Die Toten der North Ganson Street von S. Craig Zahler

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2014 unter dem Titel Mean Business On North Ganson Street, deutsche Ausgabe erstmals 2016 bei Suhrkamp.

  • New York: Thomas Dunne Books, 2014 unter dem Titel Mean Business On North Ganson Street. 495 Seiten.
  • Berlin: Suhrkamp, 2016. Übersetzt von Katrin Mrugalla, Richard Betzenbichler. 495 Seiten.

'Die Toten der North Ganson Street' ist erschienen als E-Book

In Kürze:

Die Bewohner nennen ihre Stadt Shitopia, weil es seit Langem nur bergab geht, die Kriminalitätsrate mit jedem Tag steigt und nicht einmal die Tauben sie lebenswert finden. Kein Detective tritt hier freiwillig seinen Dienst an. Hierhin wird man strafversetzt. Denn es ist die Hölle auf Erden.

Weil seine Vorgesetzten ihn für den Selbstmord eines Geschäftsmannes verantwortlich machen, muss Jules Bettinger das sonnige Arizona verlassen und mit seiner Familie ins eiskalte Missouri ziehen. Sein neuer Einsatzort ist Victory, doch die Stadt ist alles andere als ein Gewinn. Die Polizeibehörde ist sträflich unterbesetzt, auf jeden Ermittler kommen gefühlt siebenhundert Straftäter. Dennoch wird Bettinger von den neuen Kollegen alles andere als willkommen geheißen. Um mit ihnen warmzuwerden, bleibt ihm allerdings kaum Zeit: Einer nach dem anderen wird auf grausame Art ermordet …

Das meint Krimi-Couch.de: »Fürs Kino nicht schlecht, aber sonst...?« 70°

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Die »North Ganson Street« liegt in den Außenbezirken der fiktiven Kleinstadt Victory im Nordosten des Bundesstaates Missouri, einer Region, die gerade noch zum sogenannten »Rust Belt« gerechnet werden kann, die dessen ökonomischen Niedergang über die Jahrzehnte seit den 1960er Jahren aber in vollem Umfang teilt. Dieses Victory, wie der Autor es beschreibt, gleicht einer Geisterstadt: marode Straßen, verfallende, leerstehende Häuser, verrammelte Geschäfte, Müll und Tierkadaver allerorten. Das Organisierte Verbrechen hat längst die Herrschaft über das einst blühende Städtchen übernommen. Die Ordnungskräfte haben den Kampf gegen Mord und Totschlag aufgegeben, haben sich arrangiert. In dieses Rattennest wurde Detective Jules Bettinger nun strafversetzt.

Bettinger, Afroamerikaner, Anfang 50, lebte mit seiner Familie im sonniger Arizona. Fünf Jahre trennten ihn noch von einer möglichen Pensionierung, als ihm auf seinem Revier ein kleines Missgeschick passierte. Er wies einen betrunkenen Weißen, der gegen seine jugendliche (treulose) Geliebte Anzeige erstatten wollte, in seine Schranken, woraufhin sich dieser stante pede erschoss. Leider war der Mann der Schwager des Bürgermeisters, der seinerseits jetzt Druck auf die Polizeibehörde macht. Bettinger soll wegen des Vorfalls suspendiert werden, wenn er nicht die Gelegenheit nutzt, sich in ein trostloses Kaff in Missouri strafversetzen zu lassen. Zähneknirschend stimmt er seinem eigenen Abstieg zu. Er verkauft sein Eigenheim und zieht mit Frau und Kindern in die Nachbarschaft seiner neuen Wirkungsstätte. Victory selbst ist ihm zu gefährlich für seine Familie.

Die Kollegen in Victory begegnen dem »Neuen« mit demonstrativer Ablehnung. Bettinger mag sogar richtige Feindseligkeit feststellen. Das hat auch seinen Grund. Viele Beamte im Außendienst, sowohl die zivilen, als auch die uniformierten, werden von den Größen der lokalen Unterwelt geschmiert. Die korrupten Kollegen haben einfach Angst, dass der »Neue« ihr Spiel nicht mitmachen könnte und sie auf ihre dicken Autos und ihre sonstigen Privilegien verzichten müssten. Doch bevor sich Bettinger überhaupt richtig (oder falsch) positionieren kann, wird ein Konflikt zwischen den Polizisten und einem Unterweltboss offensichtlich. Da haben die lieben Kollegen ihr Standing wohl falsch eingeschätzt. Es kommt zu mörderischen Auseinandersetzungen.

Liest man die kurze Inhaltsangabe des Rezensenten, könnte man einen vielversprechenden, spannenden Plot erwarten. Doch diese Erwartung erfüllt sich leider nicht. Man merkt, dass S. Craig Zahler von Hause aus Drehbuchautor ist. Es gibt einige durchaus spektakuläre Szenen, die sich sicherlich gut auf Leinwand oder Mattscheibe darstellen lassen, aber einen Spannungsbogen sieht man im Roman leider nicht. Entweder hängen die Protagonisten, allesamt Cops, in irgendwelchen Lokalen ab, zoffen sich im Revier oder werden gerade von den bösen Gangstern massakriert. Am liebsten aber sind sie mit dem Auto unterwegs. Stundenlange, öde Fahrten durch Eis und Schnee. Man bekommt den Eindruck, diese Kleinstadt hätte die Dimensionen des Großraums Los Angeles. Da kann nur wenig Thrill aufkommen, zumal der Bösewicht auch noch von Anfang an feststeht und im Verlauf der Handlung keine überraschenden Wendungen eingebaut sind.

Die Toten der North Ganson Street ist ein typisch amerikanischer Cop-Thriller mit viel Adrenalin, Testosteron und Pulverdampf, aber einer wenig überzeugenden Handlung, die dem Rezensenten zu realitätsfern erscheint. Da gibt es Besseres auf dem Markt  aktuell vielleicht: Die Unantastbaren von Richard Price oder mal einen Blick zurück werfen auf die tollen Polizeiromane eines Joseph Wambaugh.

Jürgen Priester, September 2016

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mo zu »S. Craig Zahler: Die Toten der North Ganson Street« 28.09.2016
Also gleich vorweg: ein bisschen weniger Blut, Eiter, Kotze und Fäkalien hätten dem Buch nicht geschadet!! Die Handlung ist wirklich sehr spannend und ich habe das Buch nur aus der Hand geleg um kurz durchzuatmen und um mich aus dieser Apokalypse wieder herauszubringen. Was mir besonders gut gefallen hat ist der schräge Humor und die glaubhaften Charakterbeschreibungen. Ausserdem gibt es keine "Guten" oder "Bösen", fast alle sind Täter und Opfer zugleich. Man merkt allerdings dass der Autor bis dato hauptsächlich Sience Ficton geschrieben hat, die Beschreibung der fiktiven Stadt Victory erinnert stark an Filme wie Terminator etc. Das Buch bekommt wegen seiner teilweise wirklich sinnlosen Gewalt und Brutalität nur 80 Punkte
Martina3010 zu »S. Craig Zahler: Die Toten der North Ganson Street« 24.08.2016
Kann gromek nur zustimmen eins der besten Bücher die ich gelesen habe dank gromek`s
Kommentar habe ich es mir gekauft.
Klug inszenierte und nahezu perfekt an den Leser gebracht !!! Man kann dieses Buch kaum aus der Hand legen schade das man nur
100% geben kann.Freue mich schon auf das nächste Buch.
8 von 8 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
gromek zu »S. Craig Zahler: Die Toten der North Ganson Street« 16.08.2016
Hatte mich auf das eBook seit Wochen gefreut und nach Erhalt sofort zu lesen begonnen .Ein Actionthriller der Extraklasse, der sich wie ein Film im Kopf abspielt ein Thriller, den man locker an einem Stück durchlesen kann.Ein neuer Stern am Thriller Himmel. S. Craig Zahler bitte mehr von diesen Büchern von mir volle 100% einfach Klasse.
8 von 8 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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