Der Nachtwandler von Sebastian Fitzek

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2013 bei Droemer Knaur.

  • München: Droemer Knaur, 2013. ISBN: 978-3-426-50374-4. 352 Seiten.

'Der Nachtwandler' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

In seiner Jugend litt Leon Nader an Schlafstörungen. Als Schlafwandler wurde er während seiner nächtlichen Ausflüge sogar gewalttätig und deswegen psychiatrisch behandelt. Eigentlich glaubte er geheilt zu sein – doch eines Tages, Jahre später, verschwindet Leons Frau unter unerklärlichen Umständen aus der gemeinsamen Wohnung. Ist seine Krankheit etwa wieder ausgebrochen? Um zu erfahren, wie er sich im Schlaf verhält, befestigt Leon eine bewegungsaktive Kamera an seiner Stirn – und als er am nächsten Morgen das Video ansieht, macht er eine Entdeckung, die die Grenzen seiner Vorstellungskraft sprengt: Sein nächtliches Ich steigt durch eine ihm völlig unbekannte Tür hinab in die Dunkelheit.

Das meint Krimi-Couch.de: »Was passiert, wenn nachts das Licht ausgeht?« 75°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Leon Nader ist ein junger Architekt. Beruflich und privat durchaus erfolgreich, bis er eines Morgens eine seltsame Begegnung mit seiner Frau Nathalie hat. Leon wacht vermeintlich aus dem Schlaf auf und sieht, wie sie – körperlich und seelisch lädiert – ihre Koffer packt und die gemeinsame Wohnung verlässt. Er läuft ihr zwar hinterher, kann sie jedoch nicht aufhalten. Für Leon beginnen mit diesem plötzlichen Verschwinden seiner Frau einige Tage voller Grauen und Verzweiflung. Als junger Mensch litt er unter seinen Anfällen als Schlafwandler, denn offenbar wurde er bei seinen nächtlichen Ausflügen durchaus auch gewalttätig. Sein damaliger Psychiater hatte ihn als geheilt bezeichnet, aber einige Vorfälle und Entdeckungen lassen ihn nun erheblich zweifeln. Er fragt sich, ob er im Schlaf wieder seltsame Dinge treibt, und für den Zustand seiner Frau verantwortlich ist. Eine Spezial-Kamera, die Leon auf dem Kopf trägt, soll ihm bei der Aufklärung der Rätsel helfen. Als er hinter seinem Schlafzimmerschrank den Eingang zu einem versteckten Labyrinth findet, beginnt für Leon ein schier auswegloser Alptraum.

Sebastian Fitzek hat bei seinem neuen Psychothriller Der Nachtwandler ziemlich tief in die Werkzeugkiste des routinierten Erzählers gegriffen, und sich damit nicht nur Lob eingehandelt. Etliche Leser monieren, dass der Berliner zu schnell neue Bücher schreibt, dabei zu wenig Sorgfalt walten lässt, und so das Niveau der Romane sinkt. Zunächst einmal ist mir der Vorwurf, dass ein Autor nichts Neues bringt, etwas zu billig. Romane, in denen nur Dinge passieren, die es bisher nicht gegeben hat, sind doch recht seltene Perlen. Irgendwie hat man als Vielleser doch ständig das Gefühl, das eine oder andere schon mal gelesen zu haben. Ein seltsames Haus mit geheimen Türen und einem versteckten Labyrinth gehört sicher dazu, Edgar Allan Poe lässt grüßen.

Und dann die alte Frau mit ihrer Katze, ein überaus merkwürdiger Postbote und der Psychiater mit seinem vermeintlichen Doppelspiel. Alles nicht wirklich neu, aber in meinen Augen durchaus stimmig komponiert und gut in die Geschichte eingepasst. Und natürlich einige Menschen, die plötzlich verschwinden und irgendwie wieder auftauchen. Das sind Elemente, die in viele Psychothrillern auftauchen können, ebenso wie die Themen Kontrollverlust und dunkle Schatten aus der Vergangenheit. Daraus zu schließen, dass Sebastian Fitzek seine Bücher weniger sorgfältig schreibt, ist für mich eine gewagte Schlussfolgerung.

Die Nachbarin mit der schwarzen Katze trägt den Namen Ivana Helsing – natürlich denkt man da an den Vampirjäger. Und die Alte raunt herum, dass es in dem Haus nicht mit rechten Dingen zugeht. Das sorgt schon für Gänsehaut-Feeling, und solche Anspielungen sind in meinen Augen durchaus legitim. Der Verlust jeglicher Kontrolle über Raum und Zeit bei Leon Nader wirkt nicht zu konstruiert, sondern gibt in meinen Augen tiefe Einblicke in eine zutiefst verstörte Psyche. Der Protagonist findet auf seinem eigenen Handy Fotos seiner Frau. Nathalie wurde bei sado-masochistischen Sexpraktiken offenbar übelst zugerichtet. Da ist es kein Wunder, wenn der junge Mann immer tiefer in die Verzweiflung getrieben wird.

Die kryptischen Andeutungen seiner Nachbarin passen hervorragend in die Geschichte, sorgen für weitere Verwirrung und bringen neue Dynamik in die Handlung, die spannend und stimmig erzählt wird. Zuweilen trägt Sebastian Fitzek etwas dick auf, aber das ist im Grunde kein neues Phänomen bei diesem Autor. Es handelt sich hier schließlich um Spannungsliteratur, und man mag Fitzek einiges vorwerfen, aber sicherlich nicht, dass seine Romane nicht spannend genug sind. Die hier und da auftauchenden Stolperer in der Sprache mag man dem Autor durchaus verzeihen, und die Schilderungen derber Brutalität sind ohnehin Geschmackssache. Fitzek-Romane sind in aller Regel nichts für zarte Gemüter, das gilt ganz sicherlich auch für Der Nachtwandler.

Etwas zwiespältig ist für mich das Ende des Buches, deshalb habe ich meine Bewertung auch gegenüber der ursprünglichen Note etwas herab gestuft. Man kann das Finale als offenes Ende betrachten. Oder als krönenden Abschluss. Das möge jeder Leser nach der Lektüre für sich entscheiden. In jedem Fall ein lesenswerter, gut erzählter Thriller – perfekt für ein langes Wochenende oder eine einzige Nacht vor dem Kamin. Denn einschlafen wird zum Risiko.

Andreas Kurth, Juni 2013

Ihre Meinung zu »Sebastian Fitzek: Der Nachtwandler«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Helga Fiedler zu »Sebastian Fitzek: Der Nachtwandler« 15.10.2017
Sebastian Fitzek hat einen guten Namen und was ich bis jetzt von ihm gelesen hatte, war gute und spannende Unterhaltung.

Leider war der Nachtwandler für mich vertane Lesezeit. Die Handlung ist verworren und für mich nicht nachvollziehbar. Ich konnte in den Handlungsablauf leider nicht hineinfallen und das Lesen wurde immer mühsamer, nach zwei Dritteln des Buches habe ich es entnervt zugeklappt.

Das Buch ist für mich nicht empfehlenswert.
Hofheimer zu »Sebastian Fitzek: Der Nachtwandler« 05.07.2017
Mein Einstieg war "Das Kind", danach hat es natürlich jeder Roman schwer.
Ich muss aber sagen, dass man sich bei diesem Werk wohl Notizen (Tabellen, Skizzen etc.) anfertigen müsste, um mitzukommen, worum es geht. Selbst dann würde es wahrscheinlich schwer.
Die Geschichte ist bis zur Hälfte sehr spannend, dann zerfasert alles ein wenig.
Pendragon_ffm_1978 zu »Sebastian Fitzek: Der Nachtwandler« 20.12.2016
Der Roman ist ganz großes Kino. Fitzek hat mit seinen Büchern ein neues Genre ins Leben gerufen, den Paranoia-Thriller. Ich habe das Buch jetzt zum dritten Mal gelesen und auch dieses Mal fiel es mir schwer, den Roman aus der Hand zu legen, um am normalen Alltag teilzunehmen. Der Nachtwandler ist, wie fast alle Romane von Sebastian Fitzek, ein Pageturner. Einmal angefangen, kann man nur schwer wieder aufhören.
Sinalco zu »Sebastian Fitzek: Der Nachtwandler« 23.08.2016
Es war als Urlaubslektüre gedacht, hatte es aber bereits nach wenigen Tagen durch.Die Geschichte ist sehr spannend geschrieben. Die Wandlung ist unvorhersehbar und sorgt für einen "WOW" Effekt. Die Handlung wirkt teilweise sehr verwirrend, aber alles klärt sich auf :) Ich fand das Buch absolut genial.
Angelika Simon zu »Sebastian Fitzek: Der Nachtwandler« 26.06.2016
Mein erstes Buch von Sebastian Fitzek, welches ich gelesen habe.. Therapie, war sehr spannend und hat mich echt überzeugt. Auf Grund dessen und der extrem vielen positiven Bewertungen, habe ich mich jetzt für das Buch, der Nachtwandler, entschieden. Mich hat es nicht besonders beeindruckt.und ich bin überrascht, wie die Meinungen so auseinandergehen.Auf mich wirkte dieses Buch sehr abstrus und verworren. Hatte mir viel mehr davon erwartet. Leider kann ich es nicht weiterempfehlen.
Anonymer Fan zu »Sebastian Fitzek: Der Nachtwandler« 05.06.2016
KRASS!
Sebastian Fitzek kann es einfach. Der Nachtwandler ist ein Buch der Extraklasse!
Ich habe es an einem Tag gelesen und war so tieftraurig, als es vorbei war. Ich bin wirklich ein Teil dieses Buches geworden und als es zu Ende war, ist auch ein Teil von mir erloschen.Es ist so perfekt geplant und geschrieben, dass man bis zum Ende immer wieder erstaunt ist.Aber Achtung!!! Ich habe es nachts gelesen und war alleine zuhause. Ich musste ein paar Mal durch das Haus laufen, um sicher zu gehen, dass keiner da ist.Gruselig, spannend, atemberaubend, unterhaltsam. Die Psyche wird auf eine harte Probe gestellt, deswegen hat es die Betitelung PSYCHOTHRILLER mehr als verdient!Ich möchte mich bei Herr Fitzek sehr herzlich bedanken. Wäre er nicht auf dieser Welt, wäre die Lesewelt nicht annähernd das, was sie ist.(Natürlich ist dies bloß meine Meinung)
Saskia Lenk zu »Sebastian Fitzek: Der Nachtwandler« 25.09.2015
Wahnsinn! Mein absoluter Liebling! War mein erstes Buch von Herrn Fitzek und seitdem bin ich ein riesen Fan! Man kann keines seiner Bücher weg legen und das besondere an seinen Bücher, wie auch bei diesem, man denkt immer "ha, jetzt hab ichs durchschaut!" und dann kommt die Wenudng, die man absolut NICHT erwartet, in JEDEM Buch. Einfach herrlich, ich liebe es.
D zu »Sebastian Fitzek: Der Nachtwandler« 22.09.2014
Nochmals, ich konnte das Buch einfach nicht beiseite legen. Einfach MEGA! Ich muss mich wiederholen (wie zuvor für das Buch "Der Seelenbrecher"). Das Buch beinhaltet alles was ich mir in einem Krimi oder einem Thrille vorstelle: Super Schreibstil, Sprache, Zusammenhänge und natürlich Spannung pur, mit der Betonung auf Spannung. Ich konnte das Buch nicht beiseite legen (wirklich!!). Ich kann nur sagen, weiter so Fitzek und nochmals vielen vielen Dank!
Stefanie Hellmich zu »Sebastian Fitzek: Der Nachtwandler« 05.08.2014
"Der Nachtwandler" war mein erstes Buch von Sebastian Fitzek. Ich hatte es von meinem Bruder zu Weihnachten geschenkt bekommen. Zuvor hatte ich eigentlich noch nichts von Sebastian Fitzek mitbekommen, vielleicht lag es aber auch daran, dass ich generell nicht mehr viel gelesen habe. Ich habe mir nicht viele Hoffnungen gemacht, dass ich dieses Buch zu Ende lesen werde, doch ich fing an das Buch zu lesen und ich kann einfach nur sagen: wow! Ich finde, dass dieses Buch grandios ist. Es ist spannend und meiner Meinung nach teilweise auch kompliziert. Doch gerade das macht dieses Buch so gut!
borkum zu »Sebastian Fitzek: Der Nachtwandler« 15.06.2014
Fürchterliches Buch, wobei man immer wieder den Eindruck hat, dass Fitzek den Faden zur Story und Personen verloren hat. Auch sind seine Figuren, selbst Leon, von einer derartigen Oberflächlichkeit,dass einem das egal ist. Das letzte Drittel habe ich nurmehr überflogen, weil mir die Geschichte, wie auch die Personen zu doof waren.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.

Dies sind nur die ersten 10 Kommentare von insgesamt 48.
» alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zu Der Nachtwandler

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: