Das dunkle Netz der Lügen von Silvia Kaffke

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 bei Wunderlich.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Ruhrgebiet, 1800 - 1869.
Folge 2 der Robert-Borghoff-Serie.

  • Reinbek bei Hamburg: Wunderlich, 2010. ISBN: 978-3805208895. 480 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2012. ISBN: 978-3-499-25377-5. 496 Seiten.

'Das dunkle Netz der Lügen' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Ruhrort, 1861: Dunkle eiten im Land von Stahl und Kohle Lina hat es geschafft: Ihr kleiner Modesalon ist in aller Munde. Wie viele Bewohner des Städtchens hat sie die Aufbruchstimmung der letzten Jahre genutzt und sich nach ihrer Hochzeit mit Commissar Robert Borghoff selbständig gemacht. Ihre Welt wird erschüttert, als Anna Jansen erstochen wird. Wer hatte einen Grund, ihrer besten Näherin nach dem Leben zu trachten? Doch das ist erst der Anfang. Ein weiterer Mord geschieht. Und während ganz Ruhrort den traditionellen Maiball begeht, werden die Villen reicher Bürger geplündert. Nicht nur der Polizei fällt auf: Die Taten waren gut geplant, zeugen von genauer Kenntnis der Örtlichkeiten und Besitztümer. Und: Sie betreffen ausschließlich Linas Kunden. Misstrauen schlägt ihr entgegen. Gestern noch eine angesehene Bürgerin Ruhrorts, muss Lina nun ihre Ehre verteidigen. Dabei steht nicht nur ihr Ruf auf dem Spiel.

Das meint Krimi-Couch.de: »Gelungene Zeitreise« 72°

Krimi-Rezension von Ines Dietzsch

Auch in ihrem zweiten historischen Kriminalroman Das dunkle Netz der Lügen nimmt uns die Duisburgerin Silvia Kaffke mit auf eine Reise nach Ruhrort im neunzehnten Jahrhundert. Sieben Jahre sind seit den schrecklichen Geschehnissen in Das dunkle Licht des Mondes verstrichen und wer das Buch gelesen hat, kann sich auf ein Wiedersehen mit vertrauten Protagonisten freuen.

Lina Kaufmeister und Polizeicommissar Robert Borghoff haben sich verheiratet. Lina betreibt erfolgreich einen Modesalon, der sich auch bei der besseren Gesellschaft von Ruhrort großer Beliebtheit erfreut. Ausgerechnet als der große Maiball bevorsteht, wird Linas beste Näherin Anna Jansen überfallen. Der Zufall schickt die ehemalige Dirne Zita, die sich nach Ruhrort geflüchtet hat, um bei einem alten Freund Unterschlupf zu suchen. Zita versteht sich auf das Handwerk und erarbeitet sich schon bald einen festen Platz unter Linas Näherinnen.

Während sich die Ruhrorter beim Maiball vergnügen, wird im großen Stil in deren Häuser eingebrochen. Dabei stellt es sich heraus, dass die Täterbande über genau die Informationen verfügte, welche die erlauchte Kundschaft in Linas Salon bei den Anproben ausplauderte. Lina muss um ihren guten Ruf und die Existenz ihres Geschäftes bangen.

Zugegeben, in dieser knappen Zusammenfassung hört sich der Inhalt des Buches ziemlich unspektakulär an. Doch das Gegenteil ist zutreffend. Silvia Kaffke gelang mit ihrer Fortsetzung wieder ein sehr unterhaltsamer Roman, der mit Detailreichtum glänzt. Kaffke vereint mehrere Handlungsstränge und Schicksale einer Vielzahl an Personen in einer schlüssigen Geschichte, der man gerne folgt. Näherinnen, Hausmädchen, Barone, Huren, Stahlarbeiter, Nichtsnutze – am Beispiel der unzähligen verschiedenen Protagonisten, welche allesamt sorgfältig charakterisiert werden, bildet Kaffke das Leben im Ruhrpott zur damaligen Zeit ab. Lediglich Lina und Robert werden zu eindimensional dargestellt, ihnen ständen ein paar Ecken und Kanten gut zu Gesicht. Überhaupt geht es im Hause der Borghoffs in der Harmoniestraße ein wenig zu harmonisch zu.

Mit angenehmer Leichtigkeit präsentiert Silvia Kaffke umfangreiches historisches Hintergrundwissen und vermittelt überzeugend ein Bild von den damaligen Lebensumständen und Gepflogenheiten. Kaffkes Beschreibungen sind so plastisch, dass man sich unversehens mitten in den engen Gassen der Ruhrorter Altstadt wieder findet und beim Lesen intensiv am Geschehen teilnimmt. Diese Mischung aus Atmosphäre, historischen Fakten und krimineller Handlung ergibt eine stimmige Erzählung, die für vergnügliche Lesestunden sorgt.

Ines Dietzsch, Dezember 2010

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M-L zu »Silvia Kaffke: Das dunkle Netz der Lügen« 27.06.2012
Das Buch ist sehr spannend geschrieben. Ich konnte es kaum aus der Hand legen. Frau Kaffke hat sehr gut recherchiert. Ihre Hauptfiguren Lina und Robert sind sehr sympathisch. Man nimmt an ihrem Schicksal Anteil. Die Zeit entsteht durch ihre Erzählweise im Kopfkino. Die Kriminalfälle sind miteinander verwoben. Als Leser ist man dem Kommissar weit vorraus. Aber das stört die Spannung nicht.
tassieteufel zu »Silvia Kaffke: Das dunkle Netz der Lügen« 29.05.2012
Lina Kaufmeister und Commissar Robert Borghoff sind inzwischen verheiratet und Lina betreibt sehr erfolgreich einen kleinen Modesalon. Dort beschäftigt sie mehrere Näherinnen und sie hat es auch geschafft, ihren Salon durch die Wirtschaftskrise zu bringen. Gerade als wirtschaftlich wieder aufwärts geht, wird Linas beste Näherin Anna Jansen erstochen. Doch das ist erst der Anfang, denn eine Einbruchsserie erschüttert Ruhrort und Linas Mann Robert schafft es zunächst nicht, die Diebe dingfest zu machen.

"Das rote Licht des Mondes" hatte mich richtig begeistert und so war ich natürlich gespannt auf die Fortsetzung und auch hier wurde ich nicht enttäuscht! Sechs Jahre sind vergangen und man bekommt nach einem Prolog zunächst einen kurzen Einblick in das Leben der beteiligten Personen. Lina und Robert sind inzwischen verheiratet und auch wenn sie keine eigenen Kinder haben, so leben in ihrem Haushalt diverse Personen. Da sind zunächst die Hausangestellten, unter ihnen Finchen und Simon, inzwischen ebenfalls verheiratet und Eltern von 4 Kindern, doch ihre Ehe läuft gar nicht gut. Auch Baron von Sannberg ist wieder mit von der Partie, auch er hat geheiratet und genießt das Leben mit seiner jungen Ehefrau. Bei Linas Bruder Georg leben Emil und Josef, die Söhne von Linas Zwillingsschwester Mina. Diese ist nun nach 6 Jahren wieder aufgetaucht und will ihre Söhne zurück, was Georg und seine Frau Aaaltje zum Wohl der Kinder verhindern wollen.
Schon aus Linas Familien und Freundeskreis gibt es eine Vielzahl von kleinen Episoden, die im Laufe des Buches erzählt werden. Hinzu kommen noch Erzählstränge über die Greifer Bande und ein paar andere Personen, wie z.B. die junge Zita und Hermann Demuth, die Beide auf der Flucht vor der Greifer Bande sind und nun in Ruhrort doch wieder in deren Machenschaften verstrickt werden. Hier muß man ein wenig aufpassen, das man nicht den roten Faden verliert und stellenweise tritt die eigentliche Krimihandlung auch ein wenig in den Hintergrund.
Trotzdem ist jeder dieser Erzählstränge für sich genommen schon spannend, im Lauf der Geschichte werden aber all diese kleinen Episoden zusammen geführt und am Ende zu einer logischen Auflösung verknüpft. Die Handlung ist hier gut konstruiert, der Krimifall ist glaubwürdiger als im Vorgänger, allerdings blieb am Ende doch die ein oder andere Frage ungeklärt und einige Sachen, wie z.B. der Mord an Baron Sannbergs Frau wurde mir zu fix abgehandelt.
Sehr gelungen ist aber wieder der historische Hintergrund, hierfür hat die Autorin eindeutig ein Händchen! Mit leichter Hand zeichnet Silvia Kaffke hier ein stimmiges und überzeugendes Bild vom damaligen Leben, den Gepflogenheiten und vom Stadtbild Ruhrorts. Als Leser fühlt man sich quasi in diese Zeit versetzt und in Verbindung mit dem sprachlich gut angepassten Schreibstil kann man wunderbar Eintauchen in die Mitte des 19. Jahrhunderts.

Fazit: Wer den ersten Lina Kaufmeister Roman mochte, der wird mit Sicherheit auch hier seine Freude haben, bringt doch das Buch ein Widersehen mit vielen lieb gewonnenen Figuren aus dem Erstling. Der stimmige, gut geschilderte historische Hintergrund ist hier wirklich ein Highlight und in Verbindung mit dem Krimifall sorgt er für atmosphärisch dichte, spannende Unterhaltung. Schade das es bisher keine Fortsetzung gibt!
frauke philipsen zu »Silvia Kaffke: Das dunkle Netz der Lügen« 04.01.2012
Ein ganz tolles Buch, das einen richtig in die Zeit, in der es spielt, mitnimmt und bei dem mit Lina und Robert mitfiebert.

Es ist nur sehr schade, dass es im Herbst 2011 und bis heute keinen Folgeband gibt und insoweit auch nichts angekündigt ist.

Da helfen auch weder Neuauflagen von anderen Büchern und deren Verfilmungen, noch Lesungen oder die Umsetzung in Spielszenen in Ruhrort.
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