Tödliches Gelübde von Roberto Mistretta

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2003 unter dem Titel Il Baiardo dell Veronica , deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Bastei Lübbe.
Ort & Zeit der Handlung: Italien, 1990 - 2009.
Folge 4 der Maresciallo-Bonanno-Serie.

  • -: ?, 2003 unter dem Titel Il Baiardo dell Veronica . 317 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2009. Übersetzt von Katharina Schmidt. ISBN: 978-3-404-16329-8. 317 Seiten.

'Tödliches Gelübde' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Bei der 500-Jahrfeier einer Bruderschaft im sizilianischen Villabosco wird der Präsident des Ordens, Nofrio Falsaperla, von einem gigantischen Holzkreuz erschlagen.
Ein tragischer Unfall? Das Schweigen der Ordensbrüder spricht Bände. Offenbar war Falsaperla nicht gerade ein angenehmer Zeitgenosse: Skrupelloses Machtgebaren und eine unstillbare Passion für junge Frauen hatten ihm Feinde in den eigenen Reihen eingebracht, wie Maresciallo Bonanno schnell herausfindet. Und sein Instinkt sagt ihm, dass die verschwiegene Gemeinschaft noch weitere Leichen im Keller liegen hat.

Das meint Krimi-Couch.de: »Der sympathische Choleriker Bonanno ermittelt in seinem vierten Fall« 70°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Fünf Zentner wiegt das Holzkreuz in der Kapelle der Bruderschaft »Purissimo e Preziosissimo Volto di Nostro Signore« (Unseres Herrn Jesu Christi reinstes, kostbarstes Angesicht), der ältesten und einflussreichsten Bruderschaft  im sizilianischen Villabosco. Ausgerechnet am Tag der 500-Jahr-Feier löst sich das Holzkreuz aus seiner Verankerung und erschlägt den Präsidenten der Bruderschaft, Governatore Nofrio Falsaperla. Die Trauer unter den Anwesenden ist jedoch mehr als überschaubar, ging Falsaperla doch höchst eigennützig finanziellen Geschäften und vor allem schönen Frauen nach. So war er mehr als verhasst und nicht Wenige freuen sich über sein Ableben. Doch die Untersuchungen durch Capitano Oliva kommen zu dem Ergebnis, dass es sich einen Unfall handelte und werden nach kurzer Zeit abgeschlossen.

Zwei Wochen später erhält Olivas Mitarbeiter, Maresciallo Saverio Bonanno, einen anonymen Zettel, wonach es sich bei dem Tod von Falsaperla nicht um einen Unfall handelte. Bonanno weiht nur seinen ersten Brigadier Steppani ein, dass er diesem Hinweis nachgehen möchte, denn offiziell wurden die Ermittlungen ja bereits eingestellt. Nach und nach findet Bonanno heraus, dass es zahlreiche Personen gab, die einen Grund hatten, bei dem Tod des Verstorbenen nachzuhelfen. Da erreicht Bonanno die Nachricht, dass während einer Autofahrt ein Anschlag auf Capitano Oliva und dessen Fahrer Steppani stattgefunden hat. Oliva stirbt noch an der Unfallstelle, Steppani kommt lebensgefährlich verletzt ins Krankenhaus.
Bonanno hofft auf ein Überleben seines geschätzten Mitarbeiters und nimmt, da Oliva ja nun nicht mehr im Wege steht, die Ermittlungen bei der Bruderschaft auf. War der Tod Falsaperlas tatsächlich ein Unfall? Wer schoss auf Oliva und Steppani? War es ein Anschlag der Mafia, da Oliva eigenmächtig Ermittlungen über größere Bauvorhaben anstellte? Offenbar gibt es einen Mann, der eine Verbindung zwischen den beiden Ereignissen herstellt. Doch noch bevor Bonanno ihn befragen kann, stürzt dieser einen steilen Abhang hinunter. Ein weiterer Unfall?

Tödliches Gelübde ist bereits der vierte Band der »Saverio Bonanno«-Reihe und – um dies gleich vorweg zu sagen – hoffentlich nicht der Letzte. Man darf sich den Maresciallo ein wenig wie Bud Spencer vorstellen. Übergewichtig und mit starker Neigung zu cholerischen Anfällen, unter denen vor allem seine Kollegen zu leiden haben. Dennoch ist Bonanno eine Figur, die man auf seine Weise gerne haben muss, denn der störrische, ständig rauchende und Kaffee trinkende Ermittler mit höchst eigenwilligen Untersuchungsmethoden bringt die Leute in seiner Umgebung gleich reihenweise um den Verstand. Teamarbeit, was ist das?

Im vorliegenden Buch glänzt Roberto Mistretta mit all jenen Punkten, die schon bei den bisherigen Folgen für große Lesefreude gesorgt haben. Da wäre der angesprochene Protagonist und zudem ein liebevoll-eindringlicher  Blick auf Sizilien. Die Landschaft wird dabei ebenso gewürdigt wie das Leben der Leute in Villabosco. 
Einzig die Handlung des Krimis verlangt dem Leser einiges ab. Sie ist zwar spannend und wird annehmbar aufgelöst, aber es kommen doch zahlreiche Figuren vor, deren teils zungenbrecherische Namen nicht unbedingt zum besseren Verständnis beitragen. Bei der zudem mitunter etwas verwirrenden Handlung kommt hinzu, das Bonannos Ermittlungen immer wieder mal die Richtung wechseln, ohne dass sich  hierbei immer erschließt, warum dies der Fall ist. Hier hätte man als Leser gerne ein bisschen mehr Hintergrundwissen gehabt. Häufige Wiederholungen des Wortes »Bulleninstinkt« sowie die mehrfache Erwähnung, wonach Bonanno seine Hände bewegte »als wolle er Violine spielen« stören zusätzlich.

Wer sich von zahlreichen, nicht immer leicht auszusprechenden Namen und einer teilweise undurchsichtigen Handlung nicht abschrecken lässt, sollte dem charismatischen Ermittler (erneut) eine Chance geben. Zur Belohnung erhält man einen intensiven Einblick in Bonannos familiäre Verhältnisse, die bislang ja eher überschaubar waren. Doch nun ist eine neue Lebensgefährtin in Sicht und prompt blüht die gesamte Familie auf. Wäre da nur nicht seine Ex-Frau…

Jörg Kijanski, November 2009

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tedesca zu »Roberto Mistretta: Tödliches Gelübde« 21.12.2010
Der vierte und bisher letzte Teil der Maresciallo-Bonanno-Reihe greift wieder ein top-aktuelles Thema auf, indem er sich u.a. mit der Thematik der Selbstmordattentate beschäftigt und die Rechtfertigung des Tötens für einen höheren Zweck infrage stellt.

Wobei die Geschichte an sich großteils im Montanvalle spielt, wo einige sehr grausame Morde passieren, die alle im Zusammenhang mit einem antiken Holzkreuz zu stehen scheinen. Als sein engster Mitarbeiter schwer verletzt wird, zieht Bonanno gnadenlos alle Register seines berühmten Bulleninstinkts und heftet sich an jede Spur wie eine Zecke.

Ganz nebenbei macht er noch seiner geliebten Rosalia einen Heiratsantrag, die auf ihre ganz persönliche Weise mit einer erpresserischen Noch-Ehefrau abrechnet.



Wie immer steht im Vordergrund der Geschichte der übergewichtige Maresciallo, der so garnichts mit dem oben zitierten Montalbano aus der entsprechenden Reihe von Camilleri zu tun hat. Witzig trotzdem diese kleine Ehrerbietung an den großen Autor!

Alles in allem ein solider Krimi, gut zu lesen, unterhaltsam und spannend. Jetzt heisst es warten auf Teil 5!
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