Sonne hinter Tränen von Rafael Navarin

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 bei Ralf Hochstrasser.
Ort & Zeit der Handlung: Griechenland, 1990 - 2009.

  • Auenstein: Ralf Hochstrasser, 2010. ISBN: 978-3033023376. 346 Seiten.

'Sonne hinter Tränen' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Das nasskalte Winterwetter in Südgriechenland macht Kommissarin Phaní Papadea zu schaffen. Eines Morgens wird sie zu einem Tatort in einer alten Villa gerufen. Die Tote ist die in ganz Griechenland beliebte Sängerin und Umweltaktivistin Nana Nikolakea. Sie liegt zwar friedlich auf ihrem Bett ‒ ist jedoch nicht eines natürlichen Todes gestorben.Die Indizien sind spärlich, die Beteiligten wortkarg, allen voran Nana’s Ehemann ‒ ein betagter amerikanischer Theaterautor. Spielen ein idyllischer Küstenstreifen und eine geplante Ferienanlage nahe Kalamata eventuell eine Rolle?Phaní will die Ermittlungen vorantreiben, doch da riskiert sie zu viel ‒ der Fall findet ein jähes Ende. Er wird ihr aus den Händen genommen und danach schnell abgeschlossen – allzu schnell für ihren Geschmack. Phaní sieht aber keinen Grund aufzugeben, und neue Erkenntnisse lassen den Fall bald in einem völlig neuen Licht erscheinen …

Das meint Krimi-Couch.de: »Der Strandurlaub in Griechenland kann kommen.« 70°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Als die Kommissarin Phani Papadrea einen Mordfall in der südgriechischen Provinzstadt Kalamata aufklären soll hat sie zunächst nur ein Ziel, sie will schnellstmöglich zurück nach Athen (siehe Tiefe Schatten des Olivenbaums). Doch es kommt anders und so wird Phani zur Leiterin der Kriminalpolizei und nur wenige Zeit später hat sie unerwartet ihren ersten richtig schweren Fall zu lösen. Die landesweit populäre Sängerin und Umweltaktivistin Nana Nikolakea wird tot in ihrem Bett aufgefunden und die Umstände deuten an, dass es sich nicht um einen natürlichen Todesfall handelt. Phani und ihr Mitarbeiter Panos Kiriakoulos übernehmen die Ermittlungen, kommen jedoch nicht recht vom Fleck. Nikolakeas Ehemann, ein über 80-jähriger amerikanischer Theaterautor, gibt sich ebenso zurückhaltend wie andere ihr nahe stehende Personen.

Im weiteren Verlauf stolpert Phani immer wieder über einen Namen: Vangelis Kanellopoulos, einen schwerreichen Investor, der an einem beschaulichen Küstenstreifen von einer großen Ferienanlage mit Hotels, Golfplatz und vielem mehr träumt. Nikolakea setzte sich bis zuletzt gegen dieses Projekt ein, um die dortige Landschaft zu erhalten. Trotz Warnungen von oben, die Ermittlungen gegen Kanellopoulos unauffällig anzugehen, sucht Phani den direkten Weg und muss dabei erfahren, dass ihr verstorbener Vater, Kanellopoulos bestens kannte, da sie einst enge Schulfreunde waren. Vielleicht kann Phani jetzt endlich in herausfinden, warum ihre Familie damals quasi über Nacht Kalamata auf Drängen ihres Vaters verlassen musste. Mehr und mehr vermischen sich dabei dienstliche und private Recherchen…

Der vorliegende zweite Roman aus der Phani-Papadrea-Reihe von Rafael Navarin scheint hervorragend in die aktuelle politische Diskussion über die Lebenssituation in Griechenland zu passen. Wo in anderen Regionen bei der (wahrscheinlichen) Ermordung eines nationalen Stars umgehend eine Sonderkommission eingerichtet und die Ermittler, sehr zum Leidwesen ihrer Lebenspartner, »rund um die Uhr« durcharbeiten würden, geht es in Kalamata auffällig beschaulich zur Sache. Nur zwei Leute, Phani und Panos, führen die Ermittlungen durch, selbstverständlich unter Beibehaltung nahezu geregelter Arbeitszeiten und weitgehend freier Wochenenden. So verwundert es wenig, dass die »griechischen Ermittlungsmethoden« nicht von der Stelle kommen. Panos notiert sich immer wieder eifrig was noch alles zu erledigen ist, um dann irgendwann mal darauf zurückzugreifen. Ähnlich ergeht es Phanis Klempner, der es binnen zweier Wochen nicht schafft, deren verstopften Abfluss zu reinigen. Frei nach dem Motto: »Kommst Du heut’ nicht, kommst Du morgen!«

Trotz dieses gewöhnungsbedürftigen Arbeitseifers und der noch bedenklicheren Vorgehensweise von Phani – da wird an einem verlassenen Ort ein Verdächtiger beobachtet, ohne irgendwem Bescheid zu sagen, ohne Foto- und Filmapparat, um Beweise einzufangen und so weiter – hat der Roman gleichwohl seinen ganz eigenen Charme. Denn die vermeintlichen Mankos der Ermittlungen und die mitunter chaotische Arbeitsweise von Phani, die gerne auch aus falsch verstandener Rücksichtnahme vorzeitig Befragungen von Zeugen abbricht anstatt nachzuhaken, sorgen für eine unverwechselbare Protagonistin. Mit ihrer liebenswert-chaotischen Art dürfte sie trotz aller kriminalistischen Defizite genügend Fans auf ihre Seite ziehen. Dazu trägt zudem der lockere Erzählstil des Autors bei, der immer wieder griechische Worte und Begriffe in die Handlung einfließen lässt. Ein Glossar enthält die wichtigsten Übersetzungen. Die Art und Weise übrigens, wie Phani den Fall letztlich doch noch löst, rundet den Gesamteindruck ab.

Jörg Kijanski, August 2011

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