Blutige Ernte von Richard Kunzmann

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 unter dem Titel Bloody Harvests, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Knaur.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 1 der Harry-Mason-Serie.

  • London: Macmillan, 2004 unter dem Titel Bloody Harvests. 402 Seiten.
  • München: Knaur, 2009. Übersetzt von Silvia Visintini. ISBN: 978-3-426-50463-5. 507 Seiten.

'Blutige Ernte' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

In Johannesburg wird eine Mädchenleiche gefunden, ohne Organe und Blut, daneben ein Fetisch. Detective Harry Mason glaubt an die Tat eines Serienkillers. Jacob Tshabalala hingegen, sein Partner, sieht einen bösen Zauber am Werk und hat Angst, die Ermittlungen weiterzuführen. Daran droht ihre Freundschaft zu zerbrechen. Da bringt ein weiterer Ritualmord Bewegung in den rätselhaften Fall.

Das meint Krimi-Couch.de: »Eindrückliches, aber ausbaufähiges Debüt« 80°

Krimi-Rezension von Jochen König

Blutige Ernte ist der erste Teil der Harry Mason-Trilogie. Auf Englisch sind die beiden Folgebände bereits erschienen, hierzulande müssen wir noch mit dem Debüt Richard Kunzmanns vorlieb nehmen.

Das ein düsteres Bild vom Leben in Südafrika, speziell in Johannesburg, zeichnet. Noch bevor Harry Mason und sein Partner Jacob Tshabalala die Szenerie betreten, werden Menschen geköpft, auf offener Straße erschossen und ein mitleidloser Gangsterboss und Hexer versucht seine Schäfchen wenig zimperlich ins Trockene zu bringen. Religion, Magie möglicherweise, spielt eine große Rolle im südafrikanischen Alltag. Und kann in der Hand von skrupellosen Männern und Frauen zu einer mächtigen Waffe werden.

Das wird Mason und Tshabalala fast umgehend klar, als sie die verweste und ausgeweidete Leiche eines kleinen Mädchens in einem ausgetrockneten Flussbett finden.

 Zu Tode gefoltert und entsorgt wie Abfall, aber mit magischen Ingredienzien versehen, die Gläubige beunruhigen und Ungläubige um den Schlaf bringen. Harry Mason ist einer jener Ungläubigen, die durch die Begegnung mit dem Tod dieses Kindes und einer Religion, die sie weder akzeptieren noch verstehen, auf die eigene traumatisierte Vergangenheit und bedrohte Gegenwart zurück geworfen werden. Denn Mason hat eine Tochter, etwa im Alter des getöteten Mädchens. Was die Ermittlung für ihn zur persönlichen Angelegenheit werden lässt. Gleichzeitig wird er gepeinigt von den Dämonen seiner Kindheit. Womit es ihm nicht anders geht als seinem Partner Jacob. Doch obwohl sie bereits mehrere Jahre zusammen arbeiten, müssen sie erst lernen miteinander zu kommunizieren. Als das gelingt, stoßen sie bald auf einen Mann ohne Namen, der nur der »Albino« genannt wird, und sowohl perfider Gangsterboss, wie Hohepriester seiner zerstörerischen Religion ist. Angesichts einer schief gelaufenen Heroin-Transaktion wird er zum charismatischen Berserker und findet genug willige Helfer, die ihm bei der blutigen Rettung seines Imperiums helfen. So werden nicht nur die Ermittlungen konkret behindert, sondern auch das private Umfeld der Polizisten gerät in große Gefahr.

 Richard Kunzmann hat viel in sein Debüt hinein gepackt. Mitunter zu viel. Eine Vielzahl von handelnden Personen, Wege, die sich kreuzen, wieder auseinander laufen, Träume, blitzlichtartige Reisen in die Vergangenheit, kultureller Kampf und Missverständnisse, latenter und offener Rassismus – Kunzmann Blick auf das Leben in Südafrika ist kein freundlicher. Er sucht und findet das Grauen im Alltäglichen, zeigt die Hoffnung und vor allem den Schrecken auf, der in der Kraft religiöser Weltanschauung und Ausübung liegt. Doch auch, wenn der Hauptaugenmerk auf den Auswüchsen des heimischen religiösen Fanatismus liegt, bietet sich Katholizismus nicht als Alternative an. Wie so oft geht es um Verstehen und Akzeptanz: erst indem man sein Gegenüber und Miteinander als gleichberechtigt wahrnimmt und auch so behandelt, hat man die Chance, etwas gegen eine alles durchdringende Infiltration des Negativen – sei es schwarze Magie oder schlichte (Gewalt)kriminalität – ausrichten zu können. Eine bittere Lektion, wie der weiße Harry Mason im Laufe des Romans erfahren muss.

 Dabei gelingen Kunzmann, oft im Beiläufigen, eindrucksvolle Szenen, die in ihrem überbordenden Wahnsinn mitten im Alltäglichen stehen. Seien es ein Gespräch Harrys mit einer Inspektorin der »Abteilung Kinderschutz«, die Odyssee der engagierten, aber unbedarften englischen Journalistin Nina durch ein labyrinthisches und bedrohliches Johannesburg, oder der bleihaltige Showdown in einem Komplex, in dem sich fokussiert, was schief läuft (nicht nur in Südafrika).

 Leider besitzt Blutige Ernte auch unübersehbare Schwächen, neben dem hohen Personalstand, der das Fortschreiten der Geschichte eher behindert als bereichert. Da ist zum einen das Pärchen Harry und Jacob, das wie die afrikanische Antwort auf Mel Gibson und Danny Glover wirkt. Zwar mit genügend Eigenheiten, um das Interesse aufrecht zu erhalten und nicht gänzlich zum Buddy-Klischee zu verkommen. Für die Folgebände muss sich aber einiges tun, um nicht in altbekannter Langeweile zu erstarren. Gravierender schlägt indes Amy, die genervte und nervende Ehefrau Masons, zu Buche. Stammt sie doch aus dem kleinen literarischen Katalog für die konfektionierte Gestaltung einer Polizistenfrau. Natürlich ist sie verstört vom gewalthaltigen Beruf ihres Gatten, von seiner Schweigsamkeit, dem einsamen Kampf mit seinen verschütteten und mit plötzlicher Wucht ausbrechenden Ängsten.

Glücklicherweise sind die gemeinsamen Szenen nicht allzu häufig – in denen Harry Mason desgleichen die wandelnde Plattitüde gibt. Außerdem scheint Kunzmann geahnt zu haben, dass er sich in eine künstlerische Sackgasse begibt und sorgt für ein wohlüberlegtes Finale.

 Insgesamt bleibt Blutige Ernte mit seiner Verquickung von Religion, Verbrechen, Politik und kluger Alltagsbeobachtung ein lesenswertes Debüt. Mit herzlichen Wünschen zur Steigerung für den Folgeroman.

Ob die Johannesburger Abteilung des südafrikanischen Tourismus-Verbandes hingegen glücklich mit dem Roman wird, darf bezweifelt werden.

Jochen König, Januar 2010

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tassieteufel zu »Richard Kunzmann: Blutige Ernte« 16.02.2010
Detective Harry Mason u. sein Partner Jacob Tshabalala werden in Johannesburg zur grausam verstümmelten Leiche eines kleinen Mädchens gerufen. Die entnommenen Organe und der Fund
eines blutigen Fetischs deuten auf einen Ritualmord hin, Zeugen gibt es bis auf einen alten Mann keine und der scheint panische Angst vor dem bösen Zauber zu haben, der hinter der ganzen Sache steht.

Das Bild das sich vom Alltag in Südafrika vor dem Leser ausbreitet ist ziemlich erschreckend, trotz des Endes der Apartheit, ist Rassenhass noch immer allgegenwärtig, viele Farbige leben
in schmutzigen, heruntergekommenen Elendsvierteln und sind ohne Arbeit, das ist ein idealer Nährboden für Gewalt, Drogenhandel und organisiertes Verbrechen und der Aberglaube an Hexen, Zauberer und Rituale blüht und gedeiht. Gerade wenn es um Rituale mit Menschenopfern geht, ist das nicht gerade leichte Kost und beim Lesen hatte ich mehrmals doch eine Gänsehaut.
Neben den Mordermittlungen von Mason und Tshabalala gibt es allerdings noch diverse andere Handlungsstränge, die es dem Leser nicht unbedingt leicht machen, bei der Stange zu bleiben. Mason und Tshabalala schleppen beide traumatische Kindheitserinnerungen mit sich herum, die
immer mal wieder als Rückblenden eingeschoben werden und dann sind da noch diverse andere polizeiliche Ermittlungen im Drogenmilieu, und Nina Reading, eine britische Journalistin
die Nachforschungen über Kinderhandel anstellt. Zwar werden am Ende alle Handlungsfäden ganz gekonnt miteinander verknüpft und auch Mason und Tshabalala bringen am Ende viel mehr Verständnis für den Kulturkreis des anderen auf und werden tatsächlich Freunde, doch bis es
so weit ist braucht man eben ein wenig Durchhaltevermögen und muß darüber hinwegsehen, das immer wenn es richtig spannend wird, die Geschichte den Handlungsstrang wechselt.
Die Charaktere sind auch nicht immer ganz gelungen,Masons Frau Amy ist recht nervig, obwohl ja klar ist, das ein Polizist seine Dienstgeheimnisse wahren muß, will sie immer alles ganz genau wissen und auch Mason und Tshabalala blieben über weite Strecken etwas farblos, das änderte
sich erst zum Schluß hin, der dann allerdings sehr spannend ist und auch genügend Spielraum für eine Fortsetzung läßt.

Fazit: durch zu viele Handlungsstränge die am Ende zwar gekonnt verflochten werden, wird es nur am Schluß richtig spannend und man muß Duchhaltevermögen zeigen, sicher keine Reiseempfehlung, aber duchaus lesenswert
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