Lebwohl, mein Liebling von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1940
unter dem Titel Farewell, My Lovely,
deutsche Ausgabe erstmals 1958
bei Desch.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Kalifornien / Los Angeles, 1930 - 1949.
- London: Hamish Hamilton, 1940 unter dem Titel Farewell, My Lovely. 320 Seiten.
- New York: Alfred A. Knopf, 1940. 275 Seiten.
- München, Wien, Basel: Desch, 1958 Betrogen und gesühnt. Übersetzt von Georg Kahn-Ackermann. Die Mitternachtsbücher; Bd. 2. 246 Seiten.
-
Zürich: Diogenes, 1976.
Übersetzt von Wulf Teichmann.
ISBN:
3-257-20312-8. 302 Seiten. - Berlin: Volk und Welt, 1980. Übersetzt von Wulf Teichmann. 332 Seiten.
'Lebwohl, mein Liebling' ist erschienen als
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In Kürze:
Ein Riese von Mensch, Moose Malloy, kommt nach acht Jahren Zuchthaus nach Los Angeles zurück, um seine frühere Geliebte, eine Varieté-Tänzerin namens Velma, wiederzufinden. Marlowe ist zufällig dabei, als Malloy einen Schwarzen umbringt, der sich geweigert hatte, Malloy Auskunft zu geben. Wo versteckt sich Malloy? Wo ist Velma, sofern sie noch lebt? Marlowe unternimmt eine Odyssee durch die Welt von Los Angeles; er hat mit drei Arten von Polizisten zu tun: a) korrupten, b) tüchtigen, c) solchen, die alle Hoffnung aufgegeben haben und möglichst wenig tun. Er trifft alte und junge Frauen, ehrliche und verlogene, reiche und arme. Er findet die Leiche eines Schürzenjägers und Erpressers. Marlowe wird mehrmals zusammengeschlagen; man sperrt ihn in einem Irrenhaus ein und versetzt ihn mit Opiumspritzen in den Zustand der Bewußtlosigkeit. Aber immer wieder rafft er sich auf...«
In einem Farbigenviertel von L.A. begegnet Philip Marlowe einem irgendwie deplaziert wirkenden Weißen im Anzug. Moose Malloy sucht seine Freundin Velma, eine Striptänzerin. Jedenfalls war sie mal seine Freundin, denn Malloy ist gerade erst nach 8 Jahren Knast wieder auf freien Fuß gekommen. Marlowe gibt dem hünenhaften Klotz seine Karte, weil sich das nach einem spannenden Fall anhört, als er unmittelbar danach erkennen muss, dass Malloy noch immer gemeingefährlich ist: Er knallt nämlich den neuen, farbigen Besitzer des Florian’s kurzerhand ab und verschwindet.
Am gleichen Tag erhält Marlowe einen Anruf von einem Mr Marriot, der Marlowe auf Empfehlung als Bodyguard engagieren möchte. Marriot will nämlich ein Jadecollier einer Freundin bei Juwelendieben freikaufen. Doch beide geraten in einen Hinterhalt, Marlowe wird nieder geschlagen und Marriot erschossen. Doch da der Privatdetektiv gerade knapp bei Kasse ist, besucht er kurzerhand die Besitzerin der Kette, eine durchtriebene Femme Fatale und nebenbei Millionärsgattin, und lässt sich von ihr mit der Suche nach dem Schmuckstück beauftragen. Doch ein kleines Detail lässt Marlowe bei seinen Ermittlungen erkennen, dass die verschwundene Kette auch mit der Suche nach Velma zusammen hängen könnte, da der tote Marriot die Witwe des ehemaligen Nachtclubbesitzers Mr Florian mit Bargeld versorgt. Bevor Marlowe jedoch die Dimension dieses Falles erahnen kann, steckt er abermals in tödlicher Gefahr.
Kalifornische Klischees
Philip Marlowe tänzelt in diesem zweiten Roman der Serie zwischen Figuren, die ihre Wesenszüge stellvertretend für je eine Facette des amerikanischen Traums erhalten haben dürften. Ein naiver und liebeskranker Killer, ein träger Bulle, korrupte Bullen, eine versoffene und verarmte Witwe, ein allein durch Geld miteinander verbundenes Millionärspaar. Die Liste ließe sich noch weiter führen. Phasenweise erfüllen diese Nebencharaktere die Klischees der kalifornischen Gesellschaft besser als Marlowe in diesem Roman sein eigenes Klischee (nämlich das, das ihm Humphrey Bogart verpasst hat) bedienen kann. Marlowe wirkt getrieben, zeitweise verwirrt, unter Drogen gesetzt und wird ordentlich vermöbelt. Trotzdem behält er aufgrund seines geradezu übermutig anmutenden Humors immer wieder die Oberhand und täuscht zumindest an, Herr im Ring zu sein.
An Konstellationen zwischen den einzelnen auftretenden Personen kann Chandler hier volles Geschütz auffahren. Der Nachteil dabei: ein zu dichtes Beziehungsgeflecht kann Verwirrung herauf beschwören. Sobald das droht, schafft Chandler es irgendwie, seine Leser gerade noch mal abzuholen. Nicht gerade überzeugend ist die anfängliche Verbindung zwischen den beiden Fällen, die Marlowe bearbeitet. Und dennoch merkt man Chandler in einem Punkt eine klare Steigerung an: Er hat als Autor Geschmack an seiner Figur gefunden und konzentriert sich hier deutlich mehr auf den Protagonisten als noch in Der große Schlaf auf die Kulisse.
Lebwohl, mein Liebling war 1944 der erste Marlowe-Roman, der verfilmt wurde. Dick Powell als Darsteller von Marlowe bleibt nahe an Chandlers Romanvorlage und ist nicht der toughe Detektiv, den zwei Jahre später Humphrey Bogart in der Verfilmung von Der große Schlaf spielte. Vielleicht steht er deshalb in seiner Bekanntheit hinter den anderen Romanen Chandlers zurück. Irgendwie ist Lebwohl, mein Liebling ein vergessener Roman, der jedoch kaum hinter den anderen Marlowe-Klassikern zurück steht.
Thomas Kürten, Mai 2009
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| Fabian zu »Raymond Chandler: Lebwohl, mein Liebling« | 26.01.2007 |
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| hoffmann9471 zu »Raymond Chandler: Lebwohl, mein Liebling« | 17.09.2006 |
