R. Austin Freeman

Richard Austin Freeman wurde am 11. April 1862 in Marylebone, einem Stadtteil von London, als jüngstes von fünf Kindern eines Schneiders geboren. Über seine Kindheit und Jugend ist wenig bekannt. Die Quellen werden erst dichter, nachdem Freeman 1880 eine chirurgische Ausbildung im Middlesex Hospital begann, die er 1886 erfolgreich abschloss.

1887 ging Freeman, inzwischen verheiratet, als junger Arzt in die westafrikanische Kronkolonie Goldküste (heute Ghana), wo er u. a. an einer Expedition zu den Stammesgebieten der Ashanti und Bontuku teilnahm. Dabei erkrankte er schwer am Schwarzfieber, das er nur knapp überlebte. Seine Gesundheit verbot den weiteren Aufenthalt in Afrika. Invalid kehrte Freeman 1891 nach London zurück. Invalid kehrte Freeman 1891 nach London zurück. Als Mediziner fand er nur mühsam sein Auskommen. Zunehmend widmete er sich deshalb der Schriftstellerei. Unter dem Pseudonym Clifford Ashdown und in Zusammenarbeit mit einem Freund, dem Gefängnisarzt und Anwalt John James Pitcairn (1860-1936), erschien 1902 sein Debütroman »The Adventures of Romney Pringle«. Weitere Kollaborationen mit Pitcairn folgten, bis Freeman 1907 dem Solo-Krimi The Red Thumb Mark (dt. Der rote Daumenabdruck) veröffentlichte. Hier hatte Dr. John Evelyn Thorndyke seinen ersten Auftritt. Bis 1942 folgten dreißig Romane und Storysammlungen.

In der Person des Dr. Thorndyke ließ Freeman seine naturwissenschaftliche Bildung einfließen, die er geschickt mit dem zeitgenössischen kriminalistischen Wissen verknüpfte. Seine betont sachlichen Schlussfolgerungen kann Thorndyke stets mit soliden Beweisen untermauern, die er sich in oft langwierigen und komplizierten Laborsitzungen (über die er sein Publikum ausgiebig informiert) forschend und ableitend verschafft hat. Angeblich hat Freeman jedes Experiment selbst durchgeführt, bevor er Thorndyke darüber berichten ließ.

Die späteren Thorndyke-Fälle wirken zunehmend formelhaft; die neuen Vertreter des Genres Kriminalromans ließen einen seiner Pioniere buchstäblich alt aussehen. Freeman konnte sich indes eine Nische sichern, die ihm ein treues Publikum und seinen Lebensunterhalt sicherte.

Im realen Leben verlagerten sich Freemans Interesse nach dem Ersten Weltkrieg, an dem er ab 1915 als Mitglied des »Royal Army Medical Corps« teilnahm. Er wurde Mitglied der »Eugenics Society«, einer der zahlreichen Gesellschaften, die eine Vorherrschaft der »rassisch reinen Angelsachsen« forderte, die Industrielle Revolution als Ursache eines angeblichen ´völkischen´ Niedergangs geißelte und die Rückkehr zu einer ´gesunden´, bäuerlich geprägten Gesellschaftsordnung favorisierte.

R. Austin Freeman starb am 28. September 1943 in seinem Haus in Gravesend, einer Hafenstadt in der Grafschaft Kent, wo er seit 1903 mit Gattin Annie und seinen beiden Söhne lebte.

Michael Drewniok

Krimis von R. Austin Freeman:

  • Dr.-Thorndyke-Serie
    • (1907) Der rote Daumenabdruck
      The Red Thumb Mark
    • (1909) John Thorndyke’s Cases / Dr. Thorndyke’s Cases
    • (1911) Das Auge des Osiris Rezension
      The Eye of Osiris / The Vanishing Man
    • (1912) The Mystery of 31 New Inn
    • (1912) The Singing Bone / The Adventures of Dr Thorndyke
    • (1914) Ein stummer Zeuge
      A Silent Witness
    • (1922) Helen Vardons Erlebnis
      Helen Vardon’s Confession
    • (1923) The Cat’s Eye
    • (1923) Dr. Thorndyke’s Casebook / The Blue Scarab
    • (1924) Das Geheimnis um Angelina Frood
      The Mystery of Angelina Frood
    • (1925) Schatten der Tiefe
      The Shadow of the Wolf
    • (1925) The Puzzle Lock
    • (1926) Der Tote im Teich / Das Haus mit den drei Eingängen
      The D’Arblay Mystery
    • (1927) Der Mann, der nach Afrika floh
      A Certain Dr. Thorndyke
    • (1927) The Magic Casket
    • (1928) Wie ein Dieb in der Nacht
      As a Thief in the Night
    • (1928) The Famous Cases of Dr. Thorndyke / The Dr. Thorndyke Omnibus
    • (1930) Die Sonnenuhr
      Mr. Pottermack’s Oversight
    • (1931) Die Nacht von Stratford
      Pontifex, Son and Thorndyke
    • (1932) When Rogues Fall Out / Dr. Thorndyke’s Discovery
    • (1933) Dr. Thorndyke Intervenes
    • (1934) For the Defence: Dr. Thorndyke
    • (1936) Das Geheimnis der Juwelen Rezension
      The Penrose Mystery
    • (1937) Felo de Se / Death at the Inn
    • (1938) Der steinerne Affe Rezension
      The Stoneware Monkey
    • (1940) Mr. Polton Explains
    • (1941) Dr. Thorndyke’s Crime File
    • (1942) The Jacob Street Mystery / The Unconscious Witness
  • (1902) The Adventures of Romney Pringle (als Clifford Ashdown, mit John Pitcairn)
  • (1903) The Further Adventures of Romney Pringle (als Clifford Ashdown, mit John Pitcairn)
  • (1904/05) From a Surgeon’s Diary (als Clifford Ashdown, mit John Pitcairn)
  • (1907) The Golden Pool: A Story of a Forgotten Mine
  • (1913) The Unwilling Adventurer
  • (1913) The Uttermost Farthing / A Savant’s Vendetta
  • (1916) The Exploits of Danby Croker
  • (1918) The Great Portrait Mystery
  • (1927) The Surprising Experiences of Mr. Shuttlebury Cobb
  • (1928) Flighty Phyllis
  • (1975) The Queen’s Treasure (als Clifford Ashdown, mit John Pitcairn)

Mehr über R. Austin Freeman:

  1. Chapman, David Ian: R. Austin Freeman: a bibliography. Shelbourne, Ont.: The Battered Silicon Dispatch Box, 2000.
  2. Donaldson, Norman: In Search of Dr. Thorndyke: The Story of R. Austin Freeman´s Great Scientific Investigator and his Creator. Bowling Green, Ohio: Bowling Green University Popular Press, 1971. 
  3. Donaldson, Norman: »R. Austin Freeman: The Invention of Inversion«. In: Nevins Jr., Francis M. (Hrsg.): The Mystery Writer’s Art. Bowling Green, OH: Bowling Green State University Popular Press, 1970, S. 79-87.
  4. Stone, P.M.: Dr. Thorndyke’s Crime File. New York: Dodd, Mead & Company, 1941.
  5. Van Dover, J. Kenneth: »R. Austin Freeman«. In:  You Know My Method: The Science of the Detective. Bowling Green, Ohio: Bowling Green University Popular Press, 1994, S. 129-158.

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