Der Fall Galton von Ross MacDonald

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1959 unter dem Titel The Galton Case, deutsche Ausgabe erstmals 1964 bei Rowohlt. 275 Seiten. ISBN-10: 3-257-20325-X, ISBN-13: 978-3-257-20325-7. Übersetzt von Egon Lothar Wensk.

'Der Fall Galton' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Anthony Galton ist vor zwanzig Jahren spurlos verschwunden. Nun soll Lew Archer ihn wiederfinden – im Auftrag der Mutter, einer steinreichen, alternden Frau. Die Indizien, die Archer findet, sind wenig schön – und sie sind gefährlich. Denn noch immer ist jemand bereit, ihretwegen zu töten.

Das meint Krimi-Couch.de: »Wenn es was zu erben gibt« 84°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Selten nur tritt Lew Archer einen Fall unmotiviert an. Im Fall Galton macht er eine Ausnahme, denn die Aussicht, den vor über 20 Jahren verschwundenen Anthony Galton wieder zu finden, ist auch optimistisch betrachtet nur verschwindend gering. Dessen Mutter jedoch ist Witwe eines Ölbarons und wünscht, vor ihrem Tode Frieden mit ihrem Sohn zu schließen. Archer wird von ihrem Anwalt mit der Suche nach Anthony beauftragt, der seinerzeit Schriftsteller werden wollte und in die Gegend von San Francisco gezogen war. Als Archer noch relativ lustlos erste Fährten aufnimmt, wird der Butler des Anwalts ermordet. Sprungartig steigt das Interesse des kalifornischen Detektivs.

Im verschlafenen Örtchen Luna Bay erfährt Archer von einem Arzt, dass er offenbar nicht der einzige auf der Suche nach Anthony Galton ist. Galton nannte sich hier John Brown, hatte vor über 20 Jahren hier ein Haus, eine Frau und einen zwei Monate alten Sohn, ehe die junge Familie hier plötzlich über Nacht verschwand. Ein junger Mann, der sich als John Brown jun. ausgibt, sucht nun ebenfalls nach Spuren seines vermeintlichen Vaters. Ist dieser junge Mann wirklich ein Millionenerbe oder nur ein äußerst geschickter Hochstapler, der es sich zunutze machen will, dass niemand über den Verbleib Anthony Galtons Bescheid weiß?

Lew Archer on the road

Der Fall Galton nimmt eine Einzelstellung in der Lew Archer Reihe ein, denn es ist wohl der Roman mit dem wenigsten psychologischen Tiefgang. Die Motive für die Verbrechen liegen in diesem Fall auf der Hand und lassen sich auch nicht durch überraschende Wendungen in ihr Gegenteil verkehren: Es ist die Gier nach Geld und Macht, die treibende Kraft für die Morde ist.

Archer kommt weit rum in diesem Fall. Aus den Vorstädten San Franciscos führen Spuren nach Reno, später sogar nach Detroit und Kanada. MacDonald schickt seinen Serienhelden entlang der amerikanischen Westküste, um zum einen der Geschichte des John Brown jun. nachzuspüren, zum anderen den Spuren des Mörders des Butlers nachzugehen. Er soll mit seiner frühen Vermutung, dass das Verschwinden Galtons und die beiden Fälle miteinander zu tun haben, Recht behalten.

Was macht diesen Roman vielleicht noch einen Tick besser als seine Vorgänger? MacDonald hat hier einen wunderbar durchdachten und hervorragend gestrickten Kriminalfall beschrieben. Und er schafft es, die Spannungskurve schon ab einem frühen Zeitpunkt auf hohem Niveau zu halten. Neben der Frage um das Verbleiben von Anthony Galton sorgen die Frage um die wahre Identität des John Brown jun. sowie die Verstrickungen des toten Butlers in beide Fälle für einen stets präsenten Nervenkitzel. Egal was Lew Archer unternimmt, in keinem der Vorgängerromane sind Spuren so brisant und Indizien so breit gestreut, dass der Leser sich vor einem großen 1000-Teile Puzzle fühlt, bei dem er früh erkennen kann, was er zusammen setzt, die richtige Lösung allerdings erst mit dem letzten Steinchen offenbart. Das ist höchst unterhaltsam und damit landet der Autor beim Leser Punkte. Das MacDonalds psychologischer Ansatz dabei ein wenig ins Hintertreffen gerät, tut in diesem Fall dem Roman nicht weh.

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Fabian zu »Ross MacDonald: Der Fall Galton« 18.04.2007
Ist es nicht merkwürdig,dass in Macdonalds
bestem Roman das fehlt,für was er so hoch gelobt wurde,nämlich der psychologische Tiefgang.Gerade in diesem Roman orientierte sich Macdonald scheinbar an seinen "Short-Stories",denn in diesen geht es ebenso weniger um Einen "Teilzeit -Psychologen" Archer,als um simple Routine Fälle.
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Fabian zu »Ross MacDonald: Der Fall Galton« 18.04.2007
Ist es nicht merkwürdig,dass in Macdonalds
bestem Roman das fehlt,für was er so hoch gelobt wurde,nämlich der psychologische Tiefgang.Gerade in diesem Roman orientierte sich Macdonald scheinbar an seinen "Short-Stories",denn in diesen geht es ebenso weniger um Einen "Teilzeit -Psychologen" Archer,als um simple Routine Fälle.
heinrich zu »Ross MacDonald: Der Fall Galton« 01.12.2006
die Kurzgeschichten von MacDonald finde ich nicht so spannend, aber die Romane sind spitze. Der Beschreibung von T. Kürten ist nicht viel hinzuzufügen - MacDonald hat einen ruhigen, aber genialen Roman verfasst, den man nicht vergißt.
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Fabian zu »Ross MacDonald: Der Fall Galton« 05.01.2006
Ein großartiges Buch mein 2tes -Macdonald Buch neben dem "Drahtzieher" welches ich toll fand.Macdonald ist neben Chandler der beste Autor und lässt Hammett hinter sich wenn auch nur knapp.Wenns um Kurzgeschichten geht hat Macdonald die Nase vor Chandler,und auch vor Hammett.
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Torsten Janssen zu »Ross MacDonald: Der Fall Galton« 15.03.2004
"Der Fall Galton" spielt übrigens in den Jahren 1936 - 1958 in Los Angeles und San Francisco. (Zum Teil auch in Kanada und in Hollywood).
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Torsten Janssen zu »Ross MacDonald: Der Fall Galton« 15.03.2004
Habe ich innerhalb von 3 Tagen durchgelesen. Im Stile von "Chinatown". MacDonald schreibt aber flüssiger und besser lesbar als Chandler. Der Zuschauer weiß immer genausoviel, wie der Detektiv. Mac Donald schreibt in Ich - Form, man kann sich sehr gut mit dem Detektiv Lew Archer identifizieren, da dieser kaum charakteriesiert wird. Bei MacDonald steht wirklich die Geschichte im Mittelpunkt, und nicht wie bei Ian Fleming der Dektekitv James Bond. Auch ist Archer lange nicht so überlegen wie Sherlock Holmes und auch nicht so moralisch wie Pater Brown. Ein "Mitläufer" eben. Die Geschichte selber "Der Fallo Galton" ist wuchtig, faszinierend und sensationell gut. Sehr lesenswert, wunderbar!!
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