Die Baumkrieger von Roger L. Simon

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1997 unter dem Titel The Lost Coast, deutsche Ausgabe erstmals 2003 bei Unionsverlag.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Kalifornien / Los Angeles, 1990 - 2009.

  • New York: HarperCollins, 1997 unter dem Titel The Lost Coast. 249 Seiten.
  • Zürich: Unionsverlag, 2003. Übersetzt von Jürgen Bürger. ISBN: 3293202780. 256 Seiten.

'Die Baumkrieger' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Moses Wine hat es weit gebracht: Er besitzt in L.A. eine lukrative Privatdetektei und er hat eine schöne Freundin. Trotzdem ist er nicht glücklich, denn er führt jetzt genau das stinknormale bürgerliche Leben, das er früher immer verachtet hat. Seine radikale Vergangenheit holt ihn ein, als er erfährt, dass sein Sohn von der Polizei gesucht wird: Er gehört zu einer Gruppe von Umweltaktivisten, und ihm wird vorgeworfen, schuld am Tod eines Holzfällers zu sein. Zusammen mit seiner Exfrau, mit der er seit Jahren kaum gesprochen hat, macht sich Moses Wine in den Nebelwäldern Nordkaliforniens auf die Suche nach seinem Sohn, bevor die Polizei ihn aufspürt. Er muss den wirklichen Mörder finden – auch wenn es sein eigener Sohn ist.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ökoterror« 76°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Moses Wine ist der selbsternannte Sam Spade der studentischen Linken. Ein erfolgreicher Privatdetektiv, und zwar nicht so einer, der sich zu seiner kümmerlichen Polizistenpension noch ein paar Dollar hinzu verdienen muss, sondern einer aus Berufung. Bereits zu seiner Studentenzeit hat der Spät-68er einige Aufsehen erregende Fälle lösen können und seitdem seine kriminalistische Passion zum Beruf gemacht. Seine Agentur läuft gut, gerade hat er wieder einen prestigeträchtigen Fall lösen können, er kann sich zudem einen gewissen Lebensstandard gönnen und eine junge Freundin hat er auch noch. Viele gute Gründe um glücklich zu sein.

Der Sohn ein mordender Umweltschützer?

Das Verhältnis zum jüngeren seiner beiden Söhne ist währenddessen ein wenig angespannt. Als das FBI die Nachricht überbringt, dass dieser im Zusammenhang mit dem Mord an einem Forstarbeiter als dringend Tatverdächtiger gesucht wird, gibt es für Wine jedoch kein halten mehr. Zusammen mit seiner Ex-Frau macht er sich auf in den Redwood District nach Nordkalifornien, wo sich die »Hüter des Planeten«, eine radikale Umweltschützertruppe, in den gigantischen Wäldern verstecken. Kann Wine sie finden, bevor die Polizei sie aufspürt?

Der Detektiv begibt sich auf eine Schnitzeljagd durch die uralten Wälder und die Weinberge im Norden Kaliforniens. Dass ihm dabei eine junge Journalistin, die ausgerechnet den süffisanten Namen Samantha Backus trägt, hilft, bleibt Gott sei Dank der einzig plumpe Humor. Mit vagen Hinweisen begibt sich Wine auf die Suche und bei jeder seiner Stationen bekommt er einen weiteren vagen Hinweis. Regelmäßig kommen er und seine jeweilige Begleiterin in Bedrängnis und auf abenteuerliche Weise versteht er es, seinen Kopf mal für mal wieder aus der Schlinge zu ziehen, ehe am Ende der große Showdown wartet. Insofern bedient Roger L. Simon das typisch amerikanische Action-Klischee. Es passiert andauernd etwas und Moses Wine ist seinen Verfolgern manchmal weniger als einen halben Schritt voraus.

Kalifornischer Generationenkonflikt

Dennoch hebt sich »Die Baumkrieger« deutlich vom belanglosen 08/15-Durchschnitt der amerikanischen Thrillerindustrie ab. Der Autor versteht es, seinem Helden einen Charakter zu verleihen, der abseits vom Beruf vollkommen unheldenhaft ist. Wine sieht sich durch die Rettungsaktion für seinen Sohn gezwungen, eine Auseinandersetzung mit seinen eigenen Werten und Idealen zu führen. Für den Leser ist es mitunter erschreckend, wie bei Wine alte Wunden aufreißen, er sich durch Nichtigkeiten zu Streitgesprächen mit seiner Ex-Frau hinreißen lässt und gegenüber seinem erwachsenen Sohn nur schwerlich vom nicht mehr angebrachten elterlichen Verantwortungsbewusstsein abrücken kann. In mehreren Charakteren wird ein ähnlicher Generationenkonflikt thematisiert. Schön, dass Simon hierfür als Hintergrund die Generationen überdauernden, riesigen Redwood-Bäume gewählt hat.

»Die Baumkrieger« bringt die Motive der klassischen Private-Eye Romane in einer modernen Interpretation. Flott geschrieben und unterhaltsam erzählt wird geschildert, wie ein Alt-68er in der amerikanischen Gegenwart ankommt. Damit bewältigt die Romanfigur Moses Wine, die bereits vor über 30 Jahren von Roger L. Simon erfunden wurde (und die relativ wenigen seitdem erschienenen Romane lassen darauf schließen, dass Wine nur ein liebgewonnenes Hobby des Autors ist) eine sehr glaubhafte Entwicklung. Ehrlichkeit und Glaubhaftigkeit sind es, die diesen Roman über die Massen von Märchen moderner Superhelden aus der amerikanischen Kriminalliteratur herausragen lassen.

Das meinen andere:

»Moses Wine ist wieder da mit all seinem Witz und seiner Weisheit. Roger L. Simon ist besser denn je«. (Tony Hillerman)

»Simon liefert mehr als genug Action, Spannung, Humor und treffende Dialoge, doch es ist die Art, wie der Erzähler und Detektiv das Leben sieht, die diese Serie so anders macht. Vielleicht hat die Zeit sein Selbstvertrauen erschüttert und die Hippie-Einstellung geglättet, doch angetrieben von väterlicher Liebe ist Moses Wine nach wie vor einer, mit dem man rechnen muss. Ein Lesevergnügen!« (Los Angeles Times)

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