Blutiges Erwachen von Roger Smith

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel Wake up dead, deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei Tropen.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.

  • New York: Holt, 2010 unter dem Titel Wake up dead. 290 Seiten.
  • Stuttgart: Tropen, 2010. Übersetzt von Jürgen Bürger & Peter Torberg. ISBN: 978-3-608-50206-0. 355 Seiten.
  • München: Heyne, 2011. Übersetzt von Jürgen Bürger & Peter Torberg. ISBN: 978-3-453-43565-0. 355 Seiten.
  • [Hörbuch] Bergisch Gladbach: Schall & Wahn, 2011. Gesprochen von Matthias Brandt. ISBN: 383710947X. 6 CDs.

'Blutiges Erwachen' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Ein höllisch heißer Sommer in Kapstadt. Das amerikanische Ex-Model Roxy und ihr Mann Joe, ein zwielichtiger Waffenhändler, werden überfallen. Joe wird verwundet, und als die schwarzen Gangster mit seinem Wagen verschwunden sind, handelt Roxy kurz entschlossen und erschießt ihren Mann. Die beiden Gangster, die plötzlich unter Mordverdacht stehen, schwören auf Rache. Doch unverhofft findet Roxy einen Beschützer, den farbigen Billy Afrika, der allerdings seine ganz eigenen Ziele verfolgt. Und sie alle haben Piper im Nacken, einen liebesbesessenen Psychopathen, der brutal entschlossen ist, sich das zu holen, was er für sein Eigentum hält.

Das meint Krimi-Couch.de: »Sie sind in Afrika, Lady. Hier ist es gespenstisch« 100°Treffer

Krimi-Rezension von Wolfgang Franßen

Wer glaubt, sich hinter der Schönheit verstecken, sich mit ihr eine sichere Zukunft aufbauen zu können, greift zu kurz. Als Roxy ihren Mann erschießt, sieht sie darin den einzigen Ausweg, um sich für all die Schmach zu rächen, die sie erlitten hat. Dass sie dabei dummerweise zwei Männer aus den Cape Flats als Täter angibt, bringt eine Lawine ins Rollen, die Schicksale miteinander verstrickt, deren Leben aufgehört hat zu pulsieren, die aus der Kälte, den Ruinen verflossener Zuversicht agieren. Niemand ist verschont geblieben, jeder trägt auf seine Weise Wunden zu Markte. Die nächste Generation wird im Schlepptau der Alten, mittels eines liebeskranken, integeren Polizisten bereits seelisch zugrunde gerichtet, indem ein Junge schreckliche Gräuel besichtigt, ein Vater seinen Sohn zum Unsichtbarsein verdammt.

Band Roger Smith im Kap der Finsternis seine Figuren in die Verzweiflung anderer ein, in deren Untergang und setzte sie nacheinander in ein Boot, das führerlos in einem Meer voller Gewalt trieb, hat er in seinem neuen Roman der Hölle einen Namen gegeben: Piper.

Eigentlich sitzt er im Gefängnis. Eigentlich will er dort gar nicht raus, doch hat er die abgrundtiefe Bereitschaft zur Gewalt längst zu seinem Lebenselixier erkoren. Seine Ziele setzt er rücksichtslos in Taten um. Wer seinen Weg kreuzt, wird gebrandmarkt. Sei es Disco, den er in seiner Zelle vergewaltigt und mit Tattoos der 28-Gang überzieht, sei es Billy Africa, der miterleben muss, wie Piper vor seinen Augen seinen Partner buchstäblich ausweidete. Der Schrecken zieht einen geschlossenen Kreis, in dem Gewalt neue Gewalt entfacht.

Die Hölle

Im Gegensatz zu Sartres »die Hölle sind die anderen«, ist das Schicksal von Smiths Helden hausgemacht, einem Umfeld entsprungen, das aus Drogen, Hoffnungslosigkeit, Mord wie Erpressung besteht. Ein Sumpf, in dem jeder Schritt dazu führt, dass man tiefer einsinkt. Körperteile werden abgeschnitten, um das Muti zu stärken. Vom lebenden Menschen. Am besten von einer Blondine. Als Talisman, als Glücksbringer. Man muss halt nur ein solches Bein, ein solche Hand erwerben. Und die Presse schafft auf Seite Eins den richtigen Namen dafür: Barbiepuppenmorde.

Als durchschreite Roger Smith im Stile Dantes Göttlicher Komödie die einzelnen Kreise der Hölle- diesmal allerdings ohne Aussicht auf Läuterung – konfrontiert der Autor seine Leser mit dem Röcheln der Ausgebrannten. Wenn er Discos Überleben schildert, dessen Mutter ihn würgt und halbtot in einen schwarzen Müllsack auf einer Deponie entsorgt, weil ihr Liebhaber sie dazu aufgefordert hat, sich zwischen ihm und ihrem Sohn zu entscheiden, greift das blanke Entsetzen um sich. Denn Disco ist nicht tot, er schält sich aus seinem Plastiksarg hervor und kehrt zur Mutter zurück. Weil sie ihn doch liebt. Und beschwört eine weitere Katastrophe herauf.

Der Schrecken abseits jeglicher Tagesschautauglichkeit, abseits der Diskussionsrunden mit Experten findet bei Smith seine Daseinsberechtigung. Schwer gezeichnet, taumeln seine Helden durchs Leben und suchen erst gar nicht nach der Erlösung. Männer wie Billy Africa, die alles daran setzen, die Tochter des ermordeten Polizisten davor zu bewahren, dass sie von einer Gang als Vierzehnjährige vergewaltigt wird, sind süchtig nach Vergebung. Nur wer soll sie erteilen?

Darkies und Whiteys

Roger Smiths Südafrika bietet keinen Schutz. Die von der Apartheid befreite Bevölkerung beginnt sich selbst aufzusplittern, in dem sie die Feinheiten der schwarzen Hautfarbe klassifiziert:

Okay, es läuft folgendermaßen. Ich bin gemischt-rassig. Mit anderen Worten, ich bin farbig. Für mich ist das in Ordnung. Aber es ist ein Ausdruck, den die Leute nur ausgesprochen ungern benutzen. Es ist ihnen peinlich. Man hört heutzutage sagen: >sogenannte Farbige<. Nach dem Ende der Apartheid wurde jeder, der nicht weiß war, schwarz genannt, ganz offiziell, auf Formularen und Dokumenten und so weiter. Nur jetzt hat sich alles geändert, und man hat Schwarze und Schwarzafrikaner. Oder ethnisch Schwarze. Das macht einen großen Unterschied, wenn es um Fördermaßen und Antidiskriminierung geht.

Roger Smith hat eine erschütternde, aufrüttelnde, an Spannung kaum zu überbietende Geschichte geschrieben, die so noir ist, dass selbst das Gute lediglich als Schatten seiner selbst durchschimmert.

Wolfgang Franßen, März 2010

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JJaing zu »Roger Smith: Blutiges Erwachen« 23.02.2012
Nach "Kap der Finsterniss" habe ich ja einiges an Abgründen und Brutalität erwartet. Doch "Blutiges Erwachen" setzt noch mehr als einen drauf. Auch als hartgesottener Thriller-Leser gibt es Passagen, die schockieren. Am schockierendsten: Typen wie Piper existieren dort wohl wirklich, auch wenn man es nicht glauben mag. Man findet im Buch ein Kapstadt vor, das am Boden liegt: Frauen als reine Vergewaltigungsobjekte, Morde am Laufmeter und ein steter Dunst von Tik-Tik. Wer in einem Buch explizite Gewalt ertragen kann und nicht enttäuscht ist, wenn sich nicht doch alles zum Guten wendet, dem sei das Buch wärmstens empfohlen.
Bio-Fan zu »Roger Smith: Blutiges Erwachen« 19.11.2011
In Erwartung eines Südafrika-Thrillers war ich schon überrascht, schwerpunktmäßig auf einen Psychopathen zu treffen, der eigentlich überall existieren könnte, aber dessen einziger richtiger Aufenthaltsort wohl eine Gummizelle wäre. Piper wird er genannt und sein Zuhause ist seltsamerweise eine Gemeinschaftszelle im Kapstädter Knast. Dort fühlt er sich wohl, dort kann er machen, was ihm am liebsten ist: sich zudröhnen, vergewaltigen und Bäuche aufschlitzen. Kaum noch zu klaren Gedanken fähig, verzehrt er sich in LIEBE zu Disco, einem jungen Mann, den er sich zur “Frau“ sprich Dauervergewaltigungsopfer erkoren hat. Dummerweise ist Disco aus der Haft entlassen worden und Piper setzt sein beschränktes Verhaltensrepertoire ein, um ihn wieder auf seine Pritsche zu holen. Ja, ja, wo die Liebe hinfällt.

Außerhalb des Knastes treffen wir auf Billy Africa, ein ehemaliger Polizist und jetziger Söldner für eine Security-Firma. Zur Zeit versucht er hier in Kapstadt seinen vorenthaltenen Söldnerlohn einzutreiben. Dabei stößt er auf das amerikanische Model Roxanne, die gerade ihren Mann erschossen hat. Das ungleiche Duo macht sich daran, seine diversen Probleme zu lösen und entfacht nicht ganz unbeabsichtigt einen Bandenkrieg zwischen rivalisierenden Drogenkartellen. Billy Africa ist mit Piper, der sich zwischenzeitlich aus dem Knast herausgemetzelt hat, in tiefer Feindschaft verbunden, seit dieser Billys damaligen Polizeikumpel abgeschlachtet hat. Beider Konfrontation endet in einem Showdown an Kapstadts Stränden, an denen eh schon ein Serienkiller, der weißen Frauen die Köpfe abschneidet, sein Unwesen treibt.

Was hat das jetzt mit der südafrikanischen Realität zu tun? Nicht viel, meine ich. Wir wissen aus den verschiedensten Medien, dass Mord, Totschlag und Vergewaltigung in bestimmten Stadtteilen Kapstadts, den Flats, zum traurigen Alltag gehören. Durch Armut und Drogenabhängigkeit ist ein immenses Gewaltpotenzial entstanden, das nach Entladung sucht. Roger Smith entnimmt diesem Pool des Schreckens die Elemente, die er braucht, um seinen abgehobenen Gewaltorgien-Thriller zu konstruieren. Nach der dritten Ausweidung war´s nur noch öde und ich war geneigt, das Buch abzubrechen. Für was soll das gut sein? Zur Ergötzung gewaltliebender Voyeure? Nicht ohne Grund fragt der Heyne-Verlag nach Ende der Geschichte scheinheilig in seiner Werbung: Noch mehr „Harter Stoff“?

Smith´ Psychopath, der den ganzen Plot dominiert, steht auf der gleichen Stufe wie unzählige Serienkillerpopanze, die nur selten der Realität angehören, sondern aus dem Reich der Phantastik stammen.
Der Überzeichnung dieser Figur hätte es gar nicht bedurft. Im Gegenteil: der Plot hätte ohne einen geisteskranken Killer an Glaubwürdigkeit gewonnen. Gewaltexzesse sind in Südafrika hauptsächlich sozialen und machtpolitischen Ursprungs, was Roger Smith ja auch selbst kommuniziert. Obwohl man den Eindruck bekommen kann, Gewaltdelikte seien nur ein “schwarzes“ Problem und Weiße hätten damit nichts zu tun, denn im ganzen Roman tauchen bis auf den pickligen Polizisten und der modelmäßigen Lady, die zudem noch Amerikanerin ist, nur Schwarze und Farbige auf. Ich finde es grundsätzlich problematisch, wenn Autoren über Menschen schreiben, in deren andersfarbige Haut sie nie gesteckt haben. Man spürt deutlich Smith´ intellektuelle Distanz seinen schwarzen Mitbürgern gegenüber. Da entwickelt sich keine empathische Verbundenheit, die sich auch auf den Leser übertragen könnte. Informationen aus zweiter Hand sind nun mal nicht selbst erlebt.

Man kann dem Plot eine gewisse Sensationslüsternheit, resultierend aus zuviel unnötiger Gewaltdarstellungen nicht absprechen. Das macht ihn in meinen Augen beliebig, austauschbar, nimmt ihm das Besondere, das den südafrikanischen Thriller ausmacht: die Realitätsnähe.

„Blutiges Erwachen“ war mein erster Thriller von Roger Smith und da seine anderen, wie man so hört, ähnlich gestrickt sind, bleibe ich lieber bei den Südafrikanern, die mit subtileren Mitteln arbeiten.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
dieter reitz zu »Roger Smith: Blutiges Erwachen« 29.09.2011
ich weiß nicht ob es an der übersetzung liegt, wenn der autor im text selbst den jargon seiner protagonisten übernimmt und diese (wie gesagt im text) als "schlampe" bezeichnet und diese "ficken" lässt. das mag ja alles sehr nah an den verhältnissen sein...mir persönlich würde ein bischen mehr-auch sprachliche- distanz zu mehr überblick und lesegenuss verhelfen.
Banon zu »Roger Smith: Blutiges Erwachen« 12.09.2011
Ich war noch nie in Südafrika. Ich habe bisher Romane der südafrikanischen Autoren Nadine Gordimer, J.M.Coetzee und Andre Brink gelesen, die die Verhältnisse in Südafrika zu verschiedenen Zeiten schildern. In lebhafter Erinnerung ist mir der Film "Der Schrei nach Freiheit" des britischen Regisseurs Richard Attenborough geblieben, der die schwierigen Bedingungen der Freiheitsbewegung ANC während des Apartheid-Regimes thematisiert.
Und nun erstmals ein Thriller, "Blutiges Erwachen" von Roger Smith.

Ich gebe zu, trotz aller Vorkenntnisse der südafrikanischen Gesellschaft und den Rezensionen zum Buch, war ich doch schockiert von dieser nicht enden wollenden Welle der Gewalttätigkeiten, die sich durch das Buch mit einer Schonungslosigkeit von einer Blutlache zur nächsten bewegt. Was Roger Smith mir da vorstellte, hatte ich dann so nicht erwartet. Meine Lesart des Buches änderte sich sehr schnell. War ich zunächst an einem spannenden harten Thriller interessiert, beschäftigte mich mehr die Frage: Was bringt die Menschen dazu, so brutal miteinander umzugehen?

Das Buch gibt dazu keine umfassende Antwort, einige Ansätze sind jedoch zu finden.
Immerhin konnte ich von einem Ganganführer lesen, der um seine Familie besorgt war und die Aufrechterhaltung des ausgehandelten Bandenfriedens unbedingt einhalten will. Doch auf den Tod seines Sohnes reagiert er dann mit äußerster Brutalität.
Sein Gegenspieler, der andere Ganganführer, will das seine dreizehnjährige Tochter nicht mit einer Waffe in Berührung kommt, noch das sie damit jemanden umbringt. "Das ist sein Business" gibt er der Tochter als Erklärung für die Ablehnung ihres Wunsches nach einer Schußwaffe. Die Tochter versteht das natürlich nicht, denn sie sieht ihren Vater und seine Gefolgsleute dauernd mit Waffen hantieren und Leute umbringen.
So zieht sich die Gewaltanwendung von Generation zu Generation, denn wenn Du keine anderen Möglichkeiten der Durchsetzung lernst, greifst Du zu den Mitteln deiner Vorfahren.
Nicht zu vergessen, der Stoff aus dem die Träume sind: Drogen sind das Lebenselixier, als Einnahmequelle oder Überlebensmedizin unverzichtbar für das Leben in den Elendsvierteln. Alle machen mit, ob als Konsumenten oder Verteiler in einer militärisch organisierten Verbrecherwelt. Ausstieg nicht möglich: Leben und Tod liegen immer dicht zusammen.

Am Ende bleibt ein intensives Leseerlebnis. Smith gelingt in diesem spannenden Thriller alles. Ein realistisches Abbild südafrikanischer Verhältnisse ebenso, wie die Darstellung der verschiedenen Personen mit ihren unterschiedlichen Interessen. Daraus entwickelt er einen wahren Alptraum -eigentlich außerhalb jeder Vorstellungskraft- und liegt damit ziemlich nahe an der Wirklichkeit.
Biltong zu »Roger Smith: Blutiges Erwachen« 19.07.2011
Sapperlot, selten ein so gutes Buch gelesen. Hatte die knapp 350 Seiten in gut vier Stunden durch und hätte ewig weiterlesen können.Die Geschichte reisst von den ersten Seiten an mit und lässt einem keine Zeit zu verschnaufen.Wer die Schönheiten Südafrikas kennt, wird hier mit der anderen Seite konfrontiert. Capetown ist nicht nur Tafelberg, schöne Hotels, Shopping und Fun, sonder vorallem Armut, Drogen und Gewalt.Mein erster Roman von Roger Smith und garantiert nicht der letzte. Mehr davon...!
HerrHansen zu »Roger Smith: Blutiges Erwachen« 20.11.2010
Wer Südafrika oder das Vorgängerwerk "Kap der Finsternis" kennt, dürfte von der Brutalität nicht überrscht sein - alle anderen werden schockiert sein.

Wie ein roter Faden zieht sich die Spirale der Gewalt durch dieses Buch. Gemordet wird aus Berechnung, spontan, bestialisch, schlicht - es wird alles geboten.

Roger Smith verarbeitet in seinen Büchern ein grundlegendes Problem Südafrikas. Auch wenn die Story der Phantasie des Autors entsprungen ist, ist die beschriebene Gewalt nichts als die Realität.

Wer dies für überzogen hält kann sich u.a. hier www.saps.gov informieren. Von März 09 bis April 10 entfallen auf die Provinz Western Cape 2200 Morde (6/Tag), knapp 10.000 Sexualdelikte (27/Tag) und über 60.000 Straftaten im Zusammenhang mit Drogen...

Trotz aller Gewalt gelingt es Smith die Schönheit der Region als Gegensatz zur gesellschaftlichen Situation darzustellen. Die Sonnenuntergänge in Kapstadt zählen in der Tat zu den schönsten der Welt.

Unter dem Strich ist "Blutiges Erwachen" ein phantastische modernes Buch dessen Handlung fast in Echtzeit vor dem Auge des Lesern erscheint. Wer das Buch in ein bis zwei Tagen liest, hat das Gefühl als stiller Beobachter stets auf der Reise durch die CapeFlats und Kapstadt zu sein. Smith verzichtet auch tiefgründige Beschreibungen von Gefühlen oder äußeren Begebenheiten. Er muss es auch nicht, weil er den Leser bereits nach knapp 20 Seiten in den Bann gezogen hat, dass dieser das Buch versuchen wird das Buch an einem Stück zu verschlingen.

Grandios!

Einziger Wermutstropfen - und das wurde hier schon angesprochen - ist wieder einmal das üble Lektorat. Bereits im Vorgängerwerk wird der Lesefluss durch unsaubere Übersetzungen gelegentlich gestört. So auch in diesem Buch. Schade eigentlich. ich habe fast das Gefühl, es handelt sich um ein Problem südafrikanischer Autoren, dass Sie an schlechte Übersetzer geraten, denn Deon Meyer ging es mit seinen Büchern nicht anders.

Noch ein Hinweis in eigener Sache:
Trotz aller Gewalt die in der südafrikanischen Literatur auftaucht und auch tatsächlich vorhanden ist, ist Südafrika eines der schönsten Länder der Erde und wer erst einmal dort war, wird von jahrelangen Fernweh geplagt werden...
4 von 4 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Falcon zu »Roger Smith: Blutiges Erwachen« 13.10.2010
Zu aller erst ist man beim Lesen der Romane von Roger Smith schockiert über die menschenunwürdigen Zustände in den Flats von Kapstadt. Gnadenlos und mit einer schonungslosen Offenheit beschreibt Smith die alltägliche Gewalt in den Strassen der südafrikanischen Metropole. Messerstechereien, Bandenkriege, Entführung und Vergewaltigung. Die Bandbreite ist gross. Es herrscht ein rüder Umgang untereinander, geprägt von Verachtung, Demütigung und Entwürdigung des Einzelnen. Angeführt von skrupellosen Gangstern die ihre Machtansprüche gnadenlos verfolgen, ohne Rücksicht auf Verluste. Begleitet von korupten Polizisten, Dealern und Nutten. Trauer, Mitgefühl oder Mitleid zeigen bedeutet Schwäche. Ein Zustand den viel nur unter Drogen, dem Tik auszuhalten vermögen. Drogen die ihr Tagesablauf bestimmen, Geldbeschaffung, Stoffsuche, Genuss, Rausch, Ernüchterung, Entzug, Geldbeschaffung usw.

Zurück in diese Hölle auf Erden kehrt der Mischlingssohn Billy Afrika. Einst Polizist, nun gescheiteter Söldner in den Cape Flats. Dem flachen, sandigen Landabschnitt ausserhalb Kapstadts in den früher Menschen nicht weisser Abstammung abgeschoben wurden. Er sucht nach seinem ehemaligen Auftraggeber Joe Palmer. Dieser liegt jedoch erschossen in der Einfahrt seines Hauses.
Pech für Billy „Barbie“ Afrika. So bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich an Roxanne Palmer zu wenden, Ex-Model und gutaussehende Blondine und nicht unschuldige Witwe des Ermordeten.
Was danach geschieht ist eine Spirale der Gewalt. Immer tiefer gerät das ungleiche Paar hinein. Sie lösen eine Lawine der Gewalt aus, welche unaufhaltsam alles verschlingend. Die Anzahl der Leichen nimmt mit der Seitenzahl exponentiell zu. Dabei wird Billy mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Keine schöne Erinnerung, denn sein Spitzname "Barbie" hat nichts mit Puppen zu tun. Diesen Geschehnissen muss er sich stellen. Schmerzfrei ist das nicht.

Sind dies alles geistige Auswüchse des Autors? Vermutlich nicht. In Kapstadt herrschen für uns Mitteleuropäer unvorstellbare Zustände. Sicherlich kumuliert und komprimiert Smith die Ereignisse, den Wahrheitsgehalt zweifelt man jedoch nicht an. Zu realistisch sind deren Beschreibungen als das es reine Fantasie sein kann.
Smith Romane sind faszinierend und abstossend zu gleich. „Blutiges Erwachen“ steht „Kap der Finsternis“ in nichts nach. Im Gegenteil, der Zweitling ist atmosphärisch dichter, die Figurenzeichnung klarer, die Story konsequent. Vielleicht packt er am Ende etwas zu viel mit rein (Serienmörder), doch das sei ihm verziehen. Am Schluss erscheint doch noch ein kleiner Hoffnungsschimmer, einem Lichtlein im Dunkel dieses Hades.

Fazit, ein herrvoragend erzählter Roman, hart, schnell, blutig, spannend und vor allem, alles konsequent durchgezogen. Dafür gibt es den Lorbeerkrantz satte 100%
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krimi_mimi zu »Roger Smith: Blutiges Erwachen« 27.04.2010
Ich hätte nicht erwartet, dass das Kap der Finsternis noch steigerungsfähig ist - aber es ist: Großartig! Atemberaubend! Und auf den letzten 150 Seiten absolut un-aus-der-Hand-legbar. Aber Vorsicht: Wie schon der Vorgänger ist das Buch nichts für schwache Nerven.

Zwei kleine Wermutstropfen liegen in dem stellenweise etwas schlampigen Lektorat (ja, ich bin pingelig und fehlerhafte Zeichensetzung beeinträchtigt mein Lesevergnügen) und der teils unbeholfenen Übersetzung. Der Titel der englischen Ausgabe ist "Wake up dead". "Blutiges Erwachen" trifft das nicht ganz und klingt so billig. Hat das Buch nicht verdient.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
flo82 zu »Roger Smith: Blutiges Erwachen« 27.03.2010
...in der Reportage sieht man viele Parallelen zu dem Buch "Blutiges Erwachen" aber auch zum Vorgänger "Kap der Finsternis".

Besonders interessant fand ich im letzten Teil(5) der Doku, das Interview mit John Mongrill..dieser kranke Typ erinnert mich doch sehr an "Piper".

Wer also glaubt das "Piper" eine übertrieben dargestellte Figur ist,sollte unbedingt mal reinschauen!!

youtube.com "Ross Kemp:Kapstadts Strassenkrieger"
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flo82 zu »Roger Smith: Blutiges Erwachen« 27.03.2010
Passend zum Buch gibt es eine Reportage auf youtube.com...

"Ross Kemp: Kapstadts Strassenkrieger"

Die Reportage zeigt den Alltag im Pollsmoor Gefängnis,sowie Interviews mit verschiedenen Gang-Mitgliedern wie den 26ers oder anderen Gangs...

wer die Reportage sieht,kann sehen wie nah das Buch an der Realität und wie heftig das Leben das Leben dort im Knast ist..Es vergeht kaum ein Tag wo nicht jemand ermordet oder vergewaltigt wird..

wer das Buch also mag,sollte sich in jedem Fall auch mal die Reportage anschauen..

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