Frettchenland von Rainer Wittkamp

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2015 bei Grafit.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland, Berlin, 2010 - heute.
Folge 3 der Martin-Nettelbeck-Serie.

  • Dortmund: Grafit, 2015. ISBN: 978-3-89425-457-5. 256 Seiten.

'Frettchenland' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Lotte Weiland bezahlt einen Undercovereinsatz im Regierungsviertel mit dem Leben. Die Personenschützerin hat beim Bundestagsabgeordneten des Atommüllendlager-Kostenausschusses Daten entwendet, die ihr Mörder nur zu gern an sich nimmt. Luise Weiland ist steinalt und steinreich. Zwar sind ihre Zeiten als beste Sportschützin Deutschlands schon einunddreißig Jahre her, doch als ihre Enkelin innerhalb der Bannmeile umgebracht wird, öffnet sie wieder ihren Waffenschrank …Norbert Füting, seines Zeichens parlamentarischer Staatssekretär, gerät immer weiter in Bedrängnis und lernt daraus, dass man seiner Praktikantin mit einem IQ von 159 keine Nacktselfies schicken sollte. Kriminalrätin Jutta Koschke sorgt sich um ihre Ehe, denn ihr Mann Günther ist merkwürdig schweigsam. Als sie einen an ihn gerichteten Brief heimlich öffnet, wird ihr alles klar und gleichzeitig zieht es ihr den Boden unter den Füßen weg. Martin Nettelbeck und Wilbert Täubner vom Berliner LKA müssen in den höchsten politischen Kreisen Fingerspitzengefühl beweisen …

Das meint Krimi-Couch.de: »Erfolg fast ohne Rezept« 82°

Krimi-Rezension von Silke Wronkowski

Martin Nettelbeck und sein Kollege Wilbert Täubner schickt Autor Rainer Wittkamp in Frettchenland ein drittes Mal auf die Straßen Berlins. Neonazis, Flüchtlinge, Bandenbosse, Kleinkriminelle? Nein, dieses Mal geht’s in den Bundestag und wird politisch. Ein Abgeordneter lässt sich nicht gefallen, von einer Personenschützerin um wichtige, und besser geheim gehaltene, Daten gebracht zu werden und hat keinerlei Skrupel, sie dafür töten zu lassen. Ein Staatssekretär sucht sich seine minderjährigen Praktikantinnen nur nach körperlichen Aspekten aus, gerät aber dieses Mal an die Falsche, und wird um »Gefallen« erpresst, damit die sehr eindeutigen Nacktselfies weiterhin geheim bleiben. Und Lotte Weilands Freund versucht vergeblich zu vertuschen, auf welche Suche totbringende Suche er seine Freundin im Bundestag geschickt hat.

Dies ist seit langem der erste Klappentext, der den Lesern nichts vorgaukelt, was der knapp 250 Seiten dünne Roman dann nicht halten kann – und das ist durchaus mal erwähnenswert. Auch die neu eingeführten Personen – ob nun Schuldige, Opfer oder Nebencharaktere – zeichnet Wittkamp mit gleicher Freude am Detail wie seine Serienfiguren, versorgt alle mit einer gesunden Portion Skurrilität und Realitätsnähe gleichermaßen, das sie so manches Mal erschreckend greifbar macht. Und gerade bei den beschriebenen Herren Politikern möchte man dies eigentlich besser nicht wahr haben.

Erfrischend unterschiedlich sind die Fälle des Berliner LKAs, was so gar nicht typisch für Serienautoren ist, so dass der einzig rote Faden die privaten Belange seiner wiederkehrenden Berliner Ermittler ist. Und dass diese gerade genug Raum in seinen Büchern einnehmen, ist vielleicht der knackigen Kürze seiner Romane geschuldet. Rainer Wittkamp hat die perfekte Balance zwischen Seriencharakter und Polizeiermittlung gefunden, so dass sich auch Frettchenland kurzweilig und spannungstreibend lesen lässt. Hier ist kein Dialog zu langatmig, keine Szene überflüssig und kein Seelenleben zu blumig beschrieben.

Die Geschichte um Lobbyisten, Abgeordnete und Korruption klingt nach akribischer Recherche und auch wenn der Autor – selbst Wahlberliner – seine Stadt wie seine Westentasche kennt, so rückt Berlin nicht zu sehr in den Vordergrund, als das man dem Roman den Stempel »Regio« aufdrücken könnte. Überhaupt: Jede Schublade, in die man Rainer Wittkamps Nettelbeck-Reihe stecken wollte, würde ihr nicht gerecht werden. Und das ist auch gut so, gibt es ihm doch die Freiheit, auch im vierten Teil wieder mit etwas völlig Neuem aufzuwarten und seine – spätestens jetzt – Fans der Serie erneut zu fesseln.

Silke Wronkowski, Mai 2015

Ihre Meinung zu »Rainer Wittkamp: Frettchenland«

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Smith zu »Rainer Wittkamp: Frettchenland« 16.06.2015
Frettchenland ist spannend. Sehr spannend. Trotzdem mußte ich das Lesen nach der fünften Zeile kurz abbrechen. Schuld war ein Lachflash wegen der gelungenen herrzlich-bösen Beschreibung des Kabinetts. Wittkamp lebt und schafft, wie man aus jeder Zeile herausspürt, seit Jahrzehnten in Berlin, wo Ost und West, oder wie böse böse Zungen behaupten, Rost und Rest, noch immer mit der Vergangenheitsbewältigung beschäftigt ist. Hier skizziert Wittkamp gekonnt einen Lösungsweg in der Figur von zwei jungen Intelligenzbestien, die dabei sind es dem Etablissement heimzuzahlen. Eine wirklich gelungene, amüsante Nebenhandlung. Ich will hier keine "Inhaltsangaben" machen. Tatsache ist, dass der Leser relativ früh erfährt, nein sogar miterlebt, wer der Mörder ist. Gerade deshalb wird die Wahrheitsfindung, selbstverständlich durch unseren netten Nettelbeck extra spannend. Ich kann aber trotzdem mit rihigem Gewissen verraten - er schafft es.
Jan Bisping zu »Rainer Wittkamp: Frettchenland« 01.06.2015
Sehr detailiert,kurzweilig geschrieben.es macht einfach Spaß sich durch die Seiten zu lesen.Ein Krimi der einfach sehr gut unterhält.Nettelbeck ist ein Kommissar nach meinem Sinn ...er spielt Posaune und man findet im Roman schöne Hinweise auf Musik, wie auch in seinen anderen Romanen...Die Personen sind gut beschrieben, man hat sie quasi bildlich im Kopfkino. Überdies hat der Author sehr gut recherschiert.deutlich ist der Lobbyismus der politischen Kaste beschrieben...es paßrt alles wunderbar und der Spannungsbogen hält bis zum Schluß...Ein überdurchschnittlich feiner Roman...
Petra Samani zu »Rainer Wittkamp: Frettchenland« 01.06.2015
Auch einen Profi kann es erwischen. Personenschützerin Lotte Weiland liegt tot in einer Toilette des Paul-Löbe-Hauses. Das Wagnis, sensible Daten eines Bundestagsabgeordneten auf einen USB-Stick zu ziehen, hat sie nicht überlebt.
Der Tod der Personenschützerin ruft im Regierungsviertel nicht viel Mitgefühl hervor. Man ist zu sehr mit seinen eigenen Problemen beschäftigt. Wie zum Beispiel der parlamentarische Staatssekretär Norbert Füting, der seiner Praktikantin Nacktselfies gesendet hat. Eine Steilvorlage für die hochbegabte junge Frau, die zu unangenehmen Konsequenzen führt.
Zu seinem Erstaunen erhält Martin Nettelbeck, der ja nicht gerade für sein diplomatisches Geschick bekannt ist, den heiklen Mordfall – seine Vorgesetzte, Kriminalrätin Jutta Koschke, ist durch erschütternde Informationen über ihren Ehemann abgelenkt.
Zusammen mit Wilbert Täubner vom LKA macht Nettelbeck die Erfahrung, dass Bundestagsabgeordnete und ihre Mitarbeiter es gar nicht gern sehen, wenn man ihnen auf den Zahn fühlt. Und dass ganz andere Leute die Politik bestimmen, als diejenigen, die man gewählt hat.
Probleme bereitet Nettelbeck auch Lotte Weilands zwar schon recht betagte, aber immer noch sehr tatkräftige Großmutter, die früher Sportschützin war. Sie greift zum Gewehr und versucht sich in Selbstjustiz, unterstützt von ihrem Gärtner und Mädchen für Alles, dem Syrer Yasser Al-Shaker.
Ganz nebenbei muss Nettelbeck sich auch noch daran gewöhnen, dass er nicht mehr allein wohnt und zwei Kinder seine Wohnung unsicher machen, vor denen er seine geliebte Plattensammlung nicht schützen kann.

Wie schon die Vorgängerbände „Schneckenkönig“ und „Kalter Hund“ habe ich auch diesen Krimi in einem Rutsch verschlungen. Das liegt nicht nur an dem flüssigen Schreibstil und der spannenden Geschichte, die rasant erzählt wird.
Ein netter Zusatznutzen dieser Krimireihe sind für mich Nettelbecks Musikpräferenzen, die meinen musikalischen Horizont erweitern. Nach Lektüre dieses Bandes ist „Defunkt“ auf meiner Titelliste gelandet.
Vor allem aber gefallen mir die Charaktere, die sich weiterentwickeln und dabei immer vielschichtiger werden, und der realistische und gut recherchierte Hintergrund der Geschichte. Das Thema Lobbyismus wird hierzulande viel zu wenig beachtet, obwohl immer wieder ans Licht der Öffentlichkeit gerät, wie sehr Lobbyisten die Politik unseres Landes bestimmen. Ohne demokratische Legitimation und ohne Kontrolle. (Man erinnere sich beispielsweise an die Lobby der Tabakindustrie, die einen ihnen genehmen Gesetzesentwurf zum Nichtraucherschutz formuliert hatten, der von der Politik wörtlich übernommen wurde.) Das sensible Thema wird vom Autor geschickt und kompetent in die Handlung eingebaut.

Nachdem „Kalter Hund“ gerade den Krimi-Blitz erhalten hat, bin ich gespannt, welchen Preis dieser Krimi dem Autor einbringt. Preiswürdig ist er jedenfalls.
Baerbel82 zu »Rainer Wittkamp: Frettchenland« 31.05.2015
Zeit für Veränderung„Kalter Hund“, soeben ausgezeichnet mit dem Krimi-Blitz 2014 national, hatte ich mit Begeisterung verschlungen. Daher war ich sehr gespannt auf Rainer Wittkamps neuen Kriminalroman „Frettchenland“ und ich wurde nicht enttäuscht. Worum geht es?
Schauplatz Berlin: Personenschützerin Lotte überlebt es nicht, den PC des Bundestagsabgeordneten Nils Janssen ausspioniert zu haben. Janssen ist Vorsitzender des Ausschusses zur Klärung der Kosten für den Atomausstieg. Aber der Mörder spielt falsch und lässt den USB-Stick mit brisanten Daten einfach verschwinden. Lottes Großmutter Luise, eine ehemalige Sportschützin, will ihre Enkelin rächen und schreckt auch vor Selbstjustiz nicht zurück.Kommissar Martin Nettelbeck und sein Kollege Wilbert Täubner vom LKA Berlin ermitteln…
In einem weiteren Handlungsstrang geht es um den parlamentarischen Staatssekretär Norbert Fütig und seine sexuellen Perversionen. Aber Praktikantin Annika und sein persönlicher Referent Max lassen sich nix gefallen, das macht sie sympathisch.
Es geht um ein tödliches Netz aus Bestechung und Korruption, in das auch die Polizei verstrickt zu sein scheint. Unterlegt ist die Krimihandlung mit bestens recherchierten Einblicken in politische Machenschaften und Lobbyismus. Was ist Fiktion, was ist Realität?
Auch das Privatleben der Ermittler kommt nicht zu kurz. Die Zeiten stehen auf Wandel: Nettelbecks Freundin Philomena und deren Kinder sind bei ihm eingezogen, Täubners Freundin Irina will sich beruflich verändern und Kriminalrätin Jutta Koschke bangt um ihren Mann Günther.
Das Buch hat einen durchgehend hohen Spannungsbogen, nachdem sich die Geschichte komplett entwickelt hat, mag man es kaum noch aus der Hand legen. Die Geschichte lebt - neben der Spannung - auch von Wortwitz und pfiffigen Dialogen. Diese Elemente heben den Krimi heraus aus dem üblichen Tätersuche-Genre.Schön, dass es auch wieder einen „Soundtrack“ zum Roman gibt.Fazit: Ein mörderisch guter Krimi mit skurrilen Figuren, witzigen Dialogen und einem durchgängigen Spannungsbogen bis zum überraschenden Ende. Ein Volltreffer!
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