Herzlich willkommen beim Krimi-Couch-Blog

"Blog", das steht in aller Kürze für Web-Log und ist eine Art Internet-Tagebuch, in dem man kurz auflistet, über was man so alles im Web gestolpert ist oder was sonst beschäftigt.


Hier im Blog der Krimi-Couch geht es natürlich vor allem um Krimis, um News & Nonsense, Ansichten und Einsichten. Hier sind wir gnadenlos subjektiv und entsprechend meinungsfreudig. Und hoffentlich auch entsprechend unterhaltsam. Viel Spaß!

Rezensionen und ihre Verhältnismäßigkeit

Ja, das Thema ist nicht neu. Wie objektiv müssen Rezensionen sein, wie objektiv können sie überhaupt sein? Auch zu den Besprechungen von uns auf der Krimi-Couch ernten wir beileibe nicht nur Zustimmung. So schlecht wie ich persönlich fanden viele den neuen Hannibal Rising von Thomas Harris ganz und gar nicht. Oder andersherum: Es gibt sicherlich nicht wenige Leser, die einem 1977 von David Peace (Volltreffer Märu) wenig abgewinnen konnten. »Wie kommt´s dazu?«, fragen sich nicht nur Sie sondern wir uns genau so. Aber: Wir sind nicht die einzigen, wie bei David J. Montgomery in »Crime Fiction Dossiers« nachzulesen ist.

Mr. Montgomery, für die Chicago Sun-Times oder den Boston-Globe arbeitender Journalist, schreibt dort:

Da ich ein einigermaßen prominenter Krimi-Rezensent bin, sind die Verlage recht eifrig, mir ihre Bücher zu schicken. Ich bekomme Stapel über Stapel, um die 50 Bücher pro Woche. [...] Ein Großteil davon ist nicht wirklich gut. Ich bin sicher, dass der ein oder andere diese Bücher mögen wird, aber aus irgendeinem Grund sind sie nicht mein Geschmack. Dies führt für mich – und für jeden anderen Rezensenten – zur wenig beneidenswerten Situation, sich durch einen Stapel von Müll zu arbeiten, in der Hoffnung, etwas Lesenswertes und hoffentlich auch Besprechenswertes zu finden. Nach einer Weile summieren sich diese enttäuschenden Bücher auf. Es kann entmutigend werden.

Ganz so negativ wie Mr. Montgomery möchte ich es nicht betrachten. Der »Schund« hält sich erfreulicherweise in Grenzen. Aber was auch für uns zutrifft: Es gibt eine enorme Masse an Mittelmaß. »Nett« ist das meiste zu lesen – aber es haut einen weder von der Story noch von der Schreibe her vom Hocker. Und diese Mittelmäßigkeit ist vielleicht nicht »entmutigend«, aber gelegentlich doch ermüdend. Klar: Wir dürfen gar nicht erst aufs hohe Ross aufsteigen, sondern müssen genau hinschauen, was eigentlich – wenn man nicht wöchentlich neue Krimis zugeschickt bekommt – doch recht interessant ist.

Irgendwann ist schließlich das Buch dabei. Das, was einen schon auf den ersten Seiten packt. Wo die Story zieht, die Charaktere direkt greifbar sind, der Schreibstil beeindruckt. Und man gerne über kleine Schwächen hinwegsieht, allein schon aus dem Grund, etwas in der Hand gehabt zu haben, was aus dem Mittelmaß herausragt. Mr. Montgomery schreibt weiter:

»Heureka!«, ruft er [der Rezensent] aus und legt los, eine begeisterte Besprechung zu schreiben. Nach der Lektüre von so vielen Büchern, die nicht frisch oder interessant oder gut geschrieben waren, wenn der Rezensent dann eines findet, das eben genau das doch ist, erscheint das Buch im Vergleich viel besser.

Genau. Das ist die Krux dabei. Viele Bücher sind einigermaßen gut, einige sehr gut, einige richtig schlecht und wenige wirklich herausragend. Wenn letztere fehlen, erstrahlen die gut bis sehr guten Krimis in einem helleren Licht, als ihnen vielleicht zustünde. Trotzdem – und da kehren wir zu den Volltreffern zurück – überragen sie den Rest, den wir in einem Monat besprochen haben, immer noch deutlich. Nicht immer zu hundert Prozent und sicherlich oft diskutabel. Es nicht nicht alles Gold, was glänzt. Aber dennoch wertvoller als so manche Legierung, die uns Lesern als Edelmetall verkauft wird.

lft, 11.01.2007

Seiten-Funktionen: