Blinder Glanz von Roslund & Hellström

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel Flickan under gatan , deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Fischer Taschenbuchverlag.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden / Stockholm, 1990 - 2009.
Folge 4 der Ewert-Grens-Serie.

  • Stockholm: Piratförlaget, 2007 unter dem Titel Flickan under gatan . 379 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuchverlag, 2009. Übersetzt von Gabriele Haefs. 379 Seiten.

'Blinder Glanz' ist erschienen als

In Kürze:

Einer der kältesten Winter mit beißendem Frost, Eis und Schnee hat Stockholm fest im Griff. Da wird in einem Kellerraum des St. Görans-Krankenhauses die schwer verstümmelte Leiche einer Frau gefunden. Kommissar Sven Sundkvist weiß sofort, um wen es sich handelt: Liz Pedersen, deren Tochter Jannicke vor zwei Jahren spurlos verschwand. Die Leiche der Frau wurde aus einem unterirdischen Abwassertunnel in diesen Raum geschleift und dort abgelegt.
Wer verbirgt sich dort unter der Stadt?

Das meint Krimi-Couch.de: »Tabu-Themen« 35°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Blinder Glanz des schwedischen Autorenduos Roslund & Hellström ist in der Übersetzung von Gabriele Haefs aus dem Schwedischen im Fischer Taschenbuch Verlag als vierter Band um den ämigen Kommissar Ewert Grens veröffentlich worden.

Unter Stockholms Straßen, in der finsteren Welt der Abwasserkanäle leben Menschen, die sich mit den Gegebenheiten der Zivilisation über ihnen nur mangelhaft arrangieren können. Hier vegetieren Schicksale nach eigenen Gesetzen, ohne dass sich die Obrigkeit darum kümmert, weil es diejenigen, die man nicht sieht, offiziell auch nicht gibt. Doch einer dieser unterirdischen Bewohner hat noch eine Rechnung offen mit Liz Pedersen, deren Tochter bei ihm haust. Der gewaltsame Tod der Frau bringt Ewert Grens dazu, sich intensiver mit der Kanalisation zu beschäftigen und am liebsten würde er alle Gänge ausräuchern und die Menschen an die Oberfläche treiben …

Gleichzeitig werden aus einem Bus 43 Kinder in Stockholm ausgesetzt, alle in dünne blau-gelbe Overalls gekleidet. Vom Säugling bis zum Teenager reicht das Alter der rumänischen Straßenkinder, die drogensüchtig und mit leeren Augen am Gehsteigrand hocken und hier der Obhut der schwedischen Behörden überlassen werden. Ewerts Kollege Sven Sundkvist und im Besonderen seine Kollegin Hermansson müssen sich darum kümmern, dass die Kinder versorgt werden und vor Allem, woher diese kommen und warum, denn zeitgleich wurden auch in anderen europäischen Städten ähnliche Busladungen unwillkommener Kinder ausgeschüttet …

Roslund und Hellström greifen zwei Tabu-Themen auf. Und sie tun dies in einem Schreibstil, der eher nach einer Reportage in Serienform erinnert. Wenn Roslund und Hellström ausführlich werden, dann beim Psychogramm des Kommissars, dessen Frau meist im Wachkoma in einer Klinik liegt und mit der es zu Ende geht. Ewerts ist mit 32 unerledigten Fällen hoffnungslos überlastet und auch sein privates Schicksal zerrt an seinen Nerven, die er nur dann ein wenig unter Kontrolle bringt, wenn er in seinem Büro zu den Klängen von Siw Malmkwist gröhlt. Ewerts ist vielleicht der kaputteste Kommissar unter den skandinavischen Kriminalisten und seine Handlungen wirken stellenweise grenzdebil. Man fragt sich wirklich, wann Roslund und Hellström den psychisch schwer angeknacksten Ermittler endlich in den Ruhestand schicken, denn für den Leser und die restlichen Polizisten ist er eine Zumutung.

Die meiste Polizeiarbeit macht Sven Sundkvist, der als Nachfolger Ewerts prädestiniert erscheint. Wenn er allerdings in weiteren Bänden genauso saftlos agiert, wie ihn die Autoren schildern, hat auch er keine Zukunft. Wie überhaupt die Autoren verabsäumt haben, die Personen nach deren Vorstellung genauer zu charakterisieren, was bei den Kriminalisten möglicherweise schon in den drei vorhergehenden Bänden passiert sein mag, aber bei den neu ins Geschehen eingebauten Menschen lieblos und flüchtig abgehandelt wird.

Der Spannungsbogen in Blinder Glanz hat zu Beginn einen kräftigen Anstieg, flacht dann aber zusehends ins Langweilige ab. Wie man solche brisanten Themen so nebenbei ins Abseits laufen lässt, ist besonders bei der Klärung der Zukunft der ausgesetzten Kinder vielleicht realitätsnah, aber deprimierend unbeteiligt geschildert. Und wie sich letztendlich die Unterweltsmisere zum Ende hin auflöst, ist weder originell noch lesenswert. Da ich von Gabriele Haefs schon mehrfach Übersetzungen aus dem Schwedischen lesen durfte, weiß ich, dass diese schwache Wortstruktur sicher nicht auf ihrem Mist gewachsen ist.

Roslund & Hellström haben es verabsäumt, aus spannenden Themen einen brauchbaren Thriller zu komponieren. Blinder Glanz leidet unter dem Zwang, jedes Jahr ein Buch auf den Markt werfen zu müssen und dabei unter Zeit- und Schreibdruck zu stehen. Das vorliegende Ergebnis mag höchstens für diejenigen interessant sein, der auch die anderen Bände der Serie gelesen hat, ansonsten kann man sich die Zeit mit besserer Lektüre vertreiben.

Wolfgang Weninger, August 2009

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michael zu »Roslund & Hellström: Blinder Glanz« 24.08.2012
nach "todesfalle" und "die bestie" ist dieses buch das dritte, das ich von diesem autorenteam gelesen habe. und es hat mich nicht eine sekunde enttäuscht.

zugegeben, kommissar ewert grens ist ein ziemlicher kotzbrocken. doch mit seiner geschichte im hintergund wird er etwas erträglicher. auch die anderen charaktere treten klar hervor, und die menschen im untergrund bleiben das, was sie sein wollen - unerkannt.

beklemmend auf jeder seite ist das wissen, dass es sich bei diesem buch um eine sozusagen wahre geschichte handelt. für menschen mit kindern und schwachen nerven also sicher nicht die geeignete lektüre! allein die vorstellung eines lebens im tunnelsystem einer großstadt macht angst.

also kein buch so mal zwischendurch am strand - aber dennoch absolut empfehlenswert.
K. Kirberich zu »Roslund & Hellström: Blinder Glanz« 26.02.2010
Die anderen drei Bücher dieses Autoren Duos habe ich regelrecht verschlungen, da sie so schön realitätsnah waren. Man fühlte sich förmlich, als würde man neben den Aktueren stehen und könnte ihnen bei ihrer Arbeit zusehen. Man kannte die Marotten von Ewert Grens (die Musik vom Siw Malmquist) und die Geschichte mit seiner Frau.
Daher war ich begierig auf das Buch Blinder Glanz. Zu Anfang war ich ziemlich enttäuscht, da das Buch doch ziemliche Längen aufweist, die nicht nötig gewesen wären. Zum Ende hin konnte ich mich doch wieder mit der Story anfreunden, zumal eine gewisse Tragik hinzukommt. Auch bezüglich der Geschichte mit den Kindern kann ich nur sagen: es ist halt keine reisserische Story, dafür ist diese meiner Meinung nach sehr realitätsnah, da in vielen Ländern so etwas gern unter den Tisch gekehrt wird, um keine diplomatischen Verwicklungen auszulösen. Insgesamt bewerte ich dieses Buch mit 75% - die anderen Bücher sind aber trotzdem erheblich besser.
Peter Hannemann zu »Roslund & Hellström: Blinder Glanz« 12.11.2009
Wer mir fürchterlich auf den Geist geht ist der Kommisar Ewert Grens, den kann man einfach nicht mögen, oder man ist auch ein Fan von Siv Malmquist!
Das Ende ist leider unbefriedigend, aber vielleicht ist das in der echten Praxis der Polizei häufig wirklich so?
Ansonsten sehr gut geschrieben. Das Buch hat mich nicht eine Minute gelangweilt.
Hier noch etwas Allgemeines: Ich habe sehr viele Übersetzungen von schwedischen Krimis gelesen, und ich stelle mir selber die Frage, ob in Schweden Humor eigentlich verboten ist?
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