Das Sonnentau-Kind von Sandra Lüpkes

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Aurich, 1990 - 2009.
Folge 5 der Wencke-Tydmers-Serie.

  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2007. ISBN: 978-3-499-24408-7. 284 Seiten.

'Das Sonnentau-Kind' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Die Auricher Kriminalkommissarin Tydmers weiß nicht, wie sie Job, Kind und Aupair unter einen Hut bekommen soll. Im ersten Fall nach der Babypause wird ein rumänischer Aupairjunge tot in einer alten Torfhalle in Moordorf aufgefunden. Die Gasteltern vermuten Selbstmord, aber Wenckes Nanny glaubt nicht daran. Die Spuren führen nach Rumänien – und zu einer zweiten Leiche.

Das meint krimi-couch.de: »Weder schwere Kost noch eindeutig leichte Unterhaltung« 68°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Zum fünften Mal schickt Sandra Lüpkes ihr Ermittlerpärchen Wencke Tydmers und Axel Sanders in den Ring. Mit vertauschten Rollen, denn Wencke, die eigentlich Axels Vorgesetzte ist, ist aus dem Erziehungsurlaub zurück und arbeitet zunächst nur halbtags. Axel hat die kommissarische Leitung der Abteilung übernommen, Daß das ein komisches Gefühl sein muss, kann man sich leicht vorstellen. Das serbische Au-pair-Mädchen Anivia hilft ihr bei der Betreuung ihres Sohnes Emil.

Wenckes erster Einsatz führt sie zum Hof des Moorkönigs Sebastian Helliger in Moordorf. Der Au-pair-Junge aus Rumänien Aurel Pasat wird tot in einer Scheune gefunden. Alle Zeichen deuten zunächst darauf hin, dass Aurel Selbstmord begangen hat, da er es offenbar nicht mehr ertragen konnte, in sein Heimatland zurückkehren. Sanders will die Ermittlungsakten schnell zuklappen, doch er hat nicht mit dem berühmten Bauchgefühl seiner Kollegin gerechnet. Ein Selbstmord passt ihrer Meinung nach nicht dazu, dass Aurel noch vor kurzem einen Brief schrieb, in dem er einer Freundin, einem Mädchen, das er in einem Straßenkinderprojekt in der rumänischen Stadt Arad kennenlernte, versprach, bald zurückzukehren. Und die Spuren an seinem Fahrrad deuten nicht darauf hin, dass es zum Fundort gefahren wurde. Doch Axel Sanders nimmt Wencke erst ernst, als es beinahe zu spät ist.

Ergreifende Thematik mit stimmiger Atmosphäre

Dem aufmerksamen Leser entgehen viele der von der Autorin gesponnen Zusammenhänge nicht, so dass man schon frühzeitig ahnt, was Wencke Tydmers irgendwann gegen Ende auch aufgeht und wo Axel Sanders kapitulieren muss. Als Leser wird man allerdings auch mit einigen Hinweisen mehr versorgt als die Protagonisten, so dass man deren langes Tappen im Dunkel verzeihen kann. Nichtsdestotrotz, in Sachen Täterentlarvung bleibt die Story bis zum Ende hin erfreulicherweise relativ offen, wobei die Ermittlungen durch das viele Hin und Her auch nicht wirklich zielgerichtet sind. Dadurch bekommt auch die Handlung einen etwas konfusen Touch, immer wieder unterbrochen von Einschüben, die die Gedanken des Straßenmädchens Teresa wiedergeben, die der Geschichte einen ganz anderen Blickwinkel geben.

Im Gegensatz zu Fischer, wie tief ist das Wasser, wo man atemlos lesen konnte bis zum Umfallen, oder Das Hagebuttenmädchen, wo man sich köstlich über die Klischees amüsieren konnte, bleibt Das Sonnentau-Kind in punkto Unterhaltungswert leider etwas zurück. Dafür ist die Thematik – das Schicksal der Straßenkinder in Rumänien – vielleicht zu bedrückend. Die Kulisse dafür ist jedenfalls überaus passend.

Das Moor ist alles andere als ein behagliches Wohnzimmer und Sandra Lüpkes versteht es, die Atmosphäre glaubhaft zu schildern und die Landschaft in ihre Geschichte mit einzubinden. Dieses Stärke hat sie bereits in ihren anderen Büchern überzeugend herausgestellt. Lediglich die Figurenzeichnung ist relativ schwach und sie spielt dabei mit zu vielen Klischees. Glücklicherweise werden nicht gar so viele Plattitüden wie im unmittelbaren Vorgänger Die Wacholderteufel hervorgekramt.

Das Attribut »leichte Unterhaltung« lässt sich angesichts der angesprochenen Themen zwar schwerlich vertreten, doch für einen anspruchsvollen Krimi fehlt der Handlung die Raffinesse und die Komplexität.

Sabine Reiss, September 2007

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Peter Klusmann zu »Sandra Lüpkes: Das Sonnentau-Kind« 19.09.2012
Grundsätzlich gutes und spannendes Thema. Ich habe mich aber über die Muttergefühle von WT gewundert. Die Kommissarin hat sich sehr spät erst richtige Sorgen um ihr Kind gemacht. Bis dahin schien es ihr fast egal zu sein, in welcher Gefahr Emil sein konnte. Auch bekommt in der Regel ein einjähriges Kind nicht die ersten Zähne. Die kommen nach 6-8 Monaten. Zwar nur eine Kleinigkeit, aber gerade so was sollte schon realitätsnah sein.
Thommy191968 zu »Sandra Lüpkes: Das Sonnentau-Kind« 17.02.2010
Der fünfte Band der Wenke Tydmers-Reihe ist aus meiner Sicht der Beste. Die Art und Weise, wie Sandra Lüpkes das Thema Straßenkinder in eine Krimi-Handlung einfasst und so umsetzt ist schon richtig gut. Die Beziehung zwischen Tydmers und Sanders gibt dem Buch auch Würze. Bitte so weitermachen, Sandra! Ich freue mich auf den nächsten Band! Bewertung: 85 Grad.
Krimifan zu »Sandra Lüpkes: Das Sonnentau-Kind« 12.01.2010
Ich kann der Rezension nicht zustimmen. Ich fand das Buch sehr spannend und konnte nicht mehr aufhören zu lesen! Auch die schwer zu durchschauende Beziehung zwischen Wencke und Axel gibt dem Buch eine Prise Würze, die neugierig auf den nächsten Band aus der Reihe macht! Ich freue mich auf den nächsten Wencke-Tydmers-Band.
ThrillerFreund zu »Sandra Lüpkes: Das Sonnentau-Kind« 12.01.2009
Die Rezensentin Sabine Reiss hat schon recht: "Das Sonnentau-Kind" fehlt der unterhaltsame Esprit, den ich bei den Vorgängerromanen "Das Hagebuttenmädchen" und "Fischer, wie tief das Wasser ist" so sehr mochte. Aber das liegt sicherlich an dem Thema, das Sandra Lüpkes diesmal aufgreift, das Schicksal rumänischer Straßenkinder, das nur wenig Witz verträgt. Ich finde, umso spannender ist "Das Sonnentau-Kind" geworden. Ich habe den Roman innerhalb zweier Tage gelesen und kann ihn jedem empfehlen, der gute Krimilektüre mag!
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