Die Godin von Robert Hültner

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1997 bei Eichborn.
Ort & Zeit der Handlung: , 1910 - 1929.
Folge 3 der Inspektor-Kajetan-Serie.

  • Frankfurt am Main: Eichborn, 1997. ISBN: 3-8218-0550-1. 286 Seiten.
  • München: Goldmann, 1999. ISBN: 3-442-72145-8. 280 Seiten.
  • München: Goldmann, 2001. ISBN: 3-442-72884-3. 280 Seiten.

'Die Godin' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Die Godin, ausgezeichnet mit dem Deutschen Krimipreis 1998 und dem Friedrich-Glauser-Preis, ist sein dritter Inspektor-Kajetan-Roman. Diesmal geht es um einen mysteriösen Todesfall im Rotlichtmilieu. München, 1924: Eine Prostituierte wird ermordet aufgefunden. Paul Kajetan, wegen Ungehorsam aus dem Polizeidienst entlassen, beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Die Spur führt zunächst zu dem zwielichtigen Varietébesitzer Urban. Bald wird Kajetan in einen gefährlichen Sumpf von Korruption und Waffenschieberei hineingezogen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Auch der dritte Teil der Kajetan-Reihe überzeugt« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Frühsommer 1924: Paul Kajetan ist schon seit einiger Zeit nicht mehr bei der Polizei, aus deren Dienst er entlassen wurde, nachdem er mit einem Vorgesetzten aneinander geraten war. Doch die neue Arbeit in einer Filmfirma ist ebenfalls nicht von langer Dauer und so schlägt er sich mehr schlecht als recht durch das Münchener Leben; viele Versuche bei einer Detektei eine Anstellung zu finden bleiben zunächst erfolglos. Über Umwege gerät Kajetan in das Umfeld der Unterweltgröße Fritz Urban, dem unter anderem der Strich um den Bahnhof herum gehört und der sich gerade ein kriegsähnliches Duell mit seinem größten Widersacher liefert. Nur widerwillig macht Kajetan bei einer seiner zwielichtigen Unternehmungen mit und verliebt sich ein wenig in Urbans Gefährtin Mia. Doch noch bevor er sich über sein Gefühlsleben gegenüber der jungen Mia und den sich daraus ergebenden Konsequenzen gegenüber Urban endgültig klar wird, stirbt Mia an einer Überdosis Kokain. Aber warum sollte sich Mia umbringen, bat sie Kajetan doch noch am Vortag um Hilfe? Kajetan lässt der Mias Tod keine Ruhe und so macht er sich auf die Suche nach der Wahrheit, wobei er auf ein zwanzig Jahre lang zurück liegendes Verbrechen stößt …

»Seit ich in Sarzhofen bin, plagt mich die Geschicht. Sie werdens mir nicht glauben, aber ich hab die Krätzen deswegen gekriegt. Immer hab ich gewußt, daß da was ist. Wie ein unguter Geist ist es zwischen den Leuten gewesen, jeder hat was geahnt, aber keiner was gewußt. Ich hab wieder und wieder die Protokolle durchgeschaut. Da sind Widersprüche drin gewesen, die jedem, auch wenn er noch weniger Hirn hat wie der alte Sinzinger, auffallen hätten müssen. Und ein Protokoll hat gleich ganz gefehlt.«

Die Godin, dritter Teil der preisgekrönten Paul-Kajetan-Reihe von Robert Hültner ist anfangs ein bisschen sperrig oder sagen wir gewöhnungsbedürftig. Zunächst wird ein ungeklärter Mordfall aus dem Viererjahr (1904) vorgestellt, welcher sich in Sarzhofen ereignet hat. Dann erhält man ausführliche Eindrücke in Kajetans momentane Lebenssituation, die sich später mit Einblicken in die Münchner Unterwelt (Urban) abwechseln und zwischendurch spielt auch noch das Gefängnis in Ödstadt eine Rolle. Dieses eigentümliche Gemisch sorgt erst einmal für Verwirrung, denn wie diese scheinbar völlig unterschiedlichen Erzählstränge zusammen hängen, erfährt man erst auf den letzten rund fünfzig Seiten. Dies geschieht dann allerdings wieder in einer Brillanz, für die es schon der Raffinesse eines Autors vom Format des Robert Hültner bedarf. Der Tod von Mia geschieht erst nach der Hälfte des Romans, so dass dieser bis dahin (vermeintlich) kleinere Längen hat. Doch die glänzenden Dialoge zwischen den zahlreichen Figuren sorgen mit dafür, dass man gut und weitgehend kurzweilig unterhalten wird, bevor dann auf den letzten hundert Seiten das Tempo ordentlich anzieht. Für diejenigen, die der bayerischen Sprache nicht all zu mächtig sind, finden sich am Ende des Buches mehrseitige Worterklärungen. So erfährt man auch erst gegen Ende des Buches, was es mit der titelgebenden »Godin« auf sich hat (sofern man den Begriff nicht schon vorher kannte).

»Ich muß doch wieder eingestellt werden, wenns eine gibt auf der Welt, eine Gerechtigkeit, oder?«
Eine – was…?"

Mit diesen Fragen endet Die Godin, auf deren letzter Seite man erfährt, warum Kajetan aus dem Polizeidienst entlassen wurde und ob dies zu Recht geschah. Ob er wieder den Weg in den Polizeidienst findet, werden die folgenden Romane zeigen.

Jörg Kijanski, August 2013

Ihre Meinung zu »Robert Hültner: Die Godin«

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Brengel zu »Robert Hültner: Die Godin« 28.02.2012
Nur noch schwer zu bekommen, aber in der ohnehin sehr lohnenden Kajetan-Reihe ist "Die Godin" noch einmal herausragend! Seit langem hat mich kein Krimi gleichemaßen begeistert: Eine vielschichtige Geschichte, packend und mit Wortwitz erzählt, glaubwürdige Figuren, einfühlsam geschildert und immer wieder feinen Details in den einzelnen Erzählsträngen - unbedingt eine Empfehlung für alle, die eine originelle Erzählung mit Zeit- und Lokalkolorit schätzen; und für alle anderen eine Empfehlung, um sich überraschen zu lassen.
P.S.: Die "Dialekt-Hürde" empfand ich nicht als hinderlich, obwohl ich bislang noch nicht in München oder Bayern gewohnt habe.
dyke zu »Robert Hültner: Die Godin« 06.10.2006
Ein Roman, der definitiv die Preise verdient hat.
Mit Kajetan und dem Zeit- und Ortskolorit des München der 20er Jahre hat Hültner ein unverwechselbares Seeting geschaffen.
Schon fast eher ein Zeitporträt, denn ein Krimi.
Der langsaem bedächtige Erzählstil träght mit dazu bei, dass man den Roman beim Lesen schon fast körperlich erspürt und mit Godin werden die beiden vorherigen, bereits guten Romane noch getoppt.
Für alle, die mehr wollen als einen Krimi von der Stange, empfehlenswert.
Kristina zu »Robert Hültner: Die Godin« 28.06.2005
Ein Krimi der mich zunächst gequält hat und dies nicht nur wegen des bayrischen Dialekts.
Vieles scheint zu Beginn sehr verworren. Dies bedingt sich vor allem durch ein umfangreiches Figurensemble und mehrere, parallel ablaufende Handlungsstränge, deren logischer Zusammenhang zunächst in keinster Weise zu erkennen ist.
Allerdings sollt man diesen Krimi nicht aus der Hand legen!
Denn nach ersten 50 Seiten wurde die Geschichte immer besser und spannender.
Letztendlich hat mich dieser Krimi absolut überzeugt.
Robert Hültner schafft eine wunderbare Handlung, deren scheinbar losgelöste Elemente er kunstvoll miteinander verbindet. Dies geschieht auf so geschickte Art und Weise, daß man den Krimi nach beenden der Lektüre gleich erneut lesen möchte, um die Zusammenhänge noch genauer nachzuvollziehen.
Ein raffiniert geschriebner Krimi, der seine 2 Preise auf jeden Fall verdient hat.
Andrea zu »Robert Hültner: Die Godin« 01.11.2004
"Die Godin"hat mich vor allem wegen Zeit und Ort der Handlung angesprochen. Die Stimmung dieser Zeitepoche ist hervorragend wiedergegeben, das schriftliche Bayrisch allerdings manchmal etwas mühsam, auch wenn es mein eigener Dialekt ist (!). Ich würde nicht einen Hültner-Roman nach dem anderen lesen, aber so ab und zu ist es eine schöne Bereicherung
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