Der Judasfluch von Scott McBain

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2001 unter dem Titel The Coins of Judas, deutsche Ausgabe erstmals 2004 bei Knaur.

  • London: HarperCollins, 2001 unter dem Titel The Coins of Judas. 374 Seiten.
  • München: Knaur, 2004. Übersetzt von Michael Benthack. ISBN: 3-426-62476-1. 528 Seiten.
  • Augsburg: Weltbild, 2005. Übersetzt von Michael Benthack. ISBN: 3828974813. 519 Seiten.
  • München: Knaur, 2007. Übersetzt von Michael Benthack. ISBN: 978-3-426-63587-2. 519 Seiten.

'Der Judasfluch' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Dreißig Silberlinge waren einst der Lohn des Judas für seinen Verrat an Jesus. Doch nur 27 Münzen liegen sicher verwahrt in den Gräbern der Päpste Petrus und Silvester. Die letzten drei sind verschollen. Sollte ein solcher Silberling im Vatikan in falsche Hände gelangen, so heißt es, wird die heilige römische Kirche fallen. Als der kalifornische Gerichtspsychiater Paul Stauffer bei einer Wette von einer flüchtigen Bekannten einen Kuss und eine Silbermünze empfängt, hält er das Ganze für ein amüsantes Gesellschaftsspiel. Doch dann gehen merkwürdige Veränderungen mit ihm vor …

Das meint Krimi-Couch.de: »Viel zu tun für den Leser, will er dem Roman einen tieferen Sinn abgewinnen«

Krimi-Rezension von Johannes Fischer

Spannend ist der Thriller auf alle Fälle. Vor allem für jene Leser, die sich nicht damit abfinden wollen, dass sich jede Erscheinung in unserem Leben wissenschaftlich beziehungsweise kriminologisch erklären lässt.

So wie der Protagonist der Story, Paul Stauffer, ein junger, aber bereits anerkannter Psychologe, der in der Fachwelt auch schon mal als angehendes Genie gefeiert wird. Staffer lehrt an der Universität und erstellt außerdem psychologische Profile für schwere Jungs

Verrat an der Ermordeten

Im Prozess gegen den mutmaßlichen Serienkiller Kramer spielt ein solches Gutachten eine entscheidende Rolle. Dank Staffer wird Kramer frei gesprochen. Doch der liberale Psychologe bekommt Zweifel. Hat Kramer ihn an Ende getäuscht? Ist er doch der Serienkiller? Er wischt die Frage beiseite. Denn er will sich einen möglichen Fehler nicht eingestehen. Das würde seiner Karriere schaden. Aus der Sicht des Erzählers ist das Verrat. Verrat an der Ermordeten und den Angehörigen. Im Verlauf der Geschichte wird der junge Professor auch noch seine Familie betrügen und verraten, indem er seine eigene bizarre Entwicklung radikal vorantreibt und dabei die schleichende Trennung von Frau und Tochter provoziert.

Verrat. Das ist eines der ganz wichtigen Themen, welches sich durch das gesamte Buch zieht. Man würde sich wünschen, Scott McBain hätte es noch stärker in den Vordergrund gerückt. Denn der Gedanke dahinter, dass Verrat mehr ist, als einen Komplizen oder Kampfgefährten einem Gegner auszuliefern, fasziniert. Verrat, wie der Begriff im »Judasfluch« literarisch verarbeitet wird, hat etwas mit Untreue zu tun. Die Treue halten kann man der eigenen Familie, aber auch der Gerechtigkeit und der Wahrheit. Da aber Staffer nicht an Gut und Böse und auch nicht an Gott und Teufel glaubt, relativieren sich auch Werte wie Treue, Wahrheit und Gerechtigkeit. Im Verlauf des Romans wird Staffer allerdings seine Meinungen ändern müssen. Denn er gerät in eine Welt, an die er zuvor auf keinen Fall glauben wollte: die Welt der Geister.

Für Fans von Fantasy, Mysterien und Übersinnlichem

Die Geister sind es auch, an denen sich die Bewertungen der Leser des Romans scheiden. Alle, denen solche Romanfiguren nicht liegen – und sie treten tatsächlich in Menschengestalt auf -, brauchen das Buch erst gar nicht in die Hand zu nehmen. Denn sie werden es, je weiter sie in die Geschichte vordringen, bereuen, ihre Zeit verschwendet zu haben. Wer sich aber gerne von Fantasy, Mysterien, Übersinnlichem und scheinbar Unerklärlichem verführen lässt, der ist mit diesem Buch sehr gut bedient, das darüber hinaus auch noch durch seinen sehr guten Sprachstil besticht.

Scott McBains Thriller hat viele Facetten. Er thematisiert den Begriff Verrat und er schickt den Leser in die Geisterwelt. Er erfindet eine Kirchenlegende und mischt sie mit realen Details aus der Kirchengeschichte. Und er schreibt über den uralten Kampf von Gut und Böse. Schließlich betreibt er auch noch Wissenschaftskritik, indem er Staffer Dinge erleben lässt, die jede normale Realitätserfahrung sprengt. Ja, das ausgerechnet der wissenschaftsgläubige Staffer in einen Teufelskreis – im wahrsten Sinne des Wortes – gerät, hat seinen Reiz.

Immer dicker aufgetragen, immer irrationaler

Aber man sollte vielleicht auch nicht zu viel in den Roman interpretieren. Denn weil der Autor zuweilen sehr dick aufträgt – und gegen Ende wird es immer dicker und irrationaler – verliert er an Ernsthaftigkeit. Seine Story lässt sich gut lesen, ist auch in ihrer inneren Logik stimmig. Dennoch muss der Leser muss in seiner eigenen Vorstellungswelt sehr viel tun, wenn er dem Roman einen tieferen Sinn abzugewinnen möchte.

Aber Romane sind ja vorrangig zur Unterhaltung da, jedenfalls ein Roman wie dieser. Aber gerade deshalb kann man es dem Autor übel nehmen, das er so tut, als habe er nicht nur eine gute Geschichte anzubieten, sondern auch noch etwas tiefsinniges zu sagen. Das hat er nicht, definitiv nicht. Die Zitate aus alten, mystischen Büchern aus dem Mittelalter zu Beginn der Kapitel wirken aufgesetzt – ein direkter Zusammenhang zum Text ist nicht erkennbar. Abgesehen davon sind sie für Leser, die sich nicht mit alten Texten beschäftigen, ohne Interpretationshilfe kaum zu verstehen. Als Beispiel sei gleich das erste Zitat aus dem »Hexenhammer« angeführt, dass dem Prolog vorsteht:

»Alles in allem ist daraus zu schließen, dass die Behauptung rechtgläubig und nur zu wahr ist, dass es Zauberer gibt, die mit Hilfe der Dämonen und wegen des mit ihnen geschlossenen Paktes tatsächliche Wirkungen mit der Zulassung Gottes erzielen können, ohne auszuschließen, dass sie auch imstande sind, vorgespiegelte und fantastische Wirkungen durch Trugbilder zu bewerkstelligen.«

Nichts verstanden? Macht nichts. Abgesehen davon, dass Dämonen zu den Hauptpersonen des Geister-Thrillers gehören, geben die Zitate keine Hinweise auf die Lösung der Rätsel, vor die uns der Autor stellt. Es sind nur ein Schörkel. Barock gewissermaßen und somit Geschmacksache.

Schrecklich banal wie Neuzeit-Gurus

Eine weitere Schwächen des Romans sei in diesem Zusammenhang noch erwähnt: Zum einen versucht Scott McBain im hinteren Teil des Buches die Sprache der Mystiker und Fernost-Weisen nachzuahmen und wirkt dabei so schrecklich banal wie es Neuzeit-Gurus unserer Gegenwart im allgemeinen auch sind. Hier überschreitet der Autor nicht die Grenzen des sinnlich Wahrnehmbaren, sondern gleitet ab ins Reich der Peinlichkeit. Es gibt Leser, die tun das nicht ganz zu unrecht als verworrenes Geschwafel ab. Nicht minder peinlich sind die seltsamen Ausflüge der Romanfiguren in die »Astralebene«, wo sie ihre physische Existenz verlassen und wundersame Dinge sehen. Als Beschreibung eines leergesoffenen Verstandes im Delirium müsste man diese Passagen allerdings als gelungen ansehen. Doch das wäre nicht im Sinne des Autors …

Ihre Meinung zu »Scott McBain: Der Judasfluch«

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Gianni zu »Scott McBain: Der Judasfluch« 31.03.2012
Die Geschichte um die Silberlinge bietet alles was ein Thriller ausmacht. Spannung pur von der ersten bis zur letzten Seite. In einigen Passagen bekam ich eine richtige Gänsehaut. Ist das echt? Ist das Fiktion? Interessant ist auch der kirchliche Aspekt, es regt zum Denken ist. Ist die Kirche ein Mysterium? Das muss jeder Leser selber entscheiden.
Lil zu »Scott McBain: Der Judasfluch« 20.08.2011
Ich finde man kann diesen Thriller nicht einfach als "Schwachsinn" abstempeln wie es einer meiner Vorgänger getan hat. Es mag sein das dieses Buch nicht den Geschmack von jeden trifft, doch ich finde die Handlung und die Ideen sind nachvollziehbar und vor allem interessant, auch als "Ungläubige" wie ich eine bin. ;)
Ich mochte diesen Mystery"Thriller", auch wenn ich zugeben muss das ich den zweiten Teil besser fand.
Tempe zu »Scott McBain: Der Judasfluch« 09.10.2009
Leider war das Buch nicht mein Geschmack, denn die Kirche hält in diesem Buch stark einzug.
Es ist nicht schlecht, doch man soll gewarnt sein, wer mit der Kirche nichts am Hut hat der sollte es nicht lesen.
Für war es eine Erfahrung, die ich aber nicht wieder machen möchte!
Ich habe zwar geschichtlich wieder was neues Erfahren doch für das waren diese 500 Seiten zu viel! Sorry!
Anna - S. zu »Scott McBain: Der Judasfluch« 07.04.2009
Ich persönlich finde, dass es wirklich ein gutes buch ist, aber mcbains andere werke finde ich besser, besonders den weiterführenden teil, das judasgift. trotzdem ist es kein schlechtes buch und besonders die thematik ist interessant und lässt einen richtig abschalten. ich muss aber auch zustimmen, dass ich zwischendurch manchmal ein wenig die lust zum weiterlesen verloren hatte.
Kieki zu »Scott McBain: Der Judasfluch« 08.05.2008
Ich muss sagen, manche Vorredner verstehe ich hier so gar nicht, wenn ich so etwas nicht mögt, so sollt ihr es doch einfach nicht lesen! Ich fand das buch ansprechend, auch wenn ich die Kirche in der wirklichen Welt so gar nicht leiden kann, finde ich, dass dieses Buch sich doch gut als Fantasyroman und auch Thriller lesen lässt, ich habe selten so gute Bücher gelesen, wie dieses. Ja, nungut ich finde das Ende nicht sehr gelungen, und einige Passagen verwirren mich gänzlich, doch im Zusammenhang und wenn man sich mal auf etwas anderes ein lassen möchte, ist es zu empfehlen, ich stimme auch denjenigen zu, die sagen, das man sich für dieses Buch öffnen muss, ist halt so, nicht jeder kann alles lesen oder mag alles. Darum sollte man sich nicht streiten und diejenigen, die solche Bücher nicht verstehen oder mögen auch nicht beleidigen. Jeder mag verstehendes, hier gehöre ich zu denen, die so etwas mögen und empfehle es an gleich gesinnte guten Gewissens weiter.
Herbert S. zu »Scott McBain: Der Judasfluch« 10.04.2008
Ich lese gerne leicht schnell und spannend. Im Kopf muss Kino sein und in meinem Hirn muss es nach Popcorn duften.
Entsprechend hat mir "Der Judasfluch" sehr gut gefallen. Es gibt nix zum meckern und eine coole und gruselige Vatikan - Thriller Geschichte zu empfehlen !!!
Peter Kranz zu »Scott McBain: Der Judasfluch« 06.04.2008
Ich habe es bis Seite 340 geschafft, dann war ich raus. Die Welt der Geister ist nicht meine und irgendwann ist mir die Suche nach Astralebenen dann doch zu hoch, zu anstrengend, zu absehbar. Das Böse steckt in jedem und sei es nur derjenige, der eine Münze zugesteckt bekommt - übrigens eine höchst fragwürdige Interpretation des immer gleichen Sündenbockgeschreibsels gegen den armen Judas, der doch schon laut Bibel unheimlich gelitten hat, nach seinem Verrat. Insofern ist die ganze Story furchtbar geklittert, hat unlogische Passagen und macht irgendwann fast schon wütend. Sollte ich je auf eine neunte Astralebene kommen (übrigens habe ich beim Lesen immer wieder an Scientology und das Streben der Sektenanhänger nach einem höheren Clearing-Grad denken müssen- warum nur?) werde ich den Rest des Buches lesen oder jemand verät mir einfach mal schnell das Ende. Danke.
Bernd zu »Scott McBain: Der Judasfluch« 11.01.2008
Finde das Buch Super, habe mir so manche Kritik gelesen und Frage mich ob ich ein anderes Buch gelesen habe, es ist ein Buch mit vielen Seiten und auch wenn Gewalt darin verherrlicht wird, im Grunde ist es ein Buch und wer sagt Absolut unglaubwürdige Story und diese Abstürze ins peinlich dargestellte Esoterische - unfassbar, Fantasie, scheint mir bei so manchem dieser Leser gänzlich zu fehlen, das die Gewalt in jedem von uns steckt und die Gier nach Ruhm und Ansehen ein jeden von uns Blind für die Liebe und Nächstenliebe macht.
Aber weiter zum Buch, wer es als Schund oder Müll abstempelt, hat solchen wohl schon seit langem zuhause liegen und schaut wohl noch Big Brother und so einen Mist.
Spannung Pur und wer sich selbst in diesem Buch wieder findet wir es wohl als Mist beschimpfen.
Für mich volle Punktzahl, basta.
kirchenverschwörung zu »Scott McBain: Der Judasfluch« 08.01.2008
also ich hab mir das buch gekauft, weil ich nach dan brown´s illuminati auf der suche nach ähnlichem lesestoff war. hab dann von bill napier "der 77. grad" gelesen, der als "mysteriethriller" beschrieben wird und auf dessen cover "für die fans von dan brown und scott mcbain" steht. dieses buch hat mir eigentlch ganz gut gefallen, und auf das hinauf hab ich den judasfluch gelesen.
ich kann nur sagen, was der 77. grad nicht mit mysterie zu tun hat, ist der judasfluch zuviel des guten! das hat mit mysterie nix mehr zu tun, das ist eine mischung aus esotherisch-religiösem schwachsinn, der ab der hälfte des buches immer schlimmer wird!
hat mich sehr enttäuscht.
kirchenverschwörung zu »Scott McBain: Der Judasfluch« 08.01.2008
also ich hab mir das buch gekauft, weil ich nach dan brown´s illuminati auf der suche nach ähnlichem lesestoff war. hab dann von bill napier "der 77. grad" gelesen, der als "mysteriethriller" beschrieben wird und auf dessen cover "für die fans von dan brown und scott mcbain" steht. dieses buch hat mir eigentlch ganz gut gefallen, und auf das hinauf hab ich den judasfluch gelesen.
ich kann nur sagen, was der 77. grad nicht mit mysterie zu tun hat, ist der judasfluch zuviel des guten! das hat mit mysterie nix mehr zu tun, das ist eine mischung aus esotherisch-religiösem schwachsinn, der ab der hälfte des buches immer schlimmer wird!
hat mich sehr enttäuscht.

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