Roter Schmetterling von Sam Eastland

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2013 unter dem Titel The red Moth, deutsche Ausgabe erstmals 2015 bei Knaur.
Folge 4 der Inspektor-Pekkala-Serie.

  • London: Faber and Faber, 2013 unter dem Titel The red Moth. 416 Seiten.
  • München: Knaur, 2015. Übersetzt von Karl-Heinz Ebnet. 416 Seiten.

'Roter Schmetterling' ist erschienen als E-Book

In Kürze:

Sommer 1941: Hitlers Truppen marschieren scheinbar unaufhaltsam voran, über Russland wird ein deutsches Aufklärungsflugzeug abgeschossen. Darin findet sich ein Gemälde, das auf den ersten Blick einen großen Nachtfalter darstellt. Doch Inspektor Pekkala erkennt in dem Gemälde einen getarnten Grundriss der Zarenresidenz im ehemaligen St. Petersburg. Daraufhin argwöhnt Stalin, dass es die Deutschen auf das legendäre Bernsteinzimmer abgesehen haben, und schickt Pekkala in die belagerte Stadt.

Das meint Krimi-Couch.de: »Faszination Bernsteinzimmer« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Sommer 1941. Die deutschen Truppen dringen unaufhaltsam vor, nahezu täglich verschiebt sich der Frontverlauf. Eine kleine Einheit russischer Soldaten soll Zarskoje Selo, die alte Sommerresidenz der Romanows bei Leningrad, vor Luftangriffen verteidigen und schießt dabei ein Flugzeug ab. Der an Bord befindliche Leutnant der Waffen-SS erschießt kurzerhand den Piloten und anschließend sich selber, um einer Gefangenschaft zu entgehen. In seinem Handgepäck finden die Soldaten ein unscheinbares Gemälde, das einen Nachtfalter zeigt. Sollte er deswegen gestorben sein?

»Ich habe vielleicht den Glauben an das Land verloren, aber die Kunst selbst ist heilig und wird immer heilig sein, lange nachdem Sie und ich und die Schlächter der Lubjanka zu Staub zerfallen sind.«

Das Gemälde wird nach Moskau geschickt, wo Stalin seinen besten Mann, Inspektor Pekkala, bittet, dessen Geheimnis auf die Spur zu kommen. Es dauert einige Zeit bis Pekkala erkennt, dass das Gemälde eine Karte ist, die direkt nach Zarskoje Selo führt, wo sich unter anderem der berühmte Katharinenpalast befindet. Schlagartig wird Stalin und Pekkala klar, warum sich die Deutschen für den Palast interessieren, denn in diesem befindet sich das legendäre Bernsteinzimmer. Eine russische Radiomeldung, wonach dessen Wandvertäfelungen unlängst in Sicherheit gebracht wurden, erweist sich als Finte Stalins. So muss Pekkala hinter die feindlichen Linien gebracht werden, um zu verhindern, dass der wertvolle Staatsschatz in Hitlers Hände gelangt …

Der vierte Fall für das Smaragdauge mit dem Schattenpass.

Irgendetwas »Rotes« musste her. Nach Roter Zar, Der rote Sarg und Sibirisch Rot nun also Roter Schmetterling, welcher sich als Nachtfalter entpuppt. Im November 2016 erschien übrigens der fünfte Fall: Roter Zorn. Wie in Serien üblich gibt es ein Wiedersehen mit einigen wichtigen Nebenfiguren, wie vor allem Pekkalas Assistenten Major Kirow und Stalins Sekretär Poskrjobyschew. Die Handlung spielt im Sommer 1941 was erklärt, warum eine weitere Figur am Ende des Romans zum Erholungsurlaub nach Stalingrad geschickt wird. Noch belagern die deutschen Truppen Leningrad und wollen dabei auch ihren internationalen Kunstraubzug krönen. Nichts weniger als das legendäre Bernsteinzimmer ist das Ziel von Hitlers Kunstexperten, die hinter den eigenen Linien auf Beutezug gehen.

»Willst du die Wahrheit hören? Mir ist irgendwie der Unterschied zwischen Faschismus und Kommunismus nicht klar.«
»Du denkst zu viel nach. Die anderen sind die Faschisten. Wir sind die Kommunisten. Mehr musst du dazu nicht wissen.«

Wie Kenner der Serie wissen, lebte Pekkala jahrelang in Zarskoje Selo und diente dort Zar Nikolaus II. als oberster Ermittler. Aus jener Zeit ist er auch bis heute als das legendäre Smaragdauge bekannt. Nach der Revolution führte sein Weg in ein sibirisches Arbeitslager, wo er allerdings in einem Wald auf sich allein gestellt leben musste. Niemand zuvor überlebte dies länger als ein halbes Jahr, Pekkala schaffte neun Jahre bevor sich Stalin seiner Dienste annahm. Nicht von ungefähr beschrieb »Die Literarische Welt« den Ermittler einst als »James Bond in Diensten Stalins«.

»Was ist da über Funk zu hören? Kommt da keine Musik?«
»Nur wenn du die Stalinorgel mit dazurechnest.«

Vor seiner Abreise an die Front entgeht Pekkala nur knapp einem Anschlag, so dass Kirow in Moskau zurückbleibt um den Attentäter zu suchen. Von Beginn an spielt der Roman in zwei Handlungssträngen. Bei den Soldaten in Zarskoje Selo – und hier besonders dem Schützen Stefanow, der schon als Kind in dem Ort lebte und im späteren Romanverlauf an Pekkalas Seite kämpfen wird – sowie in Moskau.

Wie immer ist das Zusammenspiel von Stalin und Pekkala interessant, denn angesichts der bekannten Temperamentausbrüche des Diktators ist es schon bemerkenswert, welche Freiheiten sich Pekkala herausnehmen darf. Ansonsten befiehlt Stalin ohne Rücksicht auf Verluste, wobei die vorliegende Mission die zweifelsohne gefährlichste für Pekkala sein wird und – so viel sei verraten – mit einem großen Cliffhanger endet. Fans der Reihe kommen erneut voll auf ihre Kosten und Roter Zorn wird zur weiteren Pflichtlektüre.

Jörg Kijanski, Februar 2017

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