Inspektor Kajetan und die Sache Koslowski von Robert Hültner

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1995 bei Simader.
Ort & Zeit der Handlung: , 1910 - 1929.
Folge 2 der Inspektor-Kajetan-Serie.

  • Frankfurt am Main: Simader, 1995. ISBN: 392751540X. 200 Seiten.
  • München: Goldmann, 1998. ISBN: 3-442-72144-X. 183 Seiten.
  • München: Goldmann, 2003. ISBN: 3-442-73180-1. 218 Seiten.
  • München: DVA, 2011. Graphic novel. ISBN: 978-3421044211. 111 Seiten.

'Inspektor Kajetan und die Sache Koslowski' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

In den Wirren der Räterepublik verschwindet in München der Journalist Meiniger. Nachdem sein Leiche gefunden wird, beginnt Inspektor Kajetan mit höchst gefährlichen Recherchen. Offenbar war Meiniger dabei, die Hintergründe des Attentats auf Kurt Eisner aufzudecken.

Das meint Krimi-Couch.de: »Atmosphärisch dichter Auftakt der Kajetan-Reihe« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

1919: Bayern ist noch nicht lange Republik, da wird bei einem Attentat der Ministerpräsident erschossen. Aber war es wirklich ein Einzeltäter? Und was ist dran an dem Gerücht, dass Kurt Eisner in Wirklichkeit ein geflohener Bankrotteur und sein eigentlicher Name Schmuel Koslowski sei? Es handelt sich um reine Verleumdung, doch der junge und ehrgeizige Journalist Eugen Meininger, der neu in München ist, nimmt einen Auftrag einer Zeitung an, diesem Gerücht nachzugehen. Kann er dessen Richtigkeit beweisen, erhält er einen Job. Einige Tage später kommt es zu einem schweren Brand in dem Haus, in dem Meininger wohnt. Ein alter Mann stirbt, von dem Journalisten fehlt zunächst jede Spur. Inspektor Paul Kajetan übernimmt den merkwürdigen Fall, denn wenn Meininger unschuldig ist, warum stellt er sich dann nicht als Zeuge zur Verfügung? Als wenig später die Leiche Meiningers gefunden wird, scheint sich die Geschichte in eine gefährliche Richtung zu wenden, denn offenbar hat er etwas herausgefunden, was unmittelbar mit der Ermordung des Ministerpräsidenten zu tun haben muss. Kajetan will der Sache nachgehen, doch die aktuellen politischen Ereignisse bringen ihn selbst in höchste Gefahr…

»Auf welcher Seite steht die Polizei eigentlich? Ist es möglich, daß zu ihr noch nicht durchgedrungen ist, daß die Wittelsbacher Zeiten vorbei sind? Daß der alte Millibauer von Leutstetten und seine ganze Sippschaft längst aus der Mod sind? Bayern ist keine Monarchie mehr! Es ist ein Freistaat, eine Republik! Soll ich Ihnen das Wort buchstabieren?«

Robert Hültner nimmt sich beim Start seiner preisgekrönten Paul-Kajetan-Reihe, der vorliegende Roman erhielt 1996 den Deutschen Krimipreis, zunächst sehr viel Zeit beim Handlungsaufbau. Das Leben der Bauernfamilie Riemer aus Hallberg wird ausführlich dargestellt, wobei im Vordergrund die Sorge der Eltern um ihre beiden Söhne steht, die – zu Beginn der Handlung – im Kriegseinsatz sind. Ein Sohn fällt, der andere kommt psychisch angeschlagen nach Hause, das bis dahin unbeschwerte Familienleben erfährt weitere Schicksalsschläge und zerfällt schließlich ganz. Erst gegen Ende des Romans wird der Leser erfahren, wie dieser Teil der Geschichte mit den Ermittlungen des Inspektors Kajetan im Fall Meininger zusammenhängt. Nach einem längeren Anlauf startet also der aktuelle Fall und Kajetan kann die Ermittlungen aufnehmen.

»Was möcht der?«
»Mich ausfragen.«
»Dann geb ich ihm gleich den Rat, sich zu schleichen, und zwar auf der Stell.«

Dabei hat er nicht nur mit unwilligen Zeugen zu kämpfen, sondern auch mit der prekären politischen Lage in München, die sich täglich zu ändern droht. Gerüchte, die Polizei solle abgeschafft werden, halten sich hartnäckig; die Präsenz der Militärs nimmt spürbar zu. Diverse politische Gruppierungen kämpfen um die Macht, es herrscht ein grandioses Chaos. Nahezu aussichtslos erscheint die Beantwortung der Frage, wer Freund und Feind ist?

»Ich mein allerweil, daß den Münchnern für eine richtige Revolution das Bier viel zu gut schmeckt. Und erst, wenn das einmal ausgeht, dann denkens darüber nach, daß sich was verändern müßte.«

…die Sache Koslowski ist ein zeitlos-spannender Krimi, der besonders an Geschichte interessierte Leser begeistern wird. Zudem gibt es reichlich bayrischen Lokalkolorit und viel Sprachwitz, der in zahlreichen unterhaltsamen Dialogen endet. Eine rundum gelungene Mischung, die zu Recht den Deutschen Krimipreis erhielt.

Jörg Kijanski, Mai 2013

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Brady4711 zu »Robert Hültner: Inspektor Kajetan und die Sache Koslowski« 26.07.2013
Ist doch interessant, dass kaum einer etwas von den geschichtlichen Zusammenhängen weiß, die den Hintergrund dieses Buchs bilden. Da könnte man doch fast den Eindruck gewinnen, so etwas würde in unserem Bildungssystem systematisch ausgespart. Ich halte das für eine kurzschlüssige Fehlinterpretation des Brecht-Diktums "Eine deutsche Revolution - also keine".
Umso dringender empfehle ich dieses Buch allen, die keine Ahnung von den geschichtlichen Ereignissen haben. Plastischer kann man gar nicht in selbige eingeführt werden.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
16 jährige Schülerin zu »Robert Hültner: Inspektor Kajetan und die Sache Koslowski« 04.05.2010
Ich sollte ein Referat über dieses Buch halten für meine Abschlussprüfung in Deutsch. Anfangs viel es mir sehr schwer den Inhalt zu verstehen da die Sätze ziemlich kompliziert gebildet sind.

Außerdem konnte ich mit Kurt Eisner und anderen nicht viel anfange obwohl ich hier in Bayern lebe und geboren bin.

Das teilweise bayerisch geschrieben wurde fand ich etwas eigenartig und gewöhnungsbedürftig da man es zwar um sich herum hört aber noch nie gelesen hat.

Kurz gesagt, ich würde das Buch nur Erwachsenen und Schülern empfehlen die sich für die bayerische Geschichte interessieren.
detno zu »Robert Hültner: Inspektor Kajetan und die Sache Koslowski« 07.08.2009
Ein spannender Roman, der Zeit kurz nach dem I. WK spielt. Das Elend beherrscht die Volksmassen (wie im Reich so auch in Bayern) und die politischen Verhältnisse sind so unübersichtlich, dass man nie weiß, wer gerade regiert. Auch die Polizei löst sich langsam auf, nur noch wenige Beamte gehen ihrer Aufgabe nach. Inspektor Kajetan ist einer von ihnen. Er ermittelt in einem Mordfall und gerät dadurch in Lebensgefahr. Einem Standgericht der Roten kann er nur knapp entgehen.

Ein sehr empfehlenswertes Geschichtsbuch, dass Einblicke in die bayerische Geschichte gibt.
Auch für Preußen interessant.

87°
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Hoplahopp zu »Robert Hültner: Inspektor Kajetan und die Sache Koslowski« 04.10.2006
Als Ottonormalverbraucher ist es doch recht schwer die poltischen Hintergründe die dem Buch zugrunde liegen, und in gewisser weiße den Spannungsbogen deutlich mitbestimmen nachzuvollziehen. Vermutlich ist es als Bayer einfacher. Aber da ich außerhalb vom Freistaat lebe, habe ich vorher noch nie etwas von Kurt Eisner oder der bayr. Revolution gehört.

Inspektor Kajetan ist ein Interessanter Ermittler. Auch die unterschiede Stadt- Land zur damaligen Zeit sind sehr Interessant.

Ohne Zusatzwissen zur Geschichte ist jedoch die Hauptstory sehr undurchsuchtig.
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