Stilles Grab von Rebecca Muddiman

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2015 unter dem Titel Gone, deutsche Ausgabe erstmals 2016 bei Bastei Lübbe.
Folge 2 der Gardner-und-Freeman-Serie.

  • London: Mullholland, 2015 unter dem Titel Gone. 336 Seiten.
  • Köln: Bastei Lübbe, 2016. Übersetzt von Alexandra Kranefeld. ISBN: 978-3-404-17390-7. 336 Seiten.

'Stilles Grab' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

In einem Waldstück werden die sterblichen Über reste eines Mädchens gefunden, und alle Hinweise deuten darauf hin, dass es sich dabei um die Leiche von Emma handelt, die vor elf Jahren spurlos verschwand. DI Michael Gardner, der sich nie verziehen hat, dass er Emma damals nicht fi nden konnte, wird nun zu den Ermittlungen hinzuge zogen. Er und DS Nicola Freeman stoßen auf ein Netz aus Lügen und Halbwahrheiten – und müssen schnell fest stellen, dass in diesem Fall nichts so ist, wie es scheint …

Das meint Krimi-Couch.de: »Was geschah vor elf Jahren?« 75°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Blyth, England, 1999. Die sechzehnjährige Emma verschwindet spurlos. Detective Michael Gardner, mit privaten Problemen belastet, kann den Fall nicht lösen. Stattdessen sagt er gegen einen Kollegen aus, es kommt zum Äußersten, Gardner arbeitet fortan in Middlesbrough. Elf Jahre später: Die Leiche eines Mädchens wird in einem Waldstück bei Blyth gefunden. Vieles deutet darauf hin, dass es sich um Emma handelt. DS Nicola Freeman übernimmt den Fall und taucht dabei tief in Emmas Vergangenheit ein. Diese wurde damals von ihrem Adoptivvater wiederholt als vermisst gemeldet, war die Freundin des einschlägig bekannten Drogendealers Lucas Yates. Eine Spur führt zu Jenny, ein damals drogenabhängiges Mädchen, das sich ebenfalls für Lucas interessierte. Und auch der damalige Sozialarbeiter und Drogenberater Ben rückt ins Visier der Ermittlungen, wurde ihm doch nachgesagt, einigen der von ihm betreuten Mädchen etwas zu nahe gestanden zu haben. Da Jenny inzwischen in Middlesbrough gemeldet ist, wendet sich Freeman an Gardner. Beide ermitteln fortan gemeinsam und stoßen auf tiefe Abgründe.

Probleme im Drogenmilieu

Rebecca Muddiman hat mit Stilles Grab einen ansprechenden Plot kreiert, der in zwei zeitlichen Ebenen und zudem in verschiedenen Handlungssträngen spielt. Während die aktuellen Ermittlungen (2010) laufen, gibt es immer wieder Rückblicke in die Ereignisse des Jahres 1999, also die Vorgeschichte der heutigen Geschehnisse. Die wichtigsten Figuren – Freeman, Gardner, Lucas, Ben, Emma, Jenny und Louise – werden dabei in ihren jeweiligen Handlungen begleitet, wobei zunächst unklar bleibt, wer Louise ist. Die ständig wechselnden Szenarios sind gut durchdacht, erhöhen die Spannung und damit das Lesetempo. Die Handlung erfährt allerdings zur Hälfte einen plötzlichen Schnitt, in dem sich die Identität von Louise offenbart.

1999: Emma ist eine pubertierende Jugendliche, die nach dem Tod ihrer Adoptivmutter den Halt zu verlieren droht. Ausgerechnet zu Lucas, der als kleiner Drogendealer vom Bodensatz der Gesellschaft als Kunden lebt, fühlt sie sich hingezogen. Doch sie erlebt bei ihm nicht nur schnellen Sex, sondern vor allem Gewalt. Zahlreiche Versuche sich von ihm zu lösen führen zur Eskalation der Gewaltspirale, eine Flucht scheint aussichtslos. Lediglich Ben scheint ihr eine Hilfe zu sein, doch gegen Lucas kann auch er nichts ausrichten.

Lucas Yates ist aus Sicht der Polizei ein »asoziales Arschloch«, was sein Verhalten durchaus korrekt wiederspiegelt. Da er in dem Roman eine der Schlüsselrollen einnimmt, sollte man wissen, auf was für ein soziales und sprachliches Niveau man sich in diesem Roman weitgehend einlässt. Die Ermittlungen werden gut beschrieben, wenngleich die »Einstiegsthese« bezüglich des aktuellen Mordopfers mehr als gewöhnungsbedürftig ist. Da von Emma »keine leiblichen Verwandten bekannt sind, kann man die Identität der Toten per DNA nicht nachweisen«. Dies dürfte wohl Bullshit sein. Insgesamt überwiegt jedoch der positive Eindruck. Der Plot bietet einige Überraschungen, die Sprache ist dem Milieu der Figuren geschuldet und daher authentisch, die ständig wechselnden Szenarios und Zeitebenen sorgen für Tempo und an Action fehlt es auch nicht. So bleibt abzuwarten, ob es weitere Fälle mit dem Duo Gardner/Freeman geben wird. Das Ende des Romans lässt diese Möglichkeit zumindest offen.

Jörg Kijanski, Dezember 2016

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