Cobra von Richard Preston

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1997 unter dem Titel The Cobra Event, deutsche Ausgabe erstmals 1998 bei Droemer Knaur.

  • New York: Random House, 1997 unter dem Titel The Cobra Event. 404 Seiten.
  • München: Droemer Knaur, 1998. Übersetzt von Michael Schmidt. ISBN: 3-426-19474-0. 432 Seiten.
  • Augsburg: Weltbild, 1999. Übersetzt von Michael Schmidt. ISBN: 3896045180. 432 Seiten.
  • München: Droemer Knaur, 2000. Übersetzt von Michael Schmidt. ISBN: 3-426-61601-7. 432 Seiten.
  • München: Droemer Knaur, 2001. Übersetzt von Michael Schmidt. ISBN: 3-426-61952-0. 432 Seiten.

'Cobra' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

In New York veranlassen zwei mysteriöse Todesfälle die Polizei, die Behörde für Seuchenkontrolle zu alarmieren. Unabhängig voneinander brachen ein junges Mädchen und ein Penner unter fürchterlichen Krämpfen zusammen und starben. Bei der Autopsie des Mädchens werden Veränderungen der Hirnstruktur festgestellt, die auf ein unbekanntes Virus hindeuten. Immer mehr Menschen, die mit den Toten in Kontakt waren, sterben. Eine Sondereinheit des FBI übernimmt die Ermittlungen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Prestons Bioterrorismus ist Realität« 91°Treffer

Krimi-Rezension von Eva Bergschneider

»Cobra« wurde erstmals 1997 veröffentlicht und war der erste fiktive Roman des Journalisten und Naturwissenschaftlers Richard Preston. 1994 hatte Preston das erschütternde, auf Tatsachen beruhende Sachbuch über einen Beinahe-Ausbruch der fürchterlichen Ebola-Virusseuche mit dem Titel »Hot Zone« veröffentlicht. Für dieses und ein 2002 nachfolgendes Werk »Superpox – Tödliche Viren aus den Geheimlabors« wurde das Subgenre »Tatsachen-Thriller« geprägt. Preston berichtet über brisante Vorfälle aus dem Forschungsbereich, die sich wirklich ereignet haben, im Stil eines High-Tech-Thrillers.

Ein gentechnisch veränderter Virus droht, eine Epidemie auszulösen

Als die 17-jährige Schülerin Kate Moran morgens zur Schule geht, glaubt sie, sich lediglich eine Erkältung eingehandelt zu haben. Sie sieht keinen Grund, zuhause zu bleiben. In der Kunststunde verschlimmern sich die Beschwerden allerdings dramatisch. Auf der Toilette bricht sie schließlich, zuckend und sich selbst Lippen und Zunge abbeissend, zusammen. Der herbei eilende Kunstlehrer kann nur hilflos mit ansehen, wie sich das Rückgrat des Mädchens unnatürlich verformt und sie mit schwarzen Blutblasen auf der Mundschleimhaut unter grässlichen Qualen stirbt.
Ein Obdachloser, der nur der Mundharmonika-Spieler genannt wurde, und die Besitzerin eines Trödelladens, Penny Zucker, verstarben ebenfalls unter ungewöhnlichen Umständen, offensichtlich hatten sie ganz ähnliche Symptome erlitten.

Alice Austen, Ärztin bei der amerikanischen Behörde für Seuchenkontrolle (CDC), wird nach New York zum Amt des obersten Leichenbeschauers (OCME) geschickt, um die Leiche der Schülerin zu untersuchen. Bei der Autopsie stellt sie fest, dass das Nervensystem des Mädchens weitestgehend zerstört wurde. Eine nähere Untersuchung der Gewebeproben offenbart weitere außergewöhnliche Befunde: die Augen weisen eine eigenartige ringförmige Verfärbung auf und die Zellen im Bereich der Blutbläschen beinhalten kristalline Objekte. Es kommt bald der Verdacht auf, dass die Toten Opfer eines gezielten terroristischen Aktes sind. Ein Virus, der für gentechnische Arbeiten in Laboratorien auf der ganzen Welt verwendet wird, wurde offenbar zu einer Killermaschine umfunktioniert.

Doch diese drei Fälle sind erst der Anfang. Kates Kunstlehrer erwischt es auf den U-Bahn Gleisen und der Pathologe Glenn Dudley verwandelt sich im Autopsiesaal zu einem Irren. Eine »Hot Zone« Quarantäne-Krankenstation wird auf Governos Island vor New York eingerichtet. Das »Reachdeep-Team«, eine Sondereinheit des FBI, übernimmt die Ermittlungen. Es geht darum, einen wissenschaftlich qualifizierten Täter aufzuspüren, der offensichtlich an einer Virus-Bombe baut, die eine kaum absehbare Zahl an Todesopfern fordern würde. Die Uhr tickt, den es spricht einiges dafür, dass der Gesuchte seine Waffe in Kürze für ein größeres Attentat einsetzen wird.

Blutrausch und Bioreaktoren

Blutriefende Szenen umgeben von Schleim und Gestank, bleiben dem Leser in »Cobra« nicht erspart. Alle Details über die entsetzlichen Krankheitssymptome, sowie die Untersuchungen in Autopsiesaal und Labor, werden unverhohlen beschrieben. Genau so hält es der Autor auch mit den wissenschaftlichen und politischen Hintergründen dieser Geschichte. Dem Autor ist eine außergewöhnlich wahrhaftige und detaillierte Darstellung der Fakten gelungen. Es ist nicht zu übersehen, dass hier ein Experte am Werk war, denn es stimmen wirklich viele Einzelheiten exakt mit tatsächlich angewendeten Labor- Methoden und den biologischen Grundlagen überein. Aus dramaturgischen Gründen hat der Autor, was die technischen Möglichkeiten der Biosensorik angeht, ein wenig in die Zukunft gesehen, was er allerdings im Vorwort auch anmerkt.

Die Schwarze Biologie wird zu einer strategischen Waffe

Darüber hinaus bietet der Thriller sehr umfangreiche Informationen über den internationalen Verbreitungsgrad der Entwicklung biologischer Kampfstoffe. Der Autor beschreibt, wie UNO-Waffeninspekteure, Labore für Bio-Kampfstoffe ausfindig machen und in wieweit westliche Konzerne in diese Geschäfte involviert sind. Der Leser erfährt, wie entsprechende Sicherheitslabore in Russland aufgebaut wurden und wie ein fataler Unfall mit Antrax knapp hundert Anwohner in Swerdlowsk das Leben kostete. Preston beleuchtet chronologisch Aufbau und Historie der Entwicklung biologischer Waffen und schließt in seine kritische Auseinandersetzung auch die USA mit ein.
Die politischen Hintergründe sind für das Verständnis der Geschichte wichtig und hochinteressant, wurden aber zum Teil zu ausführlich beschrieben, denn sie unterbrechen nachhaltig den Fortgang der Geschichte und stören den Lesefluss.

Jäger und Gejagte

Obwohl Preston in seinem Roman »Cobra« Entwicklung und Potenzial biologischer Kampfstoffe in den Mittelpunkt stellt, ist es ihm durchaus gelungen, das Thema in eine packende Story mit einigen lebendig gezeichneten Charakteren einzubinden.

Der Leser erlebt, wie ein Team aus Wissenschaftlern, Laborangestellten und Ermittlern einen Wahnsinnigen jagen, der die Macht und den Willen hat, ein Massensterben unter der amerikanischen Bevölkerung anzurichten. Es treffen ganz unterschiedliche, einige sehr eigenwillige und interessante Persönlichkeiten aufeinander, die sich zu einem Team zusammen raufen müssen.Der Leser wird darüber hinaus sehr eingängig mit den Gedanken und der Psyche des wahnsinnigen Täters vertraut gemacht. Der Spannungsbogen dieses Thrillers ist nahezu perfekt konstruiert, denn die Geschichte ist von Beginn an unglaublich spannend und spektakulär. Der Leser erlebt einen Nerven aufreibenden Count-Down aus Stress, Zeitdruck und Verzweiflung, bis sich die Lösung schließlich abzeichnet und die Story in einem furiosem Finale endet. Die Handlung wirkt an jeder Stelle gut durchdacht und plausibel, darüber hinaus passt sie genau zum diesem wissenschaftlich und politisch hochbrisantem Thema.

Realer Horror-Cocktail

»Cobra« ist sehr viel mehr, als ein spannender, furchteinflößender Thriller. Obwohl es an albtraumhaften Szenen nicht mangelt, liegt der grösste Horror doch in der bestechenden Authentizität des Thrillers begründet. Neben den verstörenden Bildern behält der Leser vor allem die Befürchtung im Hinterkopf, dass dieser Overkill des Schreckens bereits Realität sein könnte.

»Cobra« zeigt allzu deutlich, dass allein die Idee der biologischen Kriegsführung und die dramatische Anzahl der politischen Falschaussagen zu diesem Thema Grund genug sind, sich ernsthafte Sorgen zu machen.

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Dersensenmann1 zu »Richard Preston: Cobra« 06.02.2014
Wie in den vorherigen Kommentaren geschrieben, ist die Story an sich spannend geschrieben. Teilweise auch echt eklig. Allerdings hat der Thriller auch einige Längen. Der wissenschaftliche Hintergrund wird auf mehreren Seiten ausführlich beschrieben. Diese Zwischenberichte stören aus meiner Sicht den Spannungsbogen der Geschichte unnötig.
Nikki zu »Richard Preston: Cobra« 22.08.2012
Das war ein sehr spannendes Buch. Eine fieberhafte Jagd nach einem Virus und einem Mörder. Die Beschreibungen zum Lesch-Nyhan-Syndrom bzw. was mit einem Menschen passiert, der das Virus "Cobra" hat, waren sehr schockierend. Beim Lesen musste ich schon mal innehalten. Zum fiktiven Roman gibt es noch einige Informationen aus der realen Welt der schwarzen Biologie.

Sehr realistisch und packend geschrieben!
Marius Kettmann zu »Richard Preston: Cobra« 15.01.2007
Richard Preston fasziniert mal wieder mit einem Buch. Zwar erlangte er erstmals mein Interesse als er in "Das erste licht" über Astronomen schrieb und auch "Steel Mill" und "Das Boot der Träume" sind ansprechende Bücher, aber seine Trilogie über, wie er es nennt, die dunkle Seite der Biologie, nämlich "The Hot Zone", "Cobra" und "Superpox", ist der, wie ich es nennen würde, wahre Preston.

Ich habe (trotz anstrengender und umfangreicher Arbeit), in einem Monat alle 3 Bücher verschlungen.

Preston schafft es, mit "Cobra", die Gefahren und vor allem das Gefahrenpotential beim Namen zu nennen und zu spezifizieren, was er in "Hot Zone" und "Superpox" nicht konnte, da er dort nicht mutmaßt, sondern ein Sachbuch schreibt.

"Cobra" ist teilweise sehr erschreckend (und mit unter etwas ecklig).

Ich bin wie immer begeistert von Preston und freue mich schon auf sein nächstes Werk.

Wer immer Interesse an Bioforschung und den Risiken der modernen Virologie hat, sollte dieses Buch kaufen. Ich habe noch niemanden erlebt, den die Trilogie, nicht gefallen hätte.

Mit herzlichen Grüßen

Marius Kettmann
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Anja S. zu »Richard Preston: Cobra« 09.10.2006
Ein beklemmend realistischer Thriller, sehr spannend, mit klugen wissenschaftlichen Einschueben (kein bisschen langweilig), gut zu lesen. Ein Klassebuch!!!
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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