Die Herzensgabe von Ruth Rendell

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1996 unter dem Titel The Keys to the Street, deutsche Ausgabe erstmals 1997 bei Blanvalet.
Ort & Zeit der Handlung: Großbritannien / England / London, 1990 - 2009.

  • London: Hutchinson, 1996 unter dem Titel The Keys to the Street. 310 Seiten.
  • München: Blanvalet, 1997. Übersetzt von Cornelia C. Walter. ISBN: 3-7645-0653-9. 405 Seiten.
  • München: Goldmann, 1999. Übersetzt von Cornelia C. Walter. ISBN: 3-442-44363-6. 405 Seiten.
  • München: Goldmann, 2000. Übersetzt von Cornelia C. Walter. ISBN: 3-442-44810-7. 405 Seiten.
  • München: Blanvalet, 2000. Übersetzt von Cornelia C. Walter. ISBN: 3-7645-0113-8. 405 Seiten.
  • München: Goldmann, 2001. Übersetzt von Cornelia C. Walter. ISBN: 3-442-44939-1. 405 Seiten.
  • München: Goldmann, 2007. Übersetzt von Cornelia C. Walter. ISBN: 978-3-442-46619-1. 416 Seiten.

'Die Herzensgabe' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Ein gefährlicher Schritt in die Unabhängigkeit: Mary Jago hat sich ihrem dominanten Verlobten Alistair lange untergeordnet – bis sie eines Tages aufbegehrt. Gegen Alistairs Willen spendet sie Knochenmark für einen unbekannten Leukämiekranken. Doch dieser erste zaghafte Versuch eines eigenständigen Lebens entwickelt sich zum Alptraum für alle Beteiligten …

Das meint Krimi-Couch.de: »Viel gewollt und nicht geschafft« 60°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Zu Anfang des Romans fragt man sich, ob man sich das unbedingt antun sollte. Endlose Beschreibungen von Londoner Parks mit ihren schmiedeeisernen Zäunen mit Spitzen. Diese Zaunspitzen spielen zwar im weiteren Verlauf der Handlung noch eine wichtige Rolle, doch übertreibt es die britische Autorin mit ihren Ergüssen über die Londoner Strassen und Parks zuweilen.

Nur sehr zäh kommt die Handlung in Gang, und nach und nach kristallisieren sich einige Charaktere heraus, die die tragenden Säulen der verschiedenen Handlungsstränge bilden, die abwechselnd mit immer deutlicheren Berührungspunkten geschildert werden.

Da sind zum einen Mary Jago und ihr Verlobter Alistair, zwei klischeehafte Charaktere: sie die sympathische unterdrückte Frau, er der Kotzbrocken, besitzergreifend, doch der liebevolle Mann, solange sich die Frau unterordnet. Als Mary sich entschließt, für einen ihr unbekannten jungen Mann Knochenmark zu spenden, rastet er aus. Die Schönheit und die Gesundheit seiner geliebten Mary wird zerstört, indem man ihr mit Nadeln Knochenmark entnimmt. Mary weiß, dass sie mit diesem Mann nicht weiterleben kann und zieht aus der gemeinsamen Wohnung aus, doch hat sie nicht die psychische Kraft, sich gegen seine Nachstellungen zur Wehr zu setzen. Über das Institut ihrer Knochenmarksspende lernt sie den jungen Mann kennen, der durch sie geheilt wurde und ist von ihm fasziniert.

Handlungsstränge in unterschiedlichen Milieus

Für die nächsten Monate hütet Mary das Haus eines reichen Ehepaars, das auf Auslandreise ist. Um deren Hund muß sie sich nicht kümmern, denn dafür hat das Paar einen Hundesitter engagiert, der zweimal täglich das Tier ausführt. Und hier kommt der nächste Protagonist ins Spiel: Bean, der Hundesitter. Ein zwielichtiger Mann von etwa siebzig Jahren, der eine recht abwechslungsreiche Vergangenheit aufweist. So arbeitete er vorher als Diener, unter anderem bei einem Masochisten, von dem er das Haus erbte. Zu den Highlights des Romans gehört zweifellos die Schilderung, wie er einen anderen seiner Herren piesackte bis zu dessen Tode. Nun lebt Bean von seinem kargen Auskommen als Hundesitter, versucht aber, durch kleinere Erpressungen sein Gehalt aufzubessern.

Der dritte Handlungsstrang führt uns ins Obdachlosenmilieu. Dort lebt Roman, der nach einem schweren Schicksalsschlag vor zwei Jahren sein bürgerliches Leben hinter sich gelassen und sein Haus verkauft hat und seither in den Londoner Parks unter freiem Himmel lebt. Obwohl er sich den anderen Pennern anpasst, bleibt er doch ein Außenseiter, denn gewisse Gewohnheiten wie seine guten Manieren und die Körperhygiene lassen sich nicht einfach so abgewöhnen.

Und zwischen all diesen verschiedenen Milieus springt noch der rauschgiftsüchtige Hob herum, dessen Rolle in der Handlung lange Zeit unklar bleibt. Verbrechen geschehen schließlich auch noch, doch will ich mich nicht noch weiter über den Inhalt des Buches auslassen.

Ungewöhnlicher Plot, doch ohne Spannung

Sehr viel hat Ruth Rendell in diesen Roman hineingepackt und sich dabei eine große Aufgabe gestellt, die sie nie bewältigen kann. Alleine die Dreiecksgeschichte um Mary und Alistair sowie Leo, den Empfänger des Knochenmarks böte Stoff für einen ganzen Roman. So verrennt sich die Autorin des öfteren und schafft es durch ständige Orts- und Handlungswechsel nicht Spannung aufkommen zu lassen. Erst im letzten Viertel des Buches gelingt es ihr durch ein ungewöhnliches Hochzeitsgeschenk der Handlung eine nicht erwartete Wende zu geben. Es gibt einige Fäden aufzudröseln. Dabei erwarten den Leser noch ein paar Überraschungen, doch auch flach versandende lose Enden.

Die Atmosphäre wirkt wie meist bei der britischen Autorin stimmig, doch stellt sie die Extreme zwischen Reichen und Obdachlosen oft zu klischeehaft dar.

Sehr zwiespältig ist für mich Ruth Rendells »Herzensgabe«. Gelungene Milieuschilderungen mit weitgehend klischeehaften Charakteren. Ein ungewöhnlicher angelegter Plot, der doch in weiten Teilen Langeweile bereitet. Nur zu empfehlen für eingefleischte Fans der Autorin oder eher noch für gute London-Kenner.

Ihre Meinung zu »Ruth Rendell: Die Herzensgabe«

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Anne zu »Ruth Rendell: Die Herzensgabe« 05.07.2011
Es ist das erste Buch das ich von Ruth Rendell lese. Und ich muss sagen, dass es auch für Einsteiger ein wirklich interessantes Buch ist. Es ist zu Anfang zwar etwas langatmig, aber doch so fesselnd, dass man es nicht einfach wieder weg legen kann. Ich bin begeistet und freue mich schon auf den nächsten Roman.
Dr.Dieter Rohnfelder zu »Ruth Rendell: Die Herzensgabe« 14.09.2009
Wie fast immer gehen die Bewertungen von Krimi-Couch.de und der LeserInnen himmelweit auseinander. So schlecht wie der Profi-Rezensent kann ich es nicht finden, so toll wie Carola aber auch nicht. Es ist eines der ersten umfangreichen Bücher von R.R. (406 Seiten), und die "Hauptfigur" ist eigentlich der Regent´s Park, um den die von Krimi-Couch.de bereits vorgestellten Personen angesiedelt sind. Das "Krimi-Element" bildet eine Serie von Morden an Obdachlosen im Park. Der Penner Roman ist eine viel zu konstruierte Figur, die mich nicht überzeugt. Die weitgehend getrennt verlaufenden und oft nur in 1 Ereignis verknüpften Handlungsstränge sind typisch für R.R.´s "Alterwerk". Dass dies hier misslungen wäre, kann ich nicht behaupten. Unterhaltsam ist das Buch auf jeden Fall.
Von mir also 78 Grad.
Nicole zu »Ruth Rendell: Die Herzensgabe« 18.04.2009
"Die Zufriedenheit hängt vom Anspruch ab" - auf kaum ein anderes Buch trifft dieser Satz wohl so gut zu wie auf "Die Herzensgabe" von Ruth Rendell. Dass ihre Bücher als Krimis bezeichnet werden, liegt wohl in erster Linie daran, dass ein Verbrechen geschieht - wer sich Thriller-Spannung erhofft, ist bei Ruth Rendell allerdings falsch. Vielmehr schafft sie es immer wieder, nicht nur eine bestimmte Stimmung aufzubauen, sondern sogar Atmosphäre. "Die Herzensgabe" besticht weniger durch ihre Handlung, als vielmehr durch Rendells unvergleichlichen Stil, ein schwüles, atemloses London im Sommer, bildhafte Beschreibungen, die die Fantasie des Lesers anregen und fein gezeichnete Charaktere. Wer Bücher konsumiert, wird hier enttäuscht werden - "Die Herzensgabe" ist kein typischer Krimi, sondern erstklassige Literatur. Ich war so begeistert, dass ich mir ab der Hälfte des Buches jede restliche Seite aufsparen und genießen wollte.
Nichts für Rendell-Einsteiger. Wem "Die Herzensgabe" aber gefällt, dem sei "Die Tennisparty" von Madeleine Wickham empfohlen!
Garibaldi zu »Ruth Rendell: Die Herzensgabe« 28.12.2006
Die Herzensgabe ist das erste Buch, dass ich von Ruth Rendell gelesen habe und es hat mich nicht begeistert. Ich möchte nicht unbedingt wissen wie hoch bzw. verschnörkelt die einzelnen Gitter in einem englischen Park sind. Es war mir einfach viel zu langatmig.
Ulrich Krüger zu »Ruth Rendell: Die Herzensgabe« 19.03.2006
Selten hat mich ein Krimi - vor Allem von Ruth Rendell - so in den Bann gezogen, wie dieser. Denn auf subtile Weise zieht die Autorin uns in das Angst- und Beziehungsgeflecht um Mary Jago mit ihrem (Ex-)Partner Alistair hinein, in der Gewissheit, dass wir bis zum Schluss um das Wohlergehen der Hauptfigur zittern. Die fein-ziselierte Schilderung der verschiedenen Millieus, die doch in direktem Zusammenhang mit dem Haupt-Handlungsstrang stehen, ist das Sahnehäubchen auf dieser spannenden Geschichte.
3 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Marion zu »Ruth Rendell: Die Herzensgabe« 11.10.2004
uups, merke gerade, dass ich mir selbst widersprochen habe: im ersten satz meinte ich, dass ich mich mit dem buch und der erzählweise nicht anfreunden konnte - die geschichte fand ich ja eigentlich interessant.
Marion zu »Ruth Rendell: Die Herzensgabe« 11.10.2004
Leider konnte ich mich mit diesem Buch und der Geschichte gar nicht anfreunden. Irgendwie waren mir diese Parkbeschreibungen zu langatmig. Schade, da ich die Geschichte an sich interessant gefunden habe ...
carola Baier zu »Ruth Rendell: Die Herzensgabe« 21.02.2004
eines meiner Lieblingsbücher,so spannend, das man am abend zu hause bleibt und weiterliest. Ich hab es oft weiterempfolen und leider einmal verliehen.(kam nicht wieder)
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