Der Judasfluch von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2001 unter dem Titel The Coins of Judas, deutsche Ausgabe erstmals 2004 bei Knaur.
- London: HarperCollins, 2001 unter dem Titel The Coins of Judas. 528 Seiten.
-
München: Knaur, 2004.
Übersetzt von Michael Benthack.
ISBN:
3-426-62476-1. 528 Seiten.
'Der Judasfluch' ist erschienen als
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In Kürze:
Dreißig Silberlinge waren einst der Lohn des Judas für seinen Verrat an Jesus. Doch nur 27 Münzen liegen sicher verwahrt in den Gräbern der Päpste Petrus und Silvester. Die letzten drei sind verschollen. Sollte ein solcher Silberling im Vatikan in falsche Hände gelangen, so heißt es, wird die heilige römische Kirche fallen. Als der kalifornische Gerichtspsychiater Paul Stauffer bei einer Wette von einer flüchtigen Bekannten einen Kuss und eine Silbermünze empfängt, hält er das Ganze für ein amüsantes Gesellschaftsspiel. Doch dann gehen merkwürdige Veränderungen mit ihm vor …
Das meint Krimi-Couch.de: »Viel zu tun für den Leser, will er dem Roman einen tieferen Sinn abgewinnen«
Krimi-Rezension von Johannes Fischer
Spannend ist der Thriller auf alle Fälle. Vor allem für jene Leser, die sich nicht damit abfinden wollen, dass sich jede Erscheinung in unserem Leben wissenschaftlich beziehungsweise kriminologisch erklären lässt.
So wie der Protagonist der Story, Paul Stauffer, ein junger, aber bereits anerkannter Psychologe, der in der Fachwelt auch schon mal als angehendes Genie gefeiert wird. Staffer lehrt an der Universität und erstellt außerdem psychologische Profile für schwere Jungs
Verrat an der Ermordeten
Im Prozess gegen den mutmaßlichen Serienkiller Kramer spielt ein solches Gutachten eine entscheidende Rolle. Dank Staffer wird Kramer frei gesprochen. Doch der liberale Psychologe bekommt Zweifel. Hat Kramer ihn an Ende getäuscht? Ist er doch der Serienkiller? Er wischt die Frage beiseite. Denn er will sich einen möglichen Fehler nicht eingestehen. Das würde seiner Karriere schaden. Aus der Sicht des Erzählers ist das Verrat. Verrat an der Ermordeten und den Angehörigen. Im Verlauf der Geschichte wird der junge Professor auch noch seine Familie betrügen und verraten, indem er seine eigene bizarre Entwicklung radikal vorantreibt und dabei die schleichende Trennung von Frau und Tochter provoziert.
Verrat. Das ist eines der ganz wichtigen Themen, welches sich durch das gesamte Buch zieht. Man würde sich wünschen, Scott McBain hätte es noch stärker in den Vordergrund gerückt. Denn der Gedanke dahinter, dass Verrat mehr ist, als einen Komplizen oder Kampfgefährten einem Gegner auszuliefern, fasziniert. Verrat, wie der Begriff im »Judasfluch« literarisch verarbeitet wird, hat etwas mit Untreue zu tun. Die Treue halten kann man der eigenen Familie, aber auch der Gerechtigkeit und der Wahrheit. Da aber Staffer nicht an Gut und Böse und auch nicht an Gott und Teufel glaubt, relativieren sich auch Werte wie Treue, Wahrheit und Gerechtigkeit. Im Verlauf des Romans wird Staffer allerdings seine Meinungen ändern müssen. Denn er gerät in eine Welt, an die er zuvor auf keinen Fall glauben wollte: die Welt der Geister.
Für Fans von Fantasy, Mysterien und Übersinnlichem
Die Geister sind es auch, an denen sich die Bewertungen der Leser des Romans scheiden. Alle, denen solche Romanfiguren nicht liegen – und sie treten tatsächlich in Menschengestalt auf -, brauchen das Buch erst gar nicht in die Hand zu nehmen. Denn sie werden es, je weiter sie in die Geschichte vordringen, bereuen, ihre Zeit verschwendet zu haben. Wer sich aber gerne von Fantasy, Mysterien, Übersinnlichem und scheinbar Unerklärlichem verführen lässt, der ist mit diesem Buch sehr gut bedient, das darüber hinaus auch noch durch seinen sehr guten Sprachstil besticht.
Scott McBains Thriller hat viele Facetten. Er thematisiert den Begriff Verrat und er schickt den Leser in die Geisterwelt. Er erfindet eine Kirchenlegende und mischt sie mit realen Details aus der Kirchengeschichte. Und er schreibt über den uralten Kampf von Gut und Böse. Schließlich betreibt er auch noch Wissenschaftskritik, indem er Staffer Dinge erleben lässt, die jede normale Realitätserfahrung sprengt. Ja, das ausgerechnet der wissenschaftsgläubige Staffer in einen Teufelskreis – im wahrsten Sinne des Wortes – gerät, hat seinen Reiz.
Immer dicker aufgetragen, immer irrationaler
Aber man sollte vielleicht auch nicht zu viel in den Roman interpretieren. Denn weil der Autor zuweilen sehr dick aufträgt – und gegen Ende wird es immer dicker und irrationaler – verliert er an Ernsthaftigkeit. Seine Story lässt sich gut lesen, ist auch in ihrer inneren Logik stimmig. Dennoch muss der Leser muss in seiner eigenen Vorstellungswelt sehr viel tun, wenn er dem Roman einen tieferen Sinn abzugewinnen möchte.
Aber Romane sind ja vorrangig zur Unterhaltung da, jedenfalls ein Roman wie dieser. Aber gerade deshalb kann man es dem Autor übel nehmen, das er so tut, als habe er nicht nur eine gute Geschichte anzubieten, sondern auch noch etwas tiefsinniges zu sagen. Das hat er nicht, definitiv nicht. Die Zitate aus alten, mystischen Büchern aus dem Mittelalter zu Beginn der Kapitel wirken aufgesetzt – ein direkter Zusammenhang zum Text ist nicht erkennbar. Abgesehen davon sind sie für Leser, die sich nicht mit alten Texten beschäftigen, ohne Interpretationshilfe kaum zu verstehen. Als Beispiel sei gleich das erste Zitat aus dem »Hexenhammer« angeführt, dass dem Prolog vorsteht:
»Alles in allem ist daraus zu schließen, dass die Behauptung rechtgläubig und nur zu wahr ist, dass es Zauberer gibt, die mit Hilfe der Dämonen und wegen des mit ihnen geschlossenen Paktes tatsächliche Wirkungen mit der Zulassung Gottes erzielen können, ohne auszuschließen, dass sie auch imstande sind, vorgespiegelte und fantastische Wirkungen durch Trugbilder zu bewerkstelligen.«
Nichts verstanden? Macht nichts. Abgesehen davon, dass Dämonen zu den Hauptpersonen des Geister-Thrillers gehören, geben die Zitate keine Hinweise auf die Lösung der Rätsel, vor die uns der Autor stellt. Es sind nur ein Schörkel. Barock gewissermaßen und somit Geschmacksache.
Schrecklich banal wie Neuzeit-Gurus
Eine weitere Schwächen des Romans sei in diesem Zusammenhang noch erwähnt: Zum einen versucht Scott McBain im hinteren Teil des Buches die Sprache der Mystiker und Fernost-Weisen nachzuahmen und wirkt dabei so schrecklich banal wie es Neuzeit-Gurus unserer Gegenwart im allgemeinen auch sind. Hier überschreitet der Autor nicht die Grenzen des sinnlich Wahrnehmbaren, sondern gleitet ab ins Reich der Peinlichkeit. Es gibt Leser, die tun das nicht ganz zu unrecht als verworrenes Geschwafel ab. Nicht minder peinlich sind die seltsamen Ausflüge der Romanfiguren in die »Astralebene«, wo sie ihre physische Existenz verlassen und wundersame Dinge sehen. Als Beschreibung eines leergesoffenen Verstandes im Delirium müsste man diese Passagen allerdings als gelungen ansehen. Doch das wäre nicht im Sinne des Autors …
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| Tempe zu »Scott McBain: Der Judasfluch« | 09.10.2009 |
|---|---|
| Anna - S. zu »Scott McBain: Der Judasfluch« | 07.04.2009 |
| Kieki zu »Scott McBain: Der Judasfluch« | 08.05.2008 |
| Herbert S. zu »Scott McBain: Der Judasfluch« | 10.04.2008 |
| Peter Kranz zu »Scott McBain: Der Judasfluch« | 06.04.2008 |
| Bernd zu »Scott McBain: Der Judasfluch« | 11.01.2008 |
| kirchenverschwörung zu »Scott McBain: Der Judasfluch« | 08.01.2008 |
| kirchenverschwörung zu »Scott McBain: Der Judasfluch« | 08.01.2008 |
| Franz Xaver zu »Scott McBain: Der Judasfluch« | 24.12.2007 |
| Leseratte zu »Scott McBain: Der Judasfluch« | 21.12.2007 |
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