Über dem Abgrund von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2002 unter dem Titel The Art of Deception, deutsche Ausgabe erstmals 2005 bei Bastei Lübbe.
- New York: Hyperion, 2002 unter dem Titel The Art of Deception. 451 Seiten.
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Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2005.
Übersetzt von Rolf Tatje.
ISBN:
3-404-15403-7. 460 Seiten.
'Über dem Abgrund' ist erschienen als
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In Kürze:
Als eine junge Frau von einer Brücke in Seattle gestoßen wird, ist die Polizeipsychologin Daphne Matthews als eine der Ersten am Tatort. Im Zuge ihrer Nachforschungen deckt sie jedoch nicht nur die dunklen Seiten in der Vergangenheit des Opfers auf, sondern wird mit Abgründen konfrontiert, die ihre eigene Geschichte und die der Stadt Seattle betreffen. Zur gleichen Zeit begibt sich Detective Lou Boldt auf die Spur eines eiskalten Serienmörders, ohne zu ahnen, dass die beiden Kriminalfälle schon bald in die gleiche Richtung führen.
Mary-Ann Walker stürzt von einer Rettungsleiter in die Tiefe, wird anschließend von einem Auto angefahren und schwer verletzt von einer Brücke in den Fluss geworfen, wo sie ihren Verletzungen erliegt. War es ihr Freund Lanny Neal, der bereits mehrfach für seine Gewalttaten gegenüber früheren Freundinnen belangt wurde, ihr Bruder Ferrell, der sich von ihr verlassen fühlt, oder ein unbekannter Dritter? Polizeipsychologin Daphne Matthews ermittelt mit ihrem Partner John LeMaio und wird dabei zur Zielperson eines »Stalkers«. Ist es Ferrell Walker, der sich in dem Fall als Informant aufdrängt und mit allen Mitteln Lanny Neal ins Gefängnis bringen will oder ein hartnäckiger Verehrer Daphnes, der Mitarbeiter des Kentucky Sheriff Country Office (KSCO) Nathan Praire?
Währenddessen ermittelt ihr Vorgesetzter Lou Boldt im Fall von zwei vermissten Frauen und wird zudem von einer Freundin gebeten, den Tod ihres Neffen Chen zu untersuchen. Dieser ist angeblich nach einem Wasserrohrbruch ertrunken, doch es zeigt sich, dass bei der Obduktion nicht alle Fakten berücksichtigt wurden. Boldts Interesse ist jedenfalls sofort geweckt, denn Chens Leiche wurde in der Nähe jenen Ortes gefunden, an dem eine der beiden vermissten Frauen zuletzt lebend gesehen wurde. Musste er als vermeintlicher Zeuge beseitigt werden? Schon bald führen die Ermittlungen in beiden Fällen in den Underground Seattles, jene historische Stadt unterhalb der heutigen Stadt, welche bei einem Großbrand Ende des 19. Jahrhunderts fast vollständig zerstört wurde …
Geschickt erzählt Paerson zunächst den Tod von Mary-Ann Walker und den daraus entstehenden Konflikt zwischen Bruder und Freund der Toten. Dieser erweitert sich sodann auf die Psychologin Matthews, die sich der aufdringlichen Hilfe des Bruders erwehren muss und deren Privatleben durch mehrere belästigende Telefonanrufe langsam aber sicher außer Kontrolle gerät. Fast schleichend beiläufig wird die Figur des Lou Boldt eingeführt, der nach zwei vermissten Frauen sucht, allerdings keine neuen Spuren über deren Verbleib entdecken kann. Erst durch die erneute Untersuchung des Todes von Chen ergeben sich brauchbare Hinweise, die Boldt geradewegs in die klaustrophobische Umgebung von Seattles alter (unterirdischer), längst vergessener Stadt führen.
Verdächtige sind eher rar, aber dennoch legt Pearson immer wieder geschickt neue Finten und am Ende wird man ein ums andere Mal in die Irre getrieben, wenngleich bedauerlicherweise der Buchrücken bereits vorwegnimmt, dass beide Ermittlungen letztendlich in die gleiche Richtung führen. Ohne diesen Hinweis des Verlages wäre die Spannungskurve sicher deutlich höher geblieben. Die Art und Weise, wie die beiden Ermittlungen in dieser recht schnell und schnörkellos erzählten Story zusammengeführt werden verdient Anerkennung, das Motiv allerdings wirkt hinreichend vertraut. Was soll’s denkt sich der Leser, denn gute Unterhaltung für ein kaltes Winterwochenende wird allemal geboten.
Der Abstieg in den schmutzigen, schwer zugänglichen und vor allem dunklen Underground passt zur Jahreszeit und durch die eingebaute Stalker-Sidestory bietet der Roman überdies einen aktuellen Bezug zu diesem Thema.
Die gelungene Figurenzeichnung rundet den positiven Gesamteindruck ab, wenngleich die Charaktere nicht bis ins letzte Detail vertieft werden. Hier ist dem Autor dann doch das Tempo der Story, deren Handlung man übrigens auf weiten Strecken problemlos folgen kann, wichtiger. Am Ende des Buches dann der aus meiner Sicht einzige Schwachpunkt. Der Showdown artet etwas zu lang in eine der unvermeidlich erscheinenden Verfolgungsjagden aus. Natürlich Down Under …
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| Günter Zech zu »Ridley Pearson: Über dem Abgrund« | 25.06.2007 |
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