Herzensgut von Silvia Kaffke

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2002 bei Fischer.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 2 der Barbara-Pross-Serie.

  • Frankfurt am Main: Fischer, 2002. 382 Seiten.

'Herzensgut' ist erschienen als

In Kürze:

Der angebliche Suizid einer jungen Frau bringt Barbara Pross auf die Spur eines Serienmörders, der Kinder tötet. Die Profilerin aus Kaffkes Debütroman »Messerscharf« ermittelt auf eigene Faust. Je tiefer sie gräbt, desto deutlicher wird, dass Mord nicht das Schlimmste ist, was einem Opfer widerfahren kann.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein guter, moderner Thriller made in Germany« 78°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Immer wieder schockieren die Nachrichten über verschwundene Kinder. Entweder sie bleiben verschwunden oder sie werden Tage, wenn nicht Wochen später tot aufgefunden. Grausame Realität, besonders wenn man bedenkt, dass viele Taten auf das Konto von Serientätern gehen, die von der Polizei jahrelang erfolglos gejagt werden.

Barbara Pross zieht um. Sie ist festen Willens, sich von ihrem Lebensgefährten Thomas zu trennen. Die Gründe dafür weiß sie selbst am besten und werden dem Leser auch nicht so ganz klar, aber auf jeden Fall zieht es sie aus dem hippen Düsseldorf ins schnöde Duisburg. Bei der Besichtigung einer Mietwohnung dringt ihr ein allzu vertrauter Geruch aus der Nachbarwohnung ins feine Näschen. Tatsächlich, die junge Frau, die hier wohnt, liegt seit Tagen tot auf ihrem Bett – offenbar Selbstmord. Barbara lernt den Polizisten Sven Heyer kennen, der diesen Todesfall bearbeitet und sich dabei ein wenig in sie verguckt. Ungewollt rutscht die Psychologin Pross so in eine Dreiecksbeziehung, die sie bis Ende des Romans für sich klären muss.

Pädophiler Serienmörder immer noch auf freiem Fuß

Aber sie muss auch noch was anderes aufklären. Die tote junge Frau war die Schwester eines vor Jahren entführten Mädchens namens Jenny, offenbar ein Opfer des psychisch kranken Grigoleit, der damals auf frischer Tat bei der Beerdigung eines seiner Opfer ertappt wurde. Grigoleit gestand 5 Morde, darunter auch den an Jenny. Nun tauchen aber Fotos auf, die ein Mädchen zeigen, das Ähnlichkeit mit Jenny hat. Und dann stellt auch der Gerichtsmediziner fest, dass bei der Leiche Spuren von Gewalteinwirkung zu sehen sind. Doch kein Selbstmord? War die junge Frau einer Bande von Pädophilen auf der Spur, die ihre Schwester verkauft haben?

Gleichzeitig verschwindet wieder ein kleines Mädchen und mit Hilfe eines pensionierten Polizisten entdeckt Barbara Zusammenhänge zwischen zwölf Kindesentführungen in den zurückliegenden 35 Jahren. Eine zweifelhafte Rolle scheint dabei der Unternehmer Terboom zu spielen, dessen Schwester damals das erste Opfer des Serientäters gewesen sein könnte, obwohl sie nicht recht in das Schema passen will: Alle anderen Mädchen hatten etwas zierliches, glichen im Aussehen alten Spielzeugpuppen. Immer fester wächst in Barbara die Überzeugung, dass mit Grigoleit der falsche für die Verbrechen bestraft wurde und der wahre Täter noch immer vor ihren Augen agiert.

Durchgehend hoher Spannungsbogen

Wer sagt, dass deutsche Autoren keine spannenden Thriller schreiben können, dem zeigt Silvia Kaffke auch mit ihrem zweiten Buch das Gegenteil auf. Die in nur neun Kapitel gegliederte Handlung unterhält von der ersten bis zur letzten der 380 Seiten, ohne zwischendurch zu verflachen. Vor Vergleichen mit renommierten Kollegen braucht sich die Autorin wahrlich nicht zu scheuen. Der Fall ist gut durchdacht, hat einen stets aktuellen Bezug und die nötige Brisanz, um Leser zu fesseln.

So grausam das Thema, so tiefgründig die Hauptfigur Dr. Barbara Pross. Als Kind selber Zeugin geworden, wie eine Freundin ermordet wurde, scheint sie den Beruf einer Psychologin auch gewählt zu haben, um sich selbst zu therapieren. Irgendwie scheint sie trotz ihrer 40 Jahre ankerlos zu sein. Den Beruf aufgegeben, weil sie sich ihm nicht mehr gewachsen fühlte, die Beziehung aus ähnlichen Motiven aufs Spiel gesetzt. Wie wird es mit der wankelmütigen Frau Doktor weiter gehen? Andere Charaktere haben sympathischere Züge erhalten, ohne dabei weniger Ecken und Kanten zu haben. Besonders gefällt dabei der pensionierte Kommissar Leiß, der aus seiner Seniorenresidenz heraus eine wichtige Hilfe für Barbara Pross ist.

Warum Ela Bach?

Es gibt auch Sachen, die für leichtes Befremden sorgen. Wieso kann Pross so leicht die Akten der Polizei einsehen und sogar an Verhören teilnehmen, obwohl sie den Dienst bei der Polizei lange quittiert hat? Inwiefern ist sie eigentlich eine Profilerin, zumal sie mehr klassisch ermittelt als ein Täterprofil zu erstellen? Bleibt zu hoffen, dass sie bald wieder einen Job bekommt, damit ihre Ermittlungen an Glaubhaftigkeit gewinnen. Und wieso hat es Silvia Kaffke nötig, sich die Kommissarin Ela Bach von ihrem Autorenkollegen Horst Eckert auszuleihen? So kurz der Auftritt dieser Figur auch sein mag, so überflüssig ist er auch, denn er hinterlässt bei Kennern der Romane Eckerts einen negativen Nachgeschmack.

Wie dem auch sei, der sehr gute Gesamteindruck wird durch die gelegentliche großzügige Auslegung des Wirkungsbereiches der Hauptfigur nicht getrübt. Ein guter, moderner Thriller made in Germany. Silvia Kaffke beweist, dass nicht nur Amerikaner dieses Metier beherrschen und hat mit »Herzensgut« einen soliden Nachfolger für ihr Debüt Messerscharf vorgelegt.

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Gabi zu »Silvia Kaffke: Herzensgut« 16.02.2014
Ich habe schon viele Krimis gelesen und dieser hebt sich im Gegensatz zu vielen anderen wohltuend ab, einfach aus dem Grund, dass auf detailliert beschriebene grausame Szenen verzichtet wird. Dennoch ist ein sehr guter Spannungsbogen vorhanden,dazu eine sympathische und menschliche Profilerin als Hauptfigur.
Die Liebesgeschichte zwischen zwei Männern fand ich nachvollziehbar und auch psychologisch interessant, eben eine private Geschichte neben der Story, so ist das eben im Leben. Ich hab das Buch verschlungen und werde von der Autorin noch mehr lesen!
Bio-Fan zu »Silvia Kaffke: Herzensgut« 18.10.2009
Da "Herzensgut" mein 1. Krimi von Silvia Kaffke war, wusste ich die Autorin nicht einzuschätzen, deshalb war mein Schreck groß, als die Protagonist, kaum von ihrem langjährigen Freund getrennt, sich in einen Polizei-Beau verguckte, und damit ein buchlanges Second-Chance-Lovestory-Geturtel zu befürchten war. Dem war dann Gottseidank nicht so.

Kaffkes Serienheldin, die Profilerin Barbara Pross, lässt sich in keine der gängigen Heldinnen-Schublade pressen. Da ist viel von der Power und dem Eigenbrödlertum zu spüren, welches im Allgemeinen den hardboiled detective amerikanischer Prägung auszeichnet. Es war spannend, ihr bei diesem kniffligen Fall zu folgen.

Ein eindeutiger Selbstmord nimmt nach ersten Recherchen immer weitreichendere Dimensionen an. Barbaras Kombinationgabe und ihre Intuition sind gefragt, gilt es doch einen mutmaßlichen Serientäter zustellen, der im Dunstkreis eines Kinderpornoringes agiert, in dem wiederum die Honoratioren des halben Niederrheins verstrickt zu sein scheinen.

Eine äusserst spannende Lektüre, die zu weiteren Folgen mit Profilerin Pross einlädt. 88 Grad.

PS: Ein kleines Gimmick ist der Gastauftritt von Kommissarin Ela Bach, eine der Protagonistinnen von Autorenkollege Horst Eckert.
Cosima zu »Silvia Kaffke: Herzensgut« 24.05.2008
Ich lese diesen Krimi momentan und finde ihn auch sehr spannenend. Bislang hatte ich überwiegend Krimis/Thriller aus den USA gelesen, aber irgendwie sind mir die meisten inwischen zu flach und zu gestylt. Dieser hier aus Dt. finde ich sehr spannend. Der Spannungsbogen bleibt wirklich erhalten.
Curry zu »Silvia Kaffke: Herzensgut« 09.11.2004
Ein sehr guter Thriller aus deutschen Landen, wofür man der Autorin danken muss. Sicehrlich zu einem Thema, von dem einige Leser aus Prinzip die Finger lassen, da es sie zu sehr aufwühlt: Kindesmord.
Was mich bei diesem Buch genervt, ja beinahe in den Wahnsinn getrieben hat, war die orientierungslose Tendelei der Hauptfigur zwischen zwei Männern. Irgendwann hab ich gedacht, was muss das für eine faszinierende Frau sein... aber in jeder Zeile offenbart sich absolute Gegenteil. Mauerblümchen, borniert, verstockt, dickköpfig, unsicher, so sehe ich die Hauptfigur. Schwer vorstellbar für mich, dass sie solch einer Dreiecksbeziehung stand halten kann. Mir fällt keine deutsche Schauspielerin ein, die diese Romanheldin glaubhaft verkörpern könnte.
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