Kalter Main von Rosa Ribas

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel Entre dos aguas , deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Suhrkamp.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Frankfurt am Main, 1990 - 2009.

  • Barcelona: Umbriel Editores, 2007 unter dem Titel Entre dos aguas . 314 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2009. Übersetzt von Kirsten Brandt. ISBN: 978-3518460887. 368 Seiten.

'Kalter Main' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Hochwasser in Frankfurt, und in den Fluten des Mains treibt ein Toter – ermordet, wie sich schnell herausstellt. Hauptkommissarin Cornelia Weber übernimmt den Fall, und die Ermittlungen bringen nicht nur so manche dunkle Seiten des Mordopfers, eines seit Jahrzehnten in Frankfurt lebenden Spaniers, ans Licht, sondern lassen auch Webers eigene Vergangenheit wieder aufleben …

Das meint Krimi-Couch.de: »Gäste, die Dauergäste geworden sind« 80°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Öfter mal was Neues: Eine Spanierin schreibt einen Krimi (und auch noch einen guten) auf Spanisch, der in Frankfurt spielt. Der Fall spielt in der spanischen Gemeinde von Frankfurt und wird von einer Kommissarin bearbeitet, die ihre ganz eigenen Beziehungen zu dieser spanischen Gemeinde hat, denn ihre Mutter ist gebürtige Spanierin. Und nun wird dieser inzwischen in Spanien preisgekrönte Roman ins Deutsche übersetzt und kann auch hierzulande überzeuge

Einiges wird klarer, wenn man liest dass die Autorin Rosa Ribas seit 1993 in Frankfurt lebt und deshalb mit der Stadt und ihren Menschen bestens vertraut ist. Triebfeder dürfte für sie jedoch die innere Zerrissenheit zwischen Wohnort und Heimat gewesen sein, das Gefühl, nirgendwo wirklich hinzugehören. Denn damit kennzeichnet sie fast jeden ihrer Charaktere in »Kalter Main«.

Die Kommissarin mit dem ulkigen Namen Cornelia Weber-Tejedor (span. Tejedor = Weber) ist Tochter einer Spanierin, die als Gastarbeiterin in den 1960er Jahren nach Deutschland kam, hier ihre große Liebe fand und deshalb da blieb. In der spanischen Gemeinde Frankfurts gibt es ganz viele ähnliche Schicksale, die alle aus unterschiedlichen Motiven heraus in Deutschland geblieben sind. Beispielsweise Marcelo Soto, der in Frankfurt sein Glück suchte, ein Vermögen machte und als Inhaber zweier Restaurants hohes Ansehen bei seinen Landsleuten genoss. Marcelos Leiche treibt eines frühen Morgens im Hochwasser des kalten Mains.

Doch für Kommissarin Weber bleibt es nicht bei einer simplen Ermittlung in einem Routinefall, sie muss auf Geheiß ihres Chefs auch noch in einem delikaten Fall in der Frankfurter Society ermitteln, denn da hat ein Bankier sein ekuadorianisches Hausmädchen vermisst gemeldet. Kollege Terletzki, der zuletzt eher durch Dienstverletzungen als Fahndungserfolge auf sich aufmerksam machen konnte, genießt in beiden Fällen ihr Vertrauen und erhält vom Dezernatsleiter so etwas wie eine letzte Chance.

Die Ermittlungen führen schnurstracks in die spanische Gemeinde und gerade Cornelias Mutter ist daran interessiert, so schnell wie möglich ausschließen zu können, dass einer aus den Reihen der spanischen Gastarbeiter in den Mord verwickelt sein könnte. Doch so unbefleckt, wie es zunächst den Anschein erweckt, ist die Weste von Soto nicht gewesen. Schnell besteht Gewissheit, dass das richtige Motiv den Schlüssel zur Aufklärung des Falles bedeutet.

Will man den Roman zerpflücken, dann findet man einen rundum guten Krimi ruhigeren Tons mit einigen Wendungen und Überraschungen vor. Besonders gut wird der Roman aber durch die Schilderung der Gastarbeiterschicksale. Immer wieder thematisiert die Autorin, weswegen die Spanier nicht mehr zurück können oder wollen und weshalb sie mit schmerzendem Heimweh im nasskalten Frankfurt hocken und an ihre sonnige Heimat denken. Schon in ihrer Protagonistin, die die zweite Generation verkörpert, lässt sie diese innere Zerrissenheit Gestalt annehmen. Aber sie schlägt auch die Brücke von den Gastarbeitern von damals zu der heutigen Form von Gastarbeitern, Frauen, die in Deutschland zu Prostitution gezwungen sind, um ihre Familien in der fernen Heimat finanziell zu unterstützen.

Bei nur kleinen Schwächen, manchmal etwas zu geradlinig, manchmal etwas zu wenig weiter gedacht, manchmal etwas überladen, manchmal bleiben Fragen offen, ist Kalter Main ein beachtenswerter Debütroman. An vielen Stellen wird der Polizeialltag greifbar, die Autorin baut eine hervorragende Kulisse für die Mordermittlungen auf und zeigt uns einen Konflikt, der vielen Deutschen fremd sein dürfte, da wir gekonnt die Augen davor verschließen. Gut, dass manchmal auch Umwege zum Ziel, in diesem Falle auf den deutschen Buchmarkt führen.

Thomas Kürten, November 2009

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Theatermichel zu »Rosa Ribas: Kalter Main« 13.11.2011
Der Rezension kann ich in weiten Teilen nur beipflichten, aber "nur kleine Schwächen"?? Gerade was die Polizeiarbeit angeht kommen da doch grobe Schnitzer heraus, und ihren beratenden Polizeioberrat, dem sie im Nachwort so herzlich dankt, sollte die Autorin schnellstens in Pension schicken. Ein uniformierter Bundespolizist (im mittleren Dienst), der mal so gerade in der Mordkommission einer Landespolizeibehörde aushilft? Undenkbar. Auch die Amtsbezeichnungen passen nicht in allen Fällen in die Hierarchie. Und dann die schrecklich hölzernen Anreden im kollegialen Umgang ("Guten Tag, Herr Polizeiobermeister Müller". "Guten Tag, Frau Kommissarin Weber")! Vielleicht hat das ja auch die Übersetzerin verbockt, und dann geht sie am besten gleich mit dem Polizeiexperten in Ruhestand ...
Nomadenseele zu »Rosa Ribas: Kalter Main« 25.10.2010
Der Krimi hat mir sehr gut gefallen; alleine schon deshalb, weil er in Frankfurt spielt. Zwar fehlen die Beschreibungen der einzelnen Viertel und was sie ausmacht, jedoch fühlte ich mich sofort heimisch.
Zur Handlung lässt sich sagen, dass sie zwar ruhig ist, die Spannung aber kontinuierlich gehalten wird.

Fazit:
Ein unterhaltsamer Ausflug in Frankfurts Migrantenszene.
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