Der Eismann von Silja Ukena

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2015 bei Blanvalet.

  • München: Blanvalet, 2015. ISBN: 978-3-7645-0525-7. 384 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: DAV, 2015. Gesprochen von Götz Schubert. ISBN: 3862316076. 6 CDs.

'Der Eismann' ist erschienen als Hardcover HörbuchE-Book

In Kürze:

Tödliche Kälte, eiskalte Morde und ein unverzeihliches Verbrechen …

Hauptkommissar Bruno Kahn ist genervt: Der Berliner Winter ist sibirisch kalt. Zudem reißen ihn zwei Todesfälle, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, aus seiner vorweihnachtlichen Trägheit. Ein Rentner aus Lichtenberg wird in seinem Schrebergarten auf grausame Art gefesselt und ermordet. Eine Opernsängerin stürzt aus ihrer Altbauwohnung. Der einsame Wolf Bruno Kahn würde am liebsten durch Berlin flanieren, um in Ruhe Witterung aufzunehmen. Doch seine Kollegin Laura Conti und der neue Workflow der 7. Mordkommission machen Kahns Alleingang einen Strich durch die Rechnung. Als schließlich die Presse Wind bekommt, scheint alles drunter und drüber zu gehen. Dann taucht eine dritte Leiche auf …

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein atmosphärischer Kriminalroman alter Schule« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Dezember 2005. Es ist kalt in Berlin. Die Temperaturen sind teils zweistellig im Minus. Weihnachten steht vor der Tür. Eigentlich eine ruhige Zeit für Hauptkommissar Bruno Kahn und sein Team, doch dann wird eine Leiche in einem Schrebergarten in Lichtenberg entdeckt. Ein alter, offenbar in ärmlichen Verhältnissen lebender Mann, nackt, gefesselt in seiner kleinen Laube (Datsche). Er starb an Unterkühlung. Mehr als den Namen des Toten können die Ermittler zunächst nicht herausfinden, da ereignet sich ein weiterer Todesfall. Eine bekannte Opernsängerin stürzt aus ihrer Wohnung. Ein Selbstmord? Die Obduktion ergibt, dass das Opfer kurz zuvor Besuch hatte und ein Betäubungsmittel injiziert bekam.

»Immer das Gleiche, dachte er. Am Ende geht es darum, etwas zu bekommen, das der andere nicht kriegt – Geld, Liebe, einen alten Brotkanten. Seit Urzeiten schlugen Lebewesen sich deswegen die Köpfe ein. Die Tiere wussten es nicht besser. Die Menschen anscheinend auch nicht.«

Die Weihnachtstage scheinen plötzlich ungemütlich zu werden, unabhängig von der Wetterlage. Als wenig später in der Nähe von Frankfurt / Oder ein weiterer Mord entdeckt wird, dessen Opfer, ein früherer Manager der Deutschland Bank, genau so ermordet und hergerichtet wurde wie der Tote in der Gartenlaube, müssen sich die Ermittler beeilen, denn auch die Presse springt auf die Morde an …

Detaillierte Polizeiarbeit und ein Ausflug in die deutsch-deutsche Geschichte

Der Eismann von Silja Ukena ist, dies vorab, eine klare Empfehlung für Freunde traditionell geschriebener Kriminalromane. Ausführlich und detailliert wird die mitunter monotone polizeiliche Ermittlungsarbeit beschrieben und obwohl die Ermittler lange Zeit nicht voran kommen, schafft es die Autorin ihre Leser von Beginn an zu fesseln. Man kann sich in den Einzelgänger und Protagonisten Bruno Kahn sehr gut hineinversetzen und das macht die Lektüre dieses Romans so packend.

»Ungläubig betrachtete Kahn sich in dem kleinen ovalen Spiegel, der über dem Waschtisch hing. War das wirklich er? Tiefe Furchen zogen sich über Stirn und Wangen, und mit seinen schweren, blutunterlaufenen Augen erinnerte er mehr denn je an einen Bernhardinerhund. Einen, der sein Fässchen selbst geleert hatte.«

Kahn, ein mürrischer Einzelgänger, der sich gerne Zeit zum Nachdenken nimmt, ist Single, leicht introvertiert und ein Freund fester Tagesabläufe. Morgens ein kurzes Frühstück in der kleinen Cafe-Bar um die Ecke, abends gerne ein Menü in seinem Lieblingsrestaurant, sofern es die Arbeit zulässt. Hier muss er sich mit der jungen Laura Conti in seinem Team anfreunden, von der er zunächst nicht weiß, warum sie in seiner Truppe arbeitet. Hat man sie ihm zugeteilt, damit der Chef des Morddezernats einen besseren Einblick in Kahns Arbeit erhält? Die verschworene Truppe wird kritisch beäugt, doch ihre Erfolge waren bislang beeindruckend. Im vorliegenden Fall tappen sie hingegen lange im Dunkeln, da zumindest die männlichen Opfer keine Vergangenheit zu haben scheinen. Später, viel später, werden dann die grausamen Details einer verhängnisvollen Geschichte bekannt, die die Leser in einen dunklen Teil der bedrückenden ostdeutschen Nachkriegsgeschichte versetzt.

Der Erzählstil der Autorin ist angenehm unspektakulär. Neben der Tagesroutine und der Ermittlungsarbeit wird die Stadt Berlin umfangreich vorgestellt, ohne dass der Plot dabei zum Stadtführer mutiert. Das Privatleben von Bruno Kahn ist derzeit wenig spektakulär, wobei erste Ansätze aufblitzen, dass es in möglicherweise folgenden Fällen doch die eine oder andere Frau in Kahns Leben geben könnte. Traditionelle Krimiliebhaber, die auf Actionsequenzen und Computer-High-Tech verzichten können, werden an diesem atmosphärischen Setting ohnehin ihre Freude haben.

Jörg Kijanski, September 2016

Ihre Meinung zu »Silja Ukena: Der Eismann«

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Martina Bonczek zu »Silja Ukena: Der Eismann« 10.01.2016
Diese Buch hat mich sehr beeindruckt.
Berliner Atmosphäre vom Feinsten, dazu ein origineller Komissar- super.
Obwohl ich Berlin leider zu wenig kenne,
fühlte ich mich in den Beschreibungen direkt heimisch.
Die Geschichte ist gut konstruiert und die Spannung nicht allzu nervenaufreibend.
Die Beschreibung der Stasimachenschaften sind ein wichtiger Bestandteil ostdeutscher Geschichte und dürfen nicht in Vergessenheit geraten.
Das Buch ist eher ein Krimiroman und genau nach meinem Geschmack!
Petra Beck zu »Silja Ukena: Der Eismann« 02.01.2016
Das Buch habe ich von meinem Sohn zum Weihnachtsfest bekommen und kann ihm für diese Entdeckung nur dankbar sein. Ein tolles Buch! Von der ersten Seite an ein spannendes Lesevergnügen, mit welchem ich den Neujahrstag verbrachte. Die Geschichte ist fesselnd und die agierenden Personen und die Orte wirken sehr authentisch. Ich konnte das Buch einfach nicht aus der Hand legen, weil die Geschichte so mitgerissen hat. Vor allem, dass es zwar den eigenbrötlerischen Kahn gibt, aber die Ermittlungsarbeit im Team erfolgt, hat mir gefallen. Nichts von der Handlung wirkt übertrieben - aber die Winterkälte ist spürbar beschrieben. Und vor allem: Das Ende war gut gelöst und so ganz nach meinem Geschmack.
Ich freue mich schon auf eine Fortsetzung mit dem Ermittlerteam.
Klaus-Peter Berger zu »Silja Ukena: Der Eismann« 29.12.2015
Erster Eindruck gut, zweiter Eindruck mäßig , dritter Eindruck. nicht empfehlenswert.
Zu oberflächlich, wo es spannend wird, am Ende, abgehackt und unlogisch .
Zwischendurch wird es flach und langweilig, da kann man ganze Kapitel überspringen.
Da hatte ich mir mehr versprochen nach der Vorschau auf dem Einband hinten und der Empfehlung meiner Buchhandlung.
Na ja, beim nächsten Mal wird es ev. besser
Viele Grüße und Kopf hoch
Ihr
B.
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