Grafeneck von Rainer Gross

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 bei Pendragon.

  • Bielefeld: Pendragon, 2007. ISBN: 978-3865320636. 191 Seiten.
  • München: Goldmann, 2010. ISBN: 978-3-442-47118-8. 219 Seiten.
  • [Hörbuch] Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, . Gesprochen von Manuel Kressin. ISBN: 3836804700. 5 CDs.

'Grafeneck' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

»Ich weiß von nichts. Hier in Buttenhausen ist kaum was passiert. Nazis haben wir keine gehabt, und die Juden waren schon weg.« Vergangenheit ist nie vorbei. Auch nicht am Ende der Welt, in einem Dorf auf der Schwäbischen Alb. Ein brutales Verbrechen bringt die Erinnerung zurück. Viele sagen, Hermann Mauser sei ein verschrobener Kauz. Ein Eigenbrötler. Das stimmt. Schon immer gewesen. Er ist einundsechzig Jahre alt, seit dreißig Jahren ist er Grundschullehrer in Buttenhausen auf der Schwäbischen Alb. Als er den toten Mann im Berg entdeckt, wird die Vergangenheit wieder lebendig. Und Hermann Mauser erkennt, dass es Verbrechen gibt, die nie verjähren. Und Schuld, die niemand vergeben kann.

Das meint Krimi-Couch.de: »Vergangenheit ist nie vorbei« 88°Treffer

Krimi-Rezension von Thorsten Sauer

Eingraben und vergessen wollten wohl viele Menschen das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte nach dem Ende des Dritten Reiches. Doch Vergangenheit ist nie vorbei, erst recht nicht die unverarbeitete. Irgendwann kommt jemand, der mit den Händen im Dreck wühlt und etwas zu Tage fördert, das drängende Fragen aufwirft, auch wenn an der Oberfläche keine Spuren mehr zu sehen sind. So einer wie Mauser, der Protagonist aus dem Erstlingswerk von Rainer Gross, der die Höhlenleiche eines im zweiten Weltkrieg getöteten Mannes findet und damit Fragen nach der Vergangenheit und der Schuld jedes einzelnen stellt.

Die Höhlenleiche

Hermann Mauser, der verschrobene Dorfschullehrer aus Buttenhausen, hat eine Leidenschaft: die Höhlenforschung. Niemand kennt daher die Höhle oberhalb von Buttenhausen und Hundersingen besser als er. So ist es fast natürlich, dass er es ist, der eines Tages in einer Kammer einen Toten findet. Die Kammer war von außen nicht sichtbar.

Verschlossen von einem Lehmpropfen, hat die Zeit alle von außen erkennbaren Hinweise auf den Eingang verwischt. Doch den muss es einst gegeben haben, denn Mauser stellt schnell fest, dass der Tote keines natürlichen Todes gestorben ist und erst nach seinem Ableben in die Höhle verbracht wurde. Mauser interessiert sich für den Toten, will die Geschichte des Mannes ans Tageslicht bringen, der während des Krieges getötet und irgendwie in die Höhle geschafft wurde. Doch es ist nicht nur eine detektivische Leidenschaft, die Mauser packt. Da ist mehr, er spürt sofort, dass es eine Verbindung zu seinem eigenen Leben geben muss. Widerstrebend meldet Mauser den Fund der Polizei, macht sich aber selbst an eigene Ermittlungen und muss schnell feststellen, dass er mit dem Toten nicht nur einen Mordfall ans Tageslicht geholt hat, sondern auch seine eigene Vergangenheit.

Wenn die Vergangenheit ans Licht kommt

Grafeneck ist nur vordergründig ein Krimi, eigentlich geht es um Schuld und Vergangenheitsbewältigung des Dritten Reiches. Die beschaulichen Ortschaften Buttenhausen, Hundersingen und Lautlingen auf der Schwäbischen Alb, waren Zeugen einer Euthanasieeinrichtung in Grafeneck. Jahrzehnte später wird mit dem Leichenfund diese, in der Bevölkerung weitgehend verdrängte, Vergangenheit ins Licht gezerrt. Die Reaktionen im Ort sind daher auch entsprechend:

»Ich weiß nichts. Hier in Lautlingen ist kaum etwas passiert. Nazis haben wir keine gehabt, und die Juden waren schon weg.«

Allenfalls erinnern sich einige Alte an die rauchenden Schornsteine des Krematoriums im Schloss von Grafeneck oder an die Busse, die mit blickdicht getönten Scheiben dort ein und aus fuhren, um neue »Patienten« zu bringen.

Auch bei Mauser hat das beharrliche Schweigen und Verdrängen dieses dunklen Kapitels funktioniert. Wohl auch deshalb, weil er sich und seine Familie auf der Seite der Opfer wähnte, da die geistig behinderte Schwester eines Tages selbst von einem Bus mit getönten Scheiben geholt wurde und Grafeneck nicht überlebte. Das ändert sich mit dem Fund der Leiche jedoch. Zunächst verspürt er nur eine unerklärliche Faszination für seinen bizarren Fund, doch bald tauchen Hinweise auf, die Mauser an seinen Erinnerungen zweifeln lassen. War der Vater, der in seiner Phantasie, als aufrechter Dorfpolizist – im Rahmen seiner Möglichkeiten – Widerstand leistete, auch nur ein Mitläufer und am Ende sogar ein Täter? Mauser gerät immer tiefer in den Strudel seiner eigenen Zweifel an der Rolle des Vaters während der Nazi-Diktatur. Er sucht einen Täter, ahnt, dass es der Vater sein könnte und projiziert den Hass auf die, die am Tode seiner Schwester schuld sind, auf alles, was mit dem Fall zusammen hängt. Bis es zu einer verhängnisvollen Eskalation kommt.

Heimatkrimi im besten Sinne und ein starkes Debüt

Rainer Gross ist mit seinem Erstling ein kleiner aber feiner Roman gelungen. Vor allem deshalb, weil er es schafft, die zentralen Themen der Geschichte durch Gegensätze zu betonen. Dem Idyll der Schwäbischen Alb stehen die Greuel in Grafeneck gegenüber, dem dörflichen Flair, die große Frage nach dem richtigen Umgang mit der deutschen Vergangenheit und Mausers intime Auseinandersetzung mit der Schuld des Vaters, die anonymen Hightech Ermittlungsmethoden des Teams von Kommissar Greving.

Klingt, als ob sich Gross da ein wenig zu viel vorgenommen hat, für seinen nicht einmal 200 Seiten umfassenden Krimi. Doch mit seinem ruhigen, fast beschaulichen Erzählstil, spinnt er gekonnt die Geschichte um den im Mittelpunkt stehenden Mauser. Freilich, ein richtiger Krimi ist es trotz Mordfall eigentlich trotzdem nicht. Doch auch das, was übrig bleibt, ist höchst lesenswert und man darf gespannt sein, was Gross in Zukunft noch folgen lässt.

Thorsten Sauer, August 2007

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Luana zu »Rainer Gross: Grafeneck« 23.04.2012
Bin in der 10.Klasse und hab das Buch somit auch gelesen.
Ich muss vielen recht geben wenn sie meinen es ist nicht spannend geschrieben.Jedoch ist es interessant,denn eben genau dass man es bearbeiten muss macht es doch interessant.Man muss suchen,wühlen,lesen um zu verstehen. Und eben genau die vielen Gedankengänge,gerade auch die Veränderung Mausers Charakters über das ganze Buch hin geben viel Schreibmaterial.Dadurch dass dieses Buch beim nur kurz durchlesen eben noch weniger preisgibt als manch andere Bücher,finde ich es als Prüfungslektüre wirklich nicht schlecht.
Kann auf jeden Fall verstehen was in den unteren Kommentaren gemeint ist mit "langweilig" oder "nicht spannend" da man beim lesen wirklich lang auf eine Wendung wartet aber bei dem Buch wars,so finde ich,wirklich wichtig sich nicht nur auf die Wendung der Geschichte,sondern auch auf die Charaktere zu konzentrieren.Trotzdem wünsch ich Mittwoch allen viel Erfolg ;)
Lola zu »Rainer Gross: Grafeneck« 23.04.2012
super, hat mir weitergeholfen ;), ich fand auch den inhalt sehr interressant und weitergreifend, als nur das buch alleine, es war prima echt super, jeder der das ließt, wird es helfen, mir hat es auch geholfen, prima an den jenigen, der da geschrieben hat ;) Fantastisch echt. ;)
und außerdem so ausführlich und deutlich geschriebn das hätte ich nicht hinbekommen es war super, ich bi begeistert und meine freunde auch also das mus was heißen , toll
Hermanns Meinung zu »Rainer Gross: Grafeneck« 22.04.2012
Ganz ehrlich? So schlecht ist es echt nicht, aber die Vorgehensweise von Mauser und diese stundenlangen Gedankengänge nerven auf Dauer tatsächlich. Was mir auch nicht gefällt, das man auf den ersten 5 SEiten sofort alles erfährt, auf den ersten 5 Seiten findet Mauser die Leiche etc. und die restlichen 200 Seiten wird dann alles hinausgezögert und hundert mal von jeder Seite beleuchtet... GIbt schlimmeres, gibt besseres..
-rpr- zu »Rainer Gross: Grafeneck« 16.04.2012
Habe mir die letzten Beiträge mal durchgelesen.
Das Hineinversetzen in eine andere Person, sollte für Schüler der 9. Klasse keine Überforderung darstellen. Tut sie es doch, dann ist doch gerade dieses Buch eine gute Übung um die Defizite zu verringern.
Das Thema des Buches ist, angesichts der NSU-Morde, dem Aufmarschieren brauner Horden, der Anschläge auf Mitbürger unseres Landes, doch hochaktuell.
Dass ein Buch beim ersten Lesen nicht alles preisgibt, dass sich nicht alles dem Leser sofort erschließt, ist doch kein Zeichen dafür, dass es schlecht ist.
Eher schon ist das ein Indiz, dass das Buch eine Tiefe besitzt, die vom Leser ein Mitdenken fordert, ein Zurückblättern verlangt, um manche Passagen ein zweites- oder drittes Mal zu lesen. So manche Bücher geben ihre Geheimnisse auch erst beim Zweitlesen preis - und das sind meist die Besseren.

Dass die Rechtschreibung nicht der letzten Reform entspricht, sollte nicht wirklich ein Problem für euch sein. So gravierend war sie dann ja doch nicht.
Im Buchhandel gibt es eine Unzahl von Büchern die diesbezüglich noch nicht "aktuell" sind und wenn ihr mal in eine Bibliothek geht, dann findet ihr dort Bücher, an denen mehrere Reformen vorbeigegangen sind.
Entschuldigt bitte, euere eigene Rechtschreibung entspricht welcher Reform?
Lena zu »Rainer Gross: Grafeneck« 15.04.2012
Ich bin der gleichen Meinung wie Fabienne, JOlina, Nata und den meisten anderen. Es ist sehr schwer sich in die hauptfigur (Herman Mauser) hinein zu versetzten, da er wie gesagt 61 Jahre alt ist und ein paar sonderliche Charaktereigenschaften hat. Zudem ist das Buch wirklich "verzwickt" was man anfangs aber nicht bemerkt. Das heißt es reicht nicht, das Buch einmal durchzulesen. Nein man muss sich wirklich intensiv damit auseinandersetzten. Es gibt z.B. eine Passage, in dem nur der Leser etwas wichtiges zur Auflösung des Falls erfährt, aber die Figuren im Buch nicht. Was wirklich sehr verwirrden ist. Aber was soll man sich groß aufregen, man sollte es nunmal mindestens einmal lesen. Ich habe auch ein paar Freunde, die generell nicht lesebegeistert sind, und diese haben und werden das Buch auch nicht durchlesen :) UNd ich finde solche Lektüren generell ind der Schule sollten die Schüler eher anregen Bücher zu lesen und nicht abschrecken.
Jolina zu »Rainer Gross: Grafeneck« 20.03.2012
Ich persönlich finde das Thema sehr spannend, doch das Buch ist sehr uninteressant geschrieben. Für eine Prüfungslektüre ist es wirklich der größe Scheiß. Es ist in alter Rechtschreibung und sich auch in die lange eines 60 bzw 61 zu setzten, ist auch nicht gerade toll. Aber es gibt bestimmt auch viele die dieses Buch spannend finden wie z.b. meine Lehrerin die zwar meint, das wir uns mit dem Buch auseinandersetzten müssen, sie es aber recht interessant findet. Naja wir können eh nichts daran ändern haha :) ich wünsch euch allen viel Glück in der Prüfung, hoffentlich packen wir das alles haha :)
Nata zu »Rainer Gross: Grafeneck« 15.03.2012
Ich bin der Fabienne gleicher Meinung, da das Buch wirklich langweilig ist. Das allerbeste ist aber die Rechtsschreibung im Buch, die total veraltet ist was meine Deutschleherin auch unangebracht fande! Wie kann man bitte eine Prüfungslektüre in alter Rechtschreibung vorlegen. Naja, ehrlich gesagt muss ich Fabienne recht geben da die letztjährige Prüfungslektüre wirklich viel spannender und auch einfacher zum lesen war. Na hofftenlich gibt es nächstes Jahr eine bessere Prüfungslektüre für die jetzigen 9.Klässler.
Fabienne zu »Rainer Gross: Grafeneck« 14.03.2012
Also ich bin auch in der 10. klasse ud habe es ebenfalls als Prüfungslektüre.. Ich muss sagen, dass ich selten ein so langweiliges Buch gelesen hab. KLar muss man sich über die Hintergründee und alles informieren, aber auch wenn die Hintergründe spannend sind ( was sie definitiv sind) ändert das nichts daran, dass das Buch wirklich langweilig und ohne jegliche Spannung geschrieben ist.
Ich lese wirklich gerne und ich kann auch nicht sagen, dass prüfungslektüren in der Regel langweilig sind, denn das Buch vom letzten Jahr ("Weggesperrt") fande ich richitg interessant und lesenswert und habe es innerhalb von einem Tag gelesen. Nur dass, was wir da jetzt vorgesetzt bekommen ist wirklich nicht gut.
Marcel zu »Rainer Gross: Grafeneck« 13.03.2012
@Alex: Ich bzw unsere Klasse hat das Buch auch gelesen und als wir dann darüber geredet haben und mitdem dazugehörigen arbeitsheft fertig waren ist es eigtl ganz simpel wie die Leiche dort rein gekommen ist bzw rein gekommen sein könnte! -> In der Höhle zw über der Höhle, wo der Schuhmacher erschossen wurde gab es noch ein zweiten eingang, der mit der Zeit oder durch Hilfe von den Tätern wieder verschlossen wurde! Ich meinte es so aufgenommen zu haben im Unterricht beim besprechen oder beim intensiveren arbeiten mit dem Buch und zusätzlichen arbeitsblättern!
Alex zu »Rainer Gross: Grafeneck« 07.03.2012
ich finde dieses Buch auch recht spannend. Wenn man sich etwas mehr damit auseinandersetzt versteht man es auch. Nur eine Sache habe ich noch nicht verstanden, wie ist die Leiche in die Höhle gekommen? Meine Vermutung ist, dass man sie in die Höhle hineingelegt hat, und der Eingang durch einen Erdrutsch verschlossen worden ist.

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