Staubige Hölle von Roger Smith

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 unter dem Titel Dust devils, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei Tropen.

  • London: Serpent's Tail, 2011 unter dem Titel Dust devils. 288 Seiten.
  • Stuttgart: Tropen, 2011. Übersetzt von Jürgen Bürger und Peter Torberg. ISBN: 978-3-608-50210-7. 320 Seiten.

'Staubige Hölle' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Robert Dell ist auf der Flucht. Seine Frau und Kinder sind auf grausame Weise umgebracht worden, er selbst steht plötzlich unter Mordverdacht.Dells einziger Verbündeter ist sein verhasster Vater, ein ehemaliger CIA-Killer und überzeugter Rassist, der gerade aus dem Gefängnis entlassen ist. Auf einem blutigen Roadtrip, der sie tief ins Landesinnere führt, machen Dell und sein Vater Jagd auf den wirklichen Mörder – und decken dabei eine Verschwörung auf, die bis in die höchsten Regierungskreise reicht. Immer weiter eskalieren Gewalt und Vergeltung, denn im Zeitalter der Post-Apartheid scheint ein Menschenleben nicht mehr viel wert zu sein.

Das meint Krimi-Couch.de: »Thrill as Thrill can« 79°

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Nein, mit dem, was wir vor einem Jahr während der Fußball-Weltmeisterschaft von Südafrika mitbekommen haben, hat Roger Smiths Handlungsort seiner Thriller gar nichts am Hut. Wenn man gar den nervtötenden Vuvuzelas hinterhertrauert, will das schon viel bedeuten. Staubige Hölle, Smiths dritter Roman, setzt nahtlos da an, wo Kap der Finsternis und Blutiges Erwachen aufhörten: Mord, Korruption, AIDS, afrikanische Mythen, Rassenkampf und jeder Menge Blut auf afrikanischem Boden.

Staubige Hölle beginnt mit einem Überfall zweier Schwarzer auf ein Paar, das sich gerade ihrer Leidenschaft hingab. Ben Baker, reicher wie einflussreicher Bure, soll die Attacke nicht überleben, seine Geliebte Rosie Dell kann allerdings gerade noch flüchten.

Als ob nichts geschehen wäre, feiert die glückliche Rosie am nächsten Tag den Geburtstag mit ihrem Mann Robert und ihren Kindern. Der Tag soll nicht gut enden: Ein Pick-Up drängt den Wagen der Dells ab, nur Robert Dell übersteht den tödlichen Crash. Doch da fängt der Alptraum für ihn erst an. Nicht er sei das Opfer, sondern der Täter, macht ihm die Polizei klar und buchtet ihn im berüchtigsten Knast Südafrikas ein. Nur durch seinen Vater, alter Militärveteran, kann er entkommen. Und so befindet sich der pazifistische Journalist schneller auf einer blutigen Flucht vor einem AIDS-kranken Zulu-Warlord namens Moses »Inja« (»der Hund«) Mazibuko und korrupten Cops, als er es sich in seinen schlimmsten Träumen hat ausmalen können.

Keine Frage, Staubige Hölle ist ein Page-Turner, wofür alleine 82(!) Kapitel auf gut dreihundert Seiten sprechen. Flugs wechselt Roger Smith die Perspektive, lässt dem bemitleidenswerten Robert Dell auf seiner Flucht den Angstschweiß ausbrechen, den Ex-Sonderermittler Disaster Zondi (bekannt aus Kap der Finsternis) sich auf seinem ganz privaten Trip in die Vergangenheit in die Büsche schlagen oder einen Inja Schafskopf futtern – möge es seiner Kraft nützen.

Die Kombination aus maximaler Brutalität und Kaltblütigkeit sowie den gespenstischen Vorstellungen des Zulu-Kriegers sind Nervenkitzel und Adrenalin pur. Teilweise, man muss es so sagen, in ihrer Drastik aber auch zu plakativ, zu brechreizerregend, ganz einfach too much:

Inja hob die Waffe vom Kopf des Babys und schoss dem Buren mitten ins Gesicht. Der Farmer sackte nach vorn, verströmte Blut und Hirnmasse [...] Inja musste sicher sein, also schoss er der jungen Frau in den Kof. Blut spritze purpurrot über das Bild eines Massey Ferguson-Traktors [...] Er richtete die Waffe auf das kleine Mädchen. Drückte den Abzug. [...] Er trat einen Schritt zurück und erschoss das Baby. [...] Er schoss ihr in den blonden Kopf. Leerte die Pistole in die Körper der drei Erwachsenen. Der Raum stank nach Blut und Scheiße und Kordit.

Unterm Strich bleibt ein gnadenloser Schocker, der hinsichtlich Spannung jederzeit überzeugt, aber der auch mit viel Schwarz-Weiß-Malerei und so manchem arg überstrapazierten Afrika-Klischee an Substanz vermissen lässt. Thrill as thrill can – zu lasten der Tiefgründigkeit. Das hat Roger Smith schon besser hinbekommen.

Lars Schafft, Juli 2010

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thor zu »Roger Smith: Staubige Hölle« 26.08.2014
das brutalste buch was ich jemals gelesen habe. das läst die strassenkinder von city of god wie heilige erscheinen.
ob kleinkinder oder ganze versammlungen. es wird gemordet ohne schulderkenntnis und lieber ein paar mehr umlegen als zuwenig. auch jungfrauen werden ohne jede chance bei roger smith gekillt.
ich muss sagen ich hab schon bessere bücher gelesen grade das stumpfe massentöten des warlods hat mich ungläubig abgeschreckt.
aber eine erfahrung war das buch auf jedenfall
Darix zu »Roger Smith: Staubige Hölle« 03.11.2013
Parallelen zu Deon Meyers Südafrika-Thriller fallen auf. Die Region, die Menschen, ähnliche Fall Lagen und der harte, direkte Schreibstil ähneln einander. Smith ist kein Autor der differenziert Handlungsgeflechte erarbeitet, er schreibt brutal, direkt und ungeschminkt. Soziales Mitgefühl, Empathie zeichnen seine Charaktere eher selten aus. Die Handlung liegt in der Beschreibung von harten, gnadenlosen (Un)Taten.
Die Sprache ist hart, versehen mit Slang-Ausdrücken, dies ist gewöhnungsbedürftig. Eher etwas für Liebhaber plakativ brutalen Bücher.
Mel.E zu »Roger Smith: Staubige Hölle« 15.01.2012
Erbarmungslos!
Mord, Hass, Gewalt, das ist was uns in diesem Thriller begegnet. Es reißt mit, es stößt ab und es ist mir echt schwergefallen das Buch wieder aus den Händen zu legen. Am liebsten hätte ich es in einem Rutsch gelesen.

Das Schicksal von Sunday hat mich am meisten bewegt und ich hätte mir hier ein anderes Ende gewünscht für sie. Eine mutige und starke junge Frau, die sich gegen das Leben was sie zu führen gezwungen ist auflehnt.

Normalerweise nicht meine Genre, aber ein Buch welches wirklich gut geschrieben ist, obwohl sehr blutig und mordend ohne mit der Wimper zu zucken. Eiskalt werden Menschen getötet um sie aus dem Weg zu räumen, weil sie unbequem geworden sind oder um Dinge aus ihnen herauszupressen.

Ganz klar steht auch der Hass der Völker im Vordergrund und zeigt uns ganz klar die Rassentrennung auf, auch wenn die Apartheid zuende sein soll, ist es scheinbar noch nicht überall hingedrungen. Um sein Ziel zu verfolgen, wird alles was hindert einfach beiseite geräumt. Manches Mal muss man wirklich schwer schlucken und kann kaum glauben, daß solche schlimmen Dinge tagtäglich immer noch in dieser Welt passieren und es genügend Menschen gibt, die sich an der Armut der anderen bereichern und damit sogar große Erfolge verbuchen!

Uns begegnen einige Charaktere, die alle miteinander verknüpft werden und das Buch zu einem Ganzen machen. Es lässt sich wirklich leicht und flüssig Lesen und über den Tippfehler auf Seite 327 im ersten Absatz kann man gut hinwegsehen ;o)

Klare Leseempfehlung!
T. Danker zu »Roger Smith: Staubige Hölle« 10.10.2011
Das ist grauenhafter Mist! Platt, keineswegs spannend mit einer obsessiven Lust an der Gewalt, die auch vor Säuglingen und Kleinkindern nicht Halt macht.
Zudem ist der Mist auch noch latent rassistisch. Sind nicht alle Schwarzen in dem Buchbmehr oder weniger in vorzivilisatorischen Traditionen verhaftet?
Ich konnte es nicht mehr ertragen und habe den Schund vor Schluss aus der Hand gelegt.
baiba zu »Roger Smith: Staubige Hölle« 17.09.2011
Dies war mein zweiter Versuch, ein Buch von Roger Smith zu lesen. Knapp vor dem Ende habe ich aber auch dieses schliesslich links liegen lassen. Ich habe absolut nichts dagegen, wenn ein Autor versucht auf politische,gesellschaftliche,soziale Probleme hinzuweisen und diese auch stark hinterfragt und kritisiert. Wer will schon einen Rosarote-Brillen-Blick präsentiert bekommen, zumal, wenn es um ein Land wie Südafrika geht, in dem es wahrhaft an vielen Ecken brodelt.
Aber was Roger Smith abliefert, ist einseitig negativ. Er läßt keinerlei Zwischentöne zu. Alles wird düster geschildert. Gewalt an allen Fronten.Korruption.Krankheit,hinterwälderische Traditionen,Rassenhass bei Weiß und Schwarz, bluttriefende Szenen, wohin man auch schaut.drastischer kann man ein Land und seine Gesellschaft nicht schildern...Noch nichtmal die Landschaft oder der südliche Sternenhimmel werden mit positiven Adjektiven beschrieben.
und der einzige Protagonist, der auch nur ansatzweise positive Züge trägt, ist rein "zufällig" ein weißer Mann mittleren Alters, der Journalist ist ( schaut euch die Vita des Autors mal an!).
Sorry, aber um in dem Jargon zu schreiben, den der Autor benutzt: dieser Roman ist "voll verkackt.".und an Spannung fehlts ihm leider obendrein.es interessiert mich nämlich nicht im geringsten, was auf den letzten paar Seiten noch passiert.
comu zu »Roger Smith: Staubige Hölle« 11.07.2011
Ich weiß jetzt nicht mehr, wie ich dazu kam mir dieses Machwerk zu kaufen, rausgeworfenes Geld. Man muss nicht zart-
besaitet sein, um zu erkennen, dass man nicht Schrott, sondern Aas liest.
Eine Aneinaderreihung von sinnlosen Morden, einer sinnloser und brutaler als der nächste.
Der Autor will nur schockieren, um hohe Auflage zu erzielen, Geld stinkt nicht.
Von Spannung nicht die Spur. Spätestens zur Hälfte weiss man wie es enden wird, so oder so: sinnlos.
Reinster Schund
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Alexi1000 zu »Roger Smith: Staubige Hölle« 25.05.2011
Der dritte Roman von Roger smith, und wieder ein absolut gelungener Thriller.

Insofern ist Smith mittlerweile schon fast eine Bank!

Auffällig gegenüber den ersten beiden Romanen ist aber eine gewaltige Steigerung der "Geschwindigkeit"; gab es in KAP DER FINSTERNIS und BLUTIGES ERWACHEN durchaus Passagen, die sich etwas ziehen, so tritt Smith hier im Prinzip gleich zu anfang auf Gaspedal, und lässt nicht mehr los, genau wie die "gehetzten" Protagonisten, kommt der Leser kaum zum Luftholen...

Trotz aller Rasanz schafft es Smith einem die Figuren nahezubringen, so das man jederzeit mitfiebert; Klasse!

Meiner Meinung nach hat er im Härtegrad nichts eingebüsst, im Gegenteil, einige Szenen werden "unbedarften" Lesern sicher schwer auf dem Magen liegen.

Schlussendlich haben wir hier wieder einen Thriller vorliegen, der uns das heutige Südafrika von seiner düstersten Seite portraitiert.

Smith hat es geschafft, sein Erstling KAP DER FINSTERNIS wird zur Zeit sogar verfilmt...

Gratulation.

Vorbahaltlos zu empfehlen: 89°.
2 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
subechto zu »Roger Smith: Staubige Hölle« 11.05.2011
Hölle 3

„Staubige Hölle“ ist nach „Kap der Finsternis“ und „Blutiges Erwachen“ der dritte Roman von Roger Smith. Und wie schon in den beiden Vorgängern inszeniert der Autor erneut und gnadenlos das Jagen und Gejagt werden in Südafrika.

Die Geschichte beginnt wieder in Kapstadt: Rosie Dell, eine Farbige, verheiratet mit einem Weißen, kann zunächst fliehen, als ihr weißer Chef und Lover, Ben Baker, von zwei Schwarzen in seinem Haus erschossen wird.

Kurze Zeit später wird ihr Auto jedoch von der Straße gedrängt und sie und ihre beiden Kinder sterben. Nur ihr Mann Robert überlebt. Ihr Mörder, Moses Mazibuko, genannt Inja, ist ein Zulu-Krieger, derselbe, der bereits Ben Baker ermordet hatte und sich nun auch noch seines Helfers durch Genickschuss entledigt. Wie sich herausstellt, ist er sogar Polizist!

Erbarmungslos jagt Dell, selbst auf der Flucht, den Mörder seiner Familie. Unterstützt wird er zunächst von seinem Vater, einem alten Rassisten aus den Zeiten der Apartheid. Nach dessen Tod hilft ihm Zondi. Er ist der Vater eines jungen Zulu-Mädchens, welches Inja, „der Hund“, heiraten will. Blut und Staub säumen ihren Weg, bis zum Schluss eigentlich alle tot sind.

Bei Roger Smith gibt es kein Happy End. Der Autor zeichnet in seinem neuen Roman wiederum ein düsteres Bild seiner Heimat Südafrika: Sex und Drogen, Gewalt und Korruption, Rache und Vergeltung, Aberglaube und alte Traditionen. Für Touristen mag es das Paradies sein, für die Protagonisten seiner Romane ist es die Hölle...

Dennoch hat sich der Schreibstil von Herrn Smith gewandelt: inhaltlich immer noch brutal, aber seine kurzen, abgehackten Sätze sind runder, weicher geworden. Die Sprache früher oft roh, geprägt von Slang-Ausdrücken, hat sich angepasst und gemäßigt.

„Staubige Hölle“ ist sicher nichts für zart besaitete Gemüter. Durch das hohe Tempo und die filmreife Action habe ich mich jedoch nie gelangweilt. Unbedingt empfehlenswert!
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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