Der große Schlaf von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1939
unter dem Titel The Big Sleep,
deutsche Ausgabe erstmals 1950
bei Nest-Verlag.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Kalifornien / Los Angeles, 1930 - 1949.
Folge 1 der Philip-Marlowe-Serie.
- London: Hamish Hamilton, 1939 unter dem Titel The Big Sleep. 301 Seiten.
- New York: Alfred A. Knopf, 1939. 277 Seiten.
- Nürnberg: Nest-Verlag, 1950 Der tiefe Schlaf. Übersetzt von Mary Brand. Krähen-Bücher. 262 Seiten.
- Frankfurt am Main: Verlag Das Goldene Vlies, 1956 Der tiefe Schlaf. Übersetzt von Mary Brand. 174 Seiten.
- Frankfurt am Main, Berlin: Ullstein, 1969 Der tiefe Schlaf. Übersetzt von Mary Brand. 172 Seiten.
-
Zürich: Diogenes, 1974.
Übersetzt von Gunar Ortlepp.
ISBN:
3-257-20132-X. 200 Seiten. - Berlin: Volk und Welt, 1976 Der tiefe Schlaf. Übersetzt von Mary Brand. mit Chandler über Chandler: Briefe, Notizen, Essay. 254 Seiten.
-
München: Süddeutsche Zeitung, 2006.
Übersetzt von Gunar Ortlepp.
ISBN:
978-3866152489. 192 Seiten. -
Zürich: Diogenes, 2008.
Übersetzt von Gunar Ortlepp.
ISBN:
978-3-257-23703-0. 200 Seiten.
-
[Hörbuch] Beltershausen: Verlag und Studio für Hörbuchproduktionen, 2000.
Gesprochen von Hans Eckardt.
ISBN:
3896141899. 6 CDs. -
[Hörbuch] Zürich: Diogenes, 2009.
Gesprochen von Christian Brückner.
ISBN:
3-257-80246-3. 6 CDs.
'Der große Schlaf' ist erschienen als
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In Kürze:
General Sternwood, ein alter invalider Kapitalist (Öl), hat sich eine gewisse Integrität bewahrt. Seine Tochter Carmen wird bereits zum zweiten Mal erpreßt, und Marlowe soll der Sache ein Ende machen. Marlowe entdeckt zuerst eine pornographische Leihbibliothek, kurz darauf den Leichnahm des Besitzers. Carmen schmuggelt sich in Marlowes Zimmer und erwartet den Detektiv im Bett. Sie ist Kind und Teufel in einem; sie hat keine sexuellen Hemmungen und säuft bis zur Bewußtlosigkeit – ein geeignetes Objekt für Porno-Photographen und Erpresser
Es ist 1939, als ein 33-jähriger Detektiv in Los Angeles eine erste literarische Ermittlung aufnimmt. Philip Marlowe heißt die Figur, ein Schnüffler mit einem schäbigen kleinen Büro in Hollywood. Von hier aus sollte er mit Logik, Fäusten und blauen Bohnen die Welt der Kriminalliteratur erobern. Bis heute haben die Romane Raymond Chandlers, Marlowes schriftstellerischen Vaters, nichts an ihrer Faszination verloren. Und Dank eines Humphrey Bogart hat Hollywood dieser Figur ein bis heute unverwechselbares Gesicht geschenkt.
Der sterbenskranke General Sternwood hat zwei missratene Töchter. Die ältere mit einem Schnapsschmuggler verheiratet, der seit kurzem verschollen ist, die andere eine orientierungslos naive Nymphomanin, und beide mit einem Hang zum Glücksspiel. Als der General mit einem Schuldschein erpresst wird, der die Unterschrift der jüngeren trägt, wird Marlowe zur Hilfe gebeten. Er soll den Gläubiger finden und ihm klar machen, dass er sich keine falschen Hoffnungen machen soll. Doch der Erpresser ist für Marlowe nicht in seinem Laden zu sprechen. Der Detektiv bringt jedoch in Erfahrung, dass der Mann in seinem Antiquariat mitnichten alte Bücher, sondern Pornographie verkauft. Als er den Erpresser am Abend in dessen Haus zur Rede stellen will, fallen Schüsse. Marlowe findet den Antiquar tot in einer Art Fotostudio, während sich auf dem dortigen Bett die sturzbesoffene jüngere Tochter des Generals räkelt. Vom Täter keine Spur.
Wie lautet Ihr Auftrag?
Am nächsten Morgen passieren drei Sachen: Jemand räumt das Hinterzimmer des Antiquariats aus, die ältere Tochter wird mit den Aktaufnahmen ihrer jüngeren Schwester erpresst und der Chauffeur des Generals wird samt Limousine aus dem Pazifik gefischt. Marlowe ermittelt weiter, weil er hinter kleinen Gaunereien ein größeres Verbrechen wittert. Warum fragt ihn alle Welt, ob er den verschwundenen Ehemann der älteren Tochter sucht? Je mehr Marlowe ans Licht bringt, umso gefährlicher wird die Situation für ihn.
Ich bin nicht Sherlock Holmes oder Philo Vance. Ich schnüffle nicht, nachdem die Polizei schon da war, noch mal am Tatort rum, um ´ne zerbrochene Füllfeder aufzulesen und ´nen Fall drauf aufzubauen (S. 186)
Deutlicher konnte Chandler sein Anliegen nicht formulieren. Er besaß den Ehrgeiz, die seinerzeit populäre Form der Detektivgeschichte, die nach immer dem gleichen Schema abzulaufen schien, literarisch aufzuwerten und zu einem realistischen und gesellschaftskritischen Roman zu erweitern. Der geniale Denker im karierten Lodenmantel mit Pfeife und Lupe hatte sich selbst überholt und ein neuer, moderner, bodenständiger Kämpfertyp war seine Ablösung. Philip Marlowe als Ich-Erzähler war eine Figur, mit der sich die Leser viel eher anfreunden konnten als die Superhirne des Golden Age.
Heute noch aktuell
Der große Schlaf ist einer der absoluten Klassiker der Kriminalliteratur. Chandler präsentiert eine Geschichte voller Überraschungen und rasanter Entwicklungen in den Personenkonstellationen. Seine Themen sind auch heute noch aktuell, der Roman bräuchte nur wenig umgeschrieben zu werden und könnte dann auch noch in der Gegenwart spielen. Den besonderen Charme entwickelt der Roman durch die immer wieder locker-lakonischen Kommentare des Protagonisten, der sich mitunter als großer Zyniker präsentiert. Allerdings ist dieser Marlowe auch mit sehr moralischen Charakterzügen ausgestattet: Die einfache Beute auf seiner Bettkante passt nicht in sein Jagdschema.
Phasenweise scheint sich der Roman in Szenenbeschreibungen zu verlieren. Dadurch dass der Autor seinen Marlowe ausführlich Details schildern lässt, schafft er Atmosphäre, muss dafür jedoch Tempo aus seiner Erzählung heraus nehmen. Nur hier wirkt der Roman heute manchmal etwas holprig, was jedoch durch Stilblüten wie»Auf einer angeknabberten Gummimatte stand ein fleckiger, gern verfehlter Spucknapf« immer wieder entschädigt wird. Chandlers Der große Schlaf ist ein grandioser Hardboiled, tempo- und actionreich, witzig, überraschend und vor allem mit einem Gespür für die Schilderung der Realität ausgestattet, wie es bei damaligen Kriminalromanen nicht selbstverständlich war. Die besondere Qualität liegt jedoch darin, dass Chandler heute zugestanden werden muss, ein zeitloses Stück Kriminalgeschichte geschrieben zu haben.
Thomas Kürten, August 2008
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| Dennis zu »Raymond Chandler: Der große Schlaf« | 27.05.2005 |
| Albert Endrass zu »Raymond Chandler: Der große Schlaf« | 05.04.2005 |
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