Lautlose Nacht von Rosamund Lupton

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2015 unter dem Titel The Quality of Silence, deutsche Ausgabe erstmals 2017 bei dtv.

  • London: Little, Brown, 2015 unter dem Titel The Quality of Silence. 384 Seiten.
  • München: dtv, 2017. Übersetzt von Christine Blum. ISBN: 978-3423261210. 384 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: Argon, 2017. Gesprochen von Tanja Geke. gekürzte Ausgabe. ISBN: 3839815037. 384 CDs.

'Lautlose Nacht' ist erschienen als TaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Eine Frau, die alles riskiert. Ein Kind, das über sich hinauswächst. Eine lebensgefährliche Fahrt durch die arktische Nacht.

Die britische Physikerin Yasmin fliegt mit ihrer zehnjährigen Tochter Ruby nach Alaska, um ihren Mann Matt zu treffen, der dort einen Dokumentarfilm dreht. Doch die Polizei empfängt sie mit der Nachricht, dass Matt weit oben im Polarkreis umgekommen ist. Yasmin will das nicht glauben. Sie ist überzeugt, dass Matt am Leben ist und ihre Hilfe braucht. Zusammen mit Ruby macht sie sich auf eine lebensgefährliche Reise durch ewiges Eis und ewige Nacht, um ihn zu finden. Und irgendwann bemerkt sie, dass jemand sie verfolgt. Jemand, der ihnen Böses will …

Das meint Krimi-Couch.de: »Für Fans außergewöhnlicher Schauplätze« 80°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Jasmin Alfredson fliegt mit ihrer zehnjährigen Tochter Ruby nach Alaska, wo sie ihren Mann Matt treffen möchte. Dieser ist Naturfilmer und flog vor Kurzem zu dem kleinen Dorf Anaktue, wo er Kontakte zu den Einheimischen hat. In Fairbanks gelandet, wird Jasmin mitgeteilt, dass es eine verheerende Brandkatastrophe in Anaktue gegeben habe. Dreiundzwanzig Bewohner hat die Ansiedlung, vierundzwanzig Leichen wurden gefunden, ebenso der Ehering von Matt. Jasmin indes ist sich sicher, dass ihr Mann noch lebt. Der nächst gelegene Flughafen im über 600 Kilometer entfernten Deadhorse ist jedoch gesperrt, so dass sie nur über den Dalton-Highway ihr Ziel erreichen kann. Ende November bei bis zu minus vierzig Grad eine Höllenfahrt und nur der Trucker Adeeb ist bereit, Jasmin und ihr Tochter mitzunehmen. Beim Erreichen einer Tankstelle erleidet Adeeb jedoch einen Zusammenbruch und muss von anderen Truckern nach Fairbanks zurückgefahren werden. Jasmin entert kurzentschlossen dessen Megatruck und setzt die Reise mit Ruby fort. Etliche hundert Kilometer liegen vor ihnen, es geht über den Atigun-Pass und durch die arktische Tundra. Mitten im Nirgendwo wartet aber nicht nur eisige Kälte. Ruby erhält plötzlich Mails mit Bildern von toten Tieren und seit längerer Zeit folgt den Beiden offensichtlich ein Tanklaster. Ein Orkansturm droht, Hilfe ist nicht zu erwarten …

Geht es vielleicht ein bisschen realistischer?

Fangen wir mit dem größten Minuspunkt an. Wie wahrscheinlich ist es, dass eine Mutter allein mit ihrer zehnjährigen Tochter in einem Monstertruck quer durch eine der unwirtlichsten Gegenden der Welt fährt, um ihren Mann zu suchen, der höchstwahrscheinlich tot ist? An diesem Punkt angekommen, neigt der Verfasser dieser Zeilen normalerweise dazu, sich intensiver mit der Frage zu beschäftigen, ob es sich wirklich lohnen kann weiter zu lesen? Viel unglaubwürdiger kann ein Plot kaum anfangen, zumal klar ist, dass Jasmin ihre Tochter nicht in Fairbanks zurücklassen kann, denn Ruby ist von Geburt an gehörlos. Drückt man mit maximal möglicher Großzügigkeit alle drei Augen zu, dann erwartet einen in Lautlose Nacht ein ungewöhnlicher Thriller mit einem noch ungewöhnlicheren Schauplatz.

»Die riesigen Dimensionen Alaskas wirkten furchterregend auf Adeeb: anderthalb Millionen Quadratkilometer, und das einzige Anzeichen von Zivilisation, das man durch die Windschutzscheibe sah, waren die Straße aus Eis und die daneben verlaufende Transalaska-Pipeline. [...] Schlimmer als die gefährliche Straße, die Kälte und Einsamkeit fand er die Abwesenheit jeglicher Farben  nichts als Schneeweiß im Lichtkegel der Scheinwerfer und ansonsten Dunkelheit.«

Die ersten rund achtzig Seiten führen kurzweilig in die Ausgangsituation ein, danach beginnt die gefährliche Fahrt über den Dalton-Highway. Da ihr Fahrer frühzeitig ausfällt, sind Jasmin und Ruby fortan auf sich allein gestellt; bei zweistelligen Minusgraden und pechschwarzer Polarnacht. Wer ein Faible für Alaska hat, der sollte sich auf diesen Horrortrip unbedingt einlassen, denn damit glänzt der Roman. Und da die Fahrt stundenlang dauert, haben Jasmin und Ruby alle Zeit der Welt, ihren Gedanken nachzuhängen. Wahlweise nach dem Aufkommen der Liebe zwischen Jasmin und Matt, die kürzlich kleinere Risse erhalten hat, woran möglicherweise eine Inupiaq-Frau namens Corazon schuld sein könnte. Oder über die Hänseleien, die Ruby in der Schule ertragen musste. Während der Fahrt wird gebärdet auf Teufel komm raus, was interessante Einblicke in die ungewohnte Kommunikationsform gibt, sowie über eine Maschine kommuniziert. Allerdings beinhalten die Gespräche auch einige Längen, was nicht verwundert, denn die Fahrt nimmt rund zweihundert (!) Seiten in Anspruch.

Fracken, Baby, fracken.

Auf den letzten hundert Seiten folgt dann die Auflösung, was es mit der Katastrophe in Anaktue auf sich hat. Hierbei ergeben sich einige interessante Aspekte für Umweltaktivisten, denn das bereits erwähnte Deadhorse besteht weitgehend aus Unterkünften für die Ölarbeiter der nahegelegenen Prudhoe Bay, dem größten Erdölvorkommen der USA. Massenhaft Öl gibt es auch in Anaktue, was für viele Firmen reizvoll ist. Allerdings setzen diese dabei auf das umstrittene Fracking.

Eine spektakuläre Landschaft, ein gehörloses Kind, das man schnell lieb gewinnt, und eine kritische Auseinandersetzung über das Fracking sind die Ingredienzien des vorliegenden Romans. Das ohnehin hohe Lesetempo wird durch zwei wechselnde Erzählperspektiven gekonnt verstärkt. Die Erzählerin folgt Jasmin, während Ruby die Ereignisse in ihren Worten wiedergibt. Und die Verfolgung durch den ominösen Tanklaster lässt gar Erinnerungen an den Film »Duell« von Steven Spielberg aufkommen. Darüber kann man sogar vergessen, wie realitätsfremd die Ausgangssituation war.

Jörg Kijanski, März 2017

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wampy zu »Rosamund Lupton: Lautlose Nacht« 23.03.2017
Buchmeinung zu Rosamund Lupton – Lautlose Nacht

Die Originalausgabe erschienen 2015 unter dem Titel „The Quality of Silence“, die deutsche Ausgabe erstmals 2016 in der Übersetzung von Christine Blum bei dtv Verlagsgesellschaft. Ich habe die gekürzte Lesung von Tanja Geke des Argon Hörbuchs gehört, die 2016 auf sechs CD erschienen ist.

Autor:
Rosamund Lupton studierte in Cambridge, arbeitete als Literaturkritikerin und schrieb zahlreiche Drehbücher für Film und Fernsehen. Gleich mit ihrem Romandebüt "Liebste Tess" wurde sie zur internationalen Bestsellerautorin mit Millionenauflage weltweit. Es wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Rosamund Lupton lebt mit ihrer Familie in London.

Zum Sprecher:
Tanja Geke ist eine vielbeschäftigte Schauspielerin, Synchron- und Hörbuchsprecherin. Sie leiht ihre ausdrucksstarke Stimme u. a. Eva Green und Maggie Gyllenhaal. Tanja Geke versteht es meisterhaft, akustische Bilderwelten zu erzeugen.

Klappentext:
Eine dramatische Verfolgungsjagd mitten im erbarmungslosen Winter in Alaska
Die englische Physikerin Yasmin fliegt mit ihrer gehörlosen Tochter nach Alaska, um ihren Mann Matt zu treffen, der dort einen Dokumentarfilm dreht. Doch die Polizei empfängt sie mit der entsetzlichen Nachricht, dass Matt weit oben im Polarkreis umgekommen ist. Das kann und will Yasmin nicht glauben. Zusammen mit der zehnjährigen Ruby macht sie sich auf eine lebensgefährliche Reise durch das ewige Eis, um ihn zu finden. Schneestürme, Lawinen, unpassierbare Straßen und die erbarmungslose Kälte sind dabei nur das kleinere Übel. Denn auf der Straße zu den Ölfeldern folgt ihren Reifenspuren ein zweiter LKW, dessen Fahrer die weitaus größere Gefahr darstellt …

Meine Meinung:
Der Klappentext klingt interessant, es gibt einige gut klingende Empfehlungen und Tanja Geke ist ein Sprecherin, die ich sehr schätze. Also sollte es ein Vergnügen sein, diesem Vortrag zuzuhören. War es aber nicht. Die Geschichte fängt noch ganz normal an. Mann verschwunden, Polizei hält ihn für tot, aber seine Ehefrau glaubt nicht daran. Sie findet einen Trucker, der sie in die Richtung des verschwundenen Mannes mitnimmt. Auf der Fahrt erfahren wir viel über Yasmin und Ruby, ihre Eheprobleme und die alltäglichen Probleme der gehörlosen Tochter. Der Trucker erzählt auch aus seiner Welt und wie wichtig der Ölkonzern als Arbeitgeber ist. Vor allem erfährt man aber auch, wie hart und gefährlich der Alltag des Truckers ist. Alle bemerken einen Lkw mit blauem Scheinwerferlicht, der ihnen folgt. Sie reden aber nicht darüber, weil … Ja warum eigentlich nicht. Ab hier geht die Glaubwürdigkeit der Story rapide in den Keller. Es bleibt noch eine Weile recht spannend, weil man erfahren möchte, was es mit diesen Scheinwerfern auf sich hat. Dann fällt ihr Trucker aus und Yasmin übernimmt die Rolle der Fahrerin, obwohl sie keine vernünftige Sitzposition finden kann. Dazu kommt ein Schneesturm auf und verschärft die Lage noch mehr. Was danach passiert kann ich nur noch als Märchen einstufen. Insbesondere Ruby zeigt Fähigkeiten und eine Herangehensweise sowie Fähigkeiten, die jedem erfahrenen Menschen gut zu Gesicht stehen würden. Ausweglose Situationen werden mehrfach überwunden, ein Böser bekommt Gewissensbisse und bezahlt diese mit seinem Leben und ach ja, eine Botschaft über Fracking wird auch noch eingebunden. Als noch Zeit war, gab es keine Informationen darüber. Je weiter die Handlung voranschritt, desto unglücklicher wurde ich mit dem Buch. Dazu passt, dass mehrere Figuren äußerst flach dargestellt sind. Noch ärgerlicher wird es, wenn man erfährt, wer welche Informationen zu welchem Zeitpunkt hatte, und was die Person unternommen hat. Hanebüchen ist da noch geschönt.
Einzig der Vortrag von Frau Geke fällt positiv auf. Sie liest professionell und gibt jeder Figur eine eigene, gut wiedererkennbare Note. Aber auch beim Vortrag gibt es Abstriche, die aber nicht die Sprecherin zu verantworten hat. Es gibt häufig keine erkennbaren Pausen zur Trennung einzelner Szenen. Es wirkt einfach aneinander geklebt.

Fazit:
Nach ordentlichem Beginn ging es mit Logik und Glaubwürdigkeit den Bach herunter. Die Auflösung war auch noch in Ordnung, aber der Weg dahin hatte wenig mit einem Krimi zu tun. Das war pures Märchen. In Anbetracht der ersten Buchhälfte und des guten Vortrags vergebe ich doch noch zwei von fünf Sternen oder 40 von 100 Punkten. Für dieses Buch kann ich aber keinesfalls eine Empfehlung aussprechen.
Lesemaus zu »Rosamund Lupton: Lautlose Nacht« 22.03.2017
Das Buch wurde mir von meiner Lieblingsbuchhändlerin empfohlen und ich fand es einen sehr guten Tipp, den ich gerne weiter geben möchte.
Lautlose Nacht ist ein sehr außergewöhnliches Buch. Ich muss zugeben, dass ich anfangs skeptisch war und mir nicht vorstellen konnte, dass das Buch mich so sehr in seinen Bann ziehen kann. Ich konnte es nicht mehr aus den Händen legen. Der Schreibstil und die verschiedenen Sichtweisen. Die tapfere, kluge Tochter hat mich stark beeindruckt und ich muss zugeben, ja es kommt nicht immer vor, aber hier ist es wieder passiert - ich tauchte direkt in die Kälte der Arktis, in die Stille und Einsamkeit ein - fieberte mit der Frau, die nicht aufgeben wollte ihre große Liebe zu finden... was soll ich noch sagen, bitte einfach lesen!
IlseS zu »Rosamund Lupton: Lautlose Nacht« 21.03.2017
Es stimmt, die Ausgangssituation ist tatsächlich völlig unglaubwürdig. Da mir der Roman aber von mehreren Seiten empfohlen wurde, habe ich weitergelesen und habe es nicht bereut. Nur noch soviel: Die Auflösung war nicht nur extrem spannend, sondern auch sehr informativ. Ich konnte nicht aufhören zu lesen, und jetzt ist es 1.46 h. Gute Nacht.
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