Totenstill von Silvia Kaffke

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 bei KBV.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 3 der Barbara-Pross-Serie.

  • Hillesheim: KBV, 2005. ISBN: 3937001530.
  • [Hörbuch] Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2006. Gesprochen von Sabine Swoboda. ISBN: 3866672306. 8 CDs.

'Totenstill' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Zunächst glaubt Barbara noch an einen üblen Scherz, als pünktlich zu ihrer Vorlesung über den Serienmörder Kroll Schweinedärme in einer Uni-toilette schwimmen. Doch dann tauchen Leichen auf, die wie bei anderen berühmten Fällen zugerichtet wurden. Barbara hat seit drei Semestern einen Lehrauftrag für Investigative Psychologie an der Uni, außerdem hält sie Vorträge an den Polizeifach-hochschulen und wird des öfteren als externe Beraterin zu schwierigen Fällen hinzugezogen.Ein solcher Fall, ein Serienvergewaltiger, führt sie zurück nach Burg im Kreis Dithmarschen, dem Ort ihrer schlimmsten Niederlage, dem Fall Schmidtmann. Noch immer wirft sie sich vor, das dritte Opfer, den kleinen Jonas Grüter nicht gerettet zu haben, weil sie ein falsches Täterprofil erstellt hatte. Alle suchten nach einem jungen Täter, während Schmidtmann bereits 64 Jahre als war. Nun ist Schmidtmann tot – er hat sich im Gefängnis erhängt, weil er die Quälereien seiner Mitgefangenen nicht mehr ertragen konnte. Barbara will nicht wahrhaben, dass es bei den neuen Morden um sie geht und entdeckt die Verbindung zu den Serienmorden der Vergangenheit erst, als es fast schon zu spät ist …

Das meint Krimi-Couch.de: »Das harte Leben einer Profilerin« 72°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Barbara Pross ist die Heldin in den Romanen von Silvia Kaffke. Nach den beiden ersten Romanen Messerscharf und Herzensgut, die noch bei Fischer erschienen sind und durchaus Beachtung fanden, hat sie nun mit einiger Verzögerung den dritten Roman um die Pionierin der Profiler-Arbeit bei der deutschen Polizei nachgelegt. Mit dem KBV-Verlag hat die Autorin dabei hoffentlich nun einen Verlag gefunden, der ihr Werk mehr in den Fokus seines Programms stellen kann.

Aus dem Polizeidienst hat sich Pross, vielmehr inzwischen Frau Dr. Hielmann-Pross, schon seit längerem verabschiedet. Fortwährende Selbstzweifel und der stetig in ihr schwelende Vorwurf, bei einem Täterprofil im Fall Schmidtmann vor sieben Jahren versagt zu haben, veranlassten sie zu diesem Schritt. Inzwischen hält sie an der Uni Düsseldorf Vorlesungen über Profiling und Serienmörder. Ihre Vorlesungen sind der absolute Renner unter den Studenten und auch privat scheint endlich alles in bester Ordnung zu sein, denn die in den ersten beiden Bänden als beziehungsunfähig beschriebene Pross hat inzwischen den reichen Firmenerben Thomas Hielmann geheiratet und muss sich in finanziellen Dingen wohl keine Sorgen mehr machen.

Nachfolgesorgen im deutschen Mittelstand

Aber es ist nicht alles Gold, was glänzt. Thomas ist schwer herzkrank und darf sich nicht überanstrengen. Er wartet inzwischen auf eine Transplantation. Weder er, noch seine Mutter, können den Familienbetrieb nach dem Tod von Thomas’ Bruder weiter führen. Barbara hat zwar alle Vollmachten, aber null Ahnung vom Geschäft. Daher beschließt Thomas, einen Consultant mit dem Verkauf der Firma, wofür ein geeignetes übernehmendes Unternehmen gesucht wird. Zeitgleich beginnen Ereignisse im Umfeld Barbaras, die sie an ihre schlimmsten Momente in Reihen der Polizei erinnern. In Burg, dem Ort, wo Schmidtmann vor über sieben Jahren drei Jungen ermordete, treibt sich ein Vergewaltiger um. Die örtliche Polizei bittet sie um Hilfe. Es kommt zu einer Begegnung mit den Eltern des letzten Opfers.

Im heimischen Düsseldorf scheint jemand die Morde deutscher Serienmörder nachzustellen. Es ist bizarr mitanzusehen, wie bei Barbara sofort Erinnerungen an alte Fälle geweckt werden, obwohl es sich zunächst eindeutig um Leichenschändung handelt. Aber dann wird eine Freundin der Familie Hielmann ermordet und es wird deutlich, dass der Mörder es auf Barbara abgesehen hat. Wieso heftet der angebliche Journalist Özay tagtäglich an Barbaras Fersen? Und wohin haben sich der vermeintliche Vergewaltiger von Burg und der Vater von Schmidtmanns letztem Opfer abgesetzt? Könnte einer von ihnen Mordgelüste gegenüber Frau Dr. Hielmann-Pross haben?

Gute Story mit einem großen Aber …

Was sich Silvia Kaffke da ausgedacht hat, ist über weite Strecken gut. Was Aufbau der Handlung und Erzeugung von Spannung anbelangt, steht »Totenstill« seinen Vorgängern um nichts nach. Und Kaffke kann gut schreiben, das Buch ist trotz teilweise unangenehm langer Kapitel ein wahrer Pageturner. Krimi-Experten mögen jedoch schnell durchschauen, wenn nur einer der neu eingeführten Charaktere über alle Zweifel erhaben zu sein scheint.

Das große Aber an diesem Roman ist jedoch die Protagonistin selber. Die Pross ist zum absoluten Gutmensch geworden, die den Leser mit ihrer Selbstlosigkeit und übertriebenen Rücksichtsnahme mehr als einmal auf die Nerven geht. Hinzu mischt sich ein beispielloses Selbstmitleid und übertriebenes Schuldgefühl, sobald der alte Schmidtmann-Fall ihre Gedanken durchkreuzt (und das ist leider ziemlich oft der Fall). Überall steckt Barbara zurück, immer ist das Wohl ihrer Mitmenschen wichtiger als ihr eigenes und das obwohl sie einer unmenschlich hohen Belastung ausgesetzt ist. Sie trägt das Leid der ganzen Welt auf ihren schwachen Schultern, ohne dass ihr jemand dabei eine Hilfe sein könnte und man wundert sich nur, dass keinerlei Ermüdungserscheinungen an ihr erkennbar werden.

Vielleicht hat die Autorin das im Verlauf ihres Romans selbst erkannt, denn das Ende lässt hoffen, dass Barbara den Fall Schmidtmann endlich überwinden kann und ihr herzenslieber, dauerkranker Gatte wieder zu Kräften kommt. Ein etwas härterer, stärkerer Charakter täte der Rolle gut.

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Cordula zu »Silvia Kaffke: Totenstill« 30.04.2008
Totenstill habe ich nur als Hörbuch gehört und fand es so spannend, dass ich auf der Fahrt von Duisburg nach Usedom auch einen längeren Stau in Kauf genommen hätte.
Danach habe ich die beiden ersten Bücher gekauft und bin keineswegs enttäuscht. Gerade die Schmidtmann-Sache hat mich neugierg auf die älteren Bücher gemacht.
Absolut empfehlenswert!
Roland zu »Silvia Kaffke: Totenstill« 26.02.2008
Leider kann Frau Kaffke nicht schreiben.Schade, denn der Plott hätte schon was hergeben können. Nicht nur der Stil ist schlecht, sondern als Schreiberling sollte man schon noch wissen, was Seiten davor passiert ist.
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