Ich. Darf. Nicht. Schlafen von S. J. Watson

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 unter dem Titel Before I go to sleep, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei Scherz.

  • London: Harper, 2011 unter dem Titel Before I go to sleep. 360 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Scherz, 2011. Übersetzt von Ulrike Wasel & Klaus Timmermann. ISBN: 978-3651000087. 397 Seiten.

'Ich. Darf. Nicht. Schlafen' ist erschienen als TaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Auch wenn es sicherlich tröstlich ist, dass mit jedem Morgen ein neuer Tag oder ein neuer Start ins Leben beginnt, so hat dieser Neubeginn im Falle von Christine Lucas mehr als un-schöne Nebenwirkungen angenommen. Christine leidet an einer besonderen Form der Am-nesie, die es ihr lediglich ermöglicht, sich an ihr Leben zu erinnern, als sie rund zwanzig war. Danach werden alle neuen Erlebnisse lediglich für einen Tag gespeichert und der Schlaf löscht jede neue Erinnerung aus. Auf den ersten Blick erscheint diese Beeinträchtigung vielleicht undramatisch, da ja immerhin keine Lebensbedrohung ausgelöst wird. Dennoch: Wer will jeden Morgen neben einem Mann aufwachen und glauben, als 20jährige einen One-Night-Stand erlebt zu haben, nur um festzustellen, dass man mehr als doppelt so alt ist und brav und bieder neben seinem Mann geschlafen hat. Wenn dieser Mann dann jeden Morgen geduldig erklärt, wer er ist und was geschehen ist, könnte man sehr froh sein, mit einem solchen Goldstück verheiratet zu sein. Vorausgesetzt natürlich man kann seinem Mann vertrauen …

Das meint Krimi-Couch.de: »Keine Schlaftablette« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Sabine Bongenberg

Wenn häufig kritisiert ,wird, dass sich viele Autoren für ihre Geschichten keine Zeit mehr nehmen und den Leser quasi im Schweinsgalopp durch die Handlung hetzen, so kann sich S.J. Watson diesem Vorwurf sicherlich nicht machen. Der Leser wird detailliert in Christines Tagesablauf eingeführt, der nach einem recht fulminanten Start, in dem ihre Behinderung erstmals erklärt wird, offensichtlich keine besonderen Höhen oder Tiefen aufweist. Dennoch beginnt diese augenscheinlich intakte Welt mit fortschreitender Lektüre zu bröckeln, finden sich doch immer mehr Indizien dafür, dass offensichtlich die Amnesie nicht der einzige weiße Fleck im Leben der Protagonistin darstellt. Hier gelingt Watson aufgrund des Krankheitsbildes seiner Heldin die spannende Konstruktion, dass diese selbst in ihrem Leben ermittelt, ist für sie doch jeder vergangener Tag der Vergangenheit eine unbeschriebene und damit unbekannte Seite. Bewerkstelligt wird die Recherche im eigenen Leben mit Hilfe eines Tagesbuches, das allein die Brücke zu den Erinnerungen des vergangenen Tage bildet. Aber auch diese Brücke kann keine eindeutige und abschließende Hilfestellung bieten, erscheint sie doch der Protagonistin und auch dem Leser als Aufzeichnungen einer Fremden über deren Motive, Einschätzungen und auch nicht zuletzt über deren Geisteszustand zumindest einige Zweifel angebracht sind.

Im Zuge der Nachforschungen zu ihrem eigenen Leben müssen sowohl Christine als auch der Leser, der ihr bei ihrer Suche über die Schulter schaut, feststellen, dass viele Ungereimtheiten verhindern, dass sich das Leben der Heldin zu einem klaren und stringenten Bild zu-sammenfügt. Diese Fragezeichen sorgen auch dafür, dass sich der Leser zwischen ver-schiedenen Personen und Sympathien hin und hergerissen fühlt: Ist es nicht bewundernswert, mit welch aufopfernder Liebe Christines Ehemann sich um seine Frau kümmert und wie er ihr geduldig hilft ihren Alltag zu bewältigen? Hat nicht Christines Ehemann dafür gesorgt, dass sie von ihren Freundinnen und ihrem Arzt quasi isoliert wurde und sie damit in eine erhebliche Abhängigkeitsposition gebracht? Versucht nicht Christines Mann sie vor den schlimmsten Schatten der Vergangenheit zu schützen, auch wenn er ihr damit manchmal etwas verschweigen muss? Modelt Christines Mann nicht die Vergangenheit in seinen Erzählungen so um, wie es ihm gerade passt und verfolgt er damit nicht sein eigenes Ziel? Durch dieses ständige Hin und Her sieht sich der Leser zunehmend in die Rolle der Christine gedrängt. Wem kann man vertrauen? Wer lügt, betrügt, verschweigt und war die eigene Rolle in der Vergangenheit überhaupt positiv besetzt? Durch dieses Wechselspiel gelingt dem Autor ein durchgehender Spannungsbogen, der seinen Höhepunkt in der Auflösung der Geschichte erfährt.

Dennoch muss auch festgehalten werden, dass der große Vorteil der ruhigen Erzählweise ebenso das größte Manko darstellt, wird doch das geduldige Sammeln von Informationen rund um Christines Leben gelegentlich als quälend langsam empfunden. Hier hätte es der Spannung nicht geschadet, wenn das Tempo gelegentlich gestrafft und die Handlung voran-getrieben worden wäre. Dieses Vorantreiben überlässt der Autor dagegen dem Showdown auf den letzten Seiten und vielleicht liegt es an diesem plötzlichen Tempo, dass dem Leser diverse Erklärungen teilweise ungereimt scheinen.

Trotzdem schadet auch diese kleine Beeinträchtigung nicht dem Lesevergnügen, zeigt der Autor doch auch bei seiner Konstruktion des Happy Ends, dass auch hier keine endgültige Klarheit besteht. Am Ende des Buches und damit eines mehr als ereignisreichen Tages steht der Leser neben der erschöpften Heldin, die nunmehr mit einem Hoffnungsschimmer in die Zukunft blicken kann. Ob sich ihre Hoffnungen erfüllen, wird allerdings erst der nächste Morgen belegen und vor dem steht die Nacht mit ihrem Schlaf.

Sabine Bongenberg, September 2011

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Rolf Graudejus zu »S. J. Watson: Ich. Darf. Nicht. Schlafen« 21.09.2016
Nachtrag: Habe grade die Verfilmung auf ARD gesehen. Grauenhaft. Kein Vergleich zum Buch. Ich merke erneut, dass ich mit dem Lesen von Büchern besser bedient bin als mit deren Verfilmungen. Zu wenig Zeichen? OK. Ich mag Deutsche Krimis. Habe grade einen Stapel TBs vom Universo-Verlag bekommen; deutsche Autoren, die Romane waren vorher wohl nur als E-Books erhältlich, jetzt eben als Billig-Ware. Mal sehen, ob die Dinger tatsächlich so schlecht sind, daß arrivierte Verlage sie nicht herausbringen wollen.
Rolf Graudejus zu »S. J. Watson: Ich. Darf. Nicht. Schlafen« 13.09.2016
Vielleicht kommt es ja darauf an, was man von einem Krimi oder 'Thriller' erwartet. Wer alte Filme liebt, wie 'Warte bis es dunkel wird' oder 'Bei Anruf Mord', der wird diesen Roman als Geniestreich bezeichnen. Ich finde, das der Autor den Preis für das beste Erstlingswerk absolut verdient hat. Spannung? Ja. Gute Schreibe? Ja. Krimi? Ja. Ein Roman, den man in einem Zug durchliest? Eher nicht. Das liegt aber eher an den Verlagen. Als ich anfing Krimis zu lesen, waren 144 oder 160 Seiten der Standard. Heute müssen es mindestens 400 Seiten sein. Das ist manchmal durchaus angebracht...
Janko zu »S. J. Watson: Ich. Darf. Nicht. Schlafen« 29.01.2016
„Ich darf nicht schlafen“…das einzige, was mich beim Lesen dieses erfolgreichen Psychothrillers aus dem Jahr 2011 davon abgehalten hat nicht einzuschlafen, war die Spannung, die der britischen Autor Steve „S. J.“ Watson in seinem Debüt von Anfang bis Ende hoch gehalten hat. Das muss man ihm durchaus lassen. Leider war es das aber auch schon mit den positiven Seiten, die ich diesem 397 Seiten währenden, emotions- und seelenlos konstruierten Roman abgewinnen konnte. Überwiegend in der Ich-Perspektive geschrieben, dümpelt die unblutige Story, die weit mehr auf das „Was und Wie“ setzt, in ihrer stakkatohaften Erzählweise lauwarm vor sich hin. Die ständigen Wiederholungen des Tagesablaufs, der von Amnesie betroffenen Protagonistin beginnen den potentiellen Leser irgendwann zu nerven und der nur ab und an, in Miniportiönchen eingestreute Lokalkolorit lässt das Kopfkino nicht so recht in Gang kommen „Ich.darf.nicht.schlafen“ ist ein undurchdachter Psycho Thriller ohne geistigen Tiefgang, der viel zu viele Ungereimtheiten in sich birgt, welche den gesamten Plot leider unnötig unrealistisch und nahezu ad absurdum führen. Ein oberflächliches und unrealistisches Psychogramm, welches klar auf Cliffhanger und Effekthascherei aus ist. Die Story ist dermaßen an den Haaren herbeigezogen, dass sie an manchen Stellen ungewollt peinlich, gar lächerlich wirkt. Warum zum Beispiel schreibt und liest die amnesiekranke Christine immer wieder in ihrem Tagebuch, was enorm viel Zeit in Anspruch nimmt, anstatt ein Videotagebuch mit dem Handy oder auf dem Rechner zu führen? Audiovisuelle Erlebnisse wären bezüglich ihrer Erinnerung und ihrer Genesung wesentlich effektiver gewesen. Hierbei hätte sie auch sich selbst und ihr fortgeschrittenes Alter sehen können. Des Weiteren stellt sich mir die Frage, wie man eine Person aus einer geschlossenen Anstalt zu sich nach Hause holen kann, ohne ein Verwandtschaftsverhältnis ersten Grades nachzuweisen? Und dafür, dass sie sich an nahezu nichts erinnern kann, sind die plötzlichen Erinnerungsschübe Christines doch recht ausführlich beschrieben. Sehr merkwürdig das Ganze. Bis der Plot letztendlich mal zu Potte kommt, ist der Leser auch schon fast am Ende...und das in zweierlei Hinsicht. Das Thema an sich ist wirklich 1A, nur leider scheitert es doch etwas an der Umsetzung. Viel gewollt, doch (zu) wenig erreicht. Mit dem Lesen eines weiteren seiner Bücher werde ich es halten, wie im zweiten Satz seines Nachfolgethrillers „Tue es. Tu es nicht.“ Ich jedenfalls tue es nicht!
Meine Wertung: 57/100
Margit Raven zu »S. J. Watson: Ich. Darf. Nicht. Schlafen« 09.10.2015
Sehr spannend, hält den Leser bis zur letzten Seite in Atem. Jedoch nerven diese ewigen "Neuanfänge" der an einer Amnesie leidenden Protagonistin den Leser mitunter ganz gewaltig. Und doch, dem Autor ist die raffinierte Konstruktion dieses Thrillers mehr als gelungen. Empfehlenswert den Thriller-Freunden, die dem Buch zuliebe Arbeit, Familie und Sonstigen vernachlässigen.
saska80 zu »S. J. Watson: Ich. Darf. Nicht. Schlafen« 28.01.2015
Spannend von der ersten bis zur letzten Seite!! Konnte es kaum aus der Hand legen. Man ist das komplette Buch hindurch hin- und hergerissen, wer denn nun der "Bösewicht" in der ganzen Geschichte ist. Genau so muss ein Thriller meines Erachtens sein!!
Perfekt!
Bin schon gespannt, ob der Film auch so gelungen ist :)
Toeniveal zu »S. J. Watson: Ich. Darf. Nicht. Schlafen« 18.11.2014
Meine Meinung zur Hörbuch-Fassung:
Ein Krimi, der etwas ungewöhnlicher daherkommt. ICH hatte schon länger den Durchblick, oder etwa doch nicht? Fazit: Durchgängiger Aufbau von Spannung: Hörenswert, wenn auch manches mal etwas unglaubwürdig im Krankheitsverlauf und den Ausprägungen. Obwohl gerade erst gehört, werde ich mir wohl auch den Kinofilm ansehen
Lena Bianca Nadeschka Gabor zu »S. J. Watson: Ich. Darf. Nicht. Schlafen« 13.11.2014
Das ist ein tolles Buch, denn hier geht es nicht mal um die Personen sondern umDinge die in der Vergangenheit passiert sind und die in der Gegenwart schlafend
wieder passieren, denn es ist Okkultismus im Spiel denn wie könnte eine Person mitdem Alltag klar kommen wenn viele Personen über den Alltag bestimmen von Ihr, und wie könnte Sie wissen wer Sie ist
wenn Sie niemand zu sein scheint, denn in Ihrer Realität gibt es niemanden der weiß
wer sie ist und wo sie hingehört. Wo gibt es dann Lichtblicke für Sie?
Hans Weder zu »S. J. Watson: Ich. Darf. Nicht. Schlafen« 24.10.2014
Der Ansatz, über die Manipulierbarkeit von Erinnerung (Tagebuch), Verwirrung zu stiften und falsche Fährten zu legen ist nicht neu - hier allerdings hervorragend umgesetzt. Die wenigen redundaten, zuweilen eintönigen Längen sind zwar inhaltlich stimmig und eher stilistisches Mittel, als eigentliche Schwäche. Die Geschichte büsst dadurch zwischenzeitlich wohl etwas an Fahrt ein - die Beschleunigung zum Ende hin ist jedoch mitreissend.
Ganz klar: Strong Buy
jenvo82 zu »S. J. Watson: Ich. Darf. Nicht. Schlafen« 04.09.2014
Ein Psychothriller der etwas anderen Art: still, ohne sadistische Grausamkeiten und verdammt realitätsnah. Die Hauptprotagonistin Christine leidet unter einer sehr speziellen Art der Amnesie – jeden Morgen nach dem Aufwachen erinnert sie sich an nichts mehr. Weder an den gestrigen Tag noch an die Ereignisse der letzten zwanzig Jahre. Mit Hilfe eines Arztes und eines persönlichen Tagebuchs gelingt es ihr mühsam das bisherige Leben aus winzigen Erinnerungsfetzen zu rekonstruieren. Nur durch ihre schriftlichen Notizen erlangt sie eine Vorstellung von ihrer Vergangenheit. Als sie der Wahrheit für ihre umnebelte Sicht immer näher kommt, begibt sie sich in große Gefahr – ohne es überhaupt zu ahnen.
Fazit: Ein einfühlsames, psychologisches Portrait einer Frau, die sich mit den Schrecken längst vergangener Tage auseinandersetzen muss. Das Ende des Buches gestaltet sich perfekt, alle Fäden laufen zusammen und es ergibt sich ein schlüssiges Gesamtbild. Lediglich die etwas langatmige Erzählweise im ersten Teil des Romans tut der Spannung Abbruch, weil man sich genau wie Christine immer wieder mit bereits bekannten Fakten konfrontiert sieht.
fluffi zu »S. J. Watson: Ich. Darf. Nicht. Schlafen« 24.02.2014
Es gibt Krimis/Thriller, die sind voll von Action oder Blut, Gewalt, Verfolgungen und ähnliches. Es gibt aber auch die, die in Deine Psyche eindringen und fast ohne Gewalt oder Mord auskommen. Es gibt sicher für beide Genres Liebhaber. Jemand also, der zu der ersten Kategorie gehört sollte die Finger von diesem Buch lassen.Wer aber wie ich, das psychische, das leise mag den wird dieses Buch vom Hocker reißen. Ich habe es gestern Abend angefangen und konnte nicht mehr aufhören, bis ich es heute endlich durch hatte.Es war alles so gut beschrieben dass man sich absolut in die Situation hinein versetzen konnte. Ein wenig hat mich die Story an Joy Fieldings Koma erinnert, auch dieses Buch konnte ich kaum zur Seite legen. Für mich eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe. Deshalb 95 Grad von mir.

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