Dunkel Land von Roxann Hill

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2017 bei HarperCollins.

  • Hamburg: HarperCollins, 2017. ISBN: 978-3959671385. 384 Seiten.

'Dunkel Land' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Gut Wuthenow, ein altehrwürdiges Anwesen im Havelland; hier soll sich Verena Hofer die nächsten drei Monate um den Neffen der Hausherrin kümmern. Überrascht stellt sie fest, dass ihr Schützling der geniale wie arrogante Dr. Carl von Wuthenow ist. Der Kriminalist wurde erst kürzlich angeschossen und leidet seitdem unter Störungen des Kurzzeitgedächtnisses. Carl lehnt den Plan seiner Tante strikt ab. Verena, die das Geld dringend braucht, geht einen Deal mit ihm ein: Er lässt sie ihren Job machen, sie hilft ihm bei der Ermittlungsarbeit. Und schon ihr erster Fall hat es in sich: Eine übel zugerichtete Leiche wird auf einem Berliner Bauplatz gefunden und die Spuren weisen in die rechte Szene.

Das meint Krimi-Couch.de: Wenn der Tod beim Blow-Job lauert 75°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Verena Hofer hat ihre Arbeit als Literaturwissenschaftlerin aufgegeben, um sich nach dem plötzlichen Tod ihrer Schwester um ihre verwaiste Nichte zu kümmern. Sie muss irgendwie Geld verdienen, und nimmt den Job an, sich auf Gut Wuthenow bei Berlin um den Neffen der Hausherrin zu kümmern. Der ist allerdings weder Kind noch Jugendlicher, sondern ein ausgewachsener Profiler in Verenas Alter – der allerdings nach einem Unfall sein Kurzzeitgedächtnis verloren hat.

Rücksicht auf seine »Gouvernante« gedenkt Carl von Wuthenow nicht zu nehmen, und so schleift er Verena mit zu seinen Ermittlungen in die Hauptstadt. Dort unterstützt Carl Staatsanwaltschaft und Polizei bei komplizierten Ermittlungen im Stricher-Milieu. Verena wehrt sich zunächst, wird dann aber von der Faszination dieser Arbeit – und von ihrem Schützling – angezogen.

Autorin schickt eine starke und sympathische Frauenfigur ins Rennen

Roxann Hill hat ihre Karriere als Krimi-Autorin 2013 im Selbstverlag begonnen. Ihre Reihe um das ungleiche Ermittler-Duo Anne Steinbach (eine Ex-Polizistin) und Paul Wagner (ein Priester) umfasst mittlerweile acht Bände. Dunkelland ist ihr zweites Buch außerhalb der Serie, die weiterhin im Selbstverlag erscheint. Ihre ersten Einzelroman hat Hill bei Edition M verlegen lassen, mit Dunkelland ist sie nun bei HarperCollins gelandet.

Für ihre Geschichte um das merkwürdige Ermittler-Duo hat sich die Autorin Verena als Ich-Erzählerin ausgesucht. Das ist auch passend, denn die Protagonistin muss ihre schwierige Situation schildern, zu der auch ihre Nichte gehört, sowie ihre Verwirrung über ihre unerwartete Situation. In etlichen Situationen gerät Verena in Panik, meistert das am Ende aber alles. Mag dem einen oder anderen Leser zu dick aufgetragen erscheinen, aber letztlich hat die Autorin hier eine starke und sympathische Frauenfigur ins Rennen geschickt, was ich völlig in Ordnung finde.

In dieser Geschichte gibt es richtig knackige Überraschungen

Carl ist der zweite zentrale Protagonist. Verena steht durch ihre Erzähler-Rolle etwas mehr im Mittelpunkt, aber der Profiler aus dem brandenburgischen Land-Adel ist auch eine interessante Figur. Der Plot lebt natürlich davon, dass die beiden erst Katz und Maus spielen, sich dann aber doch hervorragend ergänzen. Das liegt auch daran, dass Verena öfter in Gesprächen vorprescht, dabei über ihren Schatten springt – und Carl mehrfach überrascht. Von Beginn an war mir klar, dass die Autorin den Honigtopf nicht umgehen kann. Die Bande der Sympathie zwischen Verena und Carl werden aber nur zögerlich stärker, Roxann Hill lässt dabei in meinen Augen das rechte Maß walten. Hätte sie in dieser Hinsicht zu dick aufgetragen, wäre mir der Spaß am Krimi vermutlich etwas verdorben worden, aber so war das völlig in Ordnung. Die weiteren Protagonisten, wie etwa die Staatsanwältin und der Kommissar, kommen über den Status von Randfiguren nicht hinaus. Das macht aber nichts, für die Geschichte ist nur das Ermittler-Duo wirklich wichtig – und natürlich die Verdächtigen. Da legt die Autorin einiges an Spuren aus, und es gibt richtig knackige Überraschungen. Der Plot ist relativ ruhig aufgebaut, aber dennoch mit einem tollen Spannungsbogen. Zum Ende hin wird es dynamisch, die überraschende Auflösung deutet sich erst kurz vor Schluss an.

Der Leser wird hier abwechslungsreich und spannend unterhalten

Die Konstellation der Hauptfiguren ist interessant und reizvoll, aber auch der Kriminalfall ist keineswegs langweilig. Ein junger Mann wird schwer misshandelt und getötet. Die auf dem Buchrücken angedeutete Spur ins rechtsradikale Milieu ist allerdings schnell eiskalt. Vielmehr brauchen die Ermittler einiges an Spürsinn und Hartnäckigkeit, um Zusammenhänge zu alten Kriminalfällen herzustellen. Dadurch werden aber nur neue Fragen aufgeworfen.

Roxann Hill erzählt hier im flüssigen Stil eine ziemlich spannende Geschichte, die immer wieder von ruhigeren Passagen unterbrochen wird. Action-Fans kommen eher weniger auf ihre Kosten, obwohl es auch durchaus härtere Passagen gibt, die aber die Ausnahme bleiben. Die Geschichte lebt von dem Rätsel, dass sich um die Mordfälle und die möglichen Täter spannt.

Das Ende hat mich dann doch überrascht, aber vielleicht waren die zuvor ausgelegten Spuren auch zu offensichtlich. Da mag jeder Leser eine eigene Bewertung finden. Roxann Hill ist auf jeden Fall eine gute Geschichten-Erzählerin, die den Leser mit ihrem Plot abwechslungsreich und spannend unterhalten kann. Das Ende ist im Hinblick auf die Protagonisten offen gestaltet – es könnte sich daraus also durchaus eine Serie entwickeln. Aus meiner Sicht wäre nichts dagegen einzuwenden, Carl und Verena haben noch Potenzial.

Andreas Kurth, Januar 2018

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claudi-1963 zu »Roxann Hill: Dunkel Land« 31.12.2017
"Das Gedächtnis ist die Schatzkammer und der Bewacher von allen Dingen." (Marcus Tullius Cicero)
Verena Hofer muss nach einem tragischen Unfall bei dem ihre Schwester tödlich verunglückt, für ihre Nichte Amelie sorgen. Darum hat sie ihre Arbeit verloren und wird jetzt auf den Neffen von Frau von Wuthenow aufpassen. Das sich dieser jedoch als einen erwachsenen Mann herausstellt verwundert Verena dann doch ein wenig. Warum stellt man für einen Mann ein Kindermädchen bzw. Aufpasser ein? Dr. Carl von Wuthenow ein prägnanter Profiler, der eine jahrelange Ausbildung beim FBI genossen hat, wurde bei seinem letzten Einsatz verletzt. Der Schuss in den Kopf hat sein Kurzzeitgedächtnis gestört und ist seitdem eingeschränkt. Dass seine Tante nun für ihn, mit Verena einen Coach engagiert hat, passt ihm gar nicht. Den Carl will unbedingt wieder arbeiten, als Profiler und freier Polizeiberater. Darum wird er auch zu einem Mordfall in Berlin hinzugezogen, bei dem man einen jungen Stricher gefunden hat, der brutal gefoltert und mit drei Messerstichen getötet wurde. Außergewöhnlich sind die Handfesseln, die mit einem Metzgerknoten versehen sind und die ersten Spuren weisen auf die rechte Szene hin. Verena geht den Deal mit Carl ein, er macht mit ihr seinen Job und sie vermittelt ihm die Literatur.

Meine Meinung:
Ein sehr eigenwilliges und außergewöhnliches Ermittlerpaar, das die Autorin hier geschaffen hat. Eine ahnungslose Literaturexpertin, trifft auf einen couragierten, gutaussehenden, reichen Profiler mit Handicap. Auch wenn ich schon fast in der Mitte des Buches einen Verdacht hatte, was den Täter anbelangte, hat die Autorin es sehr geschickt bis zum Ende verschleiert. Sympathische Protagonisten und gute Ermittlungen, mit teilweise eigenartigen Methoden, die auch nicht immer gesetzestreu sind, haben mir als Leser gefallen. Zwar finde ich das ihr Verena Hofer manchmal etwas zu toughe und unrealistisch geraten ist, trotzdem hat sie mir imponiert. Auch die fünfjährige Amelie fand ich an manchen Stellen ein wenig zu erwachsen geraten. Der Schreibstil ist sehr gut, flüssig und das Cover besticht durch einen Blick auf das Gut. Das Einfließen des Fontanes Gedicht vom Herrn von Ribbeck vom Havelland, hat mir gut gefallen. Vom Spannungsbogen her ist der Krimi eher niedrig gehalten, besticht aber durch seine interessanten Ermittlungen. Schade nur fand ich das Ende des Buches, das mir sehr lieblos erscheint und auch durch das offene Ende den Leser verunsichert. Ich hoffe, dass es einen neuen Fall für die beiden geben wird und gebe diesem Buch 4 von 5 Sterne.
wampy zu »Roxann Hill: Dunkel Land« 13.12.2017
Buchmeinung zu Roxann Hill – Dunkel Land

Meine Meinung:
Dieses Buch lebt von und leidet an der Hauptfigur Verena. Diese ist zu Beginn schüchtern und verschlossen, nimmt im Laufe der Geschichte eine außergewöhnliche Entwicklung. Sie ist die dominante Figur, die dem angeschlagenen Kriminalisten Carl glatt an die Wand spielt. Mehr und mehr übernimmt sie die Führungsrolle bei den Ermittlungen und verzieht keine Miene bei Besuchen in der Pathologie und beim Bordellbetreiber. Die Geschichte wird aus Verenas Perspektive erzählt und der Leser ist ihren Gedanken immer ganz nah. Sie entwickelt Gefühle für Carl, wie auch umgekehrt, aber weder Carl noch Verena trauen sich, diese zu offenbaren.
Die Zusammenarbeit mit Polizei und Staatsanwaltschaft wird immer besser, und auch hier zeigt Verena ungeahnte Fähigkeiten. Dabei schießt die Autorin schon mal übers Ziel hinaus, zum Beispiel wenn Verena und Carl einem Verwandten die Todesnachricht überbringen. Neben den Ermittlungen findet Verena noch Zeit und Muße, die Zustände auf Gut Wuthenow aufzubessern. Die Geschichte liest sich flüssig, enthält auch humorvolle und gefühlvolle Stellen. Allein die Figurenzeichnung ist unbefriedigend. Bis auf Verena sind alle Figuren sehr flach dargestellt und haben nur positive oder nur negative Eigenschaften. Der Fall selber ist durchaus nicht harmlos und leider wird er eher zufällig gelöst.

Fazit:
Dieses Buch hat Stärken in der Erzählweise, aber auch auffällige Schwächen in der Figurenzeichnung. Die Hauptfigur Verena ist mir zu sehr Superfrau, so dass meine Bewertung drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten) lautet.
Leselottchen zu »Roxann Hill: Dunkel Land« 29.11.2017
Interessante Charaktere treffen aufeinander

Außergewöhnliche Idee, sehr unterhaltsam umgesetzt.
Zwei interessante Charaktere treffen in einer Notlage aufeinander.
Verena Hofer, eigentlich Literaturdozentin, möchte ihr Leben nach dem Tod ihrer Schwester neu gestalten. Sie will mehr Zeit haben für ihre kleine, taffe, fünfjährige Nichte Amelie, die ihr anvertraut wurde. Und so lockt sie ein mehrmonatiges Job-Angebot auf dem Land.
Die reiche Unternehmerin Ernestine von Wuthenow sucht eine Betreuung für ihren Neffen im Havelland. Verena rechnet mit einem jüngeren Schützling.
Doch wie sich vor Ort herausstellt ist der Neffe Dr. Carl von Wuthenow ein erwachsener Mann. Ein Kriminalist, der nach einer sehr schweren Schussverletzung unter Aussetzern seines Kurzzeitgedächtnisses leidet.
Anfänglich sind Verena und Carl nicht sehr glücklich über die Planungen der Tante. Aber Amelie geht es sehr gut, Verena benötigt das Geld und Carl braucht Hilfe bei seiner Arbeit als Berater der Staatsanwaltschaft in Berlin.
Sein Wissen ist bei mehreren brutalen Tötungsfällen für die Kriminalpolizei von großer Wichtigkeit. Mit Verenas Hilfe möchte er wieder am Arbeitsleben teilnehmen.
Für Verena ist diese böse Seite des Lebens absolutes Neuland.
Trotzdem schafft sie es, Carl eine große Stütze zu sein. Auch in schwierigen Situationen behält sie die Nerven.
Carl wirkt zusehens menschlicher und sympathischer.
Die beiden finden zueinander, ergänzen sich und bilden ein tolles Team. So entwickelt sich die Story äußerst interessant.
Dieser spannende und wendungsreiche Fall stellt die beiden vor manche gefährliche Herausforderung.
Gleichzeitig gefiel mir die besondere Atmosphäre im Jahrhundert alten Gutshaus und seine weiteren Mitbewohner. Das Gedicht, Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, wird mehrmals erwähnt und lässt somit ein idyllisches Bild vor meinen Augen erscheinen. Krasse Gegensätze, gelungenes Kopfkino, das mich begeistert.
Das ist nun schon das zweite Buch, das ich von dieser Autorin lese. Ich mag ihren Schreibstil. Die Story war sehr unterhaltsam und zum Schluss hin sogar äußerst spannungsgeladen. Ich würde mich über eine Fortsetzung sehr freuen.
Das Buchcover besticht durch seine intensiven Farben. Allerdings steht mir das Gutshaus fast zu einsam da. Der kurze Buchtitel weckte meine Neugierde.
Meine Bewertung: 85 Grad
Verena K. zu »Roxann Hill: Dunkel Land« 28.11.2017
Habt ihr schon mal von jemandem, der ein Antileser ist und nicht weiß, was ihr für Bücher gerne lest bzw nicht habt und welche Bücher ihr habt bzw nicht habt? Ich schon. Und zwar das Buch "Dunkelland" von Roxann Hill. Die die Begründung war "Da heißt jemand so wie du." Toll, was? Ob das Buch gut ist oder nicht - egal. Ob das Buch einen guten Schreibstil hat - egal. Hauptsache eine Romanfigur heißt so wie ich - das ist wiederum mir egal. Naja, um mir ein Bild von diesem Buch zu machen und dem Schenker zu sagen, ob mir das Buch gefallen hat, habe ich es mir angetan. Und muß sagen, daß mir dieses Buch echt gefallen hat. Und das von mir als England-Fan und Fan des gepflegten englischen Krimis. Jaha, ich wurde belehrt (bekehrt?). Der Schreibstil ist wirklich ok. Während des Lesens habe ich alles vor mir gesehen, die Leute, die Landschaft, einfach alles. Ich kam mir wie im echten Leben vor, nur das ich unsichtbar bin und am wahren der Menschen im echten Leben teilnehme. Ich habe die Gerüche gerochen, die Töne gehört. Ich möchte euch das Buch gerne empfehlen. Nur demjenigen, der mir das Buch geschenkt hat, habe ich den Wind aus den Segeln genommen. Ich habe ihm gesagt, daß nicht jedes Buch, das er mir schenkt ein Glücksgriff sein muß.
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