Vaterland von Robert Harris

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1992 unter dem Titel Fatherland, deutsche Ausgabe erstmals 1992 bei Haffmans. 378 Seiten. ISBN-10: 3-453-07205-7, ISBN-13: 978-3-453-07205-3. Übersetzt von Hanswilhelm Haefs.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Berlin, 1950 - 1969.

'Vaterland' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Berlin 1964. Die Leiche eines nackten alten Mannes ist ans Ufer der Havel getrieben. In der nächsten Woche ist Führers 75. Geburtstag. Das von Albert Speer erbaute Berlin ist an diesem Nationalfeiertag herausgeputzt und beflaggt. Großdeutschland, das die europäische Gemeinschaft dominiert, reicht vom Rhein bis zum Ural, wird von ständigen Partisanenkriegen im Osten zermürbt. Die Beendigung des Kalten Krieges mit den USA ist Ziel der neuen Außenpolitik. Mit Präsident Kennedy wird erstmals ein amerikanischer Regierungschef zum Staatsbesuch erwartet. Vor diesem Hintergrund kommt das plötzliche, gewaltsame Ableben eines hohen Parteibonzen höchst ungelegen und muß sofort geklärt werden. Kripo-Sturmbannführer März ermittel, gerät mit Hilfe der deutschstämmigen amerikanischen Journalisten Charlie Maguire gefährlich nah an die historische Wahrheit, die ihn von Berlin nach Zürich und leider wieder zurück führt.

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Rüdiger zu »Robert Harris: Vaterland« 01.03.2010
Dieses Buch war das zweite von Robert Harris, welches ich lesen durfte (vorher war Aurora dran).
Beklemmend. Man überlet dabei wirklich, wie es weitergegangen wäre, hätte Deutschland 1945 nicht kapituliert. In Sturmbannführer März sieht man auch die Naivität der Menschen jener (und heutiger) Zeit. Bis zu dem Moment, wo er alle Grausamkeiten erkennt...
Ein sehr gutes Buch mit Tiefgang und Fesselvermögen.
mylo zu »Robert Harris: Vaterland« 31.01.2010
Das war mein erster Harris und ich habe ihn mehr zufällig in die Hände bekommen. Bin schon mit etwas Skepsis daran, Berlin im Jahre 1960 und die Nazis haben den Krieg gewonnen.
Super geschrieben, exakt recherchiert und fundierte geschichtliche Fakten mit eine spannungsgeladenen Story und sehr gut herausgearbeiteten Personen. Nicht kitschig, einfach gut und für mich 85 Punkte Wert und große Neugier nach mehr von diesem Autor.
guidobillstein zu »Robert Harris: Vaterland« 02.09.2009
Aber schön ist anders...

Ein Police Procedural: Berlin, Mitte der 60er, Frühjahr. Regen am Morgen, eine Leiche im Fluss. Der Ermittler: Hauptkommissar März. Das Opfer: eine Ex-Politgröße, war mal wer. Ein normaler Mord. Und als März mit seinem Dienstvolkswagen zurück zum Berliner SS Präsidium fährt -- Moment, wie bitte?

Ach ja -- in diesem Berlin haben die Nazis das Sagen. In diesen 60ern hat Deutschland den Krieg gewonnen und die Kripo ist eine Unterabteilung der SS.

Deutschland in diesen Zeiten ist kein Land der Philosophen und Freidenker, sondern eins der seelenlosen Technokraten und willenlosen Ausführer. Der Henker und ihrer Mitläufer. Und der Wahnsinn hat Perfektion, eine Perfektion, die in der Geschichte der Menschheit bisher ihresgleichen sucht.

Sehr schnell wird das, was nur ganz am Anfang wie ein normaler Mord klang, zu einer Geschichte über die Wannsee Konferenz - wo 1942 die "Endlösung" operativ geplant wurde. Und März, der SS Bulle outed sich als Widerständler. Besiegt am Ende das System, aber bezahlt mit dem Leben.

Das Erschütternde aber ist das harmonische Nebeneinander von Wahnsinn und Normalität. Morgens Frühstück mit Frau und Kindern. Neun bis achtzehn Uhr Planung einer Einrichtung im KZ Auschwitz zur wissenschaftlichen Untersuchung über Verwendbarkeit der Körperbehaarung Vergaster, dazwischen gelegentlich Todesurteile unterzeichnen. Was eben so anfällt. Abends zwanzig Uhr Abendessen mit Familie, dann Spaziergang mit Hund. Oder so ähnlich.

Robert Harris hat 1992 mit "Vaterland" ein Buch gegen das Vergessen geschrieben. Gegen die Gleichgültigkeit. Exakt recherchiert. Souverän erzählt. Ein Meisterwerk, das betroffen macht.

Aber schön ist anders...
Susannah zu »Robert Harris: Vaterland« 28.06.2009
Deutschland, 1964: Deutschland hat den Krieg gewonnen, das Großdeutsche Reich existiert weiterhin und reicht von der Maas bis zum Ural. An den Landesgrenzen toben Partisanenkriege - doch die Bevölkerung, mit gefilterten Nachrichten versorgt, ist mit nichts weiter beschäftigt als mit dem anstehenden 75. Geburtstag des Führers und mit dem Besuch des amerikanischen Präsidenten. Mitten in die Vorbereitungen platzt die Nachricht vom Tod eines alten Parteibonzen. Xaver März, Komissar bei der Kripo, wird zunächst mit dem Fall betraut, der jedoch schon bald geheime Reichssache ist und der Gestapo unterliegt. Wider aller Vernunft bleibt März an dem Fall, unterstützt von einer amerikanischen Journalistin, und nicht ahnend, welche grauenhafte Entdeckung er machen wird ...

... grandios! Selten einen so guten Krimi gelesen - selten eine so gute historische Fiktion gelesen. Die Idee eines Deutschalnds, das den Krieg gewonnen hat und weiterhin Europa beherrscht, ist alt, die Umsetzung ist erstklassig! Vollkommene Glaubwürdigkeit, mit einer logischen Fortführung der großen Namen. Etwaige Änderungen sind im Anhang genau erklärt und beschrieben. Und dann ist da natürlich noch der große Kriminalfall. Ein toter Parteibonze, eine geheime Staatssache und ein Vertuschungsversuch der Gestapo - der wunderbar gezeichnete Xaver März, der beleibe kein Held, aber ein tapferer Kämpfer ist, deckt nach und nach Dinge auf, die dem historisch Kundigen Leser vertraut sind, und trotzdem nichts von dem Schrecken verlieren, den sie in sich tragen. Absolut toller Roman, unbedingt weiterzuempfehlen!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Stift zu »Robert Harris: Vaterland« 23.06.2009
Ich finde sehr interessant wie der Autor sich das siegreiche Deutschland vorstellt. Irgendwie realistisch und beängstigend. Die Hauptfiguren sind sehr verständlich und in ihrer Art sympathisch. Und die rührende Liebesgeschichte hat mich zum Ende hin sehr berührt. Alles in allem ein sehr gutes und spannendes Buch,welches ich nur weiterempfehlen kann!
gowain zu »Robert Harris: Vaterland« 11.06.2009
Der Film ist nicht soo schlecht, reicht aber keineswegs an das Buch heran. Super Idee, die Geschichte umzuschreiben und vor dem, nun veränderten Hintergrund eine Krimihandlung stattfinden zu lassen, die mehr und mehr eine Politaffäre wird. War etwas skeptisch, das hat sich beim Lesen aber schnell zerschlagen.
Tolles Buch!
Jolanda zu »Robert Harris: Vaterland« 27.05.2009
Ich habe soeben das Buch beendet und muss sagen, dass ich es genial fand. Keine Hollywood-verkitschte Liebeseinlage (...und leben glücklich bis an ihr Lebensende...), historische Wahrheiten, genau recherchiert und spannend von der ersten Seite an. Es gibt wohl einen Film dazu, glücklicherweise habe ich ihn nicht gesehen, kann mir auch vorstellen, dass er massengerecht da verfälscht dargestellt wird...
schmidt robert zu »Robert Harris: Vaterland« 27.01.2009
ich habe das buch wärend meiner haftzeit gelesen,und war voll und ganz begeistert.Die fantasievolle handlung über den sieg der deutschen ist wirklich toll.das buch hat mich wirklich gefesselt.Veile darin vorkommende tatsachen haben mich erschüttert.Schade das es wirklich einmal so war.Aber gott sei dank ist die schei... vorbei.danke Harris für diese gute werk
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koepper zu »Robert Harris: Vaterland« 16.12.2008
"Vaterland" ist ein bedrückendes Buch. Das Ausgangsszenario: Deutschland hat den zweiten Weltkrieg gewonnen. Die Handlung spielt im Jahre 1964.
Vordergründig hat Harris einen Krimi geschrieben, der nicht schlecht ist und durchaus spannend.
Interessanter für mich war bei der Lektüre, die Utopie des gewonnenen Krieges. Was Harris beschreibt, Bespitzelungsstaat, Leben in Unfreiheit, ausgeprägter Polizei/Gestapostaat, umfassende Überwachung der Bevölkerung und Größenwahn, all dies ist plausibel entwickelt.
Harris erspart dem Leser nicht, sich mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte auseinander zu setzen - der Judenverfolgung. Z.T. verwendet er authentische Texte aus dem dritten Reich.
Eine Beschreibung eines Besuchs in Ausschwitz zeigt die unfassbare Barbarei dieser Zeit sehr eindrucksvoll und verstörend.
Ohne das Ende des Buches zu verraten. In einem Unrechtssystem gibt es nicht wirklich ein Happy End, weil, auch wenn der Kriminalfall gelöst wird - das Unrechtssystem bleibt bestehen. Es gibt eben kein richtige Leben im Falschen.
Und - gut, dass wir den Krieg verloren haben.
2 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Anja S. zu »Robert Harris: Vaterland« 17.07.2008
Das hier ist ein sehr intelligent gemachter und spannend geschriebener Politthriller, der gut das Leben und Arbeiten eines Kriminalbeamten in einer Diktatur beschreibt. Sehr lohnend!!!

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