Fragen Sie den Papagei von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2006
unter dem Titel Ask the Parrot,
deutsche Ausgabe erstmals 2008
bei Zsolnay.
Folge 23 der Parker-Serie.
- New York: Mysterious Press, 2006 unter dem Titel Ask the Parrot. 256 Seiten.
- London: Quercus, 2007. 256 Seiten.
-
Wien: Zsolnay, 2008.
Übersetzt von Dirk van Gunsteren.
ISBN:
978-3-552-05446-2. 256 Seiten. -
München: dtv, 2010.
Übersetzt von Dirk van Gunsteren.
ISBN:
978-3423212106. 253 Seiten.
-
[Hörbuch] Hamburg: Jumbo, 2008.
Gesprochen von Dietmar Wunder.
ISBN:
3833722614. 4 CDs.
'Fragen Sie den Papagei' ist erschienen als
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In Kürze:
Kennen Sie Parker? Er ist das durch und durch böse. Parker ist nach einem Banküberfall auf der Flucht, verfolgt von einer Meute Polizisten mit Spürhunden. Reiner Zufall, dass er auf Tom Lindahl stößt, einen Außenseiter mit Papagei, der ihm eine Fluchtmöglichkeit und ein Dach über dem Kopf bietet. In dem tristen kleinen Ort in Massachusetts schmieden die beiden einen nicht ungefährlichen Plan, und jeder, der diesem in die Quere kommt, scheitert an Parkers Skrupellosigkeit.
Das meint Krimi-Couch.de: »Eine Lawine unterhaltsamer Verbrechen«
Krimi-Rezension von Michael Drewniok überspringen
Nach einem gescheiterten Bankraub findet sich Berufsverbrecher Parker ohne Auto, Papiere und Geld irgendwo in der Provinz des US-Staats New York wieder. Die Polizei ist ihm hart auf den Fersen aber er hat Glück: Der arbeitslose Tom Lindahl hat die Nachrichten verfolgt und von der Verfolgungsjagd gehört. Die Anwesenheit eines erfahrenen Kriminellen sieht er als Wink des Himmels: Seit Jahren plant er die Rennbahn, für die er einst gearbeitet hat, bis man ihn feuerte, zu berauben. Da er den Mut nicht aufbringt, sucht Lindahl einen Komplizen. Diese Rolle übernimmt wohl oder übel Parker, der Geld für die Fortsetzung seiner Flucht benötigt.
Die Rennbahn wird ausgekundschaftet, der Coup geplant. Doch Schwierigkeiten stellen sich ein: Lindahl ist ein wankelmütiger Charakter, der bald bereut, sich mit einem eiskalten Verbrecher wie Parker zusammengetan zu haben. Die Polizei durchkämmt unerbittlich die Gegend und nagelt Parker fest. Dann tauchen auch noch die tumben Brüder Cal und Cory Dennison auf, die Parker nach seinem Phantombild als einen der flüchtigen Bankräuber erkannt haben und hartnäckig ihren Anteil an der längst verlorenen Beute fordern.
An Probleme gewohnt und entschlossen, sich Lindahls Plan zu eigen zu machen, treibt Parker den Überfall auf die Rennbahn voran. Wie es seine Art ist, trifft er gewisse Vorkehrungen für den Notfall, von denen sein Komplize nichts erfährt – eine kluge Entscheidung, denn der Tag des Raubs ist für alle Beteiligten reich an unerwarteten und manchmal mörderischen Überraschungen …
Ein unerwartetes Wiedersehen bereitet doppelte Freude
Deutsche Krimifreunde benötigen manchmal einen extrastarken Geduldsfaden: Dreißig Jahre hat es gedauert, bis hierzulande ein neues Abenteuer des hartgesottenen Berufsverbrechers Stark erschien! Zwar gönnte auch Verfasser Richard Stark 1974 seinem Anti-Helden eine 23-jährige Pause, doch seit 1997 ist Parker wieder aktiv – und seine Rückkehr auf den hiesigen Buchmarkt überfällig!
Dem österreichischen Zsolnay-Verlag verdanken wir die unerwartete Wiederkehr; wenn alles gut geht, d. h. Parker neue (oder alte) Leser findet, soll es sogar weitergehen mit anderen Titeln der Reihe. Wie dieses Wunder zu Stande kommt in einer deutschen Krimiwelt, die von wortschwalligen Lady-Krimis, genialischen Metzel-Orgien und vatikanischen Munkeleien dominiert wird, bleibt vorerst unklar. Liegt es am Erfolg der Hard-Case-Crime-Serie des Rotbuch-Verlags, dass der schwarze Krimi zumindest in abgeschwächter, die Konvention wahrender Form seine Renaissance erlebt?
As time goes by …
Denn richtig schwarz, d. h. schmerzhaft und provozierend an Regeln und Normen oder gar an Tabus kratzend, ist Fragen Sie den Papagei nicht. Der 23. Parker-Roman bietet in erster Linie Unterhaltung. Stark schreibt schnell, routiniert oder besser ausgedrückt: ökonomisch. Seine kleine, gar nicht feine Geschichte hat er voll im Griff; kein Wunder, denn er leistet seinen Job nun seit mehr als einem halben Jahrhundert und versteht ihn. Literarische Höchstleistungen sind sein Anliegen nicht. Deshalb ist der »neue« Parker kaum anders als der alte, der zwischen 1960 und 1974 sein Unwesen trieb.
Dabei leugnet Stark nie die Tatsache, dass inzwischen das 21. Jahrhundert angebrochen ist. Es manifestiert sich vor allem, um Parker das ohnehin harte Leben als Verbrecher noch schwieriger machen: Die moderne Kommunikationstechnik hat der Polizei dank Handy, Computer und Internet ausgezeichnete Kontroll- und Überwachungsmöglichkeiten verschafft. Nicht einmal die 4.000 Dollar, die Parker von der Bankraub-Beute abzweigen konnte, kann er verwenden, denn die Nummern der Geldscheine wurden elektronisch erfasst und die Liste im ganzen Land verbreitet.
Auch die Provinz ist technisch ´aufgerüstet´. Ein zuverlässiger Verbündeter ist Parker indes geblieben: Der Mensch ist sich seiner neuen Möglichkeiten nicht unbedingt bewusst. Straßensperren sind schnell organisiert, doch kontrolliert wird von gelangweilten Polizisten, denen der agile und abgebrühte Parker deshalb wieder diverse peinliche Schnippchen schlagen kann.
Verbrechen ist kein Job für Amateure
Parker ist ohnehin ein Überlebenskünstler. Das muss er auch sein, denn nach einem langen Leben als Verbrecher hat er es nie dauerhaft zu Geld gebracht. Immer wieder ist er deshalb zu neuen Überfällen gezwungen. Professionalität und Erfahrung sind ihm dabei nur bedingt hilfreich, da er in der Regel mit Komplizen arbeiten muss. Der Mensch ist auch als Gangster chronisch unzuverlässig, das hat Parker lernen müssen. Sein gefangen gesetzter Kumpan aus dem Bankraub singt wie eine Nachtigall, sobald die Polizei ihn am Schlafittchen hat. Der aktuelle Komplize ist sogar noch gefährlicher.
Tom Lindahl ist kein Verbrecher. Er dachte nur, er könne einer sein, nachdem ihm übel mitgespielt wurde. Ausgerechnet Parker führt ihm vor Augen, wie sehr er sich irrte. Ein echter Krimineller ist ein Mensch ohne die Skrupel, die den »normalen« Zeitgenossen im Angesicht gesetzlicher Vorschriften und moralischer Normen erfassen. Parker ist im Vergleich zu Lindahl ein Raubtier, wie diesem bald klar wird. Er hat einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, denn nachdem Parker die Chancen gesehen hat, die ihm Lindahls Partnerschaft beschert, gedenkt er diese keineswegs zu beenden.
Wie Parker auf gesetzestreue Bürger wirkt, demonstriert Stark im ersten Kapitel des dritten Buchteils. Bisher schrieb er aus Parkers Perspektive, nun lässt er Parker durch die Augen eines Mannes beobachten, der ihm in die Quere kam. Diesem Pechvogel und zugleich dem Leser wird klar, dass Parker sowohl ein krimineller Profi als auch ein Killer ohne psychopathische Züge ist: Wenn man sich ihm fügt, wird man überleben.
Natürlich sind auch die Dennison-Brüde Parker nicht wirklich gewachsen. Er kennt solche Männer, die eher dumm und brutal als kriminell sind, nur zu gut. Cal und Cory sind gefährlich aber sie haben keine Ahnung, wie dicht Parkers Hand am versteckten Revolver liegt, wenn er sich mit ihnen auseinandersetzt. Er wird ihn ohne Zögern benutzen, während sie drohendes Gerede und Imponiergehabe vorziehen.
Ein Bösewicht für alle
Wieso liegt ein Mensch, der so emotionsfrei und zweckgerichtet denkt, redet und handelt wie Parker, dem Leser so stark am Herzen? Es mag ein gewisser Neid dahinterstecken, der wiederum in der Sehnsucht wurzelt, wenigstens manchmal so ungerührt außerhalb der Normen zu agieren, die nicht immer nur Stütze, sondern oft Zwang und Bürde sind.
Außerdem gefällt die Professionalität, mit der Parker zu Werke geht. Wer leidet nicht manchmal unter der Knute inkompetenter Vorgesetzter, unter unerquicklichen Kollegen und anderen lästigen Zeitgenossen? Parker führt kein einfaches Leben, doch Kompromisse, die der Durchschnittsmensch im Alltag täglich eingehen muss, sind sein Ding definitiv nicht. Als Krimineller wirkt Parker wie ein Balletttänzer. Leichtfüßig und durchaus elegant bewegt er sich durch seine düstere Welt. Er weiß, was zu tun ist, überrascht mit unerwarteten aber zweckdienlichen Einfällen. In der Krise behält er die Nerven; er hat das alles mehr als einmal erlebt und bewahrt die Ruhe.
Parker ist durch und durch amoralisch. Ein Mörder ist er nicht, auch wenn diverse Leichen seinen Weg säumen. Er will und muss nicht töten aber er tut es, wenn es nötig ist, ohne sich darüber graue Haare wachsen zu lassen; es gehört zum Job. Lindahl fragt ihn, ob dies »Ganovenehre« sei. Parkers Antwort: »Nein, ich meine, ein Profi ist ein Profi.« (S. 254) So einfach ist das für ihn. Kein Wunder, dass es leicht fällt Parker zu lieben …
Michael Drewniok, August 2008
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