Tödliche Kampagne von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2009
unter dem Titel Con anuncio,
deutsche Ausgabe erstmals 2010
bei Suhrkamp.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Frankfurt am Main, 1990 - 2009.
- Barcelona: Viceversa, 2009 unter dem Titel Con anuncio. 368 Seiten.
-
Berlin: Suhrkamp, 2010.
Übersetzt von Kirsten Brandt.
ISBN:
978-3518461846. 451 Seiten.
'Tödliche Kampagne' ist erschienen als
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In Kürze:
Ein brutaler Mord sorgt füe Aufregung in Frankfurts Werbeagenturen: In ihrem zweiten Fall taucht Hauptkommisarin Cornelia Weber-Tejedor tief ein in die Welt der Jungen und Kreativen...kreativ auch, wenn es um Mord geht? Zunächst sind es nur Drohbriefe, die in der Farnkfurter Werbeagentur Baumgard & Holder eingehen, doch dann wird ein Kollege ermordet aufgefunden. Wollte man im Wettstreit um eine lukrative Kampagne, die die Stadt Frankfurt ausgeschrieben hat, einen unliebsamen Konkurrenten aus dem Weg schaffen? Cornelia Weber-Tejedor, in Eheprobleme verstrickt und unzufrieden über die Zusammensetzung ihres Teams, übersieht ein entscheidenes Detail. Dann geschieht ein zweiter Mord.
Das meint Krimi-Couch.de: »Plätschert eher ruhig und gemütlich dahin«
Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger überspringen
Die Katalanin Rosa Ribas hat ihren zweiten Kriminalroman mit der Frankfurter Kommissarin Cornelia Weber-Tejedor bei Suhrkamp. »Con anuncio« ist 2009 in Barcelona erschienen und titelt auf dem deutschsprachigen Taschenbuch als Tödliche Kampagne und beschäftigt sich auf 450 Seiten in der Übersetzung von Kirsten Brandt mit den kreativen Köpfen im beinharten Markt der Werbeagenturen.
Bei Baumgard & Holder dreht sich alles um einen Auftrag für eine Werbekampagne der Stadt Frankfurt. Mit dem Konzept, die gesellschaftliche Vielfalt der Stadt zu zeigen, zu der natürlich auch Migranten und Minderheiten zählen, stößt man damit bei vielerlei Gruppierungen aber Ablehnung, die darin gipfelt, dass in der Agentur mehrfach Drohbriefe einlangen, die Autos der Mitarbeiter willkürlich beschädigt werden und als letzter, negativer Höhepunkt eine Konfettibombe im Sekretariat hochgeht.
Die spanisch-stämmige Kommissarin Cornelia Weber-Tejedor wird von ihrem Vorgesetzen vom aktuellen Fall einer vermissten, möglicherweise ermordeten Prostituierten abgezogen, um sich in den Räumen des Werbeunternehmens umzusehen, bevor noch Schlimmeres passiert. Aber auch sie kann nicht verhindern, dass der Mastermind des Unternehmens erschlagen und abgestochen in einem Parkhaus gefunden wird.
Während die Ermittlerin nicht nur mit ihrer gestörten Beziehungskiste zu kämpfen hat, muss sie sich nun auch noch mit Selbstzweifeln plagen, ob sie nicht irgendeinen Hinweis übersehen hat und der Tod des Kreativdirektors vermeidbar gewesen wäre, sie hat auch noch bürointerne Kämpfe mit ihren Kollegen auszufechten, die ihre Art und ihre Führungsqualitäten in Frage stellen. Dass dann auch noch tödliche Fehler passieren, ist fast unvermeidlich …
Was Rosa Ribas Erstling Kalter Main ausgezeichnet und meinen Kollegen Thomas Kürten zu einer positiven Beurteilung dieses Romans veranlasst hat, fehlt im Nachfolger fast gänzlich. Anklänge an sozialkritische Probleme Frankfurts und der (spanischen) Gastarbeiterschicksale sind nur gelegentlich eingestreut und zu wenig ausgebaut. Dafür beschäftigt sich die Ermittlerin eher halbherzig mit der Situation und dem gesellschaftlichen Bild der gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und dem Druck, unter dem Menschen im Berufsleben stehen.
Cornelia-Weber-Tejedor ist eine launische Vorgesetzte, die ihre privaten und beruflichen Probleme an ihren Kollegen auslässt. Mobbing und Vorurteile an jeder Ecke beherrschen die Stimmung im Polizeiapparat und die Ermittlerin ist wenig sympathisch und sticht nur dort positiv hervor, wo die anderen noch unsympathischer sind. Situationsbedingte Liebeleien und Querelen lenken dabei von einer Handlung ab, die kaum Spannung zu bieten hat und mit wenigen Ausnahmen auch keine professionelle Ermittlungsarbeit vermittelt.
Es wundert daher auch nicht, dass die Lösung des Falles eher eine zufällige Konsequenz aus den vorherigen Fehlern der ermittelnden Beamten ist und weniger ein kriminalistisch aufgebautes Puzzle. Wenn man von eingeschlagenen Köpfen absieht, dann plätschert dieser Krimi eher ruhig und gemütlich dahin, außer die Frau Kommissarin betritt ihr Büro, wo Zank und Kompetenzstreitereien an der Tagesordnung sind.
Das kann den Leser schlussendlich nicht begeistern. Tödliche Kampagne fehlt grundlegend eine straffe Handlung und/oder die sozialkritische Kompetenz. Wenn man schon Probleme wie Migrantentum, Frauen im Beruf, Homosexualität und Menschenhandel anspricht, dann sollte man diese Gedanken auch konsequent zu Ende führen und wenigstens in einem Punkt auch ausführlich behandeln. Hier macht ein Zuviel an eingeflochtenen Themen die eigentliche Handlung überladen und folglich leidet die Geschichte an Komplexität. Schade, denn aus dieser Story hätte man deutlich mehr machen können.
Wolfgang Weninger, April 2011
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| Bellexr zu »Rosa Ribas: Tödliche Kampagne« | 16.08.2010 |
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