Marathonduell von Sabina Naber

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2013 bei Gmeiner.
Ort & Zeit der Handlung: , 2010 - heute.
Folge 1 der Katz-&-Mayer-Serie.

  • Meßkirch: Gmeiner, 2013. ISBN: 978-3839213797. 370 Seiten.

'Marathonduell' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Marathon in Wien. Eine Tote, ein Täter, ein perfektes Alibi und ein Chefinspektor namens Katz, der sich wie ein Pitbull in die Idee verbeißt, den scheinbar unschuldigen Verlobten des Opfers doch noch der Tat zu überführen. Zeitverschwendung in den Augen von Gruppeninspektorin Daniela Mayer, denn das Alibi ist wasserdicht. Katz lässt sich nicht beirren und entdeckt, dass schon mehrere Frauen im Umfeld des Verdächtigen abrupt gestorben sind.

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J-B-Wind zu »Sabina Naber: Marathonduell« 11.08.2013
„Ein Alibi ist, wenn man mal nichts Böses tut und dabei auch noch beobachtet wird"(
Wolfram Weidner (*1925), dt. Journalist

Die Wiener Autorin Sabina Naber ist längst keine Unbekannte mehr. Seit Jahren gehört sie zur österreichischen Krimiszene und ist auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt, und das nicht erst seitdem sie mit dem Friedrich-Glauser-Preis (im Jahre 2006 in der Sparte Kurzkrimis) ausgezeichnet wurde. Schon fünf Jahre vorher startete sie ihre Krimireihe rund um die Wiener Kriminalkommissarin Maria Kouba, die sich mittlerweile einer großen Fangemeinde erfreut. Klar, dass Sabina Naber nach sechs Kouba-Romanen etwas Neues ersinnen und schreiben wollte und Lust bekam neue Figuren zu entwickeln.

›Marathonduell‹ ist somit der Auftakt einer neuen Krimireihe, die wieder in Wien spielt und vor kurzem sogar für den Leo Perutz Preis 2013 nominiert wurde. Und das zu Recht, wie ich nach der Lektüre des Romans bestätigen kann. Schon der verheissungsvolle Trailer hat Lust auf das Buch geweckt.

Im Mittelpunkt steht diesmal ein Duo der besonderen Art: Gruppeninspektorin Daniela Mayer und Chefinspektor Karl Maria Katz. Beide sind sehr gegensätzlich: er ist intuitiv und ein bisserl verschroben, teilweise grob; sie eine realistische Pragmatikerin und ein bisserl gefühlsarm. Gerade deshalb ergänzen sie sich gut.

Anders als bei den Kouba Romanen ist von Anfang an klar, dass sich zwischen den beiden Ermittlern keine Liebesgeschichte entwickeln kann. Schuld daran ist weder der große Altersunterschied noch die charakterlichen Merkmale, sondern Daniela Mayers sexuelle Präferenz; schlicht: sie steht auf Frauen. Und genau das erweist sich im Roman als eines der Grundprobleme, warum Daniela Mayer, die eigentlich lieber eine ruhige Kugel schieben würde, auf einmal beinahe freiwillig Überstunden macht. Ihre Lebensgefährtin Carmen hat sie nach einem Streit hinausgeworfen und somit braucht die Kriminalbeamtin dringend Geld. Schade findet sie im übrigen nicht den Verlust der Freundin, vielmehr trauert sie der Dachterassenwohnung nach, die ein echtes Juwel ist, das in Wien erstens nicht so leicht zu finden und zweitens unbezahlbar ist. Spätestens jetzt weiß man, dass Daniela Mayer ein eigenwilliger Charakter ist, bei der große Emotionen selten vorkommen. Manche Leser/innen dürften sie deshalb zu Beginn nicht sympathisch finden. Andererseits lässt ihre Gefühllosigkeit viel Raum zur Entwicklung.

Mayer und Katz treffen aufgrund eines verzwickten Falls direkt vor der Tür des Opfers aufeinander und sind sich gleich zu Beginn unsympathisch. Empfangen werden sie hingegen von der Nachbarin Susanne Ilic, die auch die Polizei gerufen hat, weil sie »ein Rumpeln gehört hat«.
Das Opfer Elisabeth Zwirn wird nur mit einem roten Kimono bekleidet und mit bis zur Unkenntlichkeit zugerichtetem Gesicht in ihrer Wohnung aufgefunden. Bei der Obduktion stellt sich heraus, dass sie mit einem Hammer erschlagen wurde. Katz hält ihren Verlobten Andreas Niederle für schuldig, doch der ist in der Tatzeit den Marathon gelaufen, wie der Zeitnahmechip bestätigt. Ist der Mörder wirklich unschuldig oder hat er einfach das Rezept für den perfekten Mord entwickelt?

Bei ›Marathonduell‹ handelt es sich um einen Suspense-Krimi mit Thrillerelementen, bei dem Mörder und Tathergang von Anfang an bekannt sind. Die Leser sind den Ermittlern mehrere Schritte voraus. Die Spannung wird hier durch Mitfiebern mit dem Ermittlerteam (Werden sie es schaffen, den Mörder zu überführen?) erzeugt und der Frage: Wie hat der Mörder es geschafft, das scheinbar perfekte Verbrechen zu begehen?
Zusätzlich sorgen überraschende und drastische Wendungen für aufrüttelnden Kick.

Die Hauptfiguren sind nicht von Anfang an sympathisch, man wächst erst mit der Zeit hinein, jedoch lässt dieser Umstand viel Entwicklungspotenzial zu. Die Figuren sind auf jeden Fall sehr facettenreich beschrieben, haben jede Menge Ecken und Kanten und agieren ihrem Charakter entsprechend. In den Folgeromanen wird man sicher einen tieferen Einblick in die Charaktere bekommen. Schön ist, dass auch die teilweise außerordentlich sympathischen Nebenfiguren genug Raum bekommen. So findet jede/r Leser/in eine Identifikationsfigur.

Der Schreibstil ist gewohnt gut, schnörkellos und mitreißend. Das Buch liest sich flüssig. Die Dialoge sind locker und mit dem für Sabina Naber typischen Wiener Schmäh gewürzt. Ein Markenzeichen der Autorin ist auch, dass sie vor etwas derberen Ausdrücken nicht zurückschreckt. Ihre Figuren reden und denken quasi unzensiert. Für ein besseres Verständnis findet sich ein Glossar nach der Danksagung, in dem einige der Begriffe erklärt werden.

Das Buch ist in drei Haupterzählstränge und zweier sich überlappender Zeitebenen gegliedert. Da ist zum einen der Erzählstrang der laufenden Ermittlungen, der wiederum alternierend von zwei Erzählsträngen unterbrochen wird, in denen jeweils eine männliche Person den Marathon läuft, wobei nicht gleich klar ist, wer die jeweiligen Männer sind. Man nimmt jedoch an, dass es sich zumindest bei einem der ›Glatzköpfe‹ um den Mörder handelt.
Interessant sind diese Einschübe nicht nur für passionierte Läufer, die ohnehin wissen, wie es sich anfühlt eine lange Strecke zu laufen, sondern auch (oder vor allem) für jene, die noch nie einen Marathon gelaufen sind, da man den Lauf quasi aus Sicht der beiden Männer mitläuft, mit allen Entbehrungen, Qualen, Ängsten und Schmerzen, die dieser Sport mit sich bringt. Sabina Naber gelingt diese Innenschau mit Bravour. Der Leser erfährt sehr eindrucksvoll, wie Kräfte raubend und anstrengend ein Langstreckenlauf ist. Mitunter fühlte ich mich beim Lesen an ein Buch meiner Jugend erinnert: »Die Einsamkeit des Langstreckenläufers« von Alan Sillitoe. Für Leser, die sich nicht für diesen Sport interessieren, könnte es etwas langatmig werden, vor allem, da sich gleich zwei Erzählstränge mit der Innenwelt der Läufer befassen.

Die Kapitel sind angenehm kurz, die Perspektivewechsel sehr moderat gesetzt. Zusammen mit der dicken und dunklen Schrift liest sich das Buch schnell und angenehm. Der Verlag hat das Buch mit einem passenden Cover ausgestattet: Man sieht die Beine eines Läufers.

Fazit: Der erste Fall von Mayer & Katz ist ein packender ›Wettlauf‹ für jeden Krimileser mit einem ungewöhnlichen Ermittlerduo und jeder Menge Wiener Lokalkolorit. ›Marathonduell‹ ist somit ein überaus gelungener Serienauftakt von einer hochtalentierten Autorin, die es versteht den Spannungsbogen vom starken Beginn bis zum fulminanten Showdown auf durchwegs hohem Niveau zu halten und einen glaubhaften Plot zu stricken.
Unbedingt lesen und weiterempfehlen!!


Vielen Dank an den Gmeiner Verlag für diese atemberaubende und kurzweilige Lektüre!

Autor: Sabina Naber
Buch: Marathonduell
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1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
PMelittaM zu »Sabina Naber: Marathonduell« 26.05.2013
Elisabeth Zwirn wird ermordet, verdächtig ist ihr Verlobter, Andreas Niederle, doch der hat offenbar ein wasserdichtes Alibi, er ist den Marathon mitgelaufen, der zeitgleich stattfand. Chefinspektor Katz vom LKA und seine Kollegin Daniela Mayer haben eine harte Nuss zu knacken.

Ein etwas außergewöhnlicher Kriminalroman, denn der Leser/die Leserin weiß von Anfang an, wer der Täter ist, so dass der Roman seine Spannung eher aus den Ermittlungen zieht sowie aus der Beziehung der beiden Ermittler.

Großen Raum nimmt die Beschreibung des Marathonlaufes ein, der als Rückblenden die Ermittlungsarbeiten begleitet, hier wird aus zwei Perspektiven erzählt und erst nach und nach wird klar, wer wer ist. Dadurch herrscht zunächst Verwirrung beim Leser, was aber auch eine gewisse Spannung erzeugt. Gefallen hat mir, dass immer wieder Humor durchleuchtete, so dass man öfter schmunzeln muss, dazu trägt auch bei, dass der Roman, der ja in Wien spielt, viele österreichische Begriffe enthält, was wesentlich zum Lokalkolorit beiträgt. Im Anhang gibt es ein Glossar, das viele, aber nicht alle, Begriffe erklärt.

Katz und Mayer sind zwar interessante Ermittler, aber nicht wirklich sympathisch und daher als Identifikationsfiguren nicht unbedingt tauglich. Mayer ist lesbisch, hat aber große Angst, geoutet zu werden, außerdem hat sie null Ehrgeiz und schiebt am liebsten einen ruhigen Posten. Katz bleibt relativ fremd. Ein Charakteraspekt wird recht ausführlich beschrieben, allerdings passt dieser nicht so recht zu der Vorstellung, die ich mir von Katz gemacht habe und wird auch nicht abschließend ausgeführt, für mich blieb er daher unklar und unbefriedigend.

Unbefriedigend ist auch die Auflösung der Kriminalgeschichte. Unklarheit herrscht auch hier, in meinen Augen sowohl beim Motiv als auch warum der Täter, der bisher andere Wege wählte, dieses Mal mordete. Für mich erschließt sich das nicht wirklich aus dem Roman.

Insgesamt ein ungewöhnlicher Krimi, mit einem allerdings nicht besonders spannenden, nicht immer logischen Fall und Ermittlern, die ich gerne noch einmal treffen möchte, da mich interessiert, wie die beiden und ihre Beziehung sich entwickeln werden. Die Autorin schreibt auch schon am zweiten Band. Der Roman lohnt auf jeden Fall einen Blick – und für alle, die schon einmal Marathon gelaufen sind, ist ein Krimi im Marathon-Milieu sicher sowieso eine nette Sache.
cookie1511 zu »Sabina Naber: Marathonduell« 26.03.2013
Meine Meinung:

Das Cover des Buches ist als Foto gestaltet, auf dem man von den Knien abwärts die Beine eines laufenden Menschen sehen kann. Diese Idee finde ich sehr passend zum Titel des Romans.
Von der Autorin habe ich bis jetzt noch nichts gelesen, aber die Inhaltsangabe hat mich neugierig auf das Buch gemacht.

Während eines Marathons in Wien wird eine reiche Frau ermordet. Als Tatverdächtiger Nummer Eins scheint sofort der Verlobte festzustehen: Er sieht wesentlich besser aus als das unscheinbare Opfer, wirkt undurchsichtig und war offensichtlich hinter dem Vermögen der Frau her. Anscheinend hat er aber ein wasserdichtes Alibi, nämlich die Teilnahme an dem Marathonlauf!

Der Einstieg in die Geschichte war ein wenig schwierig. Zuerst wurde der Mord beschrieben, diese Erzählung war ganz gut. Von da an gab es immer wieder Sprünge zwischen den Ermittlungen und den Geschehnissen während des Marathons, die irritierend auf mich wirkten. Dabei kristallisierte sich nach einiger Zeit heraus, dass es bei diesen Berichten um zwei verschiedene Läufer ging, aus deren Sicht der Lauf hautnah erzählt wurde. Aber bis ich das herausgefunden hatte, fiel es mir schwer, durchzublicken und die Zusammenhänge zu erkennen.

Nachdem am Tatort Chefinspektor Katz und Gruppeninspektorin Mayer aufeinandertrafen, brauchten beide eine Weile, sich aneinander zu gewöhnen. Nach anfänglichen Vorurteilen wuchsen sie aber als Team zusammen, und ihr Miteinander wurde mir sehr sympathisch.
Durch die kurzen Kapitel und die große Schrift ist das Buch sehr flüssig zu lesen.
Leider fehlte es an Spannung, die kam während der ganzen Erzählung nicht wirklich auf.
Hilfreich fand ich wiederum am Ende des Buches das Glossar, da viele österreichische Begriffe in dem Roman vorkamen, die mir nicht geläufig waren.

Fazit:

Obwohl das Buch mich nicht hundertprozentig überzeugt hat, würde ich einem Folgeband eine Chance geben, da mir die Protagonisten sympathisch waren.
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