Noah von Sebastian Fitzek

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2013 bei Lübbe.

  • Köln: Lübbe, 2013. 560 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: Lübbe Audio, 2013. Gesprochen von Simon Jäger. 6 CDs.

'Noah' ist erschienen als Hörbuch

In Kürze:

Er weiß nicht, wie er heißt. Er hat keine Ahnung, wo er herkommt. Er kann sich nicht erinnern, wie er nach Berlin kam, und seit wann er hier auf der Straße lebt. Die Obdachlosen, mit denen er umherzieht, nennen ihn Noah, weil dieser Name tätowiert auf der Innenseite seiner Handfläche steht. Noahs Suche nach seiner Herkunft wird zu einer Tour de force. Für ihn und die gesamte Menschheit. Denn er ist das wesentliche Element in einer Verschwörung, die das Leben aller Menschen auf dem Planeten gefährdet und schon zehntausende Opfer gefunden hat.

Das meint Krimi-Couch.de: »Sebastian Fitzek stellt sich der Realität« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Kann man es in Zeiten zunehmender globaler Katastrophen den drei berühmten Affen gleichtun – sprich die Augen, die Ohren und den Mund verschließen? Steht nicht ein jeder von uns, der erkannt hat, dass die Zeichen auf Sturm stehen, in der Verantwortung, aktiv zu werden und wenigstens vor der eigenen Haustür zu kehren?

Der (End-)kampf um die Verteilung der immer knapper werdenden Ressourcen tobt schon lange. Kriege und Bürgerkriege werden geführt, um den Zugang zu Rohstoffquellen zu sichern, und sogenannte Friedensmissionen dienen zwar vordergründig dem Schutz der jeweiligen Bevölkerung, in Wirklichkeit verfolgen sie jedoch auch wirtschaftliche Interessen. Wer Letzteres in der Öffentlichkeit ausspricht, wie der ehemalige Bundespräsident Köhler, kann seinen Hut nehmen. Heute spricht sich die aktuelle Bundesregierung sogar für eine Ausweitung des deutschen, auch militärischen Engagements in Krisengebieten aus. Dies mit der Unterstützung des jetzigen Bundespräsidenten, der ansonsten die Worte »Frieden« und »Freiheit« auf den Lippen führt.

»Nie wieder Krieg« – stand auf dem Plakat, das Käthe Kollwitz 1924 entwarf. Die Künstlerin schrieb damals in ihr Tagebuch:

»Ich bin einverstanden damit, daß meine Kunst Zwecke hat.
Ich will wirken in dieser Zeit, in der die Menschen so ratlos
und hilfsbedürftig sind«.

Der Rezensent weiß nicht, ob Sebastian Fitzek diesen Tagebucheintrag kennt, aber er handelt in diesem Sinne. Mit seinem aktuellen Thriller Noah stellt der Autor sich der Realität. »Der neue Fitzek ist anders« konstatierten denn auch die eingefleischten Fans direkt nach der Veröffentlichung. Spielten seine bisherigen Thriller – soweit dem Rezensenten bekannt – in Pseudo-Realitäten mit teilweise eigenen Gesetzen und Plausibilitäten, so ist der Autor jetzt in der realen Welt angekommen. Natürlich ist die weltweite Verschwörung, die dem Plot als Grundlage dient, rein fiktiv, aber gar nicht so abwegig. Dass es da Menschen gibt, die sich für eine auserwählte Elite halten und sich anmaßen, die Herren über Leben und Tod zu sein, wissen gerade wir Deutschen schon lange. Noah ist eine böse Fiktion, die Möglichkeit eines zukünftigen Lebens.

Manila

Sebastian Fitzek beginnt dort, wo Leben nur Schmerz und Scham bedeutet. Schon darüber zu lesen tut weh, das Schreiben sicher auch. Keiner von uns weiß, was es heißt, in so einer ausweglosen Situation zu sein. Die Rede ist vom Existenzkampf einer Familie am Rande einer Mülldeponie im Großraum Manila. Der Ehemann und Vater ist vor kurzem verstorben. So übernahm der erst siebenjährige Sohn die Rolle des Ernährers, indem er täglich die nahe Müllhalde nach verwertbaren Stoffen absucht, während die Mutter sich um den immer kränkelnden Säugling kümmert. Sie führen ein Leben, in dem der Tod näher ist als der nächste Tag. Das Schicksal dieser Familie begleitet den Leser in Episoden durch den ganzen Roman und es zeigt exemplarisch, was es bedeutet, Kollateralschaden des Wohlstandes anderer zu sein.

Berlin

Ein Schwenk von fast 10.000 Kilometern Richtung Nordwest führt den Leser zum mitteleuropäischen Äquivalent der philippinischen Familie. In Berlin droht die Nacht mit zweistelligen Minustemperaturen. Vor einem Obdachlosenheim drängelt sich eine Schar  Nichtsesshafter. Unter ihnen befinden sich Oscar und Noah, obwohl Oscar sich für seine Verhältnisse recht komfortabel in einem stillgelegten U-Bahn-Schacht eingerichtet hat. Doch gegen die klirrende Kälte bietet sein »Domizil« keinen Schutz. Oscar ist ein »alter Hase« auf den Straßen Berlins, der alle Tricks und Schliche des Lebens in Armut kennt. Vor zwei Wochen war er auf Noah gestoßen. Dieser, von einer frischen Schusswunde und hohem Fieber geschwächt, leidet an partiellem Gedächtnisschwund. Der einzige Hinweis auf seine mögliche Identität könnte der Name Noah sein, der ihm in die Hand geritzt ist. In besagter eiskalten Nacht wälzen Oscar und Noah aus Langeweile einige weggeworfene Zeitungen. In einer entdecken sie das Abbild einer abstrakten Zeichnung, das bei Noah eine heftige Reaktion an Erinnerungen auslöst. Im Begleittext zu dem Bild wird der Urheber aufgefordert, sich unter einer angegebenen Telefonnummer zu melden, es winken  1 Million Dollar. Mehr aus Verzweiflung und Neugier kommt Noah dieser Aufforderung nach und nach einigem Hin und Her wird er gebeten, das Hotel Adlon aufzusuchen. Dort würde  eine Suite für ihn und Oscar gebucht. Noahs Anruf hat eine Lawine an Aktivitäten ausgelöst, wie die beiden nur allzu schnell erfahren werden.

Das bessere Inferno

Verschwörungsthriller gibt es viele, auch viele gute. Und auch einige, die besser sind als die von Dan Brown. Doch fällt meist als erstes dessen Name, wenn die Sprache auf dieses Subgenre kommt. Browns letztjähriger Output Inferno wurde mit großem Tamtam veröffentlicht, die Begeisterung bei den Lesern hielt sich indes in Grenzen. Man kann Romane nur schwer vergleichen, aber thematisch weisen Browns Inferno und das vorliegende Noah Parallelen auf. In beiden Romanen versuchen im Geheimen operierende Gruppen, die Bevölkerungsentwicklung der Menschheit zu beeinflussen. Ihre Mittel sind ähnlich effektiv und gleichsam radikal. Während Dan Brown sich nun in endlosen geographischen und kulturhistorischen Beschreibungen verliert, zeigt Sebastian Fitzek seine Meisterschaft als Thriller-Autor. Nach nur minimalem Auftakt geht es Schlag auf Schlag. Er hetzt seine Protagonisten und deren Gegenspieler erbarmungslos durch die Szenerie, wobei lange verborgen bleibt, wer eigentlich zu wem gehört. So muss Thriller sein, da passen auch die von Fitzek sonst so überstrapaziert eingesetzten Cliffhanger mal.

Spannung pur, wie der Jungdeutsche so sagt, mit einem voltenreichen Finale.

Gelungene Kombination

Sebastian Fitzeks Noah zählt zu meinen Highlights des letzten Jahres». Dass der Rezensent mal diesen Satz schreiben würde, hätte er auch nicht gedacht. Es stand (steht) außer Frage, dass Sebastian Fitzek gute Thriller schreiben kann, nur haben sie dem Rezensenten aus verschiedenen Gründen nicht gefallen. Noah ist anders, wie bereits erwähnt. Sebastian Fitzek ist einer bekanntesten und erfolgreichsten Thriller-Autoren Deutschlands – ein Mann, der ´s geschafft hat, der aber auch bemerkt hat, dass Vieles im Argen liegt. Aus dieser Erkenntnis heraus hat er diesen Roman geschrieben. Nicht, um seine entrüstete Stimme zu erheben, sondern aus seiner ganz persönlichen Ohnmacht heraus, wie Fitzek in seinem Nachwort schreibt. Wir alle sind Täter und Opfer zugleich. Letzteres vielleicht nicht heute, dann morgen oder in Gestalt unserer Kinder und Kindeskinder.

Die Idee, einen Thriller als Transportmittel für unbequeme Wahrheiten und nicht so leicht zu beantwortende Fragen zu machen, ist nicht neu, aber selten so gelungen. Der Rezensent hofft, dass der «andere" Fitzek viele Leser finden wird. Von ein paar Überspitzungen mal abgesehen, bietet Noah actionreiche Spannung, die das Anliegen des Autors aber nie übertönt. Beste Unterhaltung, die einen nachdenklichen Leser zurücklässt.

Jürgen Priester, Februar 2014

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Monti zu »Sebastian Fitzek: Noah« 31.12.2015
Fitzek packt die aktuellen Probleme dieser Welt drastischund erschütternd an ( siehe Manila ) .
Von der ersten bis zur letzten Zeile flüssig, nachvollziehbar und spannend geschrieben.
Manchen Lesern mögen die brutalen Morde
schwer im Magen liegen - man sollte sie als Hinweis auf die gesellschaftliche Realtität - ( sinken der Hemmschwelle) sehen !
A la bonne heure !
Weiter so !
Christine Hans zu »Sebastian Fitzek: Noah« 04.07.2015
Sehr gutes Buch!! Spannend von Anfang bis zum Ende. Man kann manchmal nicht glauben was man liest, kommt aber, wenn man die Weltentwicklung sieht, ins Grübeln ob so was nicht wirklich passieren kann.

Habe fast alle Bücher von Sebastian Fitzek gelesen: Ein muss für alle, die guze und spannende Krimis mögen.
SanDeRaw zu »Sebastian Fitzek: Noah« 26.05.2015
Ich bin begeistert! Das war das erste Fitzek-Buch was ich gelesen habe und das auch nur weil es mir empfohlen worden ist. Ich bin dankbar dafür :D Mitlerweile fehlen mir nur noch drei Bücher des Autors, dann habe ich alle!

Zu dem Buch selbst kann ich nur sagen, dass mir damals durch die Beschreibung der erste Gedanke kam :' Ohje, sowas übertriebenes..' Ich wusste das die Fakten die in dem Buch aufgezählt werden der Tatsache entsprechen, klar. ABER das die Menschheit von nur einer Person abhängen soll... war mir zu übertrieben. Trotzdem entschied ich mich das Buch zu lesen und war Begeistert von dem ganzen Buch, dass sowas doch nicht so 'unrealistisch' sein kann.

So ging es mir bis jetzt bei allen Fitzek Büchern, er hat sich definitiv an McFadyen vorbei geschlichen und ist jetzt Nummer Eins auf meiner Autorenliste. Fitzek sorgt in jedem seiner Bücher für reichlich Fragen und reichlich Überraschungen. NUR ZU EMPFEHLEN!
meni77 zu »Sebastian Fitzek: Noah« 24.04.2015
Hab schon deutlich Besseres von Fitzek gelesen, an die Therapie kommt er schon lange nicht mehr ran. Trotzdem will man wissen, wie die Geschichte ausgeht, von Fitzek habe ich noch kein Buch ganz weggelegt. Ich verstehe auch meine Vorgänger, dass sie sich an Brown erinnert fühlen, ist nämlich auch das gleiche Thema. Wer hat da wohl von wen abgeschrieben?:) Sein Gemeinschaftswerk Abgeschnitten kann ich jedoch meinen Vorgängern empfehlen, das Beste nämlich seit Jahren von ihm, wobei die Therapie unangefochten bleibt. Noah bekommt gut gemeinte 77 Prozent von mir
sistera zu »Sebastian Fitzek: Noah« 27.02.2015
Wenn nach dem Lesen dieses Buches ein jeder seine eigene Lebensweise überdenkt (in Frage stellt), sich dann ernsthaft überlegt was er wirklich ändern kann...nein...will.nein WIRD!!! dann hat Fitzek mit diesem Buch unglaublich viel erreicht. Ein kleiner Stein der ins rollen gebracht wird.

"Wir benötigen eine andere Art des Denkens,wenn die Menschheit überleben soll"
Albert Einstein
Oldman zu »Sebastian Fitzek: Noah« 10.02.2015
Mit Fitzek konnte ich bislang nichts anfangen. Dieses Buch beginnt jedoch grandios, die erste Hälfte ist spannend, und flüssig schreiben kann er ja. Die Mischung aus dem Bourne-Charakter und allgemeiner Verschwörungstheorie versandet dann aber mehr und mehr. Die Geschichte ist hanebüchen, der Autor versucht über einen Roman seine Botschaften loszuwerden, zu seinen Figuren mit Ausnahme einer hegt er keine Beziehung. Langeweile dominiert die letzten 200 Seiten, das Ende ist einfach nur noch lächerlich. Schade !
Dagobert Duck zu »Sebastian Fitzek: Noah« 03.11.2014
Ja, in der Tat, ein etwas anderer Fitzek! Ich habe bereits bis auf -Abgeschnitten- alle Bücher von Sebastian Fitzek gelesen; durchweg waren die Bücher sehr spannend, gut zu lesen und intelligent geschrieben.Noah hat mich sehr berührt; insbesondere vor dem Hintergrund der Überbevölerung der Kluft zwischen arm und reich und vor allem hat mich berührt die "zwischengeschaltete" Tragödie der, in völliger Armut, lebenden philippinischen Familie; deren Leben auf einer Müllhalde und die daraus entstehende Entwicklung des weiteren Lebensweges. Das war schon traurig.
Noah ist kein Thriller im eigentlichen Sinne; dennoch lesens- und empfehlenswert. Von mir bekommt das Buch ebenfalls eine Bewertung von 4,5 Sternen.
Sarah zu »Sebastian Fitzek: Noah« 29.09.2014
Ich liebe die Bücher von Fitzek. Noah habe ich leider noch nicht gelesen.Steht aber auf meiner Liste. Allerdings wollte ich zu der These...die Krankheiten die Fitzek verwendet gäbe es nicht einmal anmerken...Sopor bzw auch Topor genannt gibt es wirklich http://de.wikipedia.org/wiki/Sopor hier nachzulesen ;) Bevor hier noch weitere Behauptungen aufgestellt werden. Von daher..ich finde dieser Mann ist ein Genie :)
Gerlinde Eißler zu »Sebastian Fitzek: Noah« 28.05.2014
Ja, in der Tat, ein etwas anderer Fitzek! Ich habe bereits bis auf -Abgeschnitten- alle Bücher von Sebastian Fitzek gelesen; durchweg waren die Bücher sehr spannend, gut zu lesen und intelligent geschrieben.
Noah hat mich sehr berührt; insbesondere vor dem Hintergrund der Überbevölerung der Kluft zwischen arm und reich und vor allem hat mich berührt die "zwischengeschaltete" Tragödie der, in völliger Armut, lebenden philippinischen Familie; deren Leben auf einer Müllhalde und die daraus entstehende Entwicklung des weiteren Lebensweges. Das war schon traurig.
Noah ist kein Thriller im eigentlichen Sinne; dennoch lesens- und empfehlenswert. Von mir bekommt das Buch ebenfalls eine Bewertung von 4,5 Sternen.
Chris aus Mainz zu »Sebastian Fitzek: Noah« 23.05.2014
Für mich war es der erste Fitzek und ebenfalls fühlte ich mich an einen Dan Brown erinnert. Ohne allerdings dessen Temposteigerung zum Ende hin mitzumachen.
Die Geschichte um Zaphire war doch sehr konstruiert, ebenso das mit dem Zwilling.
Will damit nicht sagen, dass die Brownsche Phantasie realistischer ist, aber hätte mir im Hauptplot etwas mehr Dramatik gewünscht.
Dass der Hauptkiller so früh die Seiten gewechselt hat und die anderen ihnen gar nicht mehr nachjagen, halte ich für einen Fehler. Man hätte es länger spannend halten können.
Unlogisch: Dass die anderen Killer ihn nur gefangen nehmen wollten, halte ich im Kontext der Situation im Kaufhaus für etwas fragwürdig.
Ganz seltsam fand ich dann die Aussage im Gespräch mit der US-Regierungstante, dass die Manila-Grippe (also die, die sich durch ZetFlu auslösen lässt), dann irgendwie doch per Tröpfcheninfektion zu übertragen werden kann.
Auch fand ich den Einbau der sog.Chemtrails für dermaßen schlecht, weil ich diese Art von Verschwörungstheorie einfach abstrus finde.
Es glauben ja sogar Leute daran, dass Millionen Mitarbeiter der Airlines da mitspielen. Also bitte nicht noch Romanwasser auf deren Mühlen.

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