Schwarzer Lavendel von Remy Eyssen

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2016 bei Ullstein.
Folge 2 der Leon-Ritter-Serie.

  • Berlin: Ullstein, 2016. ISBN: 978-3-548-28701-0. 464 Seiten.

'Schwarzer Lavendel' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

In der Provence ticken die Uhren anders. Daran gewöhnt sich der deutsche Rechtsmediziner Dr. Leon Ritter nur langsam. Dabei beginnt rund um das Städtchen Le Lavandou gerade die Weinlese und zu seiner eigenen Überraschung wird Ritter selbst Besitzer eines kleinen Weinbergs. Aber die Freude darüber währt nur kurz, denn statt edler Reben wird auf dem Grundstück eine mumifizierte Frauenleiche entdeckt. Der detailversessene Ritter erkennt schnell: Die Tote wurde professionell einbalsamiert. Als eine weitere junge Frau als vermisst gemeldet wird, findet Ritter heraus, dass beide Frauen für die Weinernte in die Provence kamen. Macht jemand Jagd auf die jungen Frauen? Um Antworten auf seine Fragen zu bekommen, muss Leon erst weit in die Vergangenheit zurückgehen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Formalin und Rotwein in der Provence« 80°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Rechtsmediziner Dr. Leon Ritter aus Frankfurt hat in Frankreich eine neue Aufgabe und ein neues Zuhause gefunden. Nach dem Tode seiner Frau hielt es den Deutsch-Franzosen nicht mehr im Heimatland seines Vaters, und er nahm ein Angebot aus der Provence an. Von seiner Tante Odette bekommt er überraschend einen Weinberg mit Wohnhaus geschenkt, aber bei der Besichtigung des Anwesens findet er mit seiner Vermieterin Isabelle Morelle – der stellvertretenden Polizeichefin seines Wohnorts Le Lavandou – und deren Tochter Lilou eine mumifizierte Frauenleiche. Zeitgleich hat die deutsche Touristin Anna Winter ihre eineiige Zwillingsschwester Susan als vermisst gemeldet. Die jungen Frauen wollten bei der Weinlese in der Provence mitarbeiten. Anna ist später angereist, und nun ist Susan offenbar spurlos verschwunden.

Der vollkommen mumifizierte Zustand der Leiche aus dem Weinberg fasziniert den deutschen Rechtsmediziner, und mit wissenschaftlicher Neugier startet er eigene Recherchen. Als im Körper der Toten Formalin nachgewiesen wird, ist klar, dass es sich um einen Mord handelt. Die Ermittlungen führen in Le Lavandou zu einigem Aufruhr, und bis zur Lösung des verzwickten Falls müssen von Ritter und Morelle noch zahlreiche Rätsel geknackt werden.

Rasante Erzählweise spricht für eine Verfilmung des Romans

Die nach Tödlicher Lavendel bereits zweite Geschichte um den deutsch-französischen Rechtsmediziner Dr. Leon Ritter beginnt nur scheinbar beschaulich, gewinnt dann aber schnell an Dynamik. Was kein Wunder ist, denn Remy Eyssen hat bereits Drehbücher für etliche Fernsehfilme geschrieben. Die beruflichen Erfahrungen schlagen sich im Aufbau dieses Kriminalromans nieder, was aber in meinen Augen durchaus positiv ist.

Eyssen schreibt extrem kurze Kapitel, arbeitet dabei ständig mit schnellen Orts- und Perspektivwechseln, und führt früh auch die anonyme Tätersicht ein. Möglicherweise ist diese Art des Erzählens bereits im Hinblick auf eine geplante Verfilmung erfolgt, die man sich angesichts der vielfältigen Charaktere in einer bezaubernden Landschaft gut vorstellen kann.

Geschichte wird vom Lebensrhythmus der Süd-Franzosen beeinflusst

Die Flora der Provence wird von Remy Eyssen glücklicherweise ebenso beiläufig wie anschaulich geschildert. Das Lokalkolorit ist da, bleibt aber angenehmerweise im Hintergrund – trotz aller blumigen Schilderungen. Allerdings wird der Fortgang der Ermittlungen und der ganzen Geschichte natürlich vom speziellen Lebensrhythmus der Süd-Franzosen beeinflusst – und der gute Dr. Ritter stößt da zuweilen an seine Grenzen. Da er aber durch einige Jahre Studium in Frankreich und den Einfluss seiner Mutter durchaus mit dem Laissez-faire der Franzosen vertraut ist, bereitet ihm das eher wenig Schwierigkeiten. Bis dann seine deutsche Sturheit durchkommt, und er sich geradezu in die komplizierten Ermittlungen verbeißt. Ritter ist auch deshalb ein angenehmer Ermittler, weil er ohne polizeiliche Kompetenzen dennoch mit seinen zielstrebigen Recherchen voran kommt, indem er seine Möglichkeiten als Mediziner und Wissenschaftler voll ausschöpft.

Kurzweilige und spannende Geschichte fesselt den Leser

Isabell Morelle und Leon Ritter landen irgendwann zusammen im Bett – da konnte der Autor offenbar nicht wiederstehen, und hat die sich abzeichnende Konstellation genutzt, um anschließend neue Nuancen in die Ermittlungsarbeit zu bringen. Abgesehen von den beiden Turteltäubchen, die auch berufliche harmonieren und die Aufklärung der Rätsel um die mumifizierten Leichen – denn davon tauchen noch weitere auf – kräftig voran bringen, präsentiert Eyssen auch einige interessante Neben-Figuren. Das reicht vom arroganten Gemeinderatsmitglied bis zum schmierigen Schlachter, der jungen Touristinnen nachstellt.

Der Roman wirkt ausgezeichnet recherchiert, die Dialoge sind authentisch, und beim schmückenden Beiwerk hat sich der Autor angenehm zurück gehalten. Motiv und Vorgehensweise des Mörders werden lange unter dem Deckel gehalten, und zuvor legt Eyssen etliche falsche Fährten. Ein kurzweiliger und spannender Roman, dessen interessanter Plot den Leser zu fesseln vermag.

Andreas Kurth, Juli 2016

Ihre Meinung zu »Remy Eyssen: Schwarzer Lavendel«

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Maria Koke zu »Remy Eyssen: Schwarzer Lavendel« 02.07.2017
Ich hatte viel Spass beim Lesen, war überhaupt nicht langweilig. Südfrankreich ist auch ein Region, den ich mag. Die Handlungen entwickeln sich rasch, so das man schnell immer mehr Appetit auf das Buch bekommt. Leider ist es selten dass man auf solche spannende Bücher stösst, es selten mehr davon sein.
Buecherwurm101 zu »Remy Eyssen: Schwarzer Lavendel« 05.06.2016
Bei diesem sehr spannenden Krimi, der in der Provence spielt, wird zwar der erste Band kurz angerissen, dennoch hätte ich Band 1 gerne vorher gelesen. Dennoch kam ich mit Band 2 gut klar.



Die Arbeit des deutschen Rechtsmediziners Dr. L. Ritter führt ihn in die Provence wo er sich zunehmend wohler fühlt. Er wird von seiner Tante zum Eigentümer eines kleinen Weingutes gemacht, das bereits lange leer steht. Er wird nicht nur Eigentümer des Weingutes sondern „erbt“ somit auch nebenbei noch eine mumifizierte Leiche. Kurz darauf verschwindet eine Studentin und als Rechtsmediziner wittert H. Dr. L. Ritter gleich einen Zusammenhang. Die französischen Kollegen haben ihren eigenen Ermittlerstil und gepaart mit seinem eigenen Stil wird aus seiner Arbeit ein feinfühliges jedoch sehr akribisches Aufklären des Falles.

Isabelle nebst Tochter Lilou mit ihrer erfrischenen Art machen diesen Krimi locker und geben ihm durch die teils ironisch-witzigen Auseinandersetzungen eine lebendige Note.



Das Buch ist so spannend und flüssig zu lesen, ich konnte fast nicht aufhören. Musste unbedingt wissen, wie sich alles auflöst.



Das Cover passt meines Erachtens nicht ganz zum Buch. Obwohl der Lavendel ja für die Provence steht. Die Schwarzfärbung im Hintergrund und der finstere Himmel deuten allerdings auf etwas Düsteres hin.



Beim nächsten Band bin ich auf alle Fälle wieder am Start.
wampy zu »Remy Eyssen: Schwarzer Lavendel« 12.05.2016
Buchmeinung zu Remy Eyssen – Schwarzer Lavendel

„Schwarzer Lavendel“ ist ein Kriminalroman von Remy Eyssen, der 2016 bei Ullstein erschienen ist. Dies ist der zweite Fall für den deutschen Rechtsmediziner Dr. Leon Ritter, der nun in der Provence arbeitet und im kleinen Städtchen Le Lavandou wohnt. Der Autor ist gelernter Journalist und hat über 100 Drehbücher im Genre Krimi und Thriller für verschiedene Fernsehanstalten verfasst.

Klappentext:

In der Provence ticken die Uhren anders. Daran gewöhnt sich der deutsche Rechtsmediziner Dr. Leon Ritter nur langsam. Dabei beginnt rund um das Städtchen Le Lavandou gerade die Weinlese und zu seiner eigenen Überraschung wird Ritter selbst Besitzer eines kleinen Weinbergs. Aber die Freude darüber währt nur kurz, denn statt edler Reben wird auf dem Grundstück eine mumifizierte Frauenleiche entdeckt. Der detailversessene Ritter erkennt schnell: Die Tote wurde professionell einbalsamiert. Als eine weitere junge Frau als vermisst gemeldet wird, findet Ritter heraus, dass beide Frauen für die Weinernte in die Provence kamen. Macht jemand Jagd auf junge Erntehelferinnen?
Meine Meinung:
84 Kapitel und ein Prolog umfasst das Buch auf 459 Seiten. Daran und an den vielen Perspektivwechseln erkennt man den Drehbuchautor. Die meisten Figuren sind knapp und ein wenig stereotyp gezeichnet. Einzig den Hauptfiguren Dr. Ritter, die stellvertretende Polizeichefin des Ortes und ihre pubertierende Tochter Lilou sind intensiver gezeichnet, aber auch hier gibt es eigentlich keine Ecken und Kanten. Alle drei sind furchtbar sympathisch und man kann nicht anders, als sie zu mögen. Man betrachtet die Geschichte aber auch aus der Perspektive des Täters und der des Opfers. Dies nutzt der Autor, um die Geschichte voran zu treiben und die Spannung zu erhöhen, aber auch um sie stellenweise etwas zurückzufahren. In diesen Abschnitten werden zum Beispiel Behördengänge im Nachbarort humorvoll eingebunden. Auch die fortschreitende Integration Leons in die dörfliche Gemeinschaft wird in solchen Einschüben beschrieben. Und natürlich ist Leon ein Womanizer, was sich bei seinen Ermittlungen als hilfreich erweist. Die meisten Polizisten agieren etwas beschränkt und die Sprache ist recht einfach. Bei der Vielzahl an Kritikpunkten dürfte mir das Buch nicht sonderlich gefallen haben, aber ich fand es wunderbar. Remy Eyssen hat eine Mischung gefunden, die mich begeistert hat. Leon Ritter ist ein Mensch, der gefällt und der vieles hat, was man auch haben möchte. Dazu eine Landschaft, wie man sie sich wünscht, eine kleine Liebesgeschichte und so nebenbei ein paar Informationen zum Weinbau und zur Mumizifierung. Auch die Spannung ist gegeben und es gibt ein paar unangenehme Figuren, aber auch jede Menge nette und freundliche Personen, mit denen Leon agiert. Die Beschreibung der pubertierenden Tochter seiner Vermieterin ist wunderbar gelungen. Man spürt das Leben, das in dieser Figur steckt.
Fazit:
Dieses Buch bietet einige Ansatzpunkte zur Kritik, aber dem Autor ist eine herausragende Mischung gelungen. Dazu verzichtet er auch auf unnötige Gewaltdarstellungen und sinnlose Verfolgungsjagden. Ich habe das Buch in zwei Tagen verschlungen und war einfach nur begeistert. Ich vergebe 95 von 100 Punkten und eine uneingeschränkte Leseempfehlung.
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