Die Launen des Todes von Reginald Hill

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2002 unter dem Titel Death's Jest-book, deutsche Ausgabe erstmals 2005 bei Droemer Knaur.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 21 der Dalziel-&-Pascoe-Serie.

  • London: HarperCollins, 2002 unter dem Titel Death's Jest-book. 558 Seiten.
  • München: Droemer Knaur, 2005. Übersetzt von Karl-Heinz Ebnet. ISBN: 3-426-19623-9. 656 Seiten.
  • München: Knaur, 2006. Übersetzt von Karl-Heinz Ebnet. ISBN: 978-3-426-63351-9. 781 Seiten.

'Die Launen des Todes' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch E-Book

In Kürze:

Der Tod ist ein Possenspieler. Er trifft seine Wahl, wie es ihm beliebt, und verschont weder die Guten noch die Gerechten. So jedenfalls scheint es Chief Inspector Peter Pascoe. Vor Jahren hat er Franny Roote wegen Mordes hinter Gitter gebracht, doch jetzt ist der notorische Kriminelle frei und traktiert ihn mit Briefen, in denen er verschlüsselt neue Morde gesteht. Nur lassen sich ihm die Taten nicht nachweisen, obwohl Pascoe den Eindruck hat, als wären sie alle dem Schauerroman eines mysteriösen viktorianischen Dichters entlehnt. Und Roote hätte ein Motiv, sich eines solchen Kunstgriffs zu bedienen, schreibt er doch gerade an einer Arbeit über das Thema der Rache im englischen Drama. Pascoes Vermutung wird zur fixen Idee, so dass Detective Superintendent Andy Dalziel sich schon über diese Obsession lustig macht. Doch Rootes Briefe häufen sich, und zwischen den Zeilen liest Pascoe Drohungen gegen seine Familie heraus …

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Leckerbissen erster Klasse« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Franny Roote wird aus dem Knast entlassen, wohin ihn Detective Inspector Peter Pascoe wegen Mordes gebracht hat. Roote hat die Zeit gut genützt und ein Literaturstudium mit Erfolg absolviert. Jetzt kümmert er sich um den literarischen Nachlass des viktorianischen Poeten Thomas Lovell Beddoes, um den sich einige Geheimnisse zu ranken scheinen. Dazu reist er an die Orte, an denen der englische Dichter seine Stücke schrieb.

Unterwegs schickt er DI Pascoe laufend Briefe, in denen er aus seiner Zeit im Gefängnis und von seinen gegenwärtigen Unternehmungen berichtet. Peter Pascoe ist reichlich irritiert. Offensichtlich hat Franny Roote ihn als Vertrauensperson erwählt, ohne dass der Inspector dabei ein Wörtchen mitzureden hat. Pascoe misstraut dem hochintelligenten Mr. Roote, denn dieser versteht es gekonnt, alle Leute für seine Zwecke einzuspannen. Irgendetwas steckt hinter Rootes Taktik und Pascoe vermutet einen gezielten Racheakt gegen sich und seine Familie.

Über allem thront der schwergewichte Chief Andy Dalziel

Dieweil verliebt sich der junge Detective Constable Hat Bowler in eine junge Bibliothekarin, die anscheinend auch nicht ganz astrein ist. Der schwule Sergeant Wield bekommt Kontakt zu einem jungen Stricher, der ihn mit Informationen versorgt. Und über all dem thront der schwergewichtige Detective Chief Inspector Andy Dalziel, der alles hört, alles sieht, alles weiß und in seiner unmöglichen Art die Fäden der Kriminalistik in der Hand hält. Denn das Verbrechen schläft nicht und das eigenartige Team der britischen Ermittler wittert einen großen Fall.

Reginald Hill, Jahrgang 1936, ist laut »The Independent« der gegenwärtig beste Krimi-Autor der englischsprachigen Welt. Das mag vielleicht ein wenig übertrieben sein. Aber mit Sicherheit ist Reginald Hill der wortgewaltigste Schreiber unter den aktuellen Neuerscheinungen. Der Durchschnittsleser benötigt zur Bewältigung der 653 Seiten in jedem Fall ein sehr gutes Fremdwortlexikon und eine humanistische Vorbildung zur Erfassung der unzähligen Verweise darf dem Genießer dieses Werkes ans Herz gelegt werden.

Hill zelebriert einen verschnörkelten, altmodischen Stil – bis auf die Dialoge

Hill zelebriert über einen Großteil des Textes einen verschnörkelten, altmodischen Schreibstil, den er nur während der Dialoge unterbricht, um sich auch deftiger Wortfetzen zu bedienen, die den Lesestoff gekonnt auflockern. Das ist bei dieser Art Lektüre aber auch unbedingt nötig, denn sonst könnte der eine oder andere Leser auf die Idee kommen, die ersten vierhundert Seiten als langweilig zu empfinden, weil man mit Action nicht gerade verwöhnt wird.

Reginald Hill hat hier einen wahren Rätselkrimi geschaffen, bei dem der Leser tatsächlich bis kurz vor dem Ende nicht weiß, worum es eigentlich wirklich geht. Auf den letzten fünfzig Seiten dreht der Autor aber ordentlich auf und man hätte sich gewünscht, dass auch der Rest des Buches in ähnlich fulminantem Stil formuliert worden wäre. Hill zieht es aber vor, den Leser mit den unterschiedlichsten Handlungssträngen laufend in die Irre zu führen und man ahnt des Öfteren, in welche Richtung sich die Handlung bewegt, aber Hill schlägt ziemlich unerwartete Haken bis er zum Showdown bläst und dies kann er auch mit typisch britischem, schwarzem Humor.

Ein meisterlicher Kunstkrimi!?

Kann man dieses Buch nun empfehlen? Ein klares Jein. Wer Bücher aus Freude an der Sprache und der Fabulierkunst liest, der bekommt mit diesem Roman einen Leckerbissen erster Klasse geboten. Wer Krimis verschlingt, weil Handlung und Spannung im Vordergrund stehen sollen, der darf von den »Launen des Todes« getrost die Finger lassen. Hill hat einen Kunstkrimi inszeniert, der für die einen meisterlich ist und für die anderen totlangweilig.

Ihre Meinung zu »Reginald Hill: Die Launen des Todes«

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Sandra zu »Reginald Hill: Die Launen des Todes« 08.02.2010
Die Launen des Todes (allerdings als "Death's Jest Book") war das allererste Buch, was ich von diesem Autor gelesen habe und hat mich dazu gebracht, mir beinah das gesamte Midyorkshire Oevre innerhalb der folgenden drei Monate durchzulesen. Ich halte dieses Buch für den mit Abstand besten Krimi, den ich in den letzten zehn Jahren (mindestens!) gelesen habe. Hills Stil und Fähigkeit mit Sprache zu spielen sind so kunstvoll, dass man ihm meiner Meinung nach Unrecht tut, ihn nur in der Krimi Sektion, nicht bei den Literaten zu finden. Sein - inzwischen ist es mir als "Stammpersonal" bekannt, doch damals waren sie für mich alle brandneu - Ermittlerteam hat viel charakterliche Tiefenschärfe, die den Plot vorantreibt anstatt sie zu verwässern, und Franny Roote als 'Bösewicht' ist einer meiner absoluten Lieblingsschurken in dem Genre überhaupt. Die Technik, Franny durch seine Briefe an Peter Pascoe darzustellen, ist einfach großartig und verleiht dem "Gesagten" eine köstliche Doppelbödigkeit, die den ganzen Roman als solchen spiegelt.
Es hat meinem Vergnügen keinen Abbruch getan - ganz im Gegenteil!!! - Die geheimnisvollen Worte nicht vorher zu kennen. Es wird genügend auktoriale Hilfestellung gegeben, um diesen Fall auch ohne das Buch gelesen haben, zu verstehen, und stattdessen konnte ich anfangs auch noch über die Identität des Wordman spekulieren, und dabei Franny (natürlich!) verdächtigen, dessen "Spieltrieb", Fähigkeit zu manipulieren und mit Sprache zu spielen, sowie sein soziopathisches Auftreten gegenüber Peter durchaus ins Schema gepasst hätten.
Wie ich inzwischen weiß greifen die allermeisten von Hills Büchern ein/e (oder auch: diverse) literarisches Motiv, Methode, Ära auf und Death's Jest-Book tut dies auf so vielschichtige, clevere, unglaubliche witzige Art und Weise dass ich dafür votieren würde, es im Schulunterricht zu lesen. Hier nutzt er bewusst und ironisch die Gothic Literatur, was Stimmung, Setting (Schloss Blutensee...? Efeuumrankte Colleges, in denen unschätzbar wertvolle Bücher in staubigen, ehrwürdigen Studierzimmern liegen; ein veraltetes viktorianisches Gefängnis namens Chapel (!) Syke), Accessoires (Franny trägt ein kleines weißes Kreuz, um sich bei seinen Wohltätern vom Third Thought Movement - in großer Gothic Tradition sei ein jeder dritte Gedanke dem Tode geweiht - einzuschmeicheln, und gleich zu Beginn spiegelt dieses Kreuz eine endlos scheinende Reihe von Grabkreuzen in der Nähe eines flandrischen Klosters, während Franny reminisziert, wieviele vergessene Tote in dieser flandrischen Erde wohl ruhen... Auch hübsch - der feuerspeiende Plastikdrache, auf dem die kleine Rosie ihrem Schicksal entgegenrutscht!), Personal (es gibt sogar Mönche, von der freudlosen Sorte genauso wie von der lüsternen!) und Motivlage (RACHE! GIER! Die Eitelkeit der Welt!) angeht, nur um sie noch im gleichen Atemzug genüsslich wieder zu brechen (kann es ein weltlicheres Umfeld geben als Estotiland?).Ich habe dieses Buch letztes Jahr im Januar geschenkt bekommen und es seither weitere zwei Male gelesen weil ich es einfach so phantastisch finde. Zwölf Punkte auf der Skala von eins bis zehn.
wolko zu »Reginald Hill: Die Launen des Todes« 30.04.2009
Von mir eine Note dicht unter optimal für das Buch.
Prinzipiell lese ich Bücher von Autoren, die eine Serie mit gleichen Hauptpersonen schreiben wenn es irgendwie geht chronologisch. Wer 'Die raetselhaften Worte' nicht kennt wird mit 'Die Launen des Todes' herzlich wenig anfangen können. Wer die vorhergehenden Romane gelesen hat kann sich auf einen Hochgenuss freuen.
Viel Spass beim Lesen!
d.h. zu »Reginald Hill: Die Launen des Todes« 27.11.2007
ein wahrhaft gutes buch.intellektuelle krimis sind nicht gerade massenweise vorhanden.reginald hill hat einen schreibstil der spaß macht.und lust auf mehr.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Gian-Luca zu »Reginald Hill: Die Launen des Todes« 20.01.2007
Dieses Buch ist eines der besten von Reginald Hill.Der Krimi ist sehr spannend und unterhaltsam.Die Figuren sind komplex und interesant gezeichnet.Hill ist derzeit die Höhe.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Charlotte zu »Reginald Hill: Die Launen des Todes« 10.09.2006
Ein herrlicher Roman, der sehr spät als Fortsetzung von "Die rätselhaften Worte" auf Deutsch erschienen ist.
Die epische Breite hat mir viel Freude gemacht, mag aber nicht jedermanns Sache sein.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
egon zu »Reginald Hill: Die Launen des Todes« 28.08.2006
Ich dachte beim Lesen erst nicht an eine Fortsetzung von "Rätselhafte Worte" war aber trozdem erfreut. Ich habe zuvor nur dieses eine Buch von Hill gelesen. Mich würde interessieren welcher Band der tatsächlich nächste ist. Oder gibt es den noch gar nicht? Auf jeden Fall bin ich von Hill sehr begeistert. Vielleicht schreibt mir ja ein Hill-Fan
Lilith zu »Reginald Hill: Die Launen des Todes« 18.06.2006
Wer "Die rätselhaften Worte" nicht gelesen hat oder auch die Handlung dieses Buches nicht mehr ganz präsent hat, sollte auf "Die Launen des Todes" lieber verzichten. Vom Inhalt und dem Ablauf der Handlung her, wäre es besser gewesen, beide Texte in einen dicken Band zu fassen, denn es handelt sich wirklich um eine echte Fortsetzung, die vermutlich zum Großteil gar nicht verständlich ist, wenn man den ersten Teil nicht kennt.

Ich habe das Buch relativ kurz nach dem Vorgänger gelesen, da dieser ja mit einer Art Cliffhanger endet, welcher dann aber im nächsten Buch aufgelöst wird. Gefühlsmäßig war die ganze erste Hälfte nur mit den Altlasten des Vorgängers beschäftigt. Erst dann wird noch ein neuer Fall eingebaut, vielleicht damit man vorne guten Gewissens Kriminalroman draufschreiben kann. Leider fehlt dem Buch ein bisschen auch der Witz des Vorgängers. Zwar sind Frannys Briefe an Pascoe in einem amüsanten Erzählton formuliert, aber ansonsten ist eigentlich nur Dalziel für den Humor zuständig. Da haben mir die rätselhaften Worte um Längen besser gefallen.

Trotzdem: Die anderen Romane von Hill stehen weiterhin auf meiner Leseliste. Ich hoffe nur, dass die übrigen Bücher trotz des anscheinend immer wiederkehrenden Franny Roote in sich abgeschlossen und vollständig sind.
Riri zu »Reginald Hill: Die Launen des Todes« 17.11.2005
Ich finde, dass dieses Buch (im Gegensatz zu "die dunkle Lady meint es ernst", "die rätselhaften Worte" und "das Dorf der verschwundenen Kinder") etwas langweilig ist. Das stört mich persönlich allerdings nicht besonders, da ch viel lese und gern lange Bücher mag, auch wenn sie zwischendurch nicht ganz so spannend sind. Dafür sind wenigstens die letzten 50 Seiten spannend. Sehr gut finde ich die Vortsetzung der "rätselhaften Worte"
Richter zu »Reginald Hill: Die Launen des Todes« 07.04.2005
Nachdem ich "Die rätselhaften Worte" gelesen hatte, musste ich einfach gleich die Quasi-Fortsetzung anschließen, um herauszufinden, wie der Autor die Geschichte weiterführt und auflöst. Leider haben mich "Die Launen des Todes" ziemlich enttäuscht. Es fehlt die inhaltliche Substanz - bis kurz vor Schluss gibt es weder einen wirklichen Kriminalfall, noch echte Spannung und die Auflösungen sind dann zu einfach gestrickt, zu billig. Es fehlt der richtige Schwung, auch die drei Ermittler arbeiten seltsam unabhängig voneinander, weniger als Team. Selbst die deftigen Sprüche Dalziels oder die Gespräche zwischen Pascoe und Ellie scheinen mir aufgesetzt und irgendwie lieblos eingestreut. Für mich ist das Buch der bei weitem schlechteste Hill (von bisher 6 gelesenen). Zu zwei weiteren, die bei mir noch "auf Halde" liegen, habe ich nach den "Launen" erst mal keine Lust ...
Irmgard Smircich zu »Reginald Hill: Die Launen des Todes« 11.03.2005
Reginald Hill schreibt literarisch bemerkenswerte Krimis, aber "Die Launen des Todes" werden bei uns vermutlich an den Launen der (deutschen) Verleger durchfallen, die Hills Bücher in chronoligisch vollkommen sinnloser Folge herausgeben. Der vorliegende Band (im Februar 2005 bei Droemer erschienen) ist eigentlich eine Fortsetzung von "Die rätselhaften Worte" (erschienen im Europa-Verlag, Hardcover 2002) und entwickelt seine Spannung, den Sinn und die Lösung im wesentlichen aus den Bezügen zum Vorgänger-Band. Wer diesen aber nicht kennt oder nicht mehr druckfrisch im Kopf hat, könnte schnell die Lust am neuen Band und am Autor verlieren.
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