagieren, wo dir Leiche ist.
Alles in allem aber guter Lesestoff, der nicht nur Standardmuster bietet.

80°
Lara zu »Simon Beckett: Kalte Asche« 20.01.2011
Ich finde Kalte Asche aufjedenfall lesenswert!
Es gefällt mir zudem besser als der vorgänger "Die Chemie des Todes", leider geht es bei Kalte Asche, erst ab ca. der Mitte richtig los- leider.
Ich wäre nie auf die Idee gekommen wer der Mörder sein könnte und wie sich das Blatt dann doch noch wendet- UNGLAUBLICH!!!
Doch leider ist der Schluss ein bisschen "gequetscht".
Ansonsten bin ich seht begeistert!!!
Toyota zu »Simon Beckett: Kalte Asche« 17.12.2010
Das 2. Buch von Beckett war ähnlich gut wie das erste. Hier war am Anfang mal wieder alles ganz anders als am Schluss. Es hat Spaß gemacht dieses Buch zu lesen und wieder etwas über die Anatomie des Menschen nach einer anderen Art Tod zu erfahren. Ich freue mich schon auf das 3. Buch, das ich jetzt gleich anfangen werde zu lesen.

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