Imprimatur von Rita Monaldi und Francesco Sorti

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2002 unter dem Titel Imprimatur, deutsche Ausgabe erstmals 2003 bei Claasen.
Ort & Zeit der Handlung: Rom, 1601 - 1700.

  • Mailand: Mondadori, 2002 unter dem Titel Imprimatur. 638 Seiten.
  • München: Claasen, 2003. Übersetzt von Maja Pflug & Friederike Hausmann. ISBN: 3-546-00335-7. 752 Seiten.
  • Berlin: List, 2005. Übersetzt von Maja Pflug & Friederike Hausmann. ISBN: 3-548-60508-7. 752 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2009. Übersetzt von Maja Pflug & Friederike Hausmann. ISBN: 978-3-548-28068-4. 752 Seiten.
  • [Hörbuch] Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2006. Gesprochen von Stefan Peetz. MP3. ISBN: 3866671814. 3 CDs.

'Imprimatur' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Rom 1683. Nach dem Tod eines Gastes wird aus Angst vor der Pest eine römische Herberge unter Quarantäne gestellt. Abbé Melani, ein anderer Gast, wittert jedoch einen Mord und beginnt mit Hilfe des Küchenjungen, nach dem Täter zu suchen. Der Todesfall beginnt ungeahnte Kreise zu ziehen und führt ins Herz politischer und kirchlicher Intrigen, die das Schicksal von ganz Europa bestimmen können. Eine fesselndeKriminalgeschichte im Italien des 17. Jahrhunderts und zugleich ein farbenprächtiges Sittengemälde jener Zeit, das an erzählerischer Raffinesse kaum zu überbieten ist.

Das meint Krimi-Couch.de: »Noch’n Schuftpapst & viel Mord im Vatikan« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Anno 1683 werden in einer römischen Herberge einige Reisende unter Pestquarantäne gestellt. Einer von ihnen fällt einem Giftmord zum Opfer. Die isolierten zehn Männer und eine Frau müssen sich selbst als Detektive versuchen. Der naive aber nicht auf den Kopf gefallene Hausbursche bemerkt, dass alle Anwesenden etwas zu verbergen haben. Er gerät in ein mörderisches Geheimdienst- und Intrigenspiel, in das der Papst, der Kaiser, der König von Frankreich, die angriffslustigen Türken und ihre zahllosen rücksichtsarmen Verbündeten verwickelt sind …

Ein inzwischen typischer historischer Thriller, der sich um ein angebliches Rätsel der Weltgeschichte rankt und dabei die Freunde des Krimis ebenso fesseln möchte wie die Leser »exotischer« Historienromane. Das spannende und durchaus unterhaltsame Spiel mit Fakten & Mythen gerät freilich vor allem durch allzu großen Schriftstellerehrgeiz aus dem Ruder: Unbedingt soll ein »anspruchsvoller« Roman à la Umberto Ecos »Der Name der Rose« entstehen; die bemerkenswerte Recherchearbeit des Autorenduos übertrifft leider vor allem im Mittelteil seine Fähigkeit eine spannende Story zu erzählen. Das Finale kann indes Abhilfe schaffen und versöhnt den Leser, der sich nun doch intelligent unterhalten fühlt.

Zwei mörderische Wochen im Pesthotel

11.-25. September 1683: zwei Wochen im heißen römischen Spätsommer, welche die Weltgeschichte verändern könnten. In der Locanda del Donzello, einer der zahllosen kleinen Herbergen der Ewigen Stadt, stirbt ein Gast, der alte französische Edelmann de Mourai. Die Umstände weisen auf einen Pestfall hin, was die Stadtverwaltung umgehend und rigoros handeln lässt: Die Herberge wird mit Brettern vernagelt und bewacht, ihre Bewohner unter Quarantäne gestellt. Diese sind empört und voller Furcht. Dabei schließt Cristofano, ein berühmter Arzt aus Siena, die Seuche als Todesursache aus. Er tippt vielmehr auf Gift. Dass sich ein Mörder unter ihnen befinden könnte, kann die Gruppe ganz und gar nicht beruhigen. Aber die Theorie scheint sich zu bewahrheiten, als Pellogrino des Grandis, der Wirt der Herberge, einen mysteriösen Unfall erleidet und schwer verletzt aufgefunden wird.

Der Abbé Atto Melani aus Pistoia beschließt sich als Detektiv zu versuchen. Ihm zur Seite steht der Hausbursche der Locanda del Donzello. Der junge Mann, ein Waisenkind, das eine gute Ausbildung erfuhr, begrüßt begeistert die Möglichkeit die Grenzen seiner engen Welt zu sprengen. Die Schar der Verdächtigen ist bunt. Roberto Devizé, Musiker aus Paris, gehört zu ihnen, dazu gesellen sich Pater Juan des Robleda, Jesuit aus dem spanischen Granada; Domenico Stilone Priàso, Dichter aus Neapel; Angélo Brenozzi, Glasbläser aus Venedig; Pompeo Dulcibeni aus Fermo, des Verstorbenen de Mourais Reisebegleiter; Eduardus Bedfordi, ein Engländer – und Clorida, die wunderschöne Kurtisane.

Gipfeltreffen der Spione

Sie alle, so erfahren die Detektive rasch, sind nicht jene, für die sie sich ausgeben. Alle hüten sie ein düsteres Geheimnis, scheinen verwickelt in ein mörderisches Intrigenspiel. Es geht um nichts weniger als die Verteidigung Europas gegen die Türken, deren offenbar unüberwindlichen Heere Wien, das letzte Bollwerk des Abendlandes, belagern. Der habsburgische Kaiser ist geflohen. Papst Innozenz XI. will sich statt seiner zum Haupt des Widerstands aufschwingen. Die Könige Europas hören auf ihn – mit einer Ausnahme: Louis XIV., Frankreichs »Sonnenkönig«, missgönnt Innozenz den politischen Machtzuwachs. Wie es scheint, ist der machtgierige Souverän sogar bereit sich mit den Türken zu verbünden.

Alle Parteien setzen Geheimagenten ein. Ausgerechnet in der Locanda del Donzello scheinen sich einige der berühmtesten Vertreter ihrer geheimnisvollen Zunft versammelt zu haben. Ihre Aktivitäten setzen sie trotz der Quarantäne fort. Dabei gehen sie durch düstere Geheimgänge – und über Leichen. Der Größte unter diesen Spionen ist – der Hausbursche erkennt es mit Schrecken – Atto Melani, der »Ratgeber« des Sonnenkönigs. Den übrigen »Gästen« kann er noch weniger trauen. Wohl oder übel hält er sich deshalb an Melani. Der hat aber noch eine private Rechnung offen, die zu tilgen ihn und alle, die sich in seinem Umfeld bewegen, in Lebensgefahr bringen wird …

Auf der Spur der unerreichbaren Rose

Die Welt des Jahres 1683, eine für den Menschen der Moderne fremdartige, exotische Ära, projiziert in die kleine, überschaubare Locanda del Donzello, die gleichzeitig Schauplatz eines »locked room«-Mysteriums des klassischen Kriminalromans wird. Grundsätzlich lassen beide Aspekte kaum Wünsche offen. Zehn Jahre haben die beiden Autoren (laut Klappentext) an ihrem Opus gearbeitet; man glaubt es gern, denn die Fülle der Fakten, die vor dem Leser ausgebreitet werden, ist beeindruckend. Politik, Religion, Medizin, Handwerk, Architektur, Kochkunst, Alchemie, Musik – Der Große, Wichtige mischt sich mit dem Alltäglichen. Dies entfaltet durchaus seine Wirkung, wirkt über weite Passagen freilich wie angelesenes Wissen, das um jeden Preis Eingang in die Handlung finden musste.

Solche gelehrten Vorträge und Diskussionen blähen die Geschichte auf, bis man sie nur mehr in ein backsteindickes Buch pressen kann, das sich fabelhaft als »Bestseller« auch für anspruchsvolle Leser vermarkten lässt. Dabei ist das Schielen nach dem großem Vorbild mehr als offensichtlich: Umberto Eco verzwirbelte 1980 in »Der Name der Rose« kongenial Historie und Thriller. Dieses Werk brachte eine quasi industrielle Fertigung von Romanen in Gang, die in und mit der Vergangenheit spielen. Um die meisten schlage man besser einen weiten Bogen. »Imprimatur« spielt in einer höheren Liga. Die unnachahmliche Leichtigkeit, mit der Eco zwischen Wissenschaft und Unterhaltung wandelte, geht Monaldi & Sorti allerdings ab.

Sie streben wie gesagt allzu deutlich – wenn nicht nach dem »Meisterwerk«, so sicherlich nach dem »Bestseller«. Letzteres mag gelingen, zu Ersterem fehlt eine Menge. So ist es keine gute Idee, die Protagonisten über viele hundert Seiten in der abgeriegelten Locanda festzuhalten. Die Mär von der Europa überspannenden Verschwörung lässt sich partout nicht mit dem klassischen »Mord im verschlossenen Raum« kombinieren. Folgerichtig kommt erst dann Schwung in die Handlung, als sie durch unzählige Geheimgänge die Herberge verlässt. In den Straßen und Gassen Roms gewinnt die Geschichte sogleich Dynamik, es wird weniger geredet als gehandelt.

Das Rätsel hinter dem Rätsel hinter dem Rätsel etc.

Es wurde auch Zeit, denn die Story verdient die Aufmerksamkeit, die ihr endlich zuteil wird. Das Autorenduo hat sich viel Mühe gegeben ein zentrales Kapitel der europäischen Geschichte auf ungewöhnliche Weise zu »rekonstruieren«. Nie sollte sich der Leser allzu sicher sein hinter das »Imprimatur«-Mysterium zu blicken – es verwandelt sich ständig, enthüllt neue Seltsamkeiten, mündet in deduktiven Sackgassen, ändert die logische Richtung, schließt Irrtümer und Fehlinterpretationen der Handelnden niemals aus. Die Autoren haben zu jedem Zeitpunkt die Nasen vorn. Noch besser: Die unzähligen Rätsel, die bis dato aufgeworfen wurden, finden im wahrlich großen Finale nicht nur ihre Auflösung. Diese kann ihrer gewaltigen Vorgeschichte standhalten ohne durch allzu läppische, womöglich aus dem Hut gezogene »Lösungen« zu verärgern. Die Autoren haben unzählige historische Puzzleteile famos zusammengesetzt. So muss es auch sein am Ende eines Romans, in den man immerhin die Zeit für die Lektüre von mehr als 700 Seiten investiert hat!

Zehn Jahre Arbeit haben Monaldi & Sorti an ihrem Werk gearbeitet. Das macht sich einerseits in der Werbung gut, mag aber stimmen: Die Autoren drängt es zu offenbaren, welche Mühe sie sich gegeben haben. Viel Staub haben sie in zahlreichen Archiven geschluckt, sich durch meterdicke Stapel staubiger Uralt-Quellen gewühlt, obskure Hinweise kreuz und quer durch Europa verfolgt. Was sie teilweise herausgefunden, teilweise neu entdeckt haben, fließt beeindruckend in »Imprimatur« ein. Dem eigentlichen Roman folgt eine fünfzigseitige wissenschaftliche Abhandlung, die das gerade Geschriebene noch einmal aufgreift und vertieft: Dem Autorenduo gönnt man ihren Triumph, aber es ist zu fürchten, dass die meisten historischen Laien diesen Abschnitt großzügig überspringen. Der skeptische Fachmann wiederum wird sich wohl kaum dem Schluss anschließen, das letzte Wort zum Reizthema »Innozenz XI. – Held der Geschichte oder infamer Intrigant« sei nunmehr gesprochen.

Holmes & Watson in früheren Leben?

Was die Handlung lange an Wünschen offen lässt, kann die Figurenzeichnung jederzeit ausgleichen. Natürlich gehen die Autoren auch hier an sich schematisch vor: Cristofano ist nicht e i n Arzt, sondern d e r Arzt, d. h. der Modellmediziner für seine Epoche, der immer eine Gelegenheit findet, seine Zuhörer und damit uns, die Leser, über den Stand seiner Wissenschaft (die arg an mittelalterliche Magie erinnert) in Kenntnis zu setzen. Ähnliches gilt für die anderen Protagonisten; sie stellen Repräsentanten weiterer Schichten des ausgehenden 17. Jahrhunderts: Kleriker, Adliger, Künstler, Handwerker, Kurtisane etc. Was sie zu sagen haben ist wie bereits erwähnt oftmals interessant, nicht selten jedoch abschweifig und langweilig. Vor allem trägt es kaum zur Handlung bei.

Das Schema durchbricht der (stets anonym) bleibende Hausbursche. Die Autoren formen ihn zum Wanderer zwischen den Welten bzw. Ständen, deren Grenzen er als Diener vieler Gäste und nun in der Quarantäne überschreiten kann. Dumm ist er keineswegs, sondern naiv und unerfahren. Das muss er auch sein, denn er mimt nach dem Willen des Autorenduos den »reinen Toren«, der staunend und ohne eigenes Verschulden in ein Abenteuer oder eine Krise gerät. Der Hausbursche vertritt den Leser/die Leserin, die in der Regel wenig Ahnung haben von der Welt des Jahres 1683. Gemeinsam mit ihm werden wir vom Autorenduo durch die übrigen Figuren informiert. Das funktioniert gut, nur manchmal wird dieses Muster ein wenig zu offensichtlich.

Gleichzeitig ist der Hausbursche der »Watson« in einer Kriminalgeschichte. Von der Kriminalistik bzw. der Unterwelt der zeitgenössischen Geheimdienste versteht er ebenfalls nichts. Deshalb stellt er die dummen Fragen, die auch uns Lesern ständig auf der Zunge liegen. Geduldig werden sie beantwortet vom »Holmes«, hier verkörpert durch den Abbé Melani, der wie alle genialen Schnüffler gern und ausgiebig über seine Arbeit spricht. Auch hier ist Monaldi/Sorti ein farbenfroher Charakter geglückt – Melani ist nicht nur ein mit allen Wassern gewaschener Agent, dem man besser nicht zuviel Vertrauen schenkt, sondern auch ein genialer Sänger, den man zur »Konservierung« seiner Singstimme in jungen Jahren entmannt hat; auch so eine seltsame Sitte der Vergangenheit, die uns die Autoren nahe bringen …

Der ständigen Unsicherheit darüber, welchem Bewohner/Insasse der Locanda eigentlich zu trauen ist (keinem nämlich), verdankt »Imprimatur« einen Gutteil seines Unterhaltungswertes. Hier haben die Verfasser wirklich gute Arbeit geleistet. Die Grenzen zwischen Schwarz und Weiß verschwimmen ständig. Die Bösen sind oft tragisch, ehrlich, witzig, die Guten berechnend, durchtrieben, undurchschaubar. Wie der arme Hausbursche bekommen wir einfach keinen festen Boden unter die Füße und reihen uns in die lange Reihe der »Besiegten« ein, denen der Hausbursche seine Erinnerungen widmet.

Der finstere Papst – gab es auch andere?

Stets präsent obwohl nur in wenigen Sätzen anwesend ist Papst Innozenz, der letztlich alle seine Widersacher niederwirft oder schlicht überlebt. Er ist der wahre Bösewicht in diesem Spiel – ein hochintelligenter, aber skrupelloser Mann, der sein Amt um des eigenen Vorteils willen als Instrument seiner Macht- und Geldgier missbraucht und die Spuren seiner Schandtaten so perfekt zu verwischen weiß, dass ihn spätere Generationen seine Heiligsprechung verlangen.

In diesem Zusammenhang stoßen Monaldi & Sorti selbstverständlich in das Horn der »Alles Böse kommt vom Vatikan«-Fraktion, das in den letzten Jahren von vielen anderen Unterhaltungsschriftstellern mehr oder weniger perfekt gespielt wird. Böse Päpste und uralte katholische Geheimbünde zur Unterdrückung biblischer »Wahrheiten«, die der Amtskirche missfallen, tummeln sich jederzeit in den Bestsellerlisten dieser Welt. Nie wird dieses Motiv freilich so perfekt mit historischen »Wahrheiten« unterfüttert wie in »Imprimatur«. Diese Intrige ist wahrlich fast zu schön um nicht wahr zu sein – eine bemerkenswerte Leistung, die den Verdruss über Längen in den ersten beiden Dritteln rasch und nachdrücklich vergessen machen!

Ihre Meinung zu »Rita Monaldi und Francesco Sorti: Imprimatur«

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Wolfram zu »Rita Monaldi und Francesco Sorti: Imprimatur« 22.04.2007
Sehr schöner Roman, schönes Buch, zwei harmonische Autoren mit Geschmack für das Besondere. "Imprimatur" wird durch "secretum" (2. Band; deutsch: 2005) hervorragend ergänzt. Eben kein literarisches fast food. Plagiatorisches(Ecco "Der Name der Rose") konnte ich an keiner Stelle entdecken, auch erinnerte mich wenig an diesen anderen großen Autor, wenngleich zumindest konstruktive Elemente historischer Krimis im Umfeld von Papst und Kirche, Kaiser und Reich sich wohl per se ähneln. Ich freue mich sehr auf Band 3!
Umberto zu »Rita Monaldi und Francesco Sorti: Imprimatur« 18.10.2006
Das Phantastische an Monaldi & Sorti ist ihr seltenes Talent, Stimmung, Bedrohung und Gefühle zu erzeugen, ohne diese zu beschreiben.
Und so erreichen sie in "Imprimatur" allein durch den Schreibstil die düstere Atmosphäre des unterirdischen barocken Rom zu erzeugen. Es ist keine moderne Sprache, mit der das Barock beschrieben wird, es ist eine barocke Sprache, die nicht mehr beschreiben muss, um darzustellen. So sind es teilweise nur die verschachtelten Gedankengänge eines Abbé Melani, die Einteilung des Buches in Tage und Nächte, die unzähligen lateinischen Zitate, die den Leser mit in die Zeit des Barock nehmen. Und wenn Monaldi & Sorti beschreiben (die zahllosen Heilkräuter und ihre Zubereitung, das Aussehen und die Art der Gäste, die unterirdischen Gänge, die Träume des Erzählers...) so tut er dies nur um der Darstellung eines anderen Sachverhaltes willen. Er beschreibt die Heilkräuter nicht in ewigen Aufzählungen ihrer Arten oder zitiert aus philosophischen, theologischen, häretischen, medizinischen und anatomischen Büchern, weil das etwa unmittelbar für die Geschichte wichtig wäre, sondern er beschreibt sie, um Bedrohung oder Perversitäten innerhalb der Locanda oder die Gedankenwelt dieser Zeit zu verdeutlichen. Die Wörter sind Zeichen, die für etwas anderes stehen, für eine Sache, ein mentales Bild des Lesers und bei Monaldi & Sorti steht diese Sache, dieses Bild wiederum für etwas anderes. Alles kann Zeichen und Bezeichnetes sein. So ist Monaldi & Sortis Stil nicht nur ein poetischer, sondern auch ein semiotischer.
Dieser Roman, der auf phantastische Weise so viele Aspekte vereinigt und dabei auch noch wirklich spannend ist, gilt zu Recht als der postmoderne Roman schlechthin.
volker zu »Rita Monaldi und Francesco Sorti: Imprimatur« 12.07.2006
Leider weiss ich nicht was meine Vorschreiber dazu veranlasst ein derart hohes Lob auf Autoren und Buch auszusprechen. Für mich hiess es bei diesem Buch zum ersten Mal weiterlesen ist Zeitvergäudung. Der schwache und schnell durchschaubare Plott quält sich um die historischen Ergüsse der Autoren vorbei. Der hohe Aufwand des Studiums der Historie quillt aus jeder Seite dieses Buches. Mir erscheint das Gesamtwerk jedoch in erster Linie konstruiert, um sich da einreihen zu können wo diese beide Autoren nicht hingehören. Hoffentlich bleibt diese Form der literarischen Kunst in Zukunft wieder denen vorbehalten, die es leidenschaftlich und gut können ohne Anerkennung heischen zu müssen.
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kue zu »Rita Monaldi und Francesco Sorti: Imprimatur« 07.03.2006
Meinen Respekt den Autoren, die ganz offensichtlich mit hohem Aufwand historische Dokumente studiert haben und sich Wissen nicht nur in Sachen europäischer Politik und Gesellschaft im späten 17. Jahrhundert aneignen konnten, sondern auch umfangreiche Kenntnisse zur Medizin, Astrologie und Küche der damaligen Zeit in den viel zu engen Rahmen von nur 700 Seiten gezwängt haben.

Sicherlich mal eine interessante Variante, historisches Wissen in Buchform zu bringen, jedoch ist Imprimatur für mein Empfinden Meilen von dem oft verglichenen "Im Namen der Rose" entfernt. Es fehlt ihm einfach die Leichtigkeit und Eindringlichkeit, die Ecos Roman so großartig machen.

In Imprimatur wird jeder Charakter unfreiwillig zum wandelnden Lexikon und hält ellenlange Monologe. Die eigentliche Handlung rückt hinter die Schilderung der gesellschaftlichen Hintergründe zurück. Das Ergebnis ist einsetzende Langeweile und eine sich nur quälend langweilig entwickelnde Story.

Was überhaupt nicht in den Roman passt, sind die beiden Reliquienplünderer. Der eine sagt stets "Gfrrlulbh" und der andere übersetzt dies dann in schwülstigste Sprache. Diese beiden Comicfiguren sind dem hohen historischen Anspruch des Romans schlichtweg unangemessen.

Wenn ich mit anderer Anspruchshaltung an den Roman heran gegangen wäre, würde mein Urteil vielleicht nicht so ausfallen. Ich hatte spannende Krimihandlung erwartet, während mein Wissensdurst bzgl. historischen Informationen zur Lage im Jahre 1683 doch relativ beschränkt war. Solcher Wissensdurst wird hier mehr als reilich gestillt, während für eine unterhaltsame Handlung auf den rund 700 Seiten nicht genügend Platz geblieben ist.
Monaldi & Sorti zu »Rita Monaldi und Francesco Sorti: Imprimatur« 26.10.2005
Wir danken zuerst alle Leser. Wir möchten hier nur Wolfgangs richtigen Bemerkungen antworten. Auf Italienisch hat man auch damals von einem „österreichischen Kaiser“ oder sogar vom „Kaiser von Österreich“ geschrieben: „Leopoldo Austriaco“ (Kaiser Leopold I.), „Impero degli Austriaci“ (Kaisertum der Österreicher) waren die üblichen Bezeichnungen der habsburgischen Kaiser.
Wir hatten dasselbe Problem auch in Holland und in der Türkei. In Holland, weil unter „Guglielmo d’Orange“ („Wilhelm von Oranien“) in Italien Wilhelm der Dritte gemeint ist, während dort Wilhelm der Erste. In der Türkei, weil dort die damalige Bevölkerung nicht als „die Türken“ bezeichnet wurde, sondern nur als „die Osmanen“, was in Italien damals nicht der Fall war („i Turchi“, „il Turco“).
Das Problem liegt an der deutschen Übersetzung, die in der gebundenen Version eine richtige Schlamperei ist, besonders was die barocke Sprache betrifft, so dass der Verlag die gute Übersetzerin unseres zweite Romans SECRETUM, Frau Annette Kopetzki, beauftragt hat, für das IMPRIMATUR Taschenbuch die ganze Übersetzung zu korrigieren (jedoch nicht neu zu übersetzen - leider). Es wurden mehr als 20.000 Stellen korrigiert!
Kein Zufall, dass die Rezensenten der gebundenen Ausgabe (2003, 2004) nicht so begeistert wie die des Taschenbuches (ab März 2005) sind.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Wolfgang zu »Rita Monaldi und Francesco Sorti: Imprimatur« 23.06.2005
Im Großen und Ganzen schließe ich mich Jörgs Meinung an.
Allerdings finde ich es recht merkwürdig, ständig von einem "österreichischen Kaiser" oder sogar vom "Kaiser von Österreich" zu schreiben. Der beschriebene Habsburger Leopold war (leider) Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, man könnte also höchstens vom "deutschen Kaiser" sprechen; einen "österreichischen" gab es erst, nachdem der Habsburger Franz II. die deutsche Kaiserkrone ablegte und sich als Franz I. zum "Kaiser von Österreich" proklamierte.
martin zu »Rita Monaldi und Francesco Sorti: Imprimatur« 09.05.2005
Ich finde das Buch sehr lesenswert.
Das Latein wird aufgefrischt, man wird in diese düstere Zeit versetzt und hat manchmal Mitleid mit den Patienten der damaligen Medizin.
Auch die Erzählsprache tut ihr übriges. Es steckt viel Mühe dahinter; hohes Niveau, Wie weit vergangene Päpste intrigant waren, wird nie genau zu klären sein. Der Vatikan ist auch mit seiner Geheimniskrämrei in vergangener Zeit selber Schuld im Schussfeld unzähliger Historienromane zu sein.
Claudio zu »Rita Monaldi und Francesco Sorti: Imprimatur« 12.04.2005
Ich gehe das Risiko bewusst ein, das Geschriebene zu wiederholen. Das Buch ist eine Klasse für sich. Der etwas barocke Schreibstil mag zu Beginn etwas ermüdend wirken, jedoch entwickelt diese Art einen gewissen Flair, der regelrecht an das Buch bindet ...
Peter zu »Rita Monaldi und Francesco Sorti: Imprimatur« 09.04.2005
Ein tolles Buch, das vielleicht phasenweise etwas langweilig erscheinen mag, aber nicht wirklich. Selbst das vermittelte Hintergrundwissen, dass zum Verstehen der Zusammenhänge äußerst wichtig ist, fesselt den Leser.

Interessant und spannend von der ersten bis zur letzten Seite.
Christian zu »Rita Monaldi und Francesco Sorti: Imprimatur« 06.04.2005
Ein tolles Werk. Ich kann mich der ersten Meinung nur anschließen.
Der Anfang ist ziemlich langatmig und ich habe mich zuerst langsam herangetastet. Mit der Zeit wird es aber immer spannender und zum Schluss hin habe ich das Buch regelrecht verschlungen.
Nur zu empfehlen!
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