Sherlock Holmes und die Riesenratte von Sumatra von Rick Boyer

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1976 unter dem Titel The Giant Rat of Sumatra, deutsche Ausgabe erstmals 1979 bei Deutsche Verlags-Anstalt.

  • New York: Warner, 1976 unter dem Titel The Giant Rat of Sumatra. 216 Seiten.
  • London: W.H. Allen, 1977. 216 Seiten.
  • Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt, 1979. Übersetzt von Ingo Golembiewski. Hrsg. von Zeus Weinstein. ISBN: 3421018928. 271 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2006. Übersetzt von Stefan Bauer. ISBN: 978-3-404-15601-6. 268 Seiten.

'Sherlock Holmes und die Riesenratte von Sumatra' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Kann es ein schlimmeres Monster als den Hund von Baskerville geben? Als im Hafen von London eine grausam zugerichtete Leiche gefunden wird, steht die Polizei vor einem Rätsel. Gleichzeitig tauchen Gerüchte über ein monsterhaftes Wesen auf, das mit einem Schiff von Sumatra nach England verfrachtet wurde und einer riesigen Ratte gleicht. Hier ist die Hilfe von Sherlock Holmes gefragt. Doch dieser ist mit einem spektakulären Entführungsfall beschäftigt: Die junge Lady Allistair ist verschwunden. Eine Spur führt Watson und Holmes auf den Landsitz der Allistairs nach Strathcombe. Auch dort kommt es zu mysteriösen Vorfällen. In den Wäldern um Strathcombe scheint eine Bestie ihr Unwesen zu treiben. Hängt die Entführung der jungen Lady Allistair mit dem Mord im Londoner Hafen zusammen? Bald schweben Watson und Holmes in größter Gefahr …

Das meint Krimi-Couch.de: »Holmes & Watson treffen einen alten Schurken mit neuen Gemeinheiten« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Im Spätsommer des Jahres 1894 brütet Meisterdetektiv Sherlock Holmes über dem Fall einer im fernen Indien entführten Adelstochter, als ausgerechnet in der Baker Street die Leiche eines Seemanns entdeckt wird. Der unglückliche Raymond Jenard wurde auf dem Dach eines Lagerhauses mit einem malayischen Dolch erstochen und anschließend auf die Straße geworfen.

Natürlich nimmt sich Holmes auch dieses Falles an, doch die Ermittlungen sind schwierig. In der Wohnung des Opfers wurde Feuer gelegt, sämtliche Hinweise sind vernichtet. Die Befragung der Segelkameraden bringt eine seltsame Geschichte zutage: Vor der Küste der Insel Borneo hat das Frachtschiff »Matilda Briggs« vier seltsame Passagiere an Bord genommen: den zwielichtigen »Missionar« Ripley, seinen Freund Jones, den unheimlichen »Diener« Wangi – und eine Ratte, so groß wie ein Kalb!

Rick Boyer

Richard L. Boyer wurde 1943 in Evanston, US-Staat Illinois, geboren. Er studierte Englisch an der Denison University sowie Kreatives Schreiben an der University of Iowa. Anschließend lehrte er an einer Highschool und arbeitete für den Verlag Little, Brown & Co. Seit 1988 ist Boyer als Dozent für Englisch an der Western Carolina University tätig.

Als Schriftsteller hat Boyer seit 1976 mehr als zwanzig Romane und Sachbücher veröffentlicht. Für seine Serie über den detektivisch tätigen Zahnarzt Doc Adams wurde er mit dem »Edgar Allan Poe Award« ausgezeichnet.

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Das stößt in London verständlicherweise auf Unglauben. Doch als Holmes und Watson sich unter Deck der »Matilda Briggs« begeben, finden sie dort die Leiche von Kapitän James MacGuinness: Er wurde von riesigen Nagezähnen grausam zerfleischt! Die Kreatur ist wie Ripley, Jones und Wangi spurlos verschwunden. Holmes versucht Ripley aus der Reserve zu locken, nachdem er bemerkt hat, dass dieser sich offenbar mit ihm, dem berühmten Detektiv, messen will.

Neue Entwicklungen im Fall der entführten Tochter (s. o.) führen dazu, dass Holmes und Watson getrennte Wege gehen. Ersterer ist weiterhin in London aktiv, während letzterer mit Lord und Lady Allistair, den besorgten Eltern, in ihr einsam gelegenes Landhaus reist, wo ein Lösegeld hinterlegt werden soll. Watson merkt, dass dieses Anwesen beobachtet wird. Verdächtige Gestalten fallen ihm in der urtümlichen Landschaft auf. Holmes ist in London gebunden. Dann beginnen die Anwohner auch noch von einem Ungeheuer zu raunen, das in den Wäldern umgeht und eine dreizehige Klauenspur hinterlässt …

Ein neues Kapitel im nie endenden Detektivspiel

»´Mathilda Briggs’ war nicht der Name einer jungen Frau, Watson«, sagte Holmes mit erinnerungsschwerer Stimme. »Sie war ein Schiff, das im Zusammenhang mit der Riesenratte von Sumatra eine Rolle spielte – eine Geschichte, für die diese Welt noch nicht bereit ist.«

Also sprach Sherlock Holmes in der klassischen Story »Der Vampir von Sussex« (veröffentlicht 1924), und sein geistiger Vater Arthur Conan Doyle ließ ihn nie mehr auf besagte Ereignis zurückkommen. Weil Holmes & Watson nicht einfach nur nostalgisch angestaubte Gestalten aus der Frühgeschichte der Kriminalliteratur, sondern ebenso prägende wie weiterhin präsente Kultfiguren sind, haben sich ihre zahllosen Fans oft gefragt, welches Geheimnis sich hinter Holmes’ bedeutungsschwangeren Worten verbirgt. (Eine geradezu wissenschaftliche aber letztlich wenig überzeugende Deutung liefert z. B. Alan Saunders unter dem Titel The Sumatran Rat.)

Glücklicherweise wurde die Laufbahn unseres kriminalistischen Duos auch durch Doyles Tod im Jahre 1930 keinesfalls in Mitleidenschaft gezogen. Noch während Doyle lebte, entstanden die ersten Holmes-Pastichés – weitere Abenteuer, verfasst von anderen Autoren, die sich entweder bemühten, den Originalton so genau wie möglich zu treffen, oder die Holmes und Watson in völlig neue Richtungen lenkten.

Rick Boyer gehört zu den »Traditionalisten«. In seinem ersten Roman überhaupt bemühte er sich 1976, dem Regelwerk des »Kanons« zu entsprechen. Der Kanon – das sind die vier Romane und 56 Originalstorys aus Doyles Feder, in denen dieser zwischen 1887 und 1927 seinen Meisterdetektiv auftreten ließ. Obwohl Doyle mit Zahlen und Fakten unbekümmerter umging, als es dem strengen Holmes & Watson-Chronisten lieb ist, lassen sich diverse »biografische Fakten«, aber auch Manierismen und Verhaltensmuster aus seinen Werken destillieren, die jeder Fan des Duos kennt und in einer »richtigen« Holmes-Story erwartet. Dazu gehört natürlich Bespiele für Holmes’ unerhörte Fähigkeit, aus kleinsten Hinweisen wie durch Zauber Ereignisse zu rekonstruieren, während meist Watson, aber auch Inspektor Lestrade oder andere Vertreter des Lesers mit offenem Mund zuhören und staunen.

Boyer bemüht sich wie gesagt um Authentizität. Originalität ist ihm dagegen weniger wichtig; »Die Riesenratte von Sumatra« weist inhaltlich enge Parallelen zum »Hund der Baskervilles« auf, was der Verfasser nicht verschweigt, sondern Holmes sogar selbst erwähnen lässt. Aber auch Anklänge an die »Studie in Scharlachrot« lassen sich finden, wenn der Detektiv durch die Straßenschluchten von London streift. Im Finale stellt sich natürlich heraus, dass der Fall der Riesenratte von Sumatra weit über die Klärung einiger bizarrer Morde hinausgeht und geradezu internationales Format besitzt – ein Format freilich, das »logisch« nur im Kontext jener Disneyland-Version des britischen Empires erscheint, die vor allem der späte Doyle präsentierte. Selbst im 19. Jahrhundert war die Welt schon ein bisschen komplizierter, als dass ein Sherlock Holmes allein sie für Königin & Vaterland hätte retten können.

Die Story ist aus zweiter Hand aber unsere Helden sind die Alten!

Der Ton macht die Musik, und der »stimmt« in diesem Fall. Holmes benimmt sich wie Holmes und spricht wie Holmes, auch Watson fügt sich in seine Rolle. Als Hintergrundchor treten ebenfalls bekannte Figuren oder besser Chargen auf – klobige Seebären, treuherzige Arbeiter, vornehm schwachnervige Ladys, noble Lords mit energischem Kinn, theatralische Schurken, finstere »Wilde«; die Liste lässt sich fortsetzen.

Für die Lösung des rattigen Rätsels musste Boyer sich auf einen Kompromiss einlassen. Conan Doyle lehnte übernatürliche Phänomene in seinen Holmes-Storys strikt ab. Der Detektiv war Rationalist und behielt Recht damit. Boyer lehnte sich daran an und konnte folglich kein fantastisches Fabeltier literarische Realität werden lassen. Die Wörter »Riesenratte« und »Sumatra« boten ihm indes einen Ausweg, der zwar ein wenig holprig wirkt aber seinen Zweck erfüllt. (Die Lösung wird hier selbstverständlich nicht verraten; wer sich ein wenig in der Fauna unseres Planeten auskennt, wird sicher selbst darauf kommen, was da nach England geschmuggelt wurde.)

Was die Bösewichte in diesem Spiel angeht, so treffen wir einen schlechten alten Bekannten wieder – dies ist ein (meist überflüssiges) Merkmal vieler Holmes-Pastichés, auf das sich Doyle nur sehr selten gestützt hat. Er dachte sich lieber »frische« Schurken aus. (Der wenig ehrenwerte Prof. Moriarty ist selbstredend die große Ausnahme.) Widerwärtige Eingeborene aus den wilden Ecken des Empire sind heute politisch nicht mehr wohlgelitten; dieses Klischee wurde zu Doyles Zeiten ohne schlechtes Gewissen eingesetzt. Wiederum passt sich Boyer dem an und greift die zeitgenössische Auffassung auf, der gesellschaftliche Stand und/oder das Wesen eines Menschen spiegle sich in seiner Gestalt, seinen Gesichtszügen oder sogar in seiner Kleidung wider.

Fazit: Gelungener Nostalgie-Spaß aus zweiter Hand

Unter den Holmes-Pastichès zählt Boyers »Riesenratte von Sumatra« zu den gelungenen Werken. (Nicht verwechselt werden darf es übrigens mit dem identisch betitelten Holmes-Roman von Alan Vanneman aus dem Jahre 2002, der auch ins Deutsche übersetzt wurde. Zwei Jahre später legte Lauren Steinhauer ihre Version vor.) Dem ist zuzustimmen, wenn man die einzelnen Elemente höher schätzt als die Gesamtgeschichte. Freilich ist dieses Phänomen nicht neu: Vor allem der originale Holmes-Roman »Das Tal der Furcht« ist ganz und gar kein Lesespaß. Das lässt sich über die »Riesenratte von Sumatra« jedenfalls nicht sagen, und so hat wenigstens einmal der Lehrling (Boyer) den Meister (Doyle) übertroffen.

Michael Drewniok, Dezember 2006

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Daniel zu »Rick Boyer: Sherlock Holmes und die Riesenratte von Sumatra« 08.04.2009
Das Buch ist gut, aber auch schlecht.

Fangen wir an mit "Der Hund von Baskerville".
Holmes und Watson bekommen von einem Klienten namens Dr. Mortimer den Auftrag, dem Mordfall an ein Mann namens Sir Baskerville s.(senior) zu lösen. Der Verdacht gerät auf einem Hund, mit zwei Namen: Der erste hieß "Der Hund von Baskerville" und der zweite "Teufelshund".
Später beauftragt Holmes Watson, dass er zur Dartmoor geht, wo das grausame passierte. (Den Rest müsst ihr selbst herausfinden).

Jetzt kommen wir zur dem Nachfolger "Riesenratte von Sumatra".
Die Polizei stehen vor einem Rätsel. Im Hafen von London ist eine grausame, zu gerichtete Leiche. Zur gleichen Zeit tauchte ein Gerücht von dem sogenannten "Riesenratte von Sumatra" auf. Sherlock Holmes sollte dieser Fall lösen, aber stattdessen hat er ein anderer Fall zu erledigen: Die junge Lady Allistair ist verschwunden. Alle Fälle, was es da läuft, stammt von ein und der selben Täter. (Mehr kann ich nicht verraten).

Mein Favorit von dem beiden ist "Der Hund von Baskerville". Das ist der bessere Sherlock Holmes Roman.
"Sherlock Holmes und die Riesenratte von Sumatra" finde ich auch gut, aber auch schlecht. Das ist nicht ordentlich geschrieben, aber es gibt dafür auch einige spannung, aber nicht viele. Aber das Buch ist auch lesbar.
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