Der Kindersammler von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2006 bei Heyne.
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München: Heyne, 2006.
ISBN:
978-3-453-02454-0. 528 Seiten.
'Der Kindersammler' ist erschienen als
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In Kürze:
Anne und ihr Mann Harald erleben den Albtraum aller Eltern: Während eines Toscana-Urlaubs verschwindet ihr Kind beim Spielen spurlos. Die Suche der Polizei verläuft ergebnislos, und sie müssen ohne ihren Sohn nach Hause fahren. Zehn Jahre später kehrt Anne an den Ort des Geschehens zurück, um herauszufinden, was damals passiert ist. Sie ahnt nicht, wie nah sie dem Täter kommt – und er ihr.
Das meint krimi-couch.de: »Ein Thriller, der Sie Nachrichtenmeldungen über vermisste Kinder mit anderen Augen sehen lässt«
Krimi-Rezension von Eva Bergschneider
Nach zwei Roman-Publikationen im Bereich Frauenliteratur, legt Sabine Thiesler nun ihren ersten Kriminalroman vor. In »Der Kindersammler« thematisiert die Autorin den immer noch mit einem Tabu belegten Bereich der Pädophilie.
Benjamin Wagner tappt in die Falle des Kindersammlers
Der elfjährige Benjamin kam an einem kalten Novembertag 1986 nicht von der Schule nach Hause zurück. Er wusste von Anfang an, dass er sich genau in der Situation befand, vor der ihn seine Eltern immer gewarnt hatten. Aber er redete sich ein, dass er diesem Mann vertrauen könne. Schliesslich hatte er ihn vor den Schlägen der Skins bewahrt und verlangte nichts weiter, als das Benjamin mit ihm Meerschweinchen füttern ging. In der Gartenlaube angekommen, änderte sich der freundliche Tonfall des vermeintlichen Retters schlagartig.
Während Benjamins MS-kranke Mutter mit dem Lieblingsgericht zuhause wartete, besorgte sich der Mann Whisky und der Junge bat den lieben Gott um ein Wunder.
Die Ermittler auf einer zermürbenden Jagd
Jahrelang verfolgten die beiden Kommissare Karsten Schwiers und Mareike Koswig einen Serientäter, der Missbrauch und Mord an Jungen im Alter von zehn bis dreizehn Jahren verübte. Sein Jagdgebiet errichtete er im Norden Deutschlands: Braunschweig, Sylt und Berlin. Wie zum Hohn gegenüber der Polizei, arrangierte der Täter seine Opfer und nahm von jedem eine kleine Trophäe, ein Stück heraus gebrochenen Eckzahn, mit. Danach verschwand er spurlos, niemand hatte etwas gesehen oder gehört.
Karsten Schwiers: »Irgendwo in diesem Land sitzt unser Täter vor dem Fernseher, liest die Tageszeitung, trinkt ein Bier und amüsiert sich königlich, dass wir keine Ahnung haben, wer er ist.« 1989 hörte die Mordserie in Deutschland plötzlich auf.
Anne Golombek sucht Gewissheit und hofft auf ein Wunder
Als Anne Golombek im Juni 2004 in die Toskana zurückkehrt, hat sie 10 lange Jahre vergeblich versucht, das Verschwinden ihres kleinen Sohnes Felix zu verarbeiten. Die Familie verbrachte die Osterferien im idyllischen La Pecora, nahe Sienna. Der zwölfjährige, blonde Junge hatte nicht weit von der Ferienwohnung der Familie entfernt, an einem Bach gespielt. Felix kam am Karfreitag 1994 nicht zum Essen zurück.
Die verzweifelten Eltern taten alles, um ihren Sohn ausfindig zu machen. Sie suchten ihn überall und hängten Foto-Plakate mit einer Suchmeldung in deutscher und italienischer Sprache auf. Nach zwei Wochen bestand Harald Golombek darauf, wieder nach Deutschland in seine Landarztpraxis zurück zu kehren. Doch Anne konnte sich nie damit abfinden, aufgegeben zu haben, in den folgenden Jahren entfremdete sich das Ehepaar immer mehr.
Im Sommer 2004 plant Anne, in der Toskana ein kleines Haus zu kaufen und heraus zu finden, was geschehen ist. Vielleicht hat ihr Junge doch überlebt und lebt dort irgendwo. Der Immobilienmakler Kai Gregori zeigt Anne eine renovierte alte Mühle in einem abgelegenen Tal. Sie gehört einem deutschen Aussteiger, der sie verkaufen und ein weiteres altes Haus instand setzten möchte. Anne entschliesst sich spontan zum Kauf, denn dieses Tal und das Haus scheinen nur auf sie gewartet zu haben. Doch im stillen, romantischen Valle Coronata erlebt Anne die Fortsetzung ihres Albtraumes, denn sie kommt dem Mörder ihres Sohnes Schritt für Schritt näher.
Opfer – Täter – Ermittler
Sabine Thiesler erzählt diese erschütternde Geschichte aus der Sicht aller Beteiligten. Besonders im ersten Drittel des Romans, setzt die Autorin häufig Perspektivenwechsel und zeitliche Sprünge als spannungssteigerndes Element ein. Mit Erfolg, denn die unmittelbar abwechselnden Passagen aus der Sicht des Opfers und des Täters, erzeugen beim Leser einen fast zwanghaften Drang, weiter zu lesen. Man erfährt alles über die Verzweiflung und Ängste des wehrlosen Opfers und wird unmittelbar darauf mit den kalten, berechnenden Plänen des Täters konfrontiert. Im weiteren Verlauf des Romans wechseln sich Täterperspektive und die Sichtweise einer Ermittlerin ab. Aus dem Blickwinkel der Kommissarin wird die verzweifelte Verfolgung des Serienkillers erzählt, die immer mehr ihr persönliches Lebensglück beeinflusst und gefährdet.
Trügerische Ruhe
Im zweiten Drittel des Buches, wird die Geschichte einer Mutter erzählt, deren Sohn verschwunden ist und die sich nicht mit der Ungewissheit abfinden kann. Zunächst stehen Annes Suche nach einem Haus in der Toskana und die aufkeimende Liebesbeziehung zu dem Makler Kai im Mittelpunkt. Der Spannungsbogen flacht an dieser Stelle merklich ab und das Erzähltempo schaltet einen Gang zurück. Obwohl der Leser die Bedrohlichkeit der Situation kennt, wirkt der Roman an dieser Stelle fast entspannend, bis schliesslich das grausige Hauptmotiv langsam aber unaufhaltsam wieder in den Vordergrund tritt.
Charakterstudie eines pädophilen Mörders
In Rückblenden wird ein ausführliches Psychogramm des Täters erstellt. Der Autorin ist ein glaubwürdiges Entwicklungsprofil gelungen, ohne das sie auf die gängigen Klischees zurück greifen musste. Der Mörder in »Der Kindersammler« lebt ein perfides Doppelleben und das perfekte Täuschungsmanöver. Als Leser ist man erschüttert und fasziniert zugleich, denn man glaubt, die Entstehung einer solchen Persönlichkeit ein Stück weit nachvollziehen zu können. Schließlich überwiegt allerdings grenzenloses Entsetzen.
Ein schwieriger Stoff
Sabine Thieslers »Der Kindersammler« ist ein außergewöhnlicher Thriller, der alle Facetten dieses schwierigen Themas eindringlich beleuchtet. Dabei verzichtet sie vollkommen auf die Darstellung der körperlichen Gewalt, sondern erzeugt durch Gedanken und Gefühle eine teilweise unerträgliche psychologische Spannung. Zweifellos schwieriger Lesestoff, der tiefe Traurigkeit und Wut, unendliche Fassungslosigkeit und Verwirrung erzeugt. Gerade deshalb ist Sabine Thieslers Werk für jeden Krimi-Leser, der dieses problematische Thema nicht scheut, empfehlenswert. Die differenzierte Darlegung der Autorin in schonungslosen und nachdenklichen Worten, vermittelt ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit und Nähe.
Dieser Roman geht unter die Haut und verankert das Thema Pädophilie im Bewusstsein des Lesers. Einige von ihnen werden sich, nachdem sie wieder eine Meldung über ein vermisstes Kind gehört oder gelesen haben, bewusst die Frage stellen: Was kann und darf man unternehmen, um sexuelle Gewalt an Kindern zu verhindern?
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| Elisa zu »Sabine Thiesler: Der Kindersammler« | 28.12.2009 |
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| Beatrix zu »Sabine Thiesler: Der Kindersammler« | 12.11.2009 |
| Biene0756 zu »Sabine Thiesler: Der Kindersammler« | 14.10.2009 |
| Petra Krasa zu »Sabine Thiesler: Der Kindersammler« | 30.06.2009 |
| UweJ_Berlin zu »Sabine Thiesler: Der Kindersammler« | 05.06.2009 |
| DarkAngelCarina zu »Sabine Thiesler: Der Kindersammler« | 28.05.2009 |
| germanist zu »Sabine Thiesler: Der Kindersammler« | 15.05.2009 |
| Corinna zu »Sabine Thiesler: Der Kindersammler« | 15.05.2009 |
| jacqueline schulz zu »Sabine Thiesler: Der Kindersammler« | 16.04.2009 |
| fresh-cookies zu »Sabine Thiesler: Der Kindersammler« | 16.04.2009 |
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