Der Kindersammler von Sabine Thiesler

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 bei Heyne.
Ort & Zeit der Handlung: Italien / Toskana, 1990 - 2009.

  • München: Heyne, 2006. ISBN: 978-3-453-02454-0. 528 Seiten.
  • München: Heyne, 2008. ISBN: 978-3-453-72179-1. 526 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: Random House Audio, 2007. Gesprochen von Sabine Thiesler. ISBN: 3866046057. 6 CDs.

'Der Kindersammler' ist erschienen als TaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Anne und ihr Mann Harald erleben den Albtraum aller Eltern: Während eines Toscana-Urlaubs verschwindet ihr Kind beim Spielen spurlos. Die Suche der Polizei verläuft ergebnislos, und sie müssen ohne ihren Sohn nach Hause fahren. Zehn Jahre später kehrt Anne an den Ort des Geschehens zurück, um herauszufinden, was damals passiert ist. Sie ahnt nicht, wie nah sie dem Täter kommt – und er ihr.

Das meint krimi-couch.de: »Ein Thriller, der Sie Nachrichtenmeldungen über vermisste Kinder mit anderen Augen sehen lässt« 92°Treffer

Krimi-Rezension von Eva Bergschneider

Nach zwei Roman-Publikationen im Bereich Frauenliteratur, legt Sabine Thiesler nun ihren ersten Kriminalroman vor. In »Der Kindersammler« thematisiert die Autorin den immer noch mit einem Tabu belegten Bereich der Pädophilie.

Benjamin Wagner tappt in die Falle des Kindersammlers

Der elfjährige Benjamin kam an einem kalten Novembertag 1986 nicht von der Schule nach Hause zurück. Er wusste von Anfang an, dass er sich genau in der Situation befand, vor der ihn seine Eltern immer gewarnt hatten. Aber er redete sich ein, dass er diesem Mann vertrauen könne. Schliesslich hatte er ihn vor den Schlägen der Skins bewahrt und verlangte nichts weiter, als das Benjamin mit ihm Meerschweinchen füttern ging. In der Gartenlaube angekommen, änderte sich der freundliche Tonfall des vermeintlichen Retters schlagartig.

Während Benjamins MS-kranke Mutter mit dem Lieblingsgericht zuhause wartete, besorgte sich der Mann Whisky und der Junge bat den lieben Gott um ein Wunder.

Die Ermittler auf einer zermürbenden Jagd

Jahrelang verfolgten die beiden Kommissare Karsten Schwiers und Mareike Koswig einen Serientäter, der Missbrauch und Mord an Jungen im Alter von zehn bis dreizehn Jahren verübte. Sein Jagdgebiet errichtete er im Norden Deutschlands: Braunschweig, Sylt und Berlin. Wie zum Hohn gegenüber der Polizei, arrangierte der Täter seine Opfer und nahm von jedem eine kleine Trophäe, ein Stück heraus gebrochenen Eckzahn, mit. Danach verschwand er spurlos, niemand hatte etwas gesehen oder gehört.

Karsten Schwiers: »Irgendwo in diesem Land sitzt unser Täter vor dem Fernseher, liest die Tageszeitung, trinkt ein Bier und amüsiert sich königlich, dass wir keine Ahnung haben, wer er ist.« 1989 hörte die Mordserie in Deutschland plötzlich auf.

Anne Golombek sucht Gewissheit und hofft auf ein Wunder

Als Anne Golombek im Juni 2004 in die Toskana zurückkehrt, hat sie 10 lange Jahre vergeblich versucht, das Verschwinden ihres kleinen Sohnes Felix zu verarbeiten. Die Familie verbrachte die Osterferien im idyllischen La Pecora, nahe Sienna. Der zwölfjährige, blonde Junge hatte nicht weit von der Ferienwohnung der Familie entfernt, an einem Bach gespielt. Felix kam am Karfreitag 1994 nicht zum Essen zurück.

Die verzweifelten Eltern taten alles, um ihren Sohn ausfindig zu machen. Sie suchten ihn überall und hängten Foto-Plakate mit einer Suchmeldung in deutscher und italienischer Sprache auf. Nach zwei Wochen bestand Harald Golombek darauf, wieder nach Deutschland in seine Landarztpraxis zurück zu kehren. Doch Anne konnte sich nie damit abfinden, aufgegeben zu haben, in den folgenden Jahren entfremdete sich das Ehepaar immer mehr.

Im Sommer 2004 plant Anne, in der Toskana ein kleines Haus zu kaufen und heraus zu finden, was geschehen ist. Vielleicht hat ihr Junge doch überlebt und lebt dort irgendwo. Der Immobilienmakler Kai Gregori zeigt Anne eine renovierte alte Mühle in einem abgelegenen Tal. Sie gehört einem deutschen Aussteiger, der sie verkaufen und ein weiteres altes Haus instand setzten möchte. Anne entschliesst sich spontan zum Kauf, denn dieses Tal und das Haus scheinen nur auf sie gewartet zu haben. Doch im stillen, romantischen Valle Coronata erlebt Anne die Fortsetzung ihres Albtraumes, denn sie kommt dem Mörder ihres Sohnes Schritt für Schritt näher.

Opfer – Täter – Ermittler

Sabine Thiesler erzählt diese erschütternde Geschichte aus der Sicht aller Beteiligten. Besonders im ersten Drittel des Romans, setzt die Autorin häufig Perspektivenwechsel und zeitliche Sprünge als spannungssteigerndes Element ein. Mit Erfolg, denn die unmittelbar abwechselnden Passagen aus der Sicht des Opfers und des Täters, erzeugen beim Leser einen fast zwanghaften Drang, weiter zu lesen. Man erfährt alles über die Verzweiflung und Ängste des wehrlosen Opfers und wird unmittelbar darauf mit den kalten, berechnenden Plänen des Täters konfrontiert. Im weiteren Verlauf des Romans wechseln sich Täterperspektive und die Sichtweise einer Ermittlerin ab. Aus dem Blickwinkel der Kommissarin wird die verzweifelte Verfolgung des Serienkillers erzählt, die immer mehr ihr persönliches Lebensglück beeinflusst und gefährdet.

Trügerische Ruhe

Im zweiten Drittel des Buches, wird die Geschichte einer Mutter erzählt, deren Sohn verschwunden ist und die sich nicht mit der Ungewissheit abfinden kann. Zunächst stehen Annes Suche nach einem Haus in der Toskana und die aufkeimende Liebesbeziehung zu dem Makler Kai im Mittelpunkt. Der Spannungsbogen flacht an dieser Stelle merklich ab und das Erzähltempo schaltet einen Gang zurück. Obwohl der Leser die Bedrohlichkeit der Situation kennt, wirkt der Roman an dieser Stelle fast entspannend, bis schliesslich das grausige Hauptmotiv langsam aber unaufhaltsam wieder in den Vordergrund tritt.

Charakterstudie eines pädophilen Mörders

In Rückblenden wird ein ausführliches Psychogramm des Täters erstellt. Der Autorin ist ein glaubwürdiges Entwicklungsprofil gelungen, ohne das sie auf die gängigen Klischees zurück greifen musste. Der Mörder in »Der Kindersammler« lebt ein perfides Doppelleben und das perfekte Täuschungsmanöver. Als Leser ist man erschüttert und fasziniert zugleich, denn man glaubt, die Entstehung einer solchen Persönlichkeit ein Stück weit nachvollziehen zu können. Schließlich überwiegt allerdings grenzenloses Entsetzen.

Ein schwieriger Stoff

Sabine Thieslers »Der Kindersammler« ist ein außergewöhnlicher Thriller, der alle Facetten dieses schwierigen Themas eindringlich beleuchtet. Dabei verzichtet sie vollkommen auf die Darstellung der körperlichen Gewalt, sondern erzeugt durch Gedanken und Gefühle eine teilweise unerträgliche psychologische Spannung. Zweifellos schwieriger Lesestoff, der tiefe Traurigkeit und Wut, unendliche Fassungslosigkeit und Verwirrung erzeugt. Gerade deshalb ist Sabine Thieslers Werk für jeden Krimi-Leser, der dieses problematische Thema nicht scheut, empfehlenswert. Die differenzierte Darlegung der Autorin in schonungslosen und nachdenklichen Worten, vermittelt ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit und Nähe.

Dieser Roman geht unter die Haut und verankert das Thema Pädophilie im Bewusstsein des Lesers. Einige von ihnen werden sich, nachdem sie wieder eine Meldung über ein vermisstes Kind gehört oder gelesen haben, bewusst die Frage stellen: Was kann und darf man unternehmen, um sexuelle Gewalt an Kindern zu verhindern?

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Sacomo zu »Sabine Thiesler: Der Kindersammler« 13.01.2012
Puuuh...
Also nach den ersten Seiten, hatte ich persönlich MEHR erwartet. Vorallem weil dieses Buch viele GUTE Kritiken bekommen hat.
Die ersten Seiten waren wirklich gut und weil ich noch ne Magen-Darm hatte wurde es mir bei der Vorstellung noch richtig Übel.

Aber dann war es dann auch schon.
Dieses Buch hat sich wie Kaugummi gezogen.
Frau Thiesler war eher damit beschäftigt die schöne Landschaft usw. zu erzählen als irgendwie etwas spannendes beizutragen.

Ich bin nicht dafür das man detailiert erzählt wie jemand umgebracht wird o.ä. sowas lässt sich auch anders beschreiben. Kopfkino ist eh das größte.

Aber von Anfang bis Ende zu wissen WER es ist und dann dabei nicht mal ne großartige spannung aufkommt ist einfach langweilig.

Die weiteren Charaktere sind teilweise in meinen Augen einfach überflüssig.
Weiß nicht...

Ist nicht mein Fall. Ich fands einfach langatmig. Unspannend.
jutta zu »Sabine Thiesler: Der Kindersammler« 23.09.2011
"Der Kindersammler" war mein zweites Buch von Sabine Thiesler. Es ist genauso spannend und bewegend wie die anderen, denn inzwischen bin ich ohne Unterbrechung bei dem 4.Buch, "der Menschenräuber" und warte sehnsüchtig auf "die Nachtprinzessin", das leider erst Ende Oktober d.J. erscheint. Wie soll ich das aushalten???
Toyota zu »Sabine Thiesler: Der Kindersammler« 21.08.2011
Ich hatte erst Bedenken bezüglich des Spannungsgrades, als ich die Länge des Buches gesehen habe, da ich in letzer Zeit einige Bücher dieser Länge von anderen Autoren gelesen hatte, die ich nach der Hälfte enttäuscht weggelegt hatte. Doch nicht so bei diesem Buch. Ich habe von Anfang bis Ende mit Spannung die Geschichte verfolgt und konnte mich richtig in die Geschehnisse reinversetzen, was mir bei wenigen Bücher gelingt. Das Buch ist schockierend, spannend und mitfühlend zugleich. Ich freu mich schon auf das nächste Buch: Hexenkind!
Christina zu »Sabine Thiesler: Der Kindersammler« 09.08.2011
Das Buch ist einfach gut. Es wird realistisch geschriebenund man versetzt sich schnell in die Lage der handelnden Person. Was aber auch ganz schön unter die Haut gehen kann und ich würde es nur jmd. empfehlen der sich nicht zu sehr in die Geschichte hineinsteigert. Sabine Thiesler beschreibt nicht die körperlichen Gewalttaten sondern gibt nur ein kleinen Anfang davon preis was passieren wird. So kann man sich selber zusammen reihmen was daraufhin passiert. Zugegeben, die Zeitsprünge haben mich manchmal etwas verwirrt, aber nach der Zeit kommt man mit. Auch wird öfters gesagt, dass die Handlung an manchen stellen unlogisch ist, was man dem Buch aber verzeihen kann.
emptyWie zu »Sabine Thiesler: Der Kindersammler« 18.03.2011
Ich habe mir "Der Kindersammler" gekauft, weil ich (nicht nur hier) absolut umwerfende Kritiken dazu gelesen hatte.
Leider kann ich die tollen Kritiken nicht nachvollziehen und habe es am Ende enttäuscht geschlossen.
Die Autorin versucht in dieses Buch zu viel von Allem reinzupacken und kaum etwas wird dadurch ordentlich ausgearbeitet. Alles wirkt sehr bemüht, konstruiert und das Buch ist vollkommen überladen. Die Grundideen sind gut, aber warum bitte alles in einem einzigen Buch? Vor allem die Hauptperson Alfred wird nur angerissen und in den verschiedenen Teilen des Buches plötzlich wie ein völlig anderer dargestellt.Ich frage mich an so vielen Stellen "Warum?".
Einige Beispiele:
Warum drapiert er in Deutschland seine Opfer?
Und warum lässt er sie in Italien einfach verschwinden?
Warum geht Alfred eigentlich überhaupt nach Italien und versucht sich hier als häuserrenovierender Dilettant und Aussteiger?
Die ganze Geschichte mit Carla ist total unglaubwürdig. Er ist eigentlich an Frauen überhaupt nicht interessiert! Wollte er Kinder beobachten und muss sich nun etwas einfallen lassen?Warum ist sie so abhängig von ihm, er beachtet sie ja eigentlich nicht?
Es ist überall zu viel und dadurch zu wenig!
Weiteres Beispiel: Die Kommissarin:
Zufällig sieht sie diesen Bericht im Fernsehen und fährt mit ihrer Lebenspartnerin und den Kindern (!! In Deutschland dürfte es für ein lesbisches Paar nahezu unmöglich sein, Kinder zu adoptieren) genau in die Höhle des Löwen. Und natürlich entspricht ihr Adoptivsohn genau dem Beuteschema von Alfred.
Weiteres Beispiel: Die Rachepläne von Enrico:
Irgendwie schafft er es, einen Nachbarn so wütend zu machen, dass er auf Anne losgeht; aber was dann? Plötzlich hat er seine Rachepläne irgendwie doch aufgegeben. Warum?
Und so könnte ich noch eine ganze Zeitlang weitermachen.
Schade, dass ein so interessantes Thema
und so exzellente Ideen dazu so dilettantisch ausgearbeitet wurden.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Vanni zu »Sabine Thiesler: Der Kindersammler« 22.02.2011
Ich habe schon viele Krimis gelesen und auch Thriller, wirklich heftige Thriller, aber "Der Kindersammler" ist eine Sache für sich.
Mir wurde dieses Buch empfohlen, also habe ich angefangen es zu lesen und ich wusste schon nach den ersten 60 Seiten nicht, ob ich weiter lesen oder es einfach lassen soll.
Wie oben gesagt, lese ich viel und nichts bringt mich so schnell aus der Ruhe, ich seh eher die Spannung dahinter. Dieses Buch ist keineswegs brutal geschrieben, jedoch hat es meinen Nerven gezerrt wie kein zweites. Man versetzt sich einfach so sehr in die Menschen, das man alles was sie empfinden auch empfindet und genau das macht es zu dem Buch, das es ist. Vom Schreibstil her, sehr gelungen!
Zum Schluß kann ich nur eins sagen, das Buch ist, meiner Meinung nach, eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe, aber zugleich eines der schlimmsten und man sollte sich denk ich schon gut überlegen, ob man sich vorstellen kann, mit dem gelesen umzugehen, da es einfach der Realität entspricht. Man bekommt auf die Dinge der Kindesentführung einen tieferen Blick, was auf der einen Seite gut ist, aber auf der anderen eventuell schwer zu verarbeiten.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
marlasinger zu »Sabine Thiesler: Der Kindersammler« 11.02.2011
Tja,liebe Angela,dass nennt man wohl die Augen vor der Welt verschließen.
Läuft du mit Scheuklappen durch die Gegend? Eigentlich müssen alle "Eltern" dieses Buch gelesen haben, um zu sehen wie einfach es sein kann.Frau Thiesler gibt nur Tatsachen wieder, die passieren können. Nur weil du dieses Buch nicht liest heißt es noch lange nicht dass es genau so passiert.
Ich finde dieses Buch ist eines der besten die ich je gelesen habe. Diese unterschwelige, nicht ausgesprochene, zwischen den Zeilen liegende Grausamkeit bereitet einem Gänsehaut.
Weiter so Frau Thiesler. Ich lese Sie überaus gerne!
Angela1607 zu »Sabine Thiesler: Der Kindersammler« 10.02.2011
Es ist bereits gute zwei Jahre her, dass ich dieses Buch gelesen habe aber meinen Senf wollte ich jetzt trotzdem mal dazu abgeben.
Das ist das erste und auch das letzte Buch welches ich von Frau Thiesler gekauft und gelesen habe. Kotzen hätte ich können, ehrlich. Als Mama von 2 Jungs ging mir dieses Buch wohl besonders nahe sodass ich es zwischendurch einfach zur Seite legen musste um durch zu atmen. Mir ist es schleierhaft wie man dieses Buch gut finden kann. Vielleicht sagt ihr jetzt, dass Pädophile ein Thema unserer Gesellschaft sind und man sich damit auseinander setzten muss. Stimmt! Aber nicht wenn ich dem Alltag entfliehen will indem ich ein gutes Buch lese.NÖ
Meine Wertung ganz klar 10°
Ursula Schröder zu »Sabine Thiesler: Der Kindersammler« 24.10.2010
Habe es nicht gelesen habe es fast, wie man sagt gefressen. War sehr spannend und regt zur Überlegung an. Werde weitere Bücher von der Autorin lesen.
Wohne in Italien direkt neben der Toscana und auch die Beschreibung der Landschaft und der Menschen, sehr treffend. Dieses Buch ist zu empfehlen und auch als Geschenk weiterzugeben.
Djulieta zu »Sabine Thiesler: Der Kindersammler« 18.10.2010
Also ich bin erst 16 und hab das Buch in nur 2 Tage durch gelesen.!
Echt, als ich fertig war hab ich nur noch nachgedacht.! Also ich würde es jedem empfehlen zu lesen sehr interessant.! Unglaublich wie so Kinderschändler denken und handeln wir verrückt das ist. Also ich finde das Buch absolut genial.! Kompliment
lg djulieta

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