Der Hühnerdieb von Shulamit Lapid

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

deutsche Ausgabe erstmals 1997 .
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.

  • München: Bertelsmann, 1997. Übersetzt von Mirjam Pressler. ISBN: 3-570-12316-2. 350 Seiten.
  • München: Goldmann, 1998. Übersetzt von Mirjam Pressler. ISBN: 3-442-72412-0. 350 Seiten.
  • München: Goldmann, 2003. Übersetzt von Mirjam Pressler. 350 Seiten.

'Der Hühnerdieb' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Ein neuer Fall für Lisi Baldichi, die unkonventionelle Journalistin aus dem israelischen Be´er Sheva. Warum muß der Polizeiinspektor Avner Rosen plötzlich untertauchen? Und wer hat seine geheime Mission verraten, bei der es um die Aufdeckung von illegalem Kunsthandel, Urkundenfälschung und Bestechung geht?

Das meint Krimi-Couch.de: »reichlich verworrener Plot«

»Nach dem Krieg um sechs« hatte sich der brave Soldat Schwejk mit seinem Freund Woditschka verabredet. »Nach dem Krieg um sechs« verabredet sich auch Lisi Badichi, die Reporterin der »Zeit im Süden« in Be’er Sheva, der israelischen Wüstenstadt im Negev, mit ihrem Kollegen. Es ist schon eine Art Galgenhumor in der Zeit des Golfkriegs, in der sich die Bevölkerung allabendlich nach dem Alarm in ihre abgedichteten Räume zurückzieht, die Gasmasken aufsetzt und auf die Entwarnung wartet.

Doch bis »nach dem Krieg um sechs« hat Lisi Badichi noch einige Reportagen zu schreiben. Zunächst mal die über den Doppelmord an Inspektor Awner Rosen, genannt »Rosi« und dessen Freundin Tami Simon, die während eines Alarms vor dem Haus von Tamis Vater erschossen wurden.

Lisis Schreck ist groß, als sie von der Beerdigung nach Hause kommt und einen Mann in ihrer Wohnung vorfindet, der sich als der angeblich ermordete Inspektor Rosen entpuppt. Nach dem ersten Schock erhält Lisi zunächst einmal Aufklärung: Tami Simon wurde erschossen, als sie aus dem Auto ausstieg, um das Tor zu öffnen, der nächste Schuß auf das Auto verfehlte Rosi, der sofort in Richtung der Schüsse zurückfeuerte. Der ungezielte Schuß war ein Volltreffer, der den Mörder erlegte. Dann tauschte Rosi mit dem Mörder die Kleidung und feuerte ihm eine Kugel ins Gesicht, um dessen Identifizierung zu erschweren und als Toter an seinem Fall verdeckt weiter zu ermitteln.

Rosi sucht Unterschlupf bei seinem Kollegen, Inspektor »Benzi« Koresch, der ihn ohne deren Wissen bei seiner Schwägerin Lisi, die alleine lebt, einquartiert. Rosen ist ein Polizist, der »sich weigert, Tatsachen zu akzeptieren, und auch weiterrecherchiert, wenn Fälle offiziell abgeschlossen waren«. Ja, gibt es denn in Kriminalromanen eigentlich auch Polizisten, die sich nicht so verhalten?

Rosen hat vor seiner »Ermordung« an einem Fall gearbeitet, bei dem es um Schmuggel von Kunstgegenständen geht. Sollte das Attentat auf ihn damit zusammenhängen? Der Vater von Rosis Freundin Tami, Schejke Simon, ist irgendwie in den Handel mit den Bildern verstrickt, aber er würde wohl kaum seine eigene Tochter umbringen lassen.

Zunächst fällt unangenehm auf, dass der Schreiber des Klappentextes das Buch wohl gar nicht gelesen hat, denn bei ihm sitzt Rosi zusammen mit seiner Freundin auf Lisis Sofas. Solche Fehler sollten eigentlich nicht passieren und machen einen sehr schlechten Eindruck auf den Verlag.

Die Autorin hat für ihren Roman recht vielschichtige Charaktere geschaffen. Hinter sämtlichen in den Fall verwickelten Polizisten – Rosen, Koresch und auch Silcha – scheint mehr zu stecken, als an der Oberfläche zu vermuten ist. Teilweise sind die Figuren auch recht skurril geraten wie Ja’akow und der Transvestit Klara, ein älteres Paar aus Lisis Bekanntenkreis. Auch Lisi selbst, von der immer wieder ihre großen Füße erwähnt werden, ist alles andere als durchschnittlich. Als Leser begleitet man die Reporterin ständig und ist ihr so nah, dass man ihren Gedanken folgen kann. So bleibt man auch immer mit Lisi auf dem gleichen Wissensstand und kann eigene Schlüsse ziehen.

Gleich mit ihrem ersten Satz: »Als Lisi Badichi loszug, um über die Beerdigung von Polizeiinspektor Awner Rosen und seiner Freundin Tami Simon zu berichten, wäre ihr im Traum nicht eingefallen, dass der Tote bei ihrer Rückkehr in ihrer Wohnung sitzen würde« versetzt die Autorin den Leser mitten in die Handlung hinein und erzeugt damit so etwas wie Vorabspannung, zumindest jedoch eine hohe Erwartungshaltung. Leider jedoch kann sie diese nicht halten, da die Handlung doch sehr kompliziert und verstrickt aufgebaut ist. Der Leser muß dem Geschehen schon sehr genau folgen, um bei den zahlreichen Personen aus Gegenwart und Vergangenheit sowie deren Beziehungen zueinander den Durchblick zu behalten. Noch komplizierter ist es, den Ringgeschäften der verschiedenen Firmen untereinander zu folgen und vor allem zu verstehen, wo darin die Ungesetzlichkeiten liegen. Daß es außerdem auch noch um Drogengeschäfte geht, macht die ganze Sache nicht gerade einfacher. So bleibt der Roman leider nur mäßig spannend.

Aber auch durch die zahlreichen Nebenhandlungen weckt das Buch genügend Interesse, denn Lisi hat ja nebenher auch noch ihre tägliche Arbeit zu erledigen und zum Beispiel darüber zu berichten, wie ein Kindergarten mit den täglichen Angriffen Husseins mit SCUD-Raketen umgeht. Durch die detaillierte Schilderung der Auswirkungen des Golfkriegs auf die israelische Bevölkerung wirkt der Roman sehr authentisch. Der Schreibstil von Shulamit Lapid wirkt recht schwungvoll. Gelegentliche humorvolle oder ironische Einschübe lockern das Geschehen sehr gut auf. Dialoge werden oft ohne Zwischentexte geschrieben, so daß man leicht den Faden verlieren kann, welche der Personen welchen Satz sagt.

Die Auflösung schließlich konnte man schon recht frühzeitig erraten. Doch wirkt dabei einiges sehr konstruiert und nicht überaus realistisch. Zudem bleiben am Ende doch einige Lücken oder ich konnte im Wirrwarr der vielen Fakten vielleicht den einen oder anderen Schluß nicht ganz folgerichtig ziehen.

Ihre Meinung zu »Shulamit Lapid: Der Hühnerdieb«

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annetine62 zu »Shulamit Lapid: Der Hühnerdieb« 30.05.2013
Ich werde das Buch vermutlich nicht fertig lesen, weil es bis auf die Beschreibungen des Alltagslebens sehr langatmig, verwirrend und langweilig ist. Die ungeschickt aufgebaute Dialogstruktur ist mühsam zu lesen und beginnt bald, zu nerven. Schade, denn die Figur der Lisi ist eigentlich sehr interessant.
marisa zu »Shulamit Lapid: Der Hühnerdieb« 03.05.2013
Ich habe das Buch mit 16 J. gelesen und bis zur allerletzten Seite spannend gefunden... Wer ein etwas geübter Leser ist, wird es nicht als verwirrend oder kompliziert empfinden... Ich fand es sehr lesenswert! Ist eines der wenigen Bücher die ich 2 mal gelesen habe! Nur kennt man halt beim 2ten mal den Täter bereits.
andrea2208 zu »Shulamit Lapid: Der Hühnerdieb« 11.07.2005
Manchmal ist die Handlung doch ein wenig verwirrend und man blättert im Buch so manchesmal wieder einige Seiten zurück, um etwas nachzulesen. Dennoch ist der Roman sehr spannend und ich konnte ihn fast nicht mehr aus der Hand legen. Auf jeden Fall lesenswert!
Janine zu »Shulamit Lapid: Der Hühnerdieb« 01.11.2003
Ich muss sagen, dass das Buch zwar schon sehr kompliziert und verwirrend strukturiert ist, doch halte ich die Ironie und die Person der Lisi Badichi für ausgezeichnet. Man sollte es gelesen haben - denn "Der Hühnerdieb" ist zwar kein James Bond, aber für Menschen, die gerne denken und selbst erforschen.
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